E-Government, Internet und Informationstechnik
Kommune21

 

REPORT

Post aus dem Netz

[26.7.2010] Die Deutsche Post hat ihren Online-Briefdienst vorgestellt. Der E-Postbrief soll die sichere Kommunikation über das Internet ermöglichen. Das neue Produkt zielt auch auf die öffentliche Verwaltung. Unter den Kooperationspartnern der Post befindet sich ein kommunales Rechenzentrum.

Im digitalen Zeitalter will die Deutsche Post nicht zur Schneckenpost werden. Da das Briefgeschäft massiv unter der kostenlosen E-Mail-Kommunikation leidet, bringt der Konzern jetzt den Brief ins Internet. Mit dem E-Postbrief sollen Bürger, Unternehmen und Verwaltungen sicher im Netz kommunizieren können. Der E-Postbrief sei genauso verbindlich, vertraulich und verlässlich wie der Brief, dabei aber so schnell wie eine E-Mail, verspricht das Unternehmen.
Die Deutsche Post bringt das Briefgeheimnis ins Internet, hieß es bei der Vorstellung des neuen Produkts vor Pressevertretern am 14. Juli 2010 in Bonn. Die Erwartungen sind hoch: „Wir machen sichere Schriftkommunikation im Internet für jedermann möglich – das ist eine Revolution“, sagte Frank Appel, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Post.

Identifikation in der Postfiliale

Und so funktioniert der E-Postbrief: Im E-Postbrief-Portal können Nutzer kostenlos eine persönliche Adresse reservieren. Die Adresse besteht aus Vor- und Nachname und der Endung @epost.de. Eine Nummer hinter dem Nachnamen soll Verwechslungen bei Namensgleichheit verhindern. Alle Nutzer müssen sich per Postident-Verfahren mit Personalausweis oder Reisepass in einer Postfiliale identifizieren, erst dann wird das E-Postbrief-Konto freigeschaltet.
Ein Internet-Brief kostet 55 Cent, so viel wie der Papierbrief. Die Absender können wählen, ob ihr Brief elektronisch an ein anderes E-Postbrief-Konto gesandt oder von der Deutschen Post ausgedruckt und per Briefträger zugestellt wird. Der Preis bleibt gleich, Zusatzleistungen wie Einschreiben oder Farbausdrucke werden extra berechnet.

Sicherheit durch Handy-TAN

Für das Versenden eines E-Postbriefes muss eine Transaktionsnummer eingegeben werden – ähnlich wie beim Onlinebanking. Der Unterschied zum herkömmlichen TAN-Verfahren: Die Nummer wird erst erzeugt, wenn sie benötigt wird, und dann direkt auf das Handy des Absenders geschickt. Der Vorteil des Verfahrens: Die Kombination aus Benutzername, persönlichem Passwort sowie der Handy-TAN, die über getrennte Kanäle eingegeben werden müssen, ermöglicht im juristischen Sinne einen eindeutigen Identitätsnachweis. Der Nachteil: Wer kein Handy hat, kann keinen E-Postbrief schreiben. Jeder E-Postbrief ist zudem mit einer elektronischen Signatur der Deutschen Post versehen, die eine Integritätsprüfung der enthaltenen Daten ermöglicht. Damit bestätigt die Deutsche Post als vertrauenswürdiger Dritter dem Empfänger, dass die Nachricht tatsächlich vom angegebenen Absender stammt und ihr Inhalt unverändert ist.
Großkunden wie Unternehmen oder Behörden werden an das System des E-Postbriefs über ein gesichertes Gateway angebunden. Das Geschäftskunden-Gateway verlangt stets, dass sich Behörden und das System der Deutschen Post gegenseitig authentifizieren und autorisieren, um jederzeit die Identität beider Parteien sowie den Empfang und den Versand der E-Postbriefe sicherzustellen.

Schutz vertraulicher Informationen

Alle E-Postbriefe sind auf ihren elektronischen Kommunikationsstrecken zwischen Absender und Empfänger verschlüsselt. Auch im Portal sind die E-Postbriefe verschlüsselt abgelegt. Darüber hinaus kann jeder Nutzer eine zusätzliche persönliche Verschlüsselung vornehmen. Hierfür muss ein benutzerspezifisches Zertifikat im E-Postbrief-Portal angefordert werden, das vom Trustcenter Signtrust der Deutschen Post ausgestellt wird. Der private Schlüssel ist nur dem Absender zugänglich.
Bei der hybriden Variante des E-Postbriefs werden die Druckdaten verschlüsselt an den Drucker übertragen. Alle Systeme des E-Postbriefs werden nach Angaben der Post in einem Rechenzentrum betrieben, das nach ISO 27001 auf der Basis von IT-Grundschutz vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zertifiziert ist. Dadurch sei ein Höchstmaß an technischer wie auch physischer Sicherheit gewährleistet.

Sparen bei der Postbearbeitung

Die Deutsche Post hat mit dem E-Postbrief insbesondere auch Unternehmen und die öffentliche Verwaltung im Visier. Das Versprechen lautet: Mit dem E-Postbrief lasse sich der Kunden- und Bürgerservice verbessern und Geld sparen. Um bis zu 60 Prozent können Unternehmen und Behörden die Gesamtkosten für die Postbearbeitung durch den Einsatz des E-Postbriefs senken, hat der Konzern errechnet. Durch den Wegfall beispielsweise von Druck und Kuvertierung sollen sich allein im Postausgang mehr als 30 Prozent der derzeitig entstehenden Kosten sparen lassen. Im Posteingang, also beim Öffnen, Sortieren und Prüfen, könne die Ersparnis sogar bei bis zu 80 Prozent liegen.

Kooperationspartner Allianz und SAP

Zwei Großunternehmen haben sich bereits überzeugen lassen und arbeiten von Beginn an mit der Deutschen Post zusammen: Der Versicherungskonzern Allianz will den E-Postbrief für die Kommunikation mit über 19 Millionen Kunden einsetzen. Ralf Schneider, IT-Chef von Allianz Deutschland, sagte: „Die elektronische Interaktion mit dem E-Postbrief bietet uns erstmals die Möglichkeit für sicheren und verbindlichen schriftlichen Kundenkontakt über das Internet.“
Auch der Walldorfer Software-Konzern SAP hat eine Absichtserklärung unterzeichnet und plant, Schnittstellen zwischen der IT-Infrastruktur des E-Postbriefs und ausgewählten SAP-Anwendungen bereitzustellen. Unternehmen und Behörden können künftig den E-Postbrief nahtlos in ihre Geschäftsprozesse einbinden, heißt es in einer Pressemitteilung von SAP. Zunächst soll der E-Postbrief an die Personal-Management-Software von SAP angebunden werden. Firmen, welche die Software einsetzen, könnten dann beispielsweise Gehaltsabrechnungen elektronisch oder als hybriden E-Postbrief an ihre Mitarbeiter versenden.

E-Post in der öffentlichen Verwaltung

Ein weiterer Schwerpunkt der Kooperation zwischen Deutscher Post und SAP betrifft die öffentliche Verwaltung. Der E-Postbrief soll helfen, die durchgängige elektronische Kommunikation von Ämtern und Behörden mit Bürgern und Unternehmen zu vereinfachen. Dazu sollen Anwendungsszenarien wie etwa der Identitätsnachweis beim Zugriff auf kommunale Portale entwickelt sowie das rechtsverbindliche Senden und Empfangen von amtlichen Dokumenten wie Gebührenbescheiden und Gewerbeanmeldungen ermöglicht werden. Wie SAP mitteilt, könnte auch die sichere Bezahlung von Gebühren mittels E-Postbrief erlaubt werden.
Heinz-Hermann Herbers, im Geschäftsbereich Brief der Deutschen Post für den Vertrieb Öffentlicher Sektor zuständig, bezeichnet den E-Postbrief als wichtigen Baustein auf dem Weg zum effizienten E-Government. Bürger könnten über das E-Postbrief-Portal beispielsweise Verträge annehmen, Anträge an Behörden stellen, Bescheide empfangen oder Dokumente archivieren und verwalten. Für Kommunalverwaltungen bietet sich die Möglichkeit, Anträge sowie An- und Abmeldungen, etwa für Kindertagesstätten, entgegenzunehmen, so der Post-Manager. Das E-Postbrief-Portal könne zudem für den Datenaustausch bei Amtshilfeverfahren genutzt werden.

Praxistest in Pilotkommunen

In Pilotprojekten mit Kommunen soll nun praxisnah ermittelt werden, wie sich der E-Postbrief in Geschäftsabläufe integrieren lässt. Dazu hat sich die Post einen weiteren Kooperationspartner ausgesucht: das Kommunale Rechenzentrum Minden-Ravensberg/Lippe (KRZ) mit Sitz in Lemgo. Reinhold Harnisch, Geschäftsführer des kommunalen IT-Dienstleisters, sagte gegenüber Kommune21: „Mit dem Brief im Internet steht der modernen Kommune eine einfache, schnelle und kostengünstige Möglichkeit zur Verfügung, mit ihren Bürgern in Kontakt zu treten.“ Besonders wichtig sei, dass durch die alternative Zustellung durch den Briefträger mit dem E-Postbrief auch die Bürger erreicht werden, die keinen Zugang zum Internet haben. Diese Vorteile hätten das KRZ frühzeitig bewogen, sich als Pilotpartner für seine kommunalen Kunden an dem Projekt zu beteiligen. Harnisch weiter: „Eine halbe Millionen Registrierungen zum E-Postbrief in der ersten Woche überraschen mich nicht. Im Gegenteil: Sie sind auch Ausdruck des hohen Bedarfs an innovativen und sicheren Kommunikationslösungen zwischen Verwaltung und Bürgern. Tendenz steigend.“ (al)

Info:
www.epost.de

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