Interview:
Basis für die Digitalisierung


[16.11.2015] IT-Dienstleister DATEV will im Geschäft mit der öffentlichen Hand weiter wachsen. Kommune21 sprach mit Lars Riedel, bei DATEV für den Public Sector verantwortlich, über die Vorteile einer Zusammenarbeit mit der Genossenschaft.

Lars Riedel ist bei DATEV für den Public Sector verantwortlich. Herr Riedel, seit Anfang dieses Jahres verantworten Sie das Geschäftsfeld Public Sector bei der DATEV. Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?

Ich bin seit 15 Jahren bei der DATEV mit Schwerpunkt Entwicklung tätig, nun gilt mein Fokus dem Geschäft mit der öffentlichen Hand. Dieser Bereich ist bei DATEV in den vergangenen fünf Jahren kontinuierlich gewachsen. Dieses Wachstum möchte ich weiterentwickeln. Zudem wollen wir neue Marktsegmente erschließen, auch über Kooperationen.

Wie ist die DATEV im Bereich Public Sector aufgestellt, welches Portfolio bieten Sie an?

Der Public Sector ist ein vergleichsweise junger Markt für die DATEV. Als der Doppik-Umstieg in den Kommunen kam, war klar, dass die DATEV mit ihrem Zugang zu den Steuerberatern hier genau der richtige Partner ist Das Angebot reicht vom kommunalen Rechnungswesen, der Haushaltsplanung und Mittelbewirtschaftung bis hin zum Bescheidwesen. Abgerundet wird das Angebot für die öffentliche Hand durch Rechenzentrumsleistungen, den Druck und Versand von Bescheiden sowie das Hosting von Anwendungen. Zudem bieten wir Lösungen im Bereich Dokumenten-Management und Lohnabrechnung. Somit haben wir ein sehr umfangreiches Portfolio für die kommunalen Kunden.

In welchen Bereichen verspüren Sie die größte Nachfrage der kommunalen Kunden?

Wir spüren Interesse in verschiedenen Bereichen. Nach dem Umstieg auf die Doppik, wird vielen Verantwortlichen klar, dass die Kommune besser steuerbar wird. Das Interesse der Kämmerer ist es, diese Möglichkeiten bei der Haushaltsaufstellung stärker zu nutzen. Deshalb sehe ich den kennzahlengesteuerten Haushalt als wichtigen Bereich an, hier gibt es auch immer mehr Anfragen. Zudem muss jetzt die Basis für die Digitalisierung weiterer Verwaltungsbereiche geschaffen werden.

Wie unterstützt die DATEV die Behörden bei der Digitalisierung der Verwaltungsprozesse?

Wir unterstützen die Kommunen dabei, die Automatisierung der Prozesse optimal zu gestalten, also von der Eingangsrechnung über die Buchung und Prüfung, bis hin zum Jahresabschluss, sodass der Steuerberater digital auf die Rechnungen und Dokumente zugreifen kann. Außerdem beraten wir die Verwaltungen bei der Prozessgestaltung zum elektronischen Versand von Rechnungen.

Die Prozesse im kommunalen Finanzwesen lassen sich heute schon durchgängig elektronisch und rechtssicher abbilden. Welche Vorteile bietet hier die DATEV-Lösung?

DATEVkommunal pro ermöglicht die komplette Abwicklung des neuen kommunalen Haushalts- und Rechnungswesens. Die Lösung ist ein geschlossenes Software-System, das die einzelnen Aufgabenbereiche in der Kommune zu einem durchgängigen Prozess verbindet. Das Schöne an der Zusammenarbeit mit DATEV ist, dass der Anwender selbst entscheiden kann wie der Prozess aussieht. Wir bieten nicht nur eine Standard-Lösung. Der Kunde kann auch entscheiden, ob er eine Cloud-Lösung nutzen will oder ob das System vor Ort laufen soll.

„Der digitale Beleg steht dem Original-Papierdokument in nichts nach.“

Beim Dokumenten-Management und dem Thema ersetzendes Scannen lautet die Befürchtung: Papier weg – Beweis weg. Warum ist das nicht so?

In einer Simulationsstudie, die wir gemeinsam mit der Universität Kassel durchgeführt haben, wurden in insgesamt 14 gerichtlichen Verfahren verschiedene digitiale Dokumente als Beweise eingereicht. Es wurde geprüft, wie diese Dokumente in einem echten Gerichtsverfahren bewertet werden. Das Ergebnis war, dass der digitale Beleg dem Original-Papierdokument in nichts nachsteht – wenn die Verfahrensschritte der Digitalisierung korrekt und nachvollziehbar durchgeführt wurden. Es konnte also nachgewiesen werden, dass Dokumente beweiskräftig sind, wenn eine entsprechende Verfahrensbeschreibung vorhanden ist.

Welche Entwicklungen der DATEV für den Public Sector können die Kunden noch erwarten?

Das Thema Digitalisierung wird künftig ein Schwerpunkt sein, auch im Bereich E-Government werden wir weitere Lösungen anbieten, die den Bürgern den Zugang zur Verwaltung erleichtern. Wir werden außerdem unser Produktportfolio genau analysieren, um herauszufinden, wo wir noch Nachholbedarf haben. Dann gilt es, mögliche Partner zu finden, die dazu bereits eine Lösung entwickelt haben. Im Übrigen feiert DATEV im nächsten Jahr 50-jähriges Bestehen. Das zeigt, dass wir als Genossenschaft eine langfristige und zukunftssichere Perspektive für die kommunalen Kunden bieten.

Interview: Alexander Schaeff

www.datev.de
Dieser Beitrag ist im Titel der November-Ausgabe von Kommune21 erschienen. Hier können Sie ein Exemplar bestellen oder die Zeitschrift abonnieren. (Deep Link)

Stichwörter: Panorama, DATEV, Lars Riedel

Bildquelle: DATEV

Druckversion    PDF     Link mailen


ekom21

 Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich Panorama
Basel-Stadt: Smart City im Aufbau
[20.4.2018] Gemeinsam mit Partnern setzt der Schweizer Kanton Basel-Stadt seine Smart City-Strategie in Basel um. Der Regierungsrat setzt den Schwerpunkt auf den Bereich Smart Government. mehr...
Basel ist auf dem Weg zur Smart City.
Statistisches Bundesamt: E-Government wird nicht gut bewertet
[19.4.2018] Mit den Dienstleistungen der öffentlichen Verwaltung sind die Bürger und Unternehmen in Deutschland überwiegend zufrieden, sehen aber Nachholbedarf beim E-Government. Das ergab eine Befragung des Statistischen Bundesamts. mehr...
Bürger ziehen den persönlichen Besuch bei der Behörde der digitalen Kommunikation vor.
E-Rechnung / E-Akte: Tipps vom Deutschen Landkreistag
[19.4.2018] Praktische Hinweise für die Einführung der E-Rechnung und der E-Akte bietet der Deutsche Landkreistag den Kommunen in speziellen Handreichungen an. mehr...
Studie: Europa investiert in Smart Cities
[11.4.2018] In Europa werden in den kommenden Jahren die weltweit meisten Investitionen in Smart-City-Initiativen getätigt werden. Das prognostiziert eine Studie des Beratungsunternehmens Frost & Sullivan. mehr...
BDIP: Kaminabend unter der Kuppel
[11.4.2018] Der Bundesverband Deutscher Internetportale (BDIP) lädt auch in diesem Jahr zu einem Kaminabend ein. Unter der Reichstagskuppel sollen aktuelle Perspektiven moderner Verwaltungsdienste diskutiert werden. mehr...
Beim Kaminabend des BDIP unter der Reichstagskuppel sollen aktuelle Perspektiven moderner Verwaltungsdienste diskutiert werden.