Kommunale Geoportale:
Anspruch und Wirklichkeit


[24.9.2015] Kommunale Geoportale können die Kommunikation zwischen Verwaltung und Bürgern unterstützen. Die mit einem solchen Portal einhergehenden Herausforderungen enden allerdings nicht mit seiner Inbetriebnahme.

Kartenanwendungen erfordern Bedacht. Zahlreiche Kommunen haben in den vergangenen Jahren eigene Geoportale aufgebaut, andere planen ein solches zu entwickeln. Ziel ist es, mit modernen Anwendungen relevante Informationen für Bürger, Touristen und andere Interessierte auf der Grundlage von Karten bereitzustellen. Wie gut das gelingt, lässt sich an der Nutzerzahl ablesen. So finden sich im Netz sowohl Angebote, die täglich Tausende von Bürgern nutzen, als auch solche, die ein Schattendasein fristen und offensichtlich nicht mehr aktualisiert werden. Vielfach entstehen Geoportale im Rahmen von Förderkontexten. Unterschätzt werden dabei oft die mit dem Betrieb verbundenen personellen und finanziellen Aufwendungen.
Damit kommunale Kartenanwendungen Erfolg haben, müssen sie neuartige Informationen zur Verfügung stellen. Der Versuch, eine eigene Stadtplananwendung mit einem Verzeichnis interessanter Orte neben den existierenden Publikumsanwendungen zu etablieren, scheitert in der Regel. Stattdessen braucht es unikale Informationen aus der jeweiligen Verwaltung, die eine hohe Relevanz für die Zielgruppen haben und die in anderen Portalen in dieser Form nicht angeboten werden. Als Beispiele seien kommunale Planungen, Informationen zur kommunalen Infrastruktur oder zur Gefahrenabwehr genannt.

Verschiedene Anforderungen an Kartenanwendungen

Eine Karte kann eine wesentliche Hilfe sein, wenn es darum geht, Lagebeziehungen zwischen Objekten oder räumliche Verteilungen von Parametern zu präsentieren. Allerdings stellt eine Karte nicht nur für Menschen mit Behinderung eine zusätzliche Barriere dar. Bereits die Navigation in der Karte via vergrößern, verkleinern oder verschieben ist für viele Anwender nicht trivial. Ferner sollte stets hinterfragt werden, ob für die jeweilige Informationsbereitstellung tatsächlich eine Karte erforderlich ist. Ist eine Information beispielsweise mit einer postalischen Adresse assoziiert, ist es unnötig, wenn der Nutzer erst mühevoll auf der Karte zur Adresse navigieren muss, um dann ein Objekt für die Sekundärinformationen zu selektieren. Einfacher ist es, wenn er diese Informationen, beispielsweise die Öffnungszeiten einer Einrichtung, über die Adresssuche erhält. Nutzer erwarten außerdem, dass sie die in anderen Portalen wie Google oder Bing erlernten Bediengewohnheiten auch beim Umgang mit der kommunalen Karte anwenden können. Neue komplexe Karteninteraktionen oder verschachtelte Abfragemöglichkeiten sind deshalb eher kontraproduktiv. Es empfehlen sich stattdessen intelligente Suchfunktionen mit Trefferpräsentationen, die sich an weit verbreiteten Suchmaschinen orientieren.

Hochwertige Informationen als Herausforderung

Neben den technischen Anforderungen an moderne Geoportale ist die Qualität der Informationen eine wesentliche Voraussetzung für die Akzeptanz. Diese Qualität basiert auf der Relevanz, Aktualität, Vollständigkeit, Richtigkeit, Verständlichkeit oder Widerspruchsfreiheit des Angebots. Um den Qualitätsanforderungen gerecht zu werden, bedarf es einer auskömmlichen personellen und robusten technischen Ausstattung für den Portalbetrieb. Eine zum Intranetsystem der Kommune redundante Pflege des Informationsangebots im Geoportal ist in der Praxis nicht leistbar. Vielmehr müssen technische Voraussetzungen geschaffen werden, damit die Informationen für das Geoportal unmittelbar aus den Fachsystemen der Verwaltung generiert werden können. Dazu bedarf es geeigneter Publikations- und Freigabeverfahren. Zudem sind die Informationen immer so aufzubereiten, dass sie für die Veröffentlichung in einem Publikumsportal geeignet sind. Das lässt sich beispielsweise durch zusätzliche Beschreibungen in den Metadaten realisieren. Die Qualität stellt die eigentliche Herausforderung beim Betrieb kommunaler Geoportale dar. Diesem Aspekt sollte bereits in der Konzeptionsphase mindestens so viel Aufmerksamkeit gewidmet werden, wie den Anforderungen an Funktionalität und Performance der Anwendung. Wenn eine Kommune nicht die Ressourcen für die Pflege der Anwendung aufbringen kann, wird die Gesamtinvestition in das Geoportal in Frage gestellt.

Ressourcen entscheiden über Angebotsumfang

Eine weitere große Herausforderung entsteht, wenn die Mehrsprachigkeit von Geoportalen unterstützt werden soll. Eine Sprachunterstützung allein für die Oberfläche der Anwendung reicht nicht aus. Auch die Metadaten und die Daten selbst müssen mehrsprachig gepflegt werden – eine Anforderung, die bereits zu einem frühen Zeitpunkt der Portalkonzeption zu berücksichtigen ist. Wenn konsequent mehrsprachige Auswahllisten für die Objektattribute hinterlegt werden, lässt sich der Aufwand für Übersetzungsleistungen deutlich reduzieren. Die Verantwortlichen müssen aber hinterfragen, ob die mehrsprachige Datenpflege nachhaltig möglich ist. Katastrophensituationen können die Zugriffszahlen auf ein Geoportal drastisch erhöhen. Auch dann muss die Verfügbarkeit und Performance der Anwendung gewährleistet sein – vor allem, wenn der Anspruch an die Datenqualität im Geoportal umgesetzt und das System als Kommunikationsplattform zwischen Verwaltung und Bürgern etabliert ist. Wenn die Bürger bei Hochwasserereignissen beispielsweise potenziell überschwemmte Gebiete wegen der Server-Überlastung nicht abfragen können, wird das Angebot generell in Frage gestellt. Um solche Situationen zu vermeiden, sind im Vorfeld umfangreiche technische und organisatorische Vorkehrungen zu treffen. Kommunale Geoportale sind ein leistungsfähiges Werkzeug, um die Kommunikation zwischen der Verwaltung und den Bürgern zu unterstützen. Über Art und Umfang des Angebots sollten aber die personellen und finanziellen Ressourcen entscheiden – denn die Herausforderungen, die mit solch einem Angebot einhergehen, reichen weit über dessen bloße Inbetriebnahme hinaus.

Dr. Dietmar Bothmer ist Leiter des Kompetenzzentrums Geoinformatik am Institut für Ökologie und Umweltschutz der Hochschule Zittau/Görlitz und Geschäftsführer der IDU Ingenieurgesellschaft für Datenverarbeitung und Umweltschutz mbH.

www.idu.de
www.hs-zigr.de
Dieser Beitrag ist in der September-Ausgabe von Kommune21 erschienen. Hier können Sie ein Exemplar bestellen oder die Zeitschrift abonnieren. (Deep Link)

Stichwörter: Geodaten-Management, IDU

Bildquelle: PEAK Agentur für Kommunikation

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