Ratsinformationssysteme:
30 Jahre Sternberg


[25.3.2020] Jan-Christopher Reuscher, einer der drei Geschäftsführer von Sternberg, berichtet anlässlich des 30-jährigen Firmenjubiläums über die Entwicklungen in der Unternehmensstruktur und im Portfolio sowie über den Wunsch nach Vereinfachung und Automatisierung.

Sternberg-Geschäftsführer Jan-Christopher Reuscher Herr Reuscher, vor 30 Jahren begann alles mit der Entwicklung einer ersten Version Ihres Sitzungsdienstes. Welche Anforderungen und Herausforderungen standen damals im Raum?

Ein Arbeitskreis mit fünf Kommunen aus dem nordrhein-westfälischen Kreis Steinfurt, nämlich die Städte Emsdetten, Greven, Ibbenbüren und die Gemeinden Nordwalde und Recke, legten die Anforderungen fest: Word 4.0 in einer PC-Umgebung, Betrieb auf dem proprietären System BULL DPS 6000 und ein Ablauf, der zu 100 Prozent bis heute erhalten geblieben ist.

Wo liegen die größten Unterschiede zu den ersten Versionen Ihrer Lösung?

Große Veränderungen gab es natürlich bei der Technik. Wo früher ein MS-DOS arbeitete, ist es heute ein Windows und Office mit viel mehr Möglichkeiten. Dementsprechend hat sich von der Usability und Automatisierung über den Bereich des Web-Auftritts bis hin zu der Möglichkeit der papierlosen Sitzung einiges geändert. Was aber immer konstant geblieben ist und auch bleibt, ist die persönliche Betreuung.

Ihre Kunden dürfen und sollen mitreden. Welche Veränderungen konnten Sie bei den Anwenderwünschen feststellen?

Die Tendenz geht klar in Richtung Vereinfachung und Automatisierung. Wir haben inzwischen viele Drag-and-drop-Möglichkeiten geschaffen, genauso wie wir die Kommunikation zwischen Mandatsträgern und der Verwaltung immer mehr ausbauen. Ein weiterer Punkt könnte die Unabhängigkeit von vorhandener Hardware sein. Dadurch kann sich unser Kundenspektrum nochmals erhöhen, da wir dann nur noch wenige spezielle Systemanforderungen haben.

Ohne App geht heute gar nichts mehr. 2009 hat Sternberg dazu den Grundstein gelegt. Wann und wie wurde Ihnen klar, dass das Sitzungsmanagement mobil werden muss?

Der Wunsch nach dem papierlosen Büro ist ja schon sehr alt. Bereits 2004 haben wir mit dem winRICH Client für Mandatsträger eine Möglichkeit geboten, auf dem Laptop die Sitzung zu verfolgen und auch die Dokumente mit eigenen Annotationen zu versehen. Das wurde allerdings aufgrund von geringen Akkulaufzeiten, Lüftergeräuschen und Gewicht der Hardware noch nicht so angenommen. Mit Aufkommen der ersten Tablets waren diese Hemmnisse verschwunden und der Weg frei für die papierlose Gremienarbeit.

„Die Tendenz geht klar in Richtung Vereinfachung und Automatisierung.“

Neben Papier- und Ressourceneinsparungen wurde in den folgenden Jahren die Transparenz der Verwaltungsarbeit immer wichtiger. 2013 kam die Bürger­App auf den Markt. Woher kam dieser Impuls?

Mit Fertigstellung unserer Sitzungsapp war klar, dass dieser Service auch den Bürgern zur Verfügung gestellt werden muss. Technisch gab es keine Schwierigkeiten, da im Grundaufbau bereits alles vorhanden war. Deshalb kam die BürgerApp auch kostenfrei mit auf den Markt.

Wie sieht Ihre aktuelle Unternehmens- und Kundenstruktur aus?

Wir hatten in den vergangenen Jahren nicht nur einen starken Kunden-, sondern auch einen starken Mitarbeiterzuwachs. Während wir 2013 nach 23 Jahren noch circa 350 Kunden und 14 Mitarbeiter zählten, sind heute, nur sieben Jahre später, gut 650 Kunden und 31 Mitarbeiter im Familienunternehmen beschäftigt. Der Großteil unserer Kunden kommt selbstverständlich immer noch aus dem kommunalen Sektor. Allerdings entwickelt sich ein Trend, der uns zeigt, dass unser System in vielen Bereichen außerhalb einer Stadtverwaltung seine Berechtigung hat. Daher haben wir inzwischen viele Verbände, Kammern, Universitäten sowie Versicherungen und Unternehmen als Kunden hinzugewonnen.

Neben Sitzungsdienst und Gremien­informationssystem bietet Sternberg noch weitere Module an. Seit 2019 haben Sie auch einen Formular-Manager im Portfolio. Welche Releases sind für dieses Jahr geplant?

Der Formular-Manager bietet unseren Kunden eine integrierte Möglichkeit, mit den Mandatsträgern zu kommunizieren. Wir haben darauf geachtet, ihn so flexibel zu halten, dass wir damit auch auf lange Sicht die Wünsche unserer Kunden abdecken können. Mit diesem Modul ist es zum Beispiel möglich, Teilnahmeabfragen für die Sitzungen digital zu erfassen und automatisch zu verarbeiten. Andere Möglichkeiten sind, Reisekostenformulare oder Anträge über diesen Weg medienbruchfrei zu übertragen. Dieses Jahr werden wir die App um einen Chat erweitern. Andere Neuerungen finden eher unsichtbar für die Kunden statt. Erwähnenswert sind hier die Themen Sicherheit, wie Verschlüsselung von Daten und Zwei-Faktor-Authentifizierung, sowie Barrierefreiheit.

Interview: Sara Ott

https://www.sitzungsdienst.net
Dieser Beitrag ist in der Ausgabe März 2020 von Kommune21 im Schwerpunkt Ratsinformationssysteme erschienen. Hier können Sie ein Exemplar bestellen oder die Zeitschrift abonnieren. (Deep Link)

Stichwörter: Sitzungsmanagement, RIS, Sternberg, Jubiläum, Formular-Management

Bildquelle: Sternberg

Druckversion    PDF     Link mailen



Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich RIS | Sitzungsmanagement
Ratsinformationssysteme: Berührungsängste abbauen Bericht
[30.11.2021] Gremienunterlagen sind in der schleswig-holsteinischen Stadt Wedel seit rund einem Jahr vollständig digital verfügbar. Das spart nicht nur Papier und Zeit, sondern ermöglicht den Mandatsträgern auch ein effizientes Arbeiten. mehr...
Von Blättern befreit: Gremienunterlagen sind in Wedel komplett digital verfügbar.
München: Neuer Auftritt für das RIS
[23.11.2021] Nach 15 Jahren hat das Ratsinformationssystem der bayerischen Landeshauptstadt eine grundlegende Modernisierung erfahren. In aktualisiertem Design bietet es neue Funktionen, die auf intuitive und komfortable Bedienbarkeit ausgerichtet sind. mehr...
Kreis Lippe: Aus für Papierstapel
[16.11.2021] Für ihr Sitzungsmanagement haben die Kommunen Detmold und Lage die Mandatos-App eingeführt, mit der Vorlagen und Sitzungsdokumente von den Gremienmitgliedern recherchiert, bearbeitet, kommentiert und sicher abgelegt werden können. Beide Verbandsmitglieder des Kommunalen Rechenzentrums Minden-Ravensberg/Lippe (krz) machen damit in der Digitalisierung von Rats- und Gremienarbeit einen großen Schritt nach vorne. mehr...
Verbandsgemeinde Landstuhl: Betreuung des Sitzungsdiensts
[3.11.2021] Die Verbandsgemeinde Landstuhl betreibt ihren digitalen Sitzungsdienst jetzt mit dem Sitzungsprogramm Session der Firma Somacos. Unterstützung erhält die in Rheinland-Pfalz gelegene Gemeinde dabei vom kommunalen Rechenzentrum Minden-Ravensburg/Lippe (krz). mehr...
Kreis Steinfurt: Modellkommune für digitale Sitzungen
[6.9.2021] Der Kreis Steinfurt in Nordrhein-Westfalen erprobt jetzt als Modellkommune digitale Gremiensitzungen. Neben ihm nehmen noch 16 weitere Interessenten an dem vom Land durchgeführten Projekt teil. mehr...
Suchen...

 Anzeige



 Anzeige



Aktuelle Information des Verlags


In Zeiten der Corona-Pandemie werden wir aktuelle Ausgaben von Kommune21 allen Interessierten bis auf weiteres kostenfrei digital zur Verfügung stellen. Weisen Sie bitte auch Ihre Kolleginnen und Kollegen im Homeoffice auf diese Möglichkeit hin.

Wir haben an dieser Stelle eine Bitte an Sie:
Die gegenwärtige Situation macht einmal mehr deutlich, wie wichtig das Thema Digitalisierung auch in Ihrer Verwaltung, Behörde oder Schule ist. Kommune21 berichtet seit 20 Jahren über alle wichtigen Themen der IT-gestützten Verwaltungsmodernisierung und hilft, die Digitalisierung im Public Sector transparent und besser zu gestalten. Bitte prüfen Sie über Ihre Buchhaltung, ob Sie bereits ein reguläres Abonnement von Kommune21 haben. Wenn nicht, dann freuen wir uns, wenn Sie gerade in diesen Zeiten ein Abonnement in Betracht ziehen. Danke!

Kommune21, Ausgabe 11/2021
Kommune21, Ausgabe 10/2021
Kommune21, Ausgabe 9/2021
Kommune21, Ausgabe 8/2021

Aktuelle Meldungen