Bernd Lutterbeck et al. (Hrsg.):
Open Source Jahrbuch 2007Zwischen freier Software und Gesellschaftsmodell
(2007) Lehmanns Media, Berlin
ISBN 10: 3865411916
ISBN 13: 978-3-86541-191-4
Taschenbuch, 570 S., 24,80 EUR
Alles zum aktuellen Stand der Diskussion um Open Source. Mit Stichwortverzeichnis, Glossar und allem, was man sich von einem professionellen Handbuch wünschen darf.
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Rezension aus Kommune21 Ausgabe 6/2007 → als PDF
Das Open-Source-Universum
Den Herausgebern des „Open Source Jahrbuch 2007“ ist es gelungen, eine anregende Mischung von Beiträgen zu den unterschiedlichen Aspekten Freier Software zusammenzutragen.
Im Frühjahr 2007 hat die Arbeitsgruppe Open Source Jahrbuch, die bei Professor Bernd Lutterbeck im Fachgebiet Informatik und Gesellschaft der Technischen Universität Berlin angesiedelt ist, die vierte Ausgabe ihres Standardwerks zu Open Source veröffentlicht. Mit Beiträgen von 50 Autoren über Software-Entwicklung, Wirtschaft, Recht, Wissenschaft und Gesellschaft verschafft es den Lesern auf 570 Seiten einen umfassenden Überblick über die aktuellen Entwicklungen auf dem Gebiet der Freien Software und des freien Zugangs zu Wissen.
Eine Reihe von Beiträgen dreht sich explizit um den Einsatz von Open Source Software in der öffentlichen Verwaltung. Hal Varian und Carl Shapiro von der University of California in Berkeley untersuchen in ihrem Beitrag die Möglichkeiten eines Einsatzes von Linux für den öffentlichen Sektor. Dabei wird deutlich, dass das freie Betriebssystem mit gängiger proprietärer Software konkurrieren kann. Dazu referieren die Autoren Studien zur Total Cost of Ownership (TCO). Zudem entdecken die Autoren eine große Anzahl interessanter Eigenschaften von Linux, wie etwa die Möglichkeit für die Anwender, Lock-In-Effekten zu entgehen oder die grundsätzliche Nutzung von offenen Schnittstellen. Lesenswert ist auch der Beitrag des Berliner Fachjournalisten Stefan Krempl, der in seinem Beitrag die Auseinandersetzung um die Einführung von Open Source Software in München nachzeichnet und dabei viele interessante Details ausbreitet, die ihm der EDV-Chef der bayerischen Landeshauptstadt, Wilhelm Hoegner, mitgeteilt hat. Auf den Verlauf der Fronten in der aktuellen Auseinandersetzung über die Einführung von Linux in der Bundeshauptstadt Berlin wirft Krempl ebenfalls einen kenntnisreichen Blick. Schließlich informiert er auch kurz über das Open-Source-Ministerium, wie er das deutsche Außenministerium bezeichnet.
Torsten Werner, Mitarbeiter der Arbeitsgruppe IT-Strategie im Auswärtigen Amt, informiert im anschließenden Beitrag selbst darüber, was es damit auf sich hat. Stellt doch das Auswärtige Amt seine IT-Infrastruktur seit sechs Jahren zunehmend auf Open Source Software um – und das bisher weitgehend unbeachtet von der Öffentlichkeit. Der Beitrag zeigt die Geschichte der Open-Source-Einführung sowie deren aktuellen Stand.
Die Bandbreite der Themen des Buchs ist sehr groß. Sie reicht von grundlegenden Betrachtungen des Open-Source-Prinzips bis hin zu Migrationsberichten aus der Praxis. Auch technische Neuerungen und Anwendungen, Open Access sowie Open Source in der Bildung werden behandelt. Außerdem gibt es Beiträge zu rechtlichen und gesellschaftspolitischen Fragestellungen. Auch weniger prominente Themen, wie Open-Source-Methoden in der Pharmaforschung oder die Nutzung von Open Source Software beim Wiederaufbau von Universitäten in Afghanistan sind im Jahrbuch vertreten. Das Open Source Jahrbuch ist unter www.opensourcejahrbuch.de als Datei zum Download ebenso wie als „richtiges“ Buch im Buchhandel erhältlich.
Rainer Hill