CIO-Serie:
Kooperation mit Kommunen


[1.3.2012] Hanno Thewes, seit Dezember 2010 CIO des Saarlandes, hebt die Zusammenarbeit mit den Kommunen als vorbildlich hervor. Diese wolle er weiter fördern und saarländische Erfahrungen bei der Europäisierung des E-Government in Bund-Länder-Gremien einbringen.

Dr. Hanno Thewes Herr Dr. Thewes, warum ist die Stelle eines Landes-CIO wichtig?

Mittlerweile haben fast alle Bundesländer in der einen oder anderen Form die Funktion eines CIO eingerichtet. Das macht deutlich, dass E-Government und IT zunehmend strategische Themen sind. Mit der Schaffung des IT-Planungsrates ist darüber hinaus die Notwendigkeit entstanden, dass sich Bund und Länder in ihrer Strategie abstimmen. Das führt umgekehrt dazu, dass die einzelnen Bundesländer ihre Kräfte bündeln. Dies ist ein sehr produktiver Prozess. Denn IT hat ressort- und funktionsübergreifenden Charakter: Ein zentrales IT-Management ist deshalb das Gebot der Stunde. Dabei darf jedoch der Fokus nicht nur auf die Technik gelegt werden. Diese stellt das notwendige Fundament für alle IT-basierten Leistungserbringungen der Verwaltung dar. Aber bei den E-Government-Anwendungen müssen wir noch mehr tun. Die Prozesse der Mitarbeiterinnen und Mit­arbeiter müssen sinnvoll unterstützt und optimiert werden. Gleichzeitig brauchen wir Anwendungen, die für die Bürgerinnen und Bürger attraktiv sind. Die Dimensionen Prozess- und Bürgerorientierung sind die eigentlichen Kernpunkte einer IT-Strategie.

Welche Ziele haben Sie sich persönlich gesetzt?

Das Saarland hat sich zum Ziel gesetzt, die IT-Strukturen neu auszurichten. Dabei sind nicht nur die Landesbehörden, sondern auch die Hochschulen und die Kommunen eingebunden. Diese übergreifende Kooperation ist für sich allein schon von großer Bedeutung. Ich möchte diesen grundlegenden Prozess, der sehr viel mit Kommunikation und Integration unterschiedlicher Partner zu tun hat, weiter unterstützen und zum Erfolg führen. Dabei gilt es, zwei Ziele zu beachten. Zum einen die Effizienz: Durch Bündelung, Modularisierung und Standardisierung streben wir eine wirtschaftlichere IT für unser Land an, welches sich bekanntlich in besonderem Maße am Thema Haushaltssanierung orientiert. Zum an-deren geht es aber auch um Effektivität: Wir wollen Verwaltungsprozesse wirkungsvoll unterstützen und den Bürgern zielführende Angebote machen.

Welche Veränderungen streben Sie an?

Kein Bereich ist mehr im Umbruch als die Informationstechnik. Daher ist es notwendig, die IT in einem kontinuierlichen Prozess immer weiter voranzutreiben. Dazu wollen wir das in unserem Land vorhandene Know-how nutzen. Wir bauen auf bewährten Strukturen auf und entwickeln diese fort. Das Saarland hat dieses Themenfeld schon in der Vergangenheit im Rahmen der Innovationsstrategie erfolgreich besetzt. Durch führende IT-Unternehmen und einen exzellenten Informatikschwerpunkt an der Universität ist das Saarland das Informatikland schlechthin. Wir beheimaten gleich zwei Max-Planck-Institute für Informatik sowie das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz. Außerdem genießen weitere Informatik-Lehrstühle und Institute weltweites Renommee. Dieses Potenzial für die Verbesserung von Verwaltungsinformatik zu nutzen, ist ein Gebot der Stunde.

„Prozess- und Bürgerorientierung sind die eigentlichen Kernpunkte einer IT-Strategie.“


Welche konkreten Projekte laufen aktuell oder sind geplant?

Im Saarland arbeiten wir derzeit an zwei großen Projektlinien unter den Überschriften Konsolidierung und Kooperation. Seit einem Jahr betreiben wir mit einer breiten Projektstruktur die Konsolidierung der IT. Die damit verbundene Ist-Analyse von Verfahren und Prozessen ist abgeschlossen. Jetzt sind wir dabei, neue ressortübergreifende Entscheidungsstrukturen aufzubauen und die Eckpunkte eines Landessystemkonzeptes zu erstellen. Unter der Projektsäule Kooperation bündeln wir die Aktivitäten zwischen Land, Kommunen und Hochschulen. Ein erster großer Erfolg war die Zusammenlegung der Rechenzentren der Hochschulen für Technik und Wirtschaft sowie der Universität des Saarlandes. Ein weiterer wichtiger Meilenstein ist die erstmalige Ausschreibung eines Saarlandnetzes für die Landesverwaltung und die Kommunen. In einem Projekt mit dem Institut für Wirtschaftsforschung im Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz werden die Potenziale der Einführung eines einheitlichen E-Payment-Systems für Land und Kommunen untersucht. Für das Thema Personal-Management wurde eine Projektgruppe eingesetzt, die das Ziel hat, ein System für Land, Kommunen und Hochschulen einzuführen und das entsprechende Know-how zu bündeln. Wie in anderen Bereichen spielt auch hier die Kooperation mit unserem Nachbarland Rheinland-Pfalz eine große Rolle. Wir sind permanent dabei, neue Projekte aufzusetzen. So planen wir, die Active Directory Services in der Landesverwaltung völlig neu aufzustellen. Doch diese Maßnahmen sind nur dann erfolgreich, wenn die Kommunikation mit den Mitarbeitern im IT-Bereich forciert wird. Wir haben deshalb im vergangenen Jahr IT-Tage für die Kommunen und für die Landesverwaltung durchgeführt, auf denen sich Mitarbeiter über die Projekte informieren und aktiv einbringen konnten.

Wie sehen Sie Ihr Bundesland im Ländervergleich im Bereich E-Government aufgestellt?

Das Saarland hat als eines der ersten Bundesländer die Kooperation mit den Kommunen mit einem gemeinsamen E-Government-Pakt besiegelt. Die Kommunen haben ihre Kräfte flächendeckend im Zweckverband eGo-Saar gebündelt. Dienste wie die Melderegisterauskunft werden in einer gemeinsamen Gesellschaft erbracht. Damit nehmen wir in Deutschland eine Vorreiterrolle ein. Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer hat als eine ihrer ersten Amtshandlungen das erneuerte Portal Bürgerdienste-SAAR relauncht (siehe auch Kommune21, Ausgabe 12/2011). Hierin zeigt sich der Anspruch des Saarlandes, bürgerfreundliche, zukunftsorientierte Online-Angebote bereitzustellen. Es handelt sich um ein Projekt, bei dem Land und Kommunen auf einer der modernsten Plattformen kooperieren. Ein wichtiges Thema für das Saarland ist darüber hinaus das europäische E-Government. Mit unserer Europakompetenz und den politischen Erfahrungen aus der grenzübergreifenden Zusammenarbeit mit der französischen Region Lothringen, Luxemburg und Belgien können wir im Konzert der Bundesländer einen besonderen Beitrag leisten. Es geht darum, E-Government-Angebote zu europäisieren, damit auch grenzübergreifende Verwaltungsprozesse möglich werden. Auch in den Gremien des IT-Planungsrates wirkt das Saarland aktiv mit, wenn es um europäisches E-Government geht.

Interview: Alexandra Reiter


Stichwörter: Politik, CIO, Hanno Thewes, Saarland, eGo-Saar

Bildquelle: Saarländisches Finanzministerium

Druckversion    PDF     Link mailen



Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich Politik
Interview: Wahlfreiheit für Kommunen Interview
[4.8.2020] Gegen das Vorhaben des IT-Planungsrats, einen App-Store für die Verwaltung einzurichten, erhebt der DATABUND Einspruch. Kommune21 sprach mit Geschäftsführer Detlef Sander über den FIT-Store, das OZG und die Digitalisierungsmilliarden. mehr...
Detlef Sander, Geschäftsführer von DATABUND, dem Verband der mittelständischen IT-Dienstleister und Software-Hersteller für den öffentlichen Sektor
DigitalPakt Schule: Die Mittel heiligen den Zweck
[27.7.2020] Schulträger können Mittel aus dem DigitalPakt Schule rascher abrufen, weil der Bund beim Antragsverfahren auf die obligatorischen Medienentwicklungspläne verzichtet. Diese können nachgereicht werden. mehr...
Digitalisierung: Ostwestfalen-Lippe will Vorreiter bleiben
[23.7.2020] Im kommenden Jahr endet für Ostwestfalen-Lippe die Förderung als Digitale Modellregion des Landes Nordrhein-Westfalen. Die Städte wollen ihre Vorreiterrolle dennoch fortsetzen und haben dazu eine interkommunale Absichtserklärung für OWL verfasst. mehr...
Paderborns Bürgermeister Michael Dreier (r.) übergibt eine Absichtserklärung an NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart, welche die Zusammenarbeit in Ostwestfalen-Lippe nach Auslaufen der Landesförderung beschreibt.
München: Digitalisierung im Radar
[23.7.2020] Im Juli 2019 hat die Stadt München eine Digitalisierungsstrategie beschlossen. Der erste Digitalisierungsbericht 2019/2020 zeigt auf, wo die bayerische Landeshauptstadt bei der Umsetzung steht. mehr...
Nordrhein-Westfalen: Digitale Aufholjagd
[21.7.2020] Die Landesregierung NRW hat ihren Zwischenbericht zur Digitalstrategie vorgelegt. Fazit: In den Bereichen ÖPNV, Medizin, Digitale Verwaltung, Arbeit und Infrastruktur ist das Land einen großen Schritt vorangekommen. mehr...
Suchen...

 Anzeige



Aktuelle Information des Verlags


In Zeiten der Corona-Pandemie werden wir aktuelle Ausgaben von Kommune21 allen Interessierten bis auf weiteres kostenfrei digital zur Verfügung stellen. Weisen Sie bitte auch Ihre Kolleginnen und Kollegen im Homeoffice auf diese Möglichkeit hin.

Wir haben an dieser Stelle eine Bitte an Sie:
Die gegenwärtige Situation macht einmal mehr deutlich, wie wichtig das Thema Digitalisierung auch in Ihrer Verwaltung, Behörde oder Schule ist. Kommune21 berichtet seit 20 Jahren über alle wichtigen Themen der IT-gestützten Verwaltungsmodernisierung und hilft, die Digitalisierung im Public Sector transparent und besser zu gestalten. Bitte prüfen Sie über Ihre Buchhaltung, ob Sie bereits ein reguläres Abonnement von Kommune21 haben. Wenn nicht, dann freuen wir uns, wenn Sie gerade in diesen Zeiten ein Abonnement in Betracht ziehen. Danke!

Kommune21, Ausgabe 8/2020
Kommune21, Ausgabe 7/2020
Kommune21, Ausgabe 6/2020
Kommune21, Ausgabe 5/2020
Kommune21, Ausgabe 4/2020
Kommune21, Ausgabe 3/2020

AixConcept GmbH
52222 Stolberg
AixConcept GmbH
Kommunix GmbH
59425 Unna
Kommunix GmbH
NOLIS GmbH
31582 Nienburg
NOLIS GmbH
AKDN-sozial
33100 Paderborn
AKDN-sozial
Aktuelle Meldungen