Reinhold Sackmann und Bernadette Jonda (Hrsg.) u.a.:
Demographie als Herausforderung für den öffentlichen Sektor
(2008) VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden
ISBN 10: 353115429X
ISBN 13: 978-3-53115-429-9
broschiert, 220 S., 29,90 EUR
Demographischer Wandel ist ein zentrales Zukunftsproblem. Vorhersagen prognostizieren dem öffentlichen Sektor aufgrund demografischer Entwicklungen eine Überalterung der Arbeitskräfte, Facharbeitermangel, verschlechternde Haushalte und eine allgemeine Einschränkung des öffentlichen Sektors. Aber werden diese dramatischen Konsequenzen wahr werden? Der Gegenstand des Buches sind soziale Antworten auf Probleme demografischer Alterung am Beispiel des Arbeitsmarktes des öffentlichen Sektors.
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Rezension aus Kommune21 Ausgabe 9/2008 → als PDF
Produktiver Wandel
Mit den Risiken und Chancen einer schrumpfenden und alternden Bevölkerung befassen sich die Beiträge in dem Band „Demografie als Herausforderung für den öffentlichen Sektor“.
Gegenwärtig leben etwa 82 Millionen Menschen in der Bundesrepublik, im Jahr 2050 werden es nur noch rund 75 Millionen sein. Rein rechnerisch wäre ganz Niedersachsen entvölkert. Diese Prognosen sind Ausgangspunkt für die Beiträge in dem Buch „Demografie als Herausforderung für den öffentlichen Sektor“. Der demografische Wandel ist unbestritten ein zen-
trales Zukunftspro-blem. Der öffentlichen Verwaltung drohen auf-
grund aktueller Ent-
wicklungen eine Über-alterung der Arbeitskräfte, Facharbeitermangel, sich verschlechternde Haushalte und eine allgemeine Einschränkung des Handlungsspielraumes.
Die Herausgeber Reinhold Sack-
mann, Bernadette Jonda und Maria Reinhold versammeln daher Beiträge verschiedener Experten, die sich mit den Risiken und Chancen befassen, denen sich schrumpfende Städte und Regionen gegenübersehen. Theoretische Überlegungen werden mit empirischen Analysen verbunden. Im Mittelpunkt stehen dabei die Auswirkungen auf die Nachfrage nach kommunalen Dienstleistungen, auf die Personalstruktur der kommunalen Verwaltung und die Reaktionsmöglichkeiten kommunaler Personalpolitik.
Im ersten Teil des Buches werden allgemeine Sichtweisen zum Zusammenspiel von Demografie und Personalpolitik im öffent-
lichen Dienst dargestellt. Der zweite Teil beschäftigt sich mit der Frage, welche personalpolitisch relevanten Handlungsmittel als Reaktion auf den demografischen Wandel im öffentlichen Dienst eingesetzt werden. Abschließend widmen sich mehrere Beiträge der Frage, welche Strategien Kommunen verfolgen können. Unter anderem werden die Maßnahmen einer vom demografischen Wandel sehr stark betroffenen ostdeutschen Kommune beschrieben. Untersucht werden außerdem Formen der interkommunalen Kooperation und die Voraussetzungen, die zu deren Erfolg führen. Im Fokus steht dabei die Frage, warum und unter welchen Umständen Kommunalpolitiker kooperieren und wie sich diese Bedingungen unter dem Eindruck von Überalterung und Schrumpfung verändern werden.
Die bisherigen Erkenntnisse zum demografischen Wandel und dessen Auswirkungen fasst abschließend der Stadtsoziologe Walter Siebel zusammen. Sein Fazit: Schrumpfungsprozesse bieten durchaus Chancen, so-
lange die Kommunen produktiv damit umgehen. Allerdings müssten dazu einige Rahmenbedingungen geändert werden, wie etwa das System der Gemeindefinanzen, welches die kommunalen Einnahmen alleine nach der Einwohnerzahl bestimmt.
Insgesamt bietet das Buch die Möglichkeit, sich intensiv und aus verschiedenen Perspektiven mit dem Thema demografischer Wandel auseinanderzusetzen. Da Herausgeber wie auch Autoren aus dem wissenschaftlichen Umfeld stammen, sind die einzelnen Beiträge jedoch nicht so praxisorientiert ausgelegt, wie es beim Blick in das Inhaltsverzeichnis erscheinen mag.
Bettina Schömig