NEGZ:
Tagung bringt Ideen für die weitere Arbeit


[10.11.2014] Im Rahmen seiner ersten Herbsttagung hat das Nationale E-Government Kompetenzzentrum (NEGZ) über aktuelle Herausforderungen beim E-Government diskutiert und seine Handlungsschwerpunkte für die kommenden Jahre vorgestellt.

Das Nationale E-Government Kompetenzzentrum (NEGZ) hat in der vergangenen Woche (5. November 2014) seine erste Herbsttagung veranstaltet. Vertreter aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Wissenschaft diskutierten in der Bayerischen Vertretung in Berlin über aktuelle Handlungsschwerpunkte, Potenziale sowie Herausforderungen des E-Governments. Ein Schwerpunkt der Diskussionen war laut NEGZ die Frage, welchen Beitrag Wirtschaft und Wissenschaft für die Konkretisierung und Umsetzung der Digitalen Agenda der Bundesregierung leisten können. BITKOM-Präsident Professor Dieter Kempf lobte in seiner Keynote zwar die Digitale Agenda, mahnte jedoch an, zentrale Handlungsschwerpunkte wie die Einführung der elektronischen Akte auch mit den dafür notwendigen Investitionen zu hinterlegen. Zudem gelte es, die vielfältigen – auch leidvollen – Erfahrungen aus Projekten wie ELENA oder der Einführung des neuen Personalausweises im Rahmen der Umsetzung der Digitalen Agenda unbedingt zu berücksichtigen.
Michael Räckers, Geschäftsführer des Instituts für Wirtschaftsinformatik der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, präsentierte die Ergebnisse der im Auftrag des Bundesinnenministeriums erstellten NEGZ-Studie „Potenzialanalyse des E-Government-Gesetzes“. Diese liefere zahlreiche Argumente für eine strategische und operative Stärkung des IT-Planungsrats als Voraussetzung für die Erschließung der vielfältigen Effizienz- und Gestaltungspotenziale im Bereich der öffentlichen Verwaltung auf Grundlage einer umfassenden informationstechnischen Vernetzung, so Räckers. Johann Hahlen, E-Government-Beauftragter des Normenkontrollrats (NKR), erklärte: „E-Government trägt entscheidend zum Abbau von bürokratischen Aufwänden bei. Die Voraussetzung sind nutzerfreundliche und alltagstaugliche E-Government-Angebote. Dies erfordert eine stärkere organisatorische, technische und finanzielle Kooperation zwischen den Fachbereichen und Verwaltungsebenen.“ Er verwies zudem auf die messbaren Ergebnisse solcher Maßnahmen. So seien von den zwischen 2006 und 2013 realisierten Entlastungen in Höhe von insgesamt zwölf Milliarden Euro rund sechs Milliarden Euro maßgeblich durch E-Government entstanden.

Drei Handlungsschwerpunkte

Zur Verbesserung der Angebote für die Bürger müssen in Zukunft noch größere Anstrengungen unternommen werden, um die Potenziale der neuen digitalen Technologien nachhaltig zu nutzen – das war die zentrale Botschaft in einem der drei Fachforen der Herbsttagung. Das von den Teilnehmern diskutierte Spektrum reichte dabei von der verwaltungsübergreifenden Zusammenführung und zeitgemäßen Bereitstellung von Leistungsangeboten auf Basis mobil nutzbarer und personalisierbarer Online-Angebote und Apps über die Entwicklung und Verbesserung von Mechanismen zur schnelleren Verbreiterung bereits bewährter innovativer Lösungen bis hin zur verwaltungs- und ressortübergreifenden Bündelung von Beteiligungsangeboten mittels innovativer Plattformtechnologien. „Es ist entscheidend, dass wir passgenauere und attraktivere Angebote schaffen, welche die Menschen auch erreichen“, forderte Professor Helmut Krcmar, Vorstandsvorsitzender des NEGZ.
„2020 wird die öffentliche Verwaltung von Unternehmen als Enabler und hochfunktionales Betriebssystem wahrgenommen. Berichts- und Meldepflichten erfolgen automatisiert, transparent und hochsicher. In Prozessketten von Wirtschaft und Industrie sind Verwaltungsschnittstellen vollständig integriert. Im Jahr 2020 besitzt ‚E-Government made in Germany‘ dieselbe internationale Reputation und weltweite Verbreitung wie deutsche Automarken und Ingenieursleistungen heute“ – so lautete eine vom NEGZ formulierte Vision, welche den Auftakt für ein Fachforum zum Thema Wirtschaft bildete. Aufbauend auf den bisherigen Erfolgen, aber auch angesichts der noch sehr großen Potenziale für den Bürokratieabbau, wird sich das NEGZ nach eigenen Angaben in den kommenden Jahren verstärkt um das Thema Standardisierung elektronischer Berichtspflichten kümmern. Von den Teilnehmern des Forums kamen konkrete Vorschläge zu möglichen fachlichen Handlungsschwerpunkten, mit denen sich das NEGZ beschäftigen sollte. Genannt wurden dabei unter anderem die vorbereitende und verbindliche Bauleitplanung, Genehmigungsprozesse in den Bereichen Hoch- und Tiefbau sowie die Optimierung von Großraum- und Schwerlasttransporten.
In einem dritten Fachforum wurde über den Stand und die Verbesserungsmöglichkeiten im Bereich der Aus- und Weiterbildung in der öffentlichen Verwaltung diskutiert. Hier hat sich das NEGZ vorgenommen, in den nächsten Jahren einen konkreten eigenen Beitrag zu leisten. Hinsichtlich Kompetenzentwicklung, Aus- und Weiterbildung sowie beim Wissenstransfer müssten bestehende Lücken geschlossen werden, damit Deutschlands Verwaltung effizienter, effektiver und im Endeffekt auch als Arbeitgeber attraktiver werden kann.

Innovativ und konstruktiv

Die Vorsitzenden des NEGZ zogen eine positive Bilanz ihrer ersten Herbsttagung. „Das war eine sehr gelungene Veranstaltung für unser Kompetenzzentrum“, sagte Wilfried Bernhardt, CIO von Sachsen und stellvertretender Vorstandsvorsitzender des NEGZ. „Ich wünsche mir sehr, dass der innovative Spirit und die konstruktiven Gedanken dieses Tages in die weitere Arbeit zur Modernisierung von Staat und Verwaltung überführt werden.“ Alle Erkenntnisse und Anregungen der Veranstaltung sollen in die weitere Arbeit der Arbeitsgruppen des Nationalen E-Government Kompetenzzentrums einfließen.
(bs)

http://www.negz.org

Stichwörter: Panorama, Nationales E-Government Kompetenzzentrum (NEGZ), Bürokratieabbau, Standardisierung, Helmut Krcmar, Wilfried Bernhardt, Dieter Kempf, Johann Hahlen



Druckversion    PDF     Link mailen


 Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich Panorama
Reutlingen: 25 Jahre Bürgeramt
[22.9.2022] Seit 25 Jahren fungiert das Reutlinger Bürgeramt als Schnittstelle zwischen Bürgern und Stadtverwaltung. Die Digitalisierung wird hier entschlossen vorangetrieben, was die internen Abläufe ebenso optimiert wie den Bürgerservice. mehr...
Ludwigshafen: „Arbeitsplatz der Zukunft“ ausgezeichnet
[20.9.2022] Das Ludwigshafener Projekt „Arbeitsplatz der Zukunft“ wurde beim E-Government-Wettbewerb mit einem 2. Platz in der Kategorie Agile Transformation ausgezeichnet. Mit dem groß angelegten Vorhaben will sich die Stadtverwaltung in den kommenden Jahren grundlegend modernisieren. mehr...
Das Ludwigshafener Projekt „Arbeitsplatz der Zukunft“ wird beim E-Government-Wettbewerb geehrt.
Bonn: App für City Stories
[16.9.2022] Eine App, angereichert mit Stadtgeschichten von Bürgerinnen und Bürgern, ist jetzt für Bonn verfügbar. Die entsprechenden Orte sind im Stadtgebiet mit einer Infotafel und QR-Code markiert, in der App sind dazu Hörstücke, Podcasts, Interviews, Sounds, Musik oder Bilder hinterlegt. mehr...
Oberbürgermeisterin Katja Dörner (l.) lässt sich von Videokünstlerin Annika Ley und dem Leiter des Fringe-Ensembles, Frank Heuel, die App City Stories Bonn vorführen.
Sachsen-Anhalt: Radverkehr-Infoplattform ALRIS ist online
[16.9.2022] In Sachsen-Anhalt ist eine neue Daten- und Informationsplattform für den Radverkehr online. Das Portal ALRIS soll Behörden dabei unterstützen, Daten in diesem Bereich zu digitalisieren, zu vernetzen und der Öffentlichkeit, etwa den Bürgern, zur Verfügung zu stellen. mehr...
In Sachsen-Anhalt ist das Amtliche Landes-Radverkehrsinfrastruktur-Informationssystem ALRIS online.
Kiel: Digitalisierung entlastet Stadtamt
[15.9.2022] Die Stadt Kiel hat eine Zwischenbewertung ihres Stadtamt-Programms 2022 vorgenommen. Insbesondere durch den Ausbau des digitalen Serviceangebots ist es gelungen, die Mitarbeiter zu entlasten. mehr...
Weitere FirmennewsAnzeige

3-Way-Match in der Rechnungsprüfung: Der Weg zur No-Touch-Buchung
[26.9.2022] Die Messe Stuttgart hat sich gleich nach ihrem Wechsel auf S/4HANA eines weiteren wichtigen Themas angenommen: der Einrichtung einer ganzheitlichen und SAP-integrierten P2P-Lösung. mehr...
Suchen...

 Anzeige



Aktuelle Information des Verlags


In Zeiten der Corona-Pandemie werden wir aktuelle Ausgaben von Kommune21 allen Interessierten bis auf weiteres kostenfrei digital zur Verfügung stellen. Weisen Sie bitte auch Ihre Kolleginnen und Kollegen im Homeoffice auf diese Möglichkeit hin.

Wir haben an dieser Stelle eine Bitte an Sie:
Die gegenwärtige Situation macht einmal mehr deutlich, wie wichtig das Thema Digitalisierung auch in Ihrer Verwaltung, Behörde oder Schule ist. Kommune21 berichtet seit 20 Jahren über alle wichtigen Themen der IT-gestützten Verwaltungsmodernisierung und hilft, die Digitalisierung im Public Sector transparent und besser zu gestalten. Bitte prüfen Sie über Ihre Buchhaltung, ob Sie bereits ein reguläres Abonnement von Kommune21 haben. Wenn nicht, dann freuen wir uns, wenn Sie gerade in diesen Zeiten ein Abonnement in Betracht ziehen. Danke!

Kommune21, Ausgabe 09/2022
Kommune21, Ausgabe 08/2022
Kommune21, Ausgabe 07/2022
Kommune21, Ausgabe 06/2022
Kommune21, Ausgabe 05/2022

Aboverwaltung


Abbonement kuendigen

Abbonement kuendigen
Ausgewählte Anbieter aus dem Bereich Panorama:
JCC Software
48149 Münster
JCC Software
AIDA ORGA GmbH
75391 Gechingen
AIDA ORGA GmbH
Aktuelle Meldungen