Digitalisierung:
Schulen müssen nachsitzen


[15.6.2020] Der Stand der Digitalisierung an Schulen ist ungenügend, obwohl es gute Konzepte und Umsetzungsbeispiele gibt. Ein Berliner Verein setzt auf Open Source und ein Hackathon will Grundsteine für eine neue Lernkultur legen.

Bei den Digitalisierungsvorhaben an Schulen beißt sich die Katze in den Schwanz. Seit März 2019 hat der Bundesrat 5,5 Milliarden Euro für Ausstattung und digitalen Unterricht freigegeben, seit drei Jahren ist das Vorhaben bekannt. Jeder Schulträger kann im eigenen Bundesland Mittel beantragen – doch nur den wenigsten ist dies bereits geglückt. Bevor die Fördermittel für Breitband-Zugang, WLAN, Netzwerke, Laptops, Tablets, Whiteboards und digitale Lernmittel zur Verfügung gestellt werden, müssen Medienkonzepte eingereicht werden, mit denen die Schulen darlegen, wie sie die Gerätschaften in den Unterricht einbinden wollen. Eigentlich sollte das kein Hexenwerk sein. Initiativen wie „Das macht Schule“ unterstützen Schulträger bei der Erstellung solcher Konzepte, indem dort einzelne Unterrichtsbausteine von Lehrkräften für Lehrkräfte als freie Bildungsmedien mit cc-Lizenz verfügbar sind.

Unzureichende Vorbereitung

Ein Medienkonzept setzt allerdings voraus, sich mit digitalem Unterricht auseinanderzusetzen. Meist sind es jüngere Lehrer, die dies an ihren Schulen leisten. Doch auch sie werden immer noch völlig unzureichend an Universitäten darauf vorbereitet. Insofern offenbart die jetzige Situation ein grundsätzliches Problem bei der digitalen Transformation an Schulen. Natürlich gibt es viele Ausnahmen. Sonst würden die vorhandenen digitalen Lernplattformen nicht angenommen werden. In Bayern nehmen rund 5.500 Schulen an Mebis teil. In Nordrhein-Westfalen bietet eine Landes-Schul-Cloud ähnliche Funktionen.
Viele Schulen tun in der aktuellen Situation ihr Möglichstes, um den Unterricht per Videokonferenz, WhatsApp-Gruppen, Schüler- und Elternportal aufrechtzuerhalten. Noch mehr Schulen gelingt dies mangels Ausstattung jedoch nicht. Ein gemeinsamer Standard ist nicht in Sicht. Jedes Bundesland bastelt an eigenen Lösungen, obwohl Infrastrukturen wie etwa die kostenlose HPI-Schulcloud längst verfügbar sind. Derzeit verschenkt Microsoft Lizenzen für das Office-365-Paket, um digitales Lernen in der Corona-Krise zu erleichtern. Allerdings wird der Einsatz von Software-Paketen wie Office 365, Google G Suite for Education und Apple School auch sehr kritisch gesehen, insbesondere was Fragen des Datenschutzes anbelangt.

Sofortprogramm für Schulen

Ein Berliner Verein setzt sich für Open Source bei der Schuldigitalisierung ein. Cyber4Edu entstand im Umfeld des Chaos Computer Clubs und bietet Schulen Unterstützung bei digitalen Werkzeugen für den Unterricht. Statt auf Konferenzsysteme wie Teams, Zoom oder Jitsi setzt man auf die freie Software Big Blue Button, die speziell für die Bedürfnisse von Schulen entwickelt wurde und eine browserbasierte, in Java programmierte quelloffene Software ist. Zudem will der Verein bald die Lernplattform Moodle, die an vielen Universitäten zum Einsatz kommt, sowie die freie Cloudsoftware Next Cloud einbinden.
Unterdessen hat die Bundesregierung ein Sofortprogramm für Schulen aufgelegt und unterstützt zusammen mit den Ländern die Beschaffung von mobilen Endgeräten für Schülerinnen und Schüler mit 550 Millionen Euro, die nach dem Königsteiner Schlüssel verteilt werden. Ein neuer Hackathon #wirfürschule, der vom 8. bis zum 12. Juni 2020 lief, will Grundsteine für eine neue Lernkultur an Schulen legen und geeignete Apps und Hilfsmittel entwickeln. Zur Teilnahme aufgerufen waren Experten aus den Bereichen Design und Programmierung sowie Kreative mit guten Ideen.

Helmut Merschmann

http://www.das-macht-schule.net/digitalpakt-medienkonzept
https://mebis.bayern.de
https://www.ucloud4schools.com
https://schul-cloud.org
https://cyber4edu.org/c4e/wiki/doku.php

Stichwörter: Schul-IT, DigitalPakt Schule, Open Source Software, Big Blue Button, #wirfürschule



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