Raunheim:
Selbst ist die Stadt


[16.2.2015] Als eine der ersten Kommunen in Deutschland betreibt die Stadt Raunheim den Ausbau eines modernen Glasfasernetzes in Eigenregie. Dank erfolgreicher Kampagne und dem Interesse sowie der Mithilfe vieler Bürger kann das Bürgernetz wirtschaftlich realisiert werden.

Spatenstich für Raunheims Bürgernetz Es ist bekannt, dass vorhandene Bandbreiten bereits heute für viele Anwendungen nicht mehr ausreichen – von künftigen ganz zu schweigen. Daher verordnete sich die Stadt Raunheim eine der schnellsten IT-Infrastrukturen Deutschlands. Dieses Bürgernetz setzt auf die enormen Bandbreiten und Zukunftsreserven der Glasfaser. Ein solches Projekt entsteht jedoch nicht über Nacht. Nachdem ein großes deutsches Unternehmen den Glasfaserausbau im hessischen Raunheim regelrecht vor sich herschob, nutzte man das Gebot der Stunde. Den Anstoß gaben die Infrastrukturverantwortlichen gegen Ende 2010. Während der Breitband-Dialog in Raunheim nur schleppend voran ging, sahen sie, dass andere Kommunen zur Eigenregie übergingen – und das mit Erfolg. Partielle Lösungen nach dem Prinzip Flickenteppich hätten hingegen Zeit, Nerven und noch viel Geld gekostet. Also ging man das Thema aktiv, rechtzeitig und – nicht minder wichtig – interdisziplinär an. Die Zielsetzung war ehrgeizig und alles andere als herkömmlich. Raunheims Bürger sollten in den Genuss eines der schnellsten Bürgernetze Deutschlands kommen.

Mit Fachkräften im Boot

Um solch ein Projekt zu stemmen, nutzte die Kommune fachliche Unterstützung. Dazu stellte sie interne Manpower ab und holte sich externe Planer mit ins Boot. Mit von der Partie ist die Firma mdcon UG. Deren Inhaber Martin Dreisewerd erklärt: „Wir gehen herstellerneutral vor. Raunheim kann also sicher sein, dass hier die tatsächlich beste Lösung zum Einsatz kommt.“ Schnell war allerdings klar: Glasfaser ist auch an dieser Stelle das Medium der Wahl. Karsten Jost vertritt das Bürgernetz Raunheim von kommunaler Seite aus. Er ist erster Betriebsleiter der Stadtwerke und Geschäftsführer der Netzwerk Untermain GmbH, die das passive Netz baut. Frank Hornberger von der Firma pepcom steht an der Spitze der Tiefbaumaßnahmen. Er betont: „Sobald wir weg sind, sieht man eigentlich nichts mehr von den zuvor erfolgten Aushub- und Verlegungsarbeiten.” Damit unterstreicht er die minimale Beeinträchtigung während der Bauphase. Dietmar Seifert von der Firma Flost verantwortet die Tiefbauarbeiten und die Verlegung der Glasfaserkabel. Alle Beteiligten stehen in regelmäßigem Kontakt zur Ausräumung eventueller Probleme und zur Optimierung sämtlicher Prozesse. Gesetze und Regelwerke sind dabei zwingend zu beachten.

Aus erster Hand informiert

Vom Projekt profitieren in erster Linie die Raunheimer. Zunächst einmal mussten Anwohner und ansässige Betriebe aus erster Hand informiert und überzeugt werden. Schließlich ging es nicht nur um das Anpreisen struktureller Verbesserungen, sondern auch um das Verständnis für Ausgaben und bauliche Maßnahmen. So entstand zunächst das Informationsportal Bürgernetz Raunheim im Internet und als Anlaufstelle im Rathaus. Es ist Teil der crossmedialen Kampagne zum geplanten Highspeed-Glasfasernetz. Dabei spielt neben der Technik auch die Finanzierung eine große Rolle. Damit sich der Ausbau ohne Fördermittel des Bundes und Landes wirtschaftlich trägt, bedarf es eines ausreichenden Anteils sich beteiligender Haushalte und Eigentümer. Die Unternehmen Netzwerk Untermain und die Kabelcom Rheinhessen aus dem Hause pepcom analysierten die verbindlichen Anmeldungen. Sie verifizierten bereits im Frühjahr 2014, dass sich der Ausbau trägt. So liegen im Stadtgebiet für bereits rund 40 Prozent der Liegenschaften Grundstückseigentümererklärungen vor. Erfahrungsgemäß erhöht sich die Zahl nach Baubeginn nochmal sprunghaft. Ende März beschloss die Stadtverordnetenversammlung somit den Ausbau.
Auch für die Hauseigentümer machte sich die frühe Zusage bezahlt. Wurde die Grundstückseigentümererklärung noch während der Bauphase erteilt und mindestens ein Internet-Anschluss beantragt, waren nur 300 Euro aufzubringen. Das ist sehr wenig, wenn man sich vor Augen führt, dass die Glasfaser bis ins Haus verlegt wird. Nach Ablauf dieser Akquisephase erhöhen sich die Anschlusskosten deutlich. Wenn etwa wegen eines nachträglichen Anschlusses die öffentliche Zuwegung erneut geöffnet werden muss, schlägt das verständlicherweise besonders zu Buche. Ein positiver Nebeneffekt des Breitband-Ausbaus: Die Immobilienwerte steigen.

Start in die Zukunft

Raunheims Bürgermeister Thomas Jühe denkt schon einen Schritt weiter: „Wir bekommen nicht nur ein modernes und vielleicht das leistungsfähigste Netz, das derzeit möglich ist, wir werden dadurch auch ein Stück unabhängiger. Das ist für uns sehr wichtig.“ Die Firma Netzwerk Untermain lässt das Netz bauen und verpachtet es an pepcom. Pepcom baut im Auftrag und betreibt das Netz. Somit ist man keinen externen Versorgern ausgeliefert. Das versetzt Raunheim in eine stärkere und schnellere Handlungs- und Verhandlungsposition. So war der 5. Juni 2014 alles andere als ein Pflichttermin. Bürgermeister Thomas Jühe nahm gemeinsam mit den führenden Köpfen des Planungs- und Baustabs den ersten Spatenstich vor. „Damit katapultieren wir Raunheim tatsächlich in die Zukunft. Hier ist viel zu lange gewartet worden, aber jetzt geht es ja los.“ Der strategisch beste Punkt für den Baubeginn lag unter der Frankfurter Straße. Hier findet sich der wichtigste Knoten, der so genannte Fiber-Backbone. Für den Start an dieser Stelle sprach auch, dass der Bereich südlich der Bahntrasse bisher eher unterversorgt war. Also sollten die Anwohner hier die ersten sein, welche von der Verbesserung profitieren. Im Rahmen der Planungserweiterung wurde auch in der Uhlandstraße mit dem Trassenbau begonnen. Ebenfalls zeitnah starteten die Arbeiten in Raunheims Altstadt und den Gewerbegebieten. Es folgte der Stadtteil „An der Lache“ und die Ringstraßensiedlung.
Das Raunheimer Netz hat Beispielcharakter. Fundamental für den Projekterfolg ist die effektive Zusammenarbeit von Kommunalvertretern und externen Planern samt deren ausführenden Firmen. Es gibt klar definierte Regeln und geballtes Spezialwissen in diesem interdisziplinären Team, welches auf gleicher Augenhöhe interagiert. „Wäre dies nicht so gelagert, stünden wir jetzt noch in der Planungsphase“, erläutert Martin Dreisewerd. „Stattdessen haben bereits die ersten Bürger Anschlüsse im Haus.“

Ralf Lemke ist bei LAN Consult Hamburg zuständig für die Pressearbeit.

http://www.raunheim.de
http://www.mdcon.de
http://www.pep-com.de
http://www.flost.de
http://www.kcr-online.de
Dieser Beitrag ist im Titel der Februar-Ausgabe von Kommune21 erschienen. Hier können Sie ein Exemplar bestellen oder die Zeitschrift abonnieren. (Deep Link)

Stichwörter: Breitband, Glasfaser, Raunheim, Thomas Jühe, mdcon, Netzwerk Untermain, pepcom, Flost, Kabelcom Rheinhessen

Bildquelle: LAN Consult Hamburg

Druckversion    PDF     Link mailen




Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich Breitband
Stadtwerke Mainz: Schneller zum schnellen Internet
[2.6.2020] Schneller als geplant sollen jetzt alle staatlichen Schulen in Mainz glasfaserschnelles Internet erhalten. Bis Herbst 2021 wollen die Stadtwerke sie an das Glasfasernetz anschließen – ein Infrastrukturprojekt, von dem auch umliegende Wohn- und Gewerbegebiete profitieren können. mehr...
Breitband-Beratung: Hessen bündelt Themen
[27.5.2020] Die Breitband-Beratungsstellen in Hessen werden zum Ansprechpartner für je ein Schwerpunktthema: Südhessen zu Geo-Informationssystemen und digitalen Planungs- und Genehmigungsverfahren, Mittelhessen zur Umsetzung des Onlinezugangsgesetzes (OZG) und zum Breitband-Ausbau und Osthessen zur Mobilfunkberatung und -förderung. mehr...
Wanzleben-Börde: Spatenstich der ARGE Breitband
[15.5.2020] Mit einem symbolischen Spatenstich startet im Ortsteil Zuckerdorf Klein Wanzleben der Stadt Wanzleben-Börde die Erweiterung des kommunalen Glasfasernetzes der ARGE Breitband im Kreis Börde. mehr...
Der Ausbau für das Giganetz in der Stadt Wanzleben-Börde hat begonnen.
Baden-Württemberg: 32,4 Millionen für Breitband-Ausbau
[5.5.2020] Förderbescheide mit einem Volumen von insgesamt 32,4 Millionen Euro sollen in den Breitband-Ausbau in Baden-Württemberg fließen. 39 Projekte im Land können damit realisiert werden. mehr...
Digitalisierungsminister Thomas Strobl (2.v.r.) hat jetzt die Förderbescheide für weitere 39 Breitband-Projekte im Ländle übergeben.
BREKO: BNetzA schützt Kupfer-Internet
[5.5.2020] Ein neuer Entschluss der Bundesnetzagentur konterkariert das Gigabit-Ziel der Bundesregierung. So lautet die Kritik des Bundesverbands Breitbandkommunikation (BREKO) an einer Entscheidung der BNetzA, in der sie Kupferanschlüssen weitreichenden Schutz einräumt. mehr...
Suchen...

 Anzeige



 Anzeige

zk2020

Aktuelle Information des Verlags


In Zeiten der Corona-Pandemie werden wir aktuelle Ausgaben von Kommune21 allen Interessierten bis auf weiteres kostenfrei digital zur Verfügung stellen. Weisen Sie bitte auch Ihre Kolleginnen und Kollegen im Homeoffice auf diese Möglichkeit hin.

Wir haben an dieser Stelle eine Bitte an Sie:
Die gegenwärtige Situation macht einmal mehr deutlich, wie wichtig das Thema Digitalisierung auch in Ihrer Verwaltung, Behörde oder Schule ist. Kommune21 berichtet seit 20 Jahren über alle wichtigen Themen der IT-gestützten Verwaltungsmodernisierung und hilft, die Digitalisierung im Public Sector transparent und besser zu gestalten. Bitte prüfen Sie über Ihre Buchhaltung, ob Sie bereits ein reguläres Abonnement von Kommune21 haben. Wenn nicht, dann freuen wir uns, wenn Sie gerade in diesen Zeiten ein Abonnement in Betracht ziehen. Danke!

Kommune21, Ausgabe 3/2020
Kommune21, Ausgabe 4/2020
Kommune21, Ausgabe 5/2020
Kommune21, Ausgabe 6/2020

Ausgewählte Anbieter aus dem Bereich Breitband:
Aktuelle Meldungen