Thüringen:
Glasfaserstrategie für den Freistaat


[5.6.2018] Bis 2025 sollen in Thüringen flächendeckend Glasfaserleitungen bis an das Gebäude verfügbar sein, so das Ziel der neuen Glasfaserstrategie für den Freistaat. Kommunen sollen von der Finanzierung der Ausbauvorhaben dabei möglichst freigestellt werden.

Eine Glasfaserstrategie löst in Thüringen die Breitband-Strategie für den Freistaat ab. Eine neue Glasfaserstrategie löst die Breitband-Strategie Thüringen 2020 aus dem Jahr 2013 (wir berichteten) ab. Wie das Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitale Gesellschaft mitteilt, wird das Ziel der Breitband-Strategie – die Versorgung Thüringens mit Breitband-Zugängen von mindestens 30 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) – durch die aktuellen Förderzusagen von Bund und Land und die damit angeschobenen Investitionen im Umfang von mehr als 400 Millionen Euro absehbar erreicht.
Im Zuge der aktuell laufenden Ausbauvorhaben werde bis zum Jahr 2020 Glasfaser in alle Ortschaften des Freistaats verlegt sein. Perspektivisch sei es das Ziel, flächendeckend eine Infrastruktur aufzubauen, die Glasfaserleitungen bis an das Grundstück oder Gebäude (FTTB) bringt. Dieses Ziel soll laut Glasfaserstrategie in mehreren Zwischenstufen erreicht werden: Bis zum Jahr 2022 soll ein flächendeckender Anschluss aller Thüringer Gewerbegebiete und Unternehmen realisiert sein. Bis 2023 ist der flächendeckende Anschluss aller Bildungs- und Forschungseinrichtungen und hier insbesondere von Hochschulen, Berufsschulen und allgemeinbildenden Schulen vorgesehen. Die flächendeckende Anbindung von Verwaltungseinrichtungen und öffentlichen Gebäuden des Landes und der Kommunen ist laut der Strategie bis 2024 geplant. Bis etwa 2025 schließlich sollen Gigabitnetze auf Glasfaserbasis in jeder Gemeinde möglichst bis an die Gebäude flächendeckend verfügbar sein.

Konkrete Maßnahmen geplant

Um die Strategie umzusetzen sieht das Wirtschaftsministerium laut eigenen Angaben mehrere konkrete Maßnahmen vor. So soll beispielsweise das bisherige Breitbandkompetenzzentrum zur Digitalagentur Thüringen (DIT) weiterentwickelt werden. Die Digitalagentur werde als zentraler Ansprechpartner für alle Akteure und Nutzer dienen. Sie werde Informationen über den Breitband-Ausbau erheben und in einer Infrastrukturdatenbank sowie einem jährlichen Digitalisierungsmonitor zur Verfügung stellen. Ferner werde sie zwischen den zuständigen Ebenen und Verantwortlichen vermitteln und Ausbauvorhaben koordinieren.
Das Ministerium sieht außerdem vor, dass die Kommunen – soweit sie dies selbst wollen und es rechtlich zulässig ist – von einer aktiven Rolle bei der Planung, Koordinierung und Finanzierung von Ausbauvorhaben weitestgehend freigestellt werden. So werde die Möglichkeit geschaffen, dass das Land das Projekt-Management für den Glasfaserausbau übernehme, um diesen auch landesweit koordinieren zu können. Auf Bundesebene will sich das Land dafür einsetzen, die Kommunen vollständig von den Ausgaben für den Breitband-Ausbau zu befreien. Zur Vorfinanzierung der Ausbauprojekte habe Thüringen ein zinsloses Breitband-Kreditprogramm aufgelegt, das zur Zwischenfinanzierung von Förderbescheiden genutzt werden könne. Für Mitarbeiter in Verwaltungen, Unternehmen sowie Bildungs- und Forschungseinrichtungen soll zudem ein kontinuierliches Angebot von Weiterbildungs- und Schulungsmaßnahmen zu allen Fragen rund um den Glasfaserausbau geschaffen werden.
Auch das Bekenntnis zu weiterer Förderung ist eine konkrete Maßnahme des Ministeriums im Rahmen der Glasfaserstrategie. Zwar haben Investitionen privater Telekommunikationsunternehmen Priorität. Das Land bekenne sich aber dazu, auch künftig Fördermittel für den Ausbau der Breitband-Infrastruktur zur Verfügung zu stellen und dabei, so weit wie möglich, die Kommunen von der Beteiligung an den Ausbaukosten freizustellen. Damit in der Übergangsphase bis zu einem flächendeckenden Ausbau kein Digitalisierungsprojekt an einer fehlenden Breitband-Anbindung scheitert, wird laut Ministerium ein Glasfaserbonus für Unternehmen geschaffen. Auch für berufs- und allgemeinbildende Schulen soll ein Förderprogramm aufgelegt werden, mit dessen Hilfe bestehende Versorgungslücken geschlossen werden können.

Ambitioniert, aber realistisch

Wie das Ministerium weiter ankündigt, soll außerdem die Möglichkeit geprüft werden, Teile des Glasfasernetzes nach den Grundsätzen des Open Access im Eigentum der öffentlichen Hand zu errichten – etwa im Rahmen einer landesweiten Infrastrukturgesellschaft. Ein solches aus öffentlichen Mitteln geschaffenes Glasfasernetz werde dann den Telekommunikationsunternehmen gegen Entgelt zur Verfügung stehen und so eine Refinanzierung der Ausbaukosten ermöglichen.
Aber auch neue politische Grundsätze sollen bei der Realisierung der Glasfaserstrategie in Thüringen helfen. Demnach dürfen Maßnahmen zur bloßen Netzoptimierung künftig keinen Vorrang vor dem Glasfaserausbau haben. Das Land werde seine Fördermaßnahmen aus dem Jahr 2019 ausschließlich auf den Glasfaserausbau – und hier auf FTTB-Projekte – konzentrieren. Zudem müsse aus Landessicht dem Aspekt der Daseinsvorsorge künftig auch bei der Breitband-Versorgung stärker Rechnung getragen werden. Eine Belastung der Kommunen mit Ausgaben und Aufwendungen zum Glasfaserausbau wird laut Wirtschaftsministerium daher abgelehnt.
„Mit der Glasfaserstrategie wählen wir einen realistischen, aber dennoch ambitionierten Ansatz“, erklärt Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee. Statt kurzfristiger Vollzugsdaten und willkürlicher Übertragungsraten habe sich das Land damit ein klar definiertes Infrastrukturziel gesetzt. „Mit einer solchen Infrastruktur ist Thüringen für die digitale Gesellschaft des 21. Jahrhunderts hervorragend aufgestellt.“ Allerdings werde der flächendeckende Neuaufbau des Glasfasernetzes nicht auf einmal und nicht innerhalb weniger Jahre gelingen. „Aber wir werden dafür sorgen, dass alle diejenigen, die Gigabitanschlüsse schon heute benötigen, diese auch kurzfristig erhalten und alle anderen dann, wenn neue Anwendungen, Technologien und Nutzerinteressen den entsprechenden Bedarf dafür schaffen.“ (ve)

http://www.thueringen.de

Stichwörter: Breitband, Politik, Thüringen, Glasfaser



Druckversion    PDF     Link mailen


 Anzeige

handelsblatt2204-banner
Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich Breitband
Köln: Digitale Infrastruktur wächst
[24.5.2022] Die Stadt Köln will – gemeinsam mit dem Land NRW und dem Unternehmen NetCologne – bis 2025 den Glasfaserausbau in unterversorgten Quartieren voranbringen. Schon jetzt ging ein stadtweites LoRaWAN samt passender Plattform in Betrieb, ebenfalls unter Regie von NetCologne. mehr...
Köln: Die digitale Infrastruktur der Domstadt wird um Breitband-Anschlüsse auch in Außenbezirken und ein LoRaWAN erweitert.
Deutsche Glasfaser: Vier Kommunen wollen Anschluss
[24.5.2022] Glasfaserschnelles Internet soll es künftig auch in Zella-Mehlis, Oberhof, Steinbach-Hallenberg und der Verwaltungsgemeinschaft Dolmar-Salzbrücke geben. Die vier Kommunen haben eine Kooperation für den eigenwirtschaftlichen Ausbau mit Deutsche Glasfaser unterzeichnet. mehr...
Glasfaseroffensive im Landkreis Schmalkalden-Meiningen.
Hessen: Glasfaserpakt unterzeichnet
[18.5.2022] Hessens Landesregierung, BREKO, VKU Hessen und elf Telekommunikationsunternehmen haben einen Glasfaserpakt unterzeichnet. Dieser legt unter anderem die Ausbauzahlen fest: 530.000 Haushalte sollen in den kommenden zwölf Monaten einen Glasfaseranschluss erhalten. mehr...
Hessen: Digitalministerin Kristina Sinemus und Ministerpräsident Volker Bouffier präsentieren den Glasfaserpakt.
Studie: Glasfaser als nachhaltige Technologie
[16.5.2022] Wie nachhaltig sind die verschiedenen Internet-Zugangstechnologien? Dies ließ der BREKO in einem Gutachten der Technischen Hochschule Mittelhessen untersuchen. Demnach haben FTTH-Glasfasernetze den geringsten Energieverbrauch – und bringen noch einige weitere Umweltvorteile. mehr...
Axians: Broadband as a Service für Kommunen
[13.5.2022] Das Unternehmen Axians hat ein Angebot entwickelt, mit dessen Hilfe Kommunen ihren Bürgern günstig und flexibel Breitband-Internet anbieten können. Der Managed Service stellt eine Alternative zum eigenen Ausbau und zur Abgabe an Telekommunikationsunternehmen dar. mehr...
Weitere FirmennewsAnzeige

E-Invoicing: Was 2022 auf Kämmereiabteilungen zukommt
[2.5.2022] Annahme und Verarbeitung von E-Rechnungen, Portallösungen und PEPPOL, das neue Umsatzsteuerrecht für Kommunen – mit einigen dieser Themen haben Kämmereiabteilungen schon seit längerem zu tun, andere sind neu bzw. werden weiter ausgebaut. So bringt das laufende Jahr für alle in der kommunalen Verwaltung, die mit Steuern, Haushalt und Finanzen zu tun haben, technische wie auch gesetzliche Neuerungen. mehr...
Suchen...

 Anzeige

vereon2204-cont

 Anzeige

vereon2204-cont

Aktuelle Information des Verlags


In Zeiten der Corona-Pandemie werden wir aktuelle Ausgaben von Kommune21 allen Interessierten bis auf weiteres kostenfrei digital zur Verfügung stellen. Weisen Sie bitte auch Ihre Kolleginnen und Kollegen im Homeoffice auf diese Möglichkeit hin.

Wir haben an dieser Stelle eine Bitte an Sie:
Die gegenwärtige Situation macht einmal mehr deutlich, wie wichtig das Thema Digitalisierung auch in Ihrer Verwaltung, Behörde oder Schule ist. Kommune21 berichtet seit 20 Jahren über alle wichtigen Themen der IT-gestützten Verwaltungsmodernisierung und hilft, die Digitalisierung im Public Sector transparent und besser zu gestalten. Bitte prüfen Sie über Ihre Buchhaltung, ob Sie bereits ein reguläres Abonnement von Kommune21 haben. Wenn nicht, dann freuen wir uns, wenn Sie gerade in diesen Zeiten ein Abonnement in Betracht ziehen. Danke!

Kommune21, Ausgabe 05/2022
Kommune21, Ausgabe 04/2022
Kommune21, Ausgabe 03/2022
Kommune21, Ausgabe 02/2022

Ausgewählte Anbieter aus dem Bereich Breitband:
goetel GmbH
37079 Göttingen
goetel GmbH
Aktuelle Meldungen