Doppik:
Mehr Nutzen als Kosten


[5.12.2012] Kommunale Praktiker sehen die Doppik positiv. Der neue Rechnungsstil habe substanzielle Vorteile gegenüber der Kameralistik. Allerdings: Teilbereiche werden kritisch bewertet. Ergebnisse einer bundesweiten Studie zur kommunalen Doppik der Universität Hamburg.

Doppik bringt substanzielle Vorteile. Mit der Umstellung von der traditionellen, auf Einnahmen und Ausgaben basierenden Kameralistik auf die ressourcenverbrauchsorientierte Doppik hat das kommunale Haushalts- und Rechnungswesen in den vergangenen Jahren einen radikalen Umbruch erfahren. Die Doppik wird auf kommunaler Ebene nahezu flächendeckend eingeführt. Lediglich ein relativ kleiner Teil der Kommunen in Deutschland wird, bedingt durch Wahlmöglichkeiten im kommunalen Haushaltsrecht der Länder Bayern, Schleswig-Holstein und Thüringen, auch weiterhin kameralistisch buchen können.

Die Umfrage

In der Literatur ist der Mehrwert der Doppik umstritten. Die Lager der Befürworter und Kritiker der Doppik stehen sich – so entsteht manchmal der Eindruck – unversöhnlich gegenüber. Die Universität Hamburg hat die Debatte um die Vor- und Nachteile zum Anlass genommen, um mit denjenigen Personen eine Studie zur Doppik-Einführung durchzuführen, die sich berufsbedingt täglich mit ihr auseinandersetzen: In einer bundesweiten Umfrage wurden Ende vergangenen Jahres die Kämmerer aller Landkreise sowie aller Städte und Gemeinden ab 20.000 Einwohner in Deutschland angeschrieben und zu ihren Meinungen und Einschätzungen befragt. Der an knapp über 1.000 Kommunen versendete Fragebogen hatte einen Umfang von mehr als 100 Fragen zu verschiedenen Aspekten der Doppik-Umstellung.
Mit einer Rücklaufquote von 42 Prozent (423 verwertbare Fragebögen) handelt es sich um eine der größten Umfragen zum öffentlichen Finanzwesen, die in den vergangenen Jahren durchgeführt wurde.

Sinnvolle Haushaltsreform

Als ein zentrales Ergebnis der Studie ist festzustellen, dass die Kämmerer die Haushaltsrechtsreform als mehrheitlich sinnvoll erachten und die Doppik im Vergleich zur Kameralistik als vorteilhaft einstufen. Diese Einstellung dürfte insbesondere die Befürworter der Doppik-Umstellung in ihrer Position bestärken. Besondere Vorteile sehen die Kämmerer unter anderem in einer erhöhten Transparenz der kommunalen Finanzlage, einer gesteigerten Entscheidungsrelevanz der Finanzinformationen sowie verbesserten Möglichkeiten zur Umsetzung einer generationengerechten Verwaltungssteuerung. Vom kommunalen Gesamtabschluss erwarten sich die Finanzverantwortlichen eine bessere Gesamtsicht auf den „Konzern Kommune“, also die Kernverwaltung und die ausgelagerten Betriebe. Dies gilt im Besonderen für die Vermögens- und Schuldensituation.

Kritikpunkte und Problemfelder

Ungeachtet der mehrheitlich positiven Einstellung gegenüber der Doppik gibt es auch Teilbereiche, die von den Kämmerern kritisch gesehen werden. Zu nennen sind hier vor allem die hohen Umstellungskosten, etwa für Personal, Software und externe Berater. Auch werden teilweise starke Einschränkungen im Tagesgeschäft wahrgenommen. Ferner besteht die Befürchtung, dass Banken die neuen, transparenteren Finanzinformationen zu Rating-Zwecken nutzen. Hieraus erwächst die Befürchtung, dass sich die Zinskonditionen für Kredite verschlechtern könnten. Leistungsvergleiche über Bundeslandgrenzen hinweg sind nach Ansicht der Kämmerer ebenfalls problematisch. Nur ein kleiner Teil der Kämmerer sieht im Vergleich zur Kameralistik verbesserte Vergleichsmöglichkeiten. Dieses Ergebnis verdeutlicht die Notwendigkeit einer Harmonisierung des aktuell noch hochgradig heterogenen doppischen Haushaltsrechts.
Als Problemfelder im Umstellungsprozess identifizieren die Kämmerer unter anderem die Themen Anwenderfreundlichkeit und Funktionsumfang der neuen Software, die Vermögensbewertung und -erfassung sowie die Motivation der Verfahrensbeteiligten. Ungeachtet der Kosten von Doppik-Umstellung und Wirkbetrieb sind die Kämmerer in der Gesamtbetrachtung jedoch mehrheitlich der Ansicht, dass die Doppik langfristig mehr Nutzen bringen wird als sie Kosten verursacht.

Andreas Burth ist wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bereich Public Management der Universität Hamburg; Dr. Dennis Hilgers ist Professor für Public und Nonprofit Management an der Johannes Kepler Universität Linz.

http://www.doppik-studie.de
Dieser Beitrag ist in der November-Ausgabe von Kommune21 erschienen. Hier können Sie ein Exemplar bestellen oder die Zeitschrift abonnieren. (Deep Link)

Stichwörter: Finanzwesen, Doppik, Kameralistik, Studie, Universität Hamburg

Bildquelle: PEAK

Druckversion    PDF     Link mailen


Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich Finanzwesen
Kreis Fürth: E-Signatur vereinfacht Rechnungsworkflow
[9.7.2024] Der Landkreis Fürth hatte sich im Jahr 2022 entschlossen, den Signaturservice der AKDB einzuführen und damit den Rechnungsworkflow zu beschleunigen. Mit dem Ergebnis ist die Kommune mehr als zufrieden. mehr...
Dank E-Signatur ist der Rechnungsworkflow im Kreis Fürth nun schneller und weniger fehleranfällig.
Leipzig: IT-gestütztes Vertragsmanagement
[3.7.2024] Mithilfe von IT-Dienstleister GISA führt die Stadtverwaltung Leipzig ein IT-gestütztes Vertragsmanagement ein. Die Lösung soll einen entscheidenden Beitrag zur Verwaltung von Verträgen in den verschiedenen Fachbereichen leisten. mehr...
Leipzigs Stadtverwaltung führt eine SAP-basierte Lösung zur Vertragserstellung und -verwaltung ein.
E-Rechnung: Pflicht als Chance Bericht
[25.6.2024] Das Wachstumschancengesetz verpflichtet in Deutschland ansässige Unternehmen ab 2025 zur elektronischen Rechnungsstellung für inländische B2B-Umsätze. Dies könnte auch für die öffentliche Verwaltung eine Chance sein, den digitalen Wandel voranzutreiben. mehr...
Mit einer Digitalisierungsplattform alle Rechnungen im Blick behalten.
E-Rechnungsgipfel 2024: Rechtliche Aspekte im Fokus
[21.6.2024] Insbesondere mit den rechtlichen Vorgaben und Anforderungen im Zusammenhang mit der Pflicht zur Einführung der E-Rechnung hat sich der diesjährige E-Rechnungsgipfel beschäftigt. mehr...
E-Rechnungsgipfel 2024 beschäftigte sich besonders mit den rechtlichen Aspekten.
E-Rechnung: Für den Ansturm rüsten Bericht
[20.6.2024] Die E-Rechnungspflicht im B2B-Bereich kommt. Kommunen sollten jetzt ihre IT darauf ausrichten. Ein Sechs-Stufen-Plan, der als roter Faden Wege und technologische Lösungsmöglichkeiten aufzeigt, kann dabei helfen. mehr...
In sechs Stufen zur E-Rechnung.
Weitere FirmennewsAnzeige

E-Rechnung: Für den Ansturm rüsten
[31.5.2024] Die E-Rechnungspflicht im B2B-Bereich kommt. Kommunen sollten jetzt ihre IT darauf ausrichten. Ein Sechs-Stufen-Plan, der als roter Faden Wege und technologische Lösungsmöglichkeiten aufzeigt, kann dabei helfen. mehr...
Suchen...

 Anzeige



 Anzeige

Aboverwaltung


Abbonement kuendigen

Abbonement kuendigen
Ausgewählte Anbieter aus dem Bereich Finanzwesen:
IT-Guide PlusxSuite Group GmbH
22926 Ahrensburg
xSuite Group GmbH
ekom21 – KGRZ Hessen
35398 Gießen
ekom21 – KGRZ Hessen
OrgaSoft Kommunal GmbH
66119 Saarbrücken
OrgaSoft Kommunal GmbH
GISA GmbH
06112 Halle (Saale)
GISA GmbH
Aktuelle Meldungen