REPORT:
Die Zukunft ist mobil


[18.7.2011] Dem Mobiltelefon gehört nach einer Einschätzung des Marktforschungsunternehmens TNS die Zukunft unter den elektronischen Geräten. Dieser Trend ist auch in der öffentlichen Verwaltung angekommen: Immer mehr Kommunen bieten mobile Applikationen an.

Verwaltungen setzen auf Bürgerbeteiligung via App. (Foto: PEAK) Die Nutzung von Smartphones entwickelt sich rasant: So besaßen im Jahr 2010 rund 23 Prozent der Deutschen ein Smartphone, 16 Prozent der Internet-Nutzer in Deutschland sind laut Statistischem Bundesamt mit ihrem Mobiltelefon online gegangen. Der Großteil der mobilen Nutzer (24 Prozent) ist dabei in der Altersgruppe von 25 bis 34 zu finden; aber auch unter den 55- bis 64-Jährigen geht jeder zehnte von unterwegs aus ins Netz. Nach Einschätzung von Telekom-Chef René Obermann wird sich der Datenverkehr im mobilen Bereich in den kommenden fünf Jahren um den Faktor 40 erhöhen.

Der Trend ist in der Verwaltung angekommen

Dass Bürger via Handy gut zu erreichen sind und sich mobile Applikationen hervorragend für die zielgruppengerechte Verbreitung von Informationen und die direkte Bürgerbeteiligung eignen, hat auch die öffentliche Verwaltung erkannt: Laut dem „Branchenkompass 2011 Public Services“ des Unternehmens Steria Mummert Consulting planen 42 Prozent der befragten Verwaltungen noch in diesem Jahr in Apps für Mobiltelefone zu investieren. Im Strategiepapier des IT-Planungsrates zur Nationalen E-Government-Strategie heißt es, um Bürgern und Unternehmen den Kontakt zu den Behörden zu erleichtern, sollten E-Government-Angebote auch für mobile Geräte entwickelt werden.
„Smartphones und Tablet-PCs werden eine immer bedeutendere Rolle im Bereich E-Government spielen“, bekräftigt Ralf Armbruster, CIO der Stadt Stuttgart. Mobile und per Touchscreen intuitiv bedienbare Applikationen könnten zudem dazu beitragen, dass elektronische Verwaltungsservices verstärkt auch von älteren Menschen genutzt werden. Auch Bertram Huke, Geschäftsführer des kommunalen IT-Dienstleisters ekom21, ist überzeugt, dass mobile Bürgerdienste in den kommenden Jahren verstärkt in den Vordergrund treten werden. „Der Gang zum Amt wird sich durch webbasierte Anwendungen zunehmend an Orte verlagern, an denen die Bürger anzutreffen sind“, so Huke.

Aufs Wesentliche reduziert

Bei der Entwicklung einer kommunalen App sollte darauf geachtet werden, die Inhalte und Services an die Bedürfnisse der Nutzer anzupassen. Nicht alle Informationen sind auch unterwegs von Relevanz – eine nutzerfreundliche App zeichnet sich daher durch die konsequente Reduzierung auf das Wesentliche aus. „Das mag trivial klingen, verhindert aber, dass für überflüssige Services Geld aus dem Fenster geworfen wird“, schreibt Peter Wafzig, Leiter des Kölner Standortes der Firma Seitenbau, in einem Beitrag für Kommune21. Er rät, auch bei der Konzeption der Navigationsstruktur zu bedenken, dass sich eine App von einer herkömmlichen mobilen Website unterscheidet – die Navigation dürfe daher nicht so tief verschachtelt sein.
Ein wesentlicher Aspekt bei der Entwicklung kommunaler Applikationen ist darüber hinaus der Kostenfaktor. Nach Angaben von Peter Wafzig bieten moderne Building Tools wie PhoneGap oder Titanium allerdings die Möglichkeit, Apps für verschiedene Smartphone-Plattformen wie Android oder BlackBerry mit überschaubarem Aufwand anzubieten. Die Programmierung sei dann auch für kleinere Projekte wirtschaftlich. Eine weitere Möglichkeit, um Kosten zu sparen: Die mobile Applikation gemeinsam mit anderen Kommunen entwickeln.

Kommunale Vorreiter

Zu den ersten Städten, die den Trend erkannt und mobile Applikationen entwickelt haben, gehörten Düsseldorf und Hamburg. Düsseldorf bietet seit September 2010 eine iPhone-App an, die neben Neuigkeiten, Veranstaltungs- und Wetterinformationen auch einen Bereich Bürgerservice mit mobilen Dienstleistungen wie der D115-Suche enthält und mittels Navigator Sehenswürdigkeiten oder Behörden im Umkreis des aktuellen Standorts anzeigt. Unternehmen können Angebote aus dem Bereich Wirtschaftsförderung sowie ein Virtuelles Mittelstandsbüro nutzen. Darüber hinaus ist die App mit sozialen Netzwerken wie Twitter und Facebook verknüpft. Düsseldorfs Oberbürgermeister Dirk Elbers meint: „Damit schaffen wir eine Basis für die Kommunikationswege der Zukunft.“ Seit Mai 2011 ist die Düsseldorf-App auch für Smartphones mit Android-Betriebssystem verfügbar – in der iPhone-Version war die Anwendung nach Angaben der Stadt Düsseldorf bis zu diesem Zeitpunkt bereits 23.000 Mal heruntergeladen worden.
Die App der Freien und Hansestadt Hamburg kommt bei den Bürgern ebenfalls gut an: Die im November 2010 gestartete Anwendung verzeichnet laut Stadtverwaltung mittlerweile mehr als 125.000 Downloads und steht seit Kurzem auch in einer Android-Version zur Verfügung. Neben Informationen zu Einkaufsmöglichkeiten, Restaurants oder der Verkehrslage im Elbtunnel beinhaltet die Hamburg-App auch den Behördenfinder der Freien und Hansestadt, der über Öffnungszeiten, benötigte Unterlagen, die richtige Dienststelle und die aktuellen Wartezeiten informiert. Über die GPS-Ortung werden außerdem der nächstgelegene Geldautomat, das nächste WLAN oder die Haltestellen in der unmittelbaren Umgebung angezeigt.

Anliegen via App übermitteln

Über mobile Applikationen lassen sich auch E-Partizipationsangebote umsetzen. Zu den derzeit beliebtesten Einsatzmöglichkeiten zählt das Beschwerde-Management. So hat beispielsweise die IT-Abteilung der Stadt Hennef im nordrhein-westfälischen Rhein-Sieg-Kreis ihre Web-Anwendung „Bürger melden online“ um eine App für Smartphones ergänzt. Bürger können darüber von unterwegs aus Schadensmeldungen wie Schlaglöcher oder wilde Müllkippen samt Foto und Positionsdaten an die Verwaltung übermitteln. Die via App gemeldeten Anliegen werden interaktiv erfasst, automatisiert in das Workflow-System der Stadt übernommen und dort mittels automatischer Weiterleitungsoptionen, Fristüberwachungen und Eskalationsregeln verarbeitet.
Die Stadt Moers hat in ihre App „Moers direkt“ ebenfalls ein Ideen- und Beschwerde-Management integriert, das gemeinsam mit dem Kommunalen Rechenzentrum Niederrhein (KRZN) realisiert wurde. Die Kommunale Datenverarbeitungszentrale (KDVZ) Rhein-Erft-Rur hat basierend auf Open Source Software eine Web-Anwendung entwickelt, über die Bürger die Verwaltung auf Missstände aufmerksam machen können.
Weitere Lösungen für die mobile Schadensübermittlung bieten unter anderem die Firmen United Planet (auf Basis der Software Intrexx), olbisoft (tellme Mängel) und bol Behörden Online Systemhaus (Petz-App) an. Die iPhone-Applikation mobbes des IT-Dienstleisters regio iT aachen ist dagegen insbesondere für Mitarbeiter im Außendienst gedacht. Politessen sowie Ordnungs- und Überwachungskräfte können damit laut Hersteller Mängel an Laternen, Ampeln, Bäumen oder Abfalleimern qualifiziert erfassen.

Schlaglöcher mobil erkennen

Auf andere Art nimmt die US-amerikanische Stadt Boston die Hilfe ihrer Bürger in Anspruch: Die Anwendung Street Bump erkennt via GPS-Daten, wo sich Autofahrer, welche die App auf ihr Smartphone geladen haben, gerade befinden und registriert Schlaglöcher über einen eingebauten Beschleunigungssensor. Wird eine Stelle von einer bestimmten Anzahl an Nutzern gemeldet, wird sie vom System als ausbesserungswürdig markiert. Allerdings ergaben sich hierbei häufig Fehltreffer, da die App bislang nicht zwischen einem echten Schlagloch und dem Überfahren eines Bahngleises unterscheiden kann. Lösungen, um die Daten genauer analysieren und die Schlaglocherkennung optimieren zu können, will die Stadt jetzt im Rahmen eines Entwicklerwettbewerbs finden.

Interne Nutzung

Verwaltungsintern bieten mobile Lösungen ebenfalls zahlreiche Einsatzmöglichkeiten. So können Außendienstmitarbeiter via App zum Beispiel auf Detailinformationen wie Katasterkarten oder Datenbanken zugreifen. Bei Großereignissen können die beteiligten Behörden per Smartphone zentral informiert und koordiniert werden.
Die kommunale Gebäudeverwaltung kann mithilfe mobiler Portal-Applikationen ebenfalls unterstützt werden. Störungen können dann vor Ort erfasst und an das System übermittelt werden. Eine solche Lösung bietet beispielsweise das Unternehmen United Planet auf Basis seiner Software Intrexx an. Der vollständig medienbruchfreie Prozess, der durch die Erfassung per mobilem Endgerät angestoßen und in einem Enterprise-Portal weiterbearbeitet wird, in dem alle Daten und Informationen einer Kommune zusammenlaufen, führt zu erheblichen Zeit- und Kosteneinsparungen und ermöglicht eine schnelle Auftragsbearbeitung.
Auch in der Ratsarbeit können mobile Anwendungen sinnvoll sein: Die Firmen brain-SCC und HELD bieten als Ergänzung zu den REGISAFE-Fachverfahren KommunalPLUS Sitzung und KommunalPLUS Ratsinformation seit Kurzem die Smartphone-App KommunalMOBIL an. Damit können sich Kommunalpolitiker oder Verwaltungsmitarbeiter mittels iPhone oder iPad über Sitzungen des Gemeinderates und seiner Ausschüsse informieren. In die App integriert sind ein Sitzungskalender sowie eine Benachrichtigungsfunktion, welche Raumänderungen oder geänderte Sitzungstermine mitteilt.
Denkbar ist der Einsatz von mobilen Anwendungen auch bei Polizei und Ordnungsdienst. So könnten etwa die Daten von Verkehrssündern per Handy erfasst sowie Unfallberichte oder Zeugenaussagen via Tablet-PC dokumentiert und online an das entsprechende Verwaltungssystem übermittelt werden. In Aachen erfolgt die Aufnahme von Ordnungswidrigkeiten im ruhenden Straßenverkehr seit Kurzem per iPhone. Rund 130 der Geräte von Hersteller Apple wurden dafür mit der App WiNOWiG mobil der Firma Schelhorn ausgestattet. Bei Ordnungswidrigkeiten können die Mitarbeiter nun die Fahrzeugdaten und den Tatvorwurf mit ihrem Smartphone aufnehmen, eventuell ein Foto hinzufügen und den Vorgang an das Ordnungsamt der Stadt Aachen senden. Mit der Abwicklung der Knöllchen via iPhone kann die Kommune nach eigenen Angaben jährlich bis zu 80.000 Euro sparen.

Mehr als eine Spielerei

Die Beispiele zeigen die positiven Effekte, die sich durch den verwaltungsinternen Einsatz mobiler Applikationen und die Einbeziehung der Bürger etwa bei der Schadensbehebung ergeben – und die sich, siehe Aachen, zum Teil auch in barer Münze auszahlen. Richtig eingesetzt sind kommunale Apps also längst mehr als nur reine Spielerei. (bs)

Düsseldorf-App im iTunes-Store (Deep Link)
www.hamburg.de/app
Moers direkt (Deep Link)
„Bürger melden“ im iTunes-Store (Deep Link)

Stichwörter: M-Government, App, Düsseldorf, Hamburg, Hennef, Boston, Aachen, Seitenbau, Ralf Armbruster, Bertram Huke



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