Interview:
Direkte Liquidität


[8.10.2015] PayPal gehört zu den beliebtesten Zahlungswegen im Internet. Auch Kommunen bieten E-Payment über die globale Plattform an. Kommune21 sprach mit Boris Wolter, Projektleiter für den öffentlichen Sektor bei PayPal, über die Vorteile dieser Zahlmethode.

Boris Wolter ist Projektleiter für den öffentlichen Sektor bei PayPal. Herr Wolter, bezahlen über das Internet ist eine sensible Angelegenheit. Wie gewährleistet PayPal als amerikanisches Unternehmen die Einhaltung deutscher und europäischer Datenschutzrichtlinien?

Wir nehmen den Schutz der Daten unserer Kunden sehr ernst und halten uns daher an höchste Standards für Informationssicherheit und Schutzmechanismen. Jede Zahlung wird rund um die Uhr – auch über die Landesgrenzen hinaus – überprüft und komplex verschlüsselt. Die PCI- und SAS70-Zertifizierungen bezeugen die hohen Standards beim Schutz von Kundeninformationen. Darüber hinaus besitzt PayPal in Europa seit dem Jahr 2007 eine Banklizenz, unterliegt damit europäischem Recht, folgt europäischen Standards und wird durch die luxemburgische Bankaufsicht, der Commission de Surveillance du Secteur Financier, reguliert. Das heißt, PayPal wird genauso reguliert wie andere Großbanken, insbesondere was den Umgang mit Kundendaten anbelangt. Durch die Banklizenz unterliegt PayPal als Kreditinstitut dem europäischen Recht, folgt europäischen Standards. Verträge mit PayPal in Deutschland unterliegen aber dennoch stets deutschem Recht und deutschem Gerichtsstand.

Wie funktioniert ein Bezahlvorgang über PayPal?

Das ist einfacher, als man vielleicht vermuten mag: PayPal ist eine Bank. Und wie bei jeder Bank benötigt man als Kunde ein Konto. Haben Sie dieses angelegt, müssen Sie natürlich dafür sorgen, dass über dieses Konto Zahlungen abgewickelt werden können. Heißt: Hinter dem jeweiligen PayPal-Konto muss ein bereits vorhandenes Girokonto, eine Kreditkarte oder ein zuvor eingezahltes Guthaben liegen, mit dem Käufe über PayPal finanziert werden können. Bei einer Überweisung geht PayPal dann gewissermaßen in Vorleistung und überweist den Betrag sofort an den Empfänger. Der Kunde erhält eine Bestätigung über die geleistete Zahlung, PayPal zieht dann das Geld von der hinterlegten Quelle ein. Die Kommune wiederum erhält direkt eine Zahlungsbestätigung und kann sofort über das Geld verfügen. Die sich hieraus ergebende direkte Liquidität hat sich bei unseren ersten Referenzkunden, beispielsweise dem Land Hessen und der Stadt Düren, als großer Mehrwert erwiesen.

Wie unterscheidet sich die Methode von der von anderen Anbietern von Payment-Verfahren?

PayPal ist eine globale Bezahlmethode, die Menschen in 203 Märkten zur Verfügung steht. Weltweit vertrauen fast 170 Millionen aktive Kunden PayPal ihr Geld an, 16 Millionen davon stammen allein aus Deutschland. PayPal wickelt jeden Tag fast 12,5 Millionen Zahlungen für seine Kunden auf der ganzen Welt ab. Konkret können unsere Kunden Zahlungen in 100 Währungen empfangen, Geld in 57 Währungen auf ihre Bankkonten überweisen und über Guthaben in 26 Währungen auf ihrem PayPal-Konto verfügen. Wichtig an dieser Stelle ist, dass PayPal niemals die Finanzinformationen seiner Kunden an Dritte weitergibt.

„Weltweit vertrauen fast 170 Millionen aktive Kunden PayPal ihr Geld an, 16 Millionen davon stammen aus Deutschland.“


Welche Rolle spielt der Bereich Government für PayPal?

Die öffentliche Verwaltung ist ein sehr interessantes neues Feld für uns. PayPal hat sich mittlerweile nicht nur als Bezahlmethode für den Online-Handel etabliert, sondern wird von vielen als der Anbieter für das Bezahlen im Internet wahrgenommen. Und das muss nicht immer nur ein Online-Einkauf sein, sondern kann genauso gut das Bürgerportal einer Kommune sein. Dabei geht es uns darum, Vorteile für beide Seiten zu schaffen: Bürgern soll ein neues Maß an Service geboten werden und Behörden sollen im Zuge dieser Modernisierung entlastet werden.

Wie überzeugen Sie deutsche Kommunen davon, E-Payment über PayPal anzubieten?

Online-Händler und Kommunen stehen ja grundsätzlich vor der gleichen Herausforderung: Sie müssen dem Kundenwunsch beziehungsweise dem Wunsch des Bürgers nachkommen. Auch im kommunalen Bereich möchten Bürger ihr Anliegen schnell, sicher und bequem über das Internet regeln und auch dort bezahlen. Beim Angebot an Bezahlmethoden sollten Behörden, ganz im Sinne des Servicegedankens, ihren Bürgern eine Auswahl der beliebtesten Zahlungswege anbieten – und dazu zählt, neben Klassikern wie Rechnung und Lastschrift, mittlerweile auch PayPal.

Die E-Government-Modellkommunen Gütersloh und Düren bieten PayPal als Bezahlmöglichkeit an. Welche Erfahrungen haben die Städte bisher damit gemacht?

PayPal wurde in beiden Städten in Zusammenarbeit mit regio iT integriert und hat sich dort bereits zur meistgenutzten aller angebotenen Bezahloptionen entwickelt. In den Bürgerportalen beider Städte können Bürger beispielsweise online beantragte Anwohnerparkausweise oder Bescheinigungen direkt bezahlen. Das ist nicht nur komfortabel für die Bürger, sondern hilft den Städten auch Zeit und Geld zu sparen. Denn durch die E-Payment-Lösung entfällt die manuelle Dateneingabe, wodurch sich Aufwände für Nachbearbeitungen und Mahnungen ebenfalls reduzieren.

Auf der CeBIT haben Sie eine Kooperation mit dem kommunalen IT-Dienstleister ekom21 bekannt gegeben. Wie sieht die Zusammenarbeit aus und mit welchen weiteren kommunalen Rechenzentren sind Sie im Gespräch?

Der Vertrag mit ekom21 ist unterschrieben und wir freuen uns sehr auf die Zusammenarbeit. Konkret arbeiten wir derzeit bereits an der Umsetzung des ersten gemeinsamen Projekts und hoffen, hierzu bald mehr sagen zu können. Bereits seit zwei Jahren arbeiten wir erfolgreich mit regio iT zusammen. Erst kürzlich haben wir mit der Mainzer KommWis einen Vertrag geschlossen. Zudem sind wir mit weiteren Anbietern im Gespräch – grundsätzlich nennen wir aber erst dann Ross und Reiter, wenn Verträge unterzeichnet sind.

Sie haben auch ein Projekt mit dem Finanz-Software-Anbieter Infoma gestartet. Was ist das Besondere an dieser Kooperation?

Infoma ist der erste Fachverfahrenshersteller, mit dem PayPal kooperiert. Durch die Zusammenarbeit wird PayPal gewissermaßen aufs Papier gebracht, wodurch sich der Medienbruch zwischen analoger und digitaler Bezahlwelt überwinden lässt: In ausgewählten Städten können behördliche Zahlungsaufforderungen künftig mit QR-Codes für das Bezahlen per PayPal versehen werden. Bürger haben die Möglichkeit, diesen QR-Code zu scannen und somit die Rechnung schnell und bequem per Smartphone zu bezahlen.

Warum wird sich PayPal gegenüber anderen Anbietern auch im Bereich E-Government durchsetzen?

PayPal zählt in Deutschland zu den beliebtesten Zahlungsmethoden im Online-Handel. Angesichts von 16 Millionen aktiven Kunden ist davon auszugehen, dass sich die Bezahlpräferenz im kommunalen Bereich hiervon kaum unterscheiden wird. Denn auch hier möchten die Kunden, beziehungsweise die Bürger, online angebotene Dienstleistungen bequem und sicher bezahlen. Dass der Empfänger in diesem Fall kein Händler, sondern eine Behörde ist, macht für den Bezahlenden dabei keinen Unterschied.

Interview: Alexander Schaeff

www.paypal.de/verwaltung
Dieses Interview ist in der Oktober-Ausgabe von Kommune21 erschienen. Hier können Sie ein Exemplar bestellen oder die Zeitschrift abonnieren. (Deep Link)

Stichwörter: Payment, regio iT, Infoma, ekom21, PayPal, Boris Wolter, E-Payment, KommWis

Bildquelle: PayPal Deutschland GmbH

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