Cloud-Infrastruktur:
Der Himmel über Europa


[27.8.2019] Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier will mit einer europäischen Cloud-Lösung der Vorherrschaft US-amerikanischer Technologiekonzerne begegnen und die europäischen Daten sicherer machen.

Für Europa ist eine eigene Cloud-Infrastruktur im Gespräch. Noch in dieser Woche will Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier mit verschiedenen Technologiekonzernen über eine vernetzte Cloud-Lösung sprechen. Einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zufolge nennt sich das Projekt Gaia-X und will große und kleine Cloud-Anbieter miteinander vernetzen und auf diese Weise eine europäische Super-Cloud schaffen. Den Plänen zufolge sollen sich europäische Anbieter von Serverhardware und Infrastruktur über ein offenes und standardisiertes Netzwerk verbinden. Vorstellbare Großpartner wären etwa die Deutsche Telekom oder Vodafone. Zudem soll eine eigene Organisation gegründet werden, welche die Technik und das Regelwerk der Cloud steuert. Dabei will die deutsche Bundesregierung zentral agieren und führt offenbar bereits Gespräche mit anderen europäischen Regierungen.

Verlässliche Datensouveränität

Altmaier geht es darum, ein stärkeres Gegenwicht zur Marktdominanz durch US-amerikanische Anbieter zu schaffen. Amazon, Microsoft und Google teilen sich einen Großteil des weltweiten Cloud-Marktes untereinander auf. Noch 2016 hatte Microsoft eine Deutschland-Cloud unter der Datentreuhänderschaft der Telekom ins Leben gerufen. Im Zuge der Enthüllungen von Edward Snowden war die Frage aufgekommen, wie gut deutsche und europäische Unternehmensdaten bei amerikanischen Cloud-Konzernen aufgehoben sind, wenn Geheimdienste darauf zugreifen können. Fortan sollten bei Microsoft die Daten deutsches Territorium nicht mehr verlassen und wurden in Rechenzentren in Frankfurt am Main gespeichert. Mangels Nachfrage stellte Microsoft das Angebot im August 2018 wieder ein.
Bei Altmaiers Vorstoß geht es nun ebenfalls um Fragen der Territorialität und Datensouveränität. Im Juli hatte der Minister verkündet: „Die europäische Wirtschaft benötigt dringend verlässliche Datensouveränität.“ Damit knüpft er an Fragen an, die spätestens seit der Einführung der europäischen Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) schwelen: Wo lagern unsere Daten, welche Wege legen sie zurück und wie sicher sind sie dort aufgehoben? Dies tangiert auch die Verwaltung. Aktuell bereiten insbesondere Windows- und Office-Produkte von Microsoft Sorgen. Sie sind auch auf Verwaltungsrechnern millionenfach verbreitet.

Teil der staatlichen Daseinsvorsorge

Gerade das cloudbasierte Betriebssystem Windows 10 sowie die Büro-Software Office 365 laufen in Microsoft-Rechenzentren weltweit und kommunizieren unentwegt hin und her. Updates gelangen automatisch gesteuert auf die Rechner der Endanwender, Telemetriedaten umgekehrt zu Microsoft. Die niederländische Regierung hatte 2018 diesbezüglich eine Datenschutzfolgenabschätzung eingeleitet, der zufolge auch personenbezogene Daten abfließen können und damit der DSGVO widersprechen. Neben Informationen über Programme und Dienste, die aktiv auf einem PC laufen, würden mitunter auch Standort, IP-Adresse bis hin zu Betreffzeilen von E-Mails in die USA übermittelt. Auch auf die Möglichkeit von Nutzerprofilen durch die Verknüpfung der gewonnen Daten wurde aufmerksam gemacht. Daraufhin setzten sich die Niederländer mit Microsoft ins Benehmen und erreichten eine Sperre der Telemetriedaten für die von der niederländischen Regierung benutzten Produkte.
Auch das deutsche Bundesinnenministerium führt Gespräche mit Microsoft und konnte in diesem Jahr eine Verlängerung der so genannten Konditionenverträge für nicht-cloudbasierte Software erwirken. Das heißt, diese Programme werden für weitere drei Jahre von Microsoft unterstützt und mit Sicherheitsupdates versorgt. Gleichzeitig zeugt die von Peter Altmaier nun angestoßene Initiative von der notwendigen Erkenntnis, dass digitale Souveränität zur staatlichen Daseinsvorsorge zählt, unter welche eben auch die Sicherheit der IT-Systeme und die Privatsphäre der Bürger fallen.

Helmut Merschmann


Stichwörter: IT-Infrastruktur, Cloud Computing



Druckversion    PDF     Link mailen



Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich IT-Infrastruktur
Vitako / Deutscher Landkreistag: Positionspapier zur föderalen IT-Architektur
[27.8.2020] Der Deutsche Landkreistag und Vitako haben ein Papier zur föderalen Digitalisierungsarchitektur vorgelegt. Unter anderem wird umrissen, wie bereits bestehende kommunale IT-Strukturen weiterentwickelt werden können, um OZG-Vorgaben zu erfüllen. mehr...
Bürgerservice: Terminal als Brücke Bericht
[19.8.2020] Mit automatisierten Ausgabe-Terminals können Behörden den Bürgern nicht nur Dokumente außerhalb von Öffnungszeiten zur Verfügung stellen. Sie stärken damit auch den lokalen Einzelhandel oder reduzieren sogar den CO2-Ausstoß in einer Kommune. mehr...
Niedersachsen: Software entlastet Gesundheitsämter
[17.8.2020] Eine spezielle Software soll die Gesundheitsämter in Niedersachsen bei ihren pandemiebezogenen Aufgaben unterstützen. Die Open-Source-Anwendung soll bis Jahresende im gesamten Bundesland implementiert sein. mehr...
SharePointForum 2020: Webinar-Serie und Präsenzveranstaltung
[13.8.2020] Mit einer wöchentlichen Webinar-Serie startete das Stuttgarter SharePointForum 2020 bereits Ende Juli. Auf der Präsenzveranstaltung Ende Oktober stehen die Themen SharePoint, Microsoft Teams und Office 365 im Fokus. mehr...
Die Präsenztickets für das SharePointForum sind in diesem Jahr begrenzt, um ausreichend Raum bieten zu können. Allerdings besteht auch die Möglichkeit online teilzunehmen.
XPlanung/XBau: Datenformate werden weiterentwickelt
[12.8.2020] Der Betrieb der Leitstelle XPlanung/XBau wurde jetzt mit einer Verwaltungsvereinbarung gesichert. Die in Hamburg ansässige, bundesweit tätige Koordinierungsstelle treibt die Vereinheitlichung von Datenstandards im Planungs- und Bauwesen voran. mehr...
Suchen...

 Anzeige

Aktuelle Information des Verlags


In Zeiten der Corona-Pandemie werden wir aktuelle Ausgaben von Kommune21 allen Interessierten bis auf weiteres kostenfrei digital zur Verfügung stellen. Weisen Sie bitte auch Ihre Kolleginnen und Kollegen im Homeoffice auf diese Möglichkeit hin.

Wir haben an dieser Stelle eine Bitte an Sie:
Die gegenwärtige Situation macht einmal mehr deutlich, wie wichtig das Thema Digitalisierung auch in Ihrer Verwaltung, Behörde oder Schule ist. Kommune21 berichtet seit 20 Jahren über alle wichtigen Themen der IT-gestützten Verwaltungsmodernisierung und hilft, die Digitalisierung im Public Sector transparent und besser zu gestalten. Bitte prüfen Sie über Ihre Buchhaltung, ob Sie bereits ein reguläres Abonnement von Kommune21 haben. Wenn nicht, dann freuen wir uns, wenn Sie gerade in diesen Zeiten ein Abonnement in Betracht ziehen. Danke!

Kommune21, Ausgabe 9/2020
Kommune21, Ausgabe 8/2020
Kommune21, Ausgabe 7/2020
Kommune21, Ausgabe 6/2020

Ausgewählte Anbieter aus dem Bereich IT-Infrastruktur:
IT-Guide PlusDATEV eG
90429 Nürnberg
DATEV eG
Net at Work GmbH
33104 Paderborn
Net at Work GmbH
Consultix GmbH
28195 Bremen
Consultix GmbH
Aktuelle Meldungen