Potsdam:
Transparente Daten


[11.6.2018] Potsdam stellt Bürgern, Forschung und Wirtschaft digitale Datenbestände frei und transparent in einem Open-Data-Portal zur Verfügung. Im Vorfeld hatte die Stadt ein Konzept erstellt, das auf den Ergebnissen einer öffentlichen Online-Umfrage basiert.

Potsdam setzt sich mit Open Data strategisch auseinander. Anfang dieses Jahres wurde für Potsdam ein Open-Data-Portal gelauncht, das Teil des Konzepts zum digitalen Wandel im Rathaus der Landeshauptstadt Brandenburgs ist. Bis zum Start des Portals wurden Daten primär als PDF-Dokumente im städtischen Internet-Auftritt veröffentlicht: Statistikberichte, rechtsgültige Bebauungspläne, Ergebnisse von Bürgerumfragen, Wahlergebnisse, Haushaltsdaten, Unterlagen der Gremiensitzung und vieles mehr war und ist auf der Website verfügbar, allerdings nicht immer leicht zu finden.
Im neuen Open-Data-Portal stellt Potsdam den Bürgern, der Forschung und Wirtschaft digitale Datenbestände frei und transparent zur Verfügung. Insbesondere Daten aus den Bereichen Bauen und Wohnen, Geodaten und Bevölkerung sind aktuell Open-Data-Schwerpunkte für die Landeshauptstadt. So finden sich in dem Portal unter anderem dreidimensionale Gebäudemodelle, Dokumente zur Abbildung städtebaulicher Entwicklungen und statistische Daten wie Einwohnerzahlen oder die Geburtenentwicklung. Diese Daten stehen auch in maschinenlesbaren Formaten zur Verfügung. Dritte können die Informationen zu neuen Anwendungen verknüpfen, die wiederum über das Open-Data-Portal der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Für die Stadtverwaltung eröffnet das Portal außerdem den direkten Austausch mit der kreativen und innovativen Entwicklerszene. Hieraus ergeben sich zahlreiche Möglichkeiten für Win-win-Situationen für Stadt, Wirtschaft, Forschung und Verwaltung.

Daten von besonderem Interesse

Das Portal soll nach und nach um weitere Datenbestände ergänzt werden. Personen- oder unternehmensbezogene Daten und Informationen, welche durch eine Offenlegung Risiken für die Sicherheit, Betriebs- oder Geschäftsgeheimnisse darstellen oder gegen das Urheber-, Verwertungs- oder Datenschutzrecht verstoßen, werden nicht veröffentlicht.
Dem Portal ist in einem ersten Schritt ein Konzept zum Umgang mit Open Data vorausgegangen. Ziel war es unter anderem, jene Daten zu identifizieren, die von öffentlichem Interesse sind sowie von der Forschung und der Wirtschaft genutzt werden können. Dazu hat Potsdam in einer öffentlichen Online-Umfrage vom 25. August bis 30. September 2015 ermittelt, welche Daten und Informationen aus Sicht von Bürgern, Unternehmen, Politik, Hochschulen sowie Wissenschafts- und Forschungseinrichtungen relevant sind. Demnach sind Daten aus den Themenbereichen Bauen und Wohnen, Denkmalschutz und denkmalgeschützte Gebäude, Transport und Verkehr – etwa Baumaßnahmen oder Staukarten – sowie Bevölkerung für die Umfrageteilnehmer besonders wichtig. Auf großes Interesse stoßen raumbezogene Daten oder Daten, die auf einer Karte darstellbar sind.
Die Umfrageergebnisse bildeten die Basis für das Open-Data-Konzept Potsdams. Aus ihnen wird abgeleitet, welche Daten schrittweise veröffentlicht werden sollen. Auf dieser Grundlage wurde dann beispielsweise der Datenkatalog für Open Data erstellt. Wichtig war es den Verantwortlichen in Potsdam von Anfang an, sich mit dem vielschichtigen Thema strategisch auseinanderzusetzen. Es ist nicht nur Teil des Konzepts, den digitalen Wandel im Rathaus weiter voranzutreiben, sondern auch eine große Chance für die Kommunalverwaltung, für Wirtschaft und Gesellschaft sowie für den Alltag der Bürger. Letztere wurden deshalb von Anfang an miteinbezogen.

Konzept stellt Rahmenbedingungen dar

Die Bereitstellung öffentlicher Daten ist im Detail oft sehr komplex. Daher stellt das Potsdamer Konzept insbesondere die erforderlichen organisatorischen, rechtlichen und technischen Rahmenbedingungen von Open Data dar. Es wird beschrieben, wer welche Aufgaben in der Verwaltung übernehmen soll. Außerdem sollen Nutzungsbedingungen all denen Rechtssicherheit geben, die Daten weiterverwenden und damit neue Anwendungsfälle schaffen wollen. Die erste Weiterverwendung von Verwaltungsdaten findet sich bereits im Portal: Die Entwickler des OK Lab haben zusammen mit einem Unternehmen auf Basis von Geodaten einen Wahllokalfinder entwickelt und kostenfrei zur Verfügung gestellt. Weitere realisierte Projekte des OK Lab auf Basis der städtischen Daten sind unter anderem der Kitarechner und die Website Potsdamer Leitungswasser.
Hürden bei der Umsetzung des Konzepts ergaben sich im Bereich der Nutzungsbedingungen. So gab es beispielsweise Bedenken, eine offene Standardlizenz wie Creative Commons, Open Data Commons oder die Datenlizenz Deutschland anzunehmen. Stattdessen wurde eine städtische Lizenz geschaffen. Erschwerend kommt hinzu, dass Verwaltungsmitarbeiter bei der Veröffentlichung von Daten Bedenken hinsichtlich Datenqualität, Aktualität und Nutzen haben. Daher muss die Datenbereitstellung in Potsdam noch einen verwaltungsinternen Freigabeprozess durchlaufen.
Ideen, das Portal weiterzuentwickeln, gibt es viele. Aktuell scheitert dies insbesondere an den personellen Ressourcen. Denkbar wäre etwa, dass die Geodaten und -dienste aufgrund der Spezialthematik und Sonderstellung im GDI-Kontext eine eigene Rubrik erhalten. Anvisiert ist außerdem eine stärkere Verknüpfung der eingestellten Daten zu vorhandenen Fachapplikationen der Stadt Potsdam. Mittels entsprechender Schnittstellen zu den jeweiligen Fachverfahren könnten vor allem die dynamischen Daten wie Baustellen oder Aufbrüche ständig aktualisiert werden. Diese automatisierte Aktualisierung steht auf den Fahrplan zur Weiterentwicklung des Open-Data-Portals für Potsdam.

Christoph Andersen ist Chief Information Officer (CIO) der Stadt Potsdam.

http://opendata.potsdam.de
http://www.oklab-potsdam.de
Dieser Beitrag ist im Schwerpunkt Open Data der Juni-Ausgabe 2018 von Kommune21 erschienen. Hier können Sie ein Exemplar bestellen oder die Zeitschrift abonnieren. (Deep Link)

Stichwörter: Open Government, Potsdam, Open Data

Bildquelle: Franz/stock.adobe.com

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