HPI Schul-Cloud:
Erwartungen erfüllt


[17.8.2020] Cloud Computing lautet auch im Schulbetrieb das Gebot der Stunde. Die Schul-Cloud des Hasso-Plattner-Instituts (HPI) erweist sich nach anfänglichen Datenschutzproblemen als funktionale Lösung.

Die Schul-Cloud des Hasso-Plattner-Instituts (HPI) erfüllt die Erwartungen der Bundesregierung. Die Schul-Cloud des Hasso-Plattner-Instituts (HPI) hat sich nach anfänglichen Datenschutzproblemen bewährt und erfüllt die Erwartungen der Bundesregierung. Dies geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der FDP-Fraktion hervor. Die HPI Schul-Cloud ist ein mit Fördergeldern des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) ausgestattetes Projekt, das seit September 2016 entwickelt und zusammen mit dem MINT EC, einem Netzwerk naturwissenschaftlicher Exzellenz-Schulen, erprobt wird. Bislang haben sich Thüringen, Brandenburg und Niedersachsen für eine landesweite Nutzung entschieden, viele Schulen anderer Bundesländer sind inzwischen ebenfalls vertreten. Bis Mitte Juli 2020 meldeten sich laut Bundesregierung insgesamt 4.031 Schulen bei der HPI Schul-Cloud an.
Als cloudbasierte Software-Lösung stellt sie webbasierte Lerninhalte und Anwendungen über einen zentralen Zugang zur Verfügung. Endanwender wie Schulen, Lehrkräfte und Schüler sollen von administrativen und technischen Aufgaben entlastet werden und eine leistungsfähige Lehr- und Lernumgebung nach dem Prinzip Bring your own Device (BYOD) erhalten.

Kollaborative Lernlösungen

Cloud-Lösungen gelten auch bei der Schul-IT als Maß aller Dinge. Die Vorteile sind: Der Zugang zu allen Lern- und Lehrmaterialien kann jederzeit von überall erfolgen. Schul-Clouds bieten kollaborative Lernlösungen und regen zum autonomen Lernen an. Jeder Nutzer kann zudem eigene Lernangebote, beispielsweise zur Nachhilfe, einstellen. Damit können Schulen die Qualität des Unterrichts gerade jetzt in Zeiten der Corona-Pandemie steigern, und Homeschooling wird so erst möglich. Nicht zuletzt die Tatsache, dass Schulen keine eigenen Server und Speicher bereitstellen müssen und somit auch Administration und Wartung entfallen, macht eine Schul-Cloud attraktiv. In einigen Bundesländern sind Bildungsplattformen wie LOGINEO in Nordrhein-Westfalen (wir berichteten), das Schulportal Hessen (wir berichteten) oder Mebis in Bayern mit vergleichbaren Funktionen im Einsatz.

Einheitliche IT-Infrastruktur

Die HPI Schul-Cloud nimmt für sich in Anspruch, eine einheitliche IT-Infrastruktur für alle Schulen zu bieten und zudem auf Open Source Software zu beruhen. Der Quellcode ist über die Github-Plattform verfügbar. Terminkoordinierung, Unterrichtsvorbereitung und Kommunikation via interne E-Mail und Chat gehören zu den Grundfunktionen der HPI-Cloud. Hierbei werden Komponenten wie Messenger und Moodle zu einer Lernumgebung zusammengeführt. Eine weitere Ausbaustufe sieht Videokonferenzen und virtuelle Klassenzimmer vor.
In die Entwicklung waren mehrere Landesdatenschutzbeauftragte eingebunden, wobei der Ansatz Privacy by design verfolgt wurde. Das heißt, Datenschutz und Informationssicherheit wurden bereits bei der Konzeption berücksichtigt. Dennoch sind im Mai 2020 Datenschutzprobleme laut geworden. Dem ARD-Magazin Kontraste zufolge war es Externen kurzzeitig möglich gewesen, sich unerlaubt Nutzerkonten anzulegen und die Namen von Schülern zu lesen. Zusätzlich konnten bestimmte Informationen aus dem Ticketsystem, das bei IT-Projekten für die Meldung von Problemen genutzt wird, ausgelesen werden. Diese Sicherheitslücke wurde vom HPI behoben, und auch beim Datenschutz besserte der Software-Entwickler rasch nach. Weiterhin sollen externe Sicherheitsexperten regelmäßig Security Audits durchführen, wie zuletzt im Frühjahr 2020 geschehen.

Erhöhte Aufmerksamkeit

In ihrer Antwort auf die Kleine Anfrage der FDP-Fraktion schreibt die Bundesregierung: „Die Vorfälle unterstreichen die hohe Relevanz von Datensicherheit und Datenschutz bei der Umsetzung von Digitalprojekten in Bereichen, in denen regelmäßig personenbezogene und besonders sensible Daten verarbeitet werden. Für das Schul-Cloud-Projekt ergibt sich aus den bekannt gewordenen Vorfällen eine erhöhte Aufmerksamkeit bezüglich eines systemseitig konsequent konzipierten Datenverarbeitungs- und Datenschutzkonzeptes und die konsequente Anwendung der bereits implementierten Prüfszenarien.“ Eine darüber hinaus gehende Neuorientierung des Projekts sei jedoch weder in Konzeption noch Umsetzung erforderlich.
Insgesamt stehen dem Projekt bis Ende 2021 sieben Millionen Euro des BMBF zur Verfügung. Die Infrastruktur und Anwendungen sollen nach Projektende privatisiert und lizenzpflichtig werden. Kritik an dem Projekt übten im April 2020 andere mittelständische Unternehmen wie AixConcept, H+H Software oder itslearning mit Verweis auf bereits existierende und im Einsatz befindliche Schul-Software-Lösungen (wir berichteten).

Helmut Merschmann

https://hpi.schul-cloud.org

Stichwörter: Schul-IT, Schul-Cloud, Hasso-Plattner-Institut (HPI), BMBF, Datenschutz

Bildquelle: Kwanchai Chai-udom/123rf.com

Druckversion    PDF     Link mailen



Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich Schul-IT
Bitkom: Eltern fordern schnellere Digitalisierung
[5.5.2021] Die Eltern schulpflichtiger Kinder wünschen sich eine beschleunigte Digitalisierung der Bildung und mehr Verantwortung für den Bund. Das ergibt eine repräsentative Befragung des Digitalverbands Bitkom von etwa 1.000 Eltern mit mindestens einem Kind im Alter von 6 bis 18 Jahren im eigenen Haushalt. mehr...
Ein Großteil der Eltern hadert mit der langsam voranschreitenden Digitalisierung an deutschen Schulen.
BMBF: Aufbau einer digitalen Bildungsplattform
[3.5.2021] Künftig soll eine vernetzte Plattform digitale Lehr- und Lernangebote zentral zugänglich machen. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung hat nun eine entsprechende Förderrichtlinie veröffentlicht. mehr...
krz: Eine Sorge weniger
[26.4.2021] Das Kommunale Rechenzentrum Minden-Ravensberg/Lippe (krz) hat über 22.000 Endgeräte für Schulen im Verbandsgebiet besorgt. Ende März ist die letzte Lieferung eingetroffen und die Geräte können nun für den Präsenz- oder Distanzunterricht eingesetzt werden. mehr...
Kreis Marburg-Biedenkopf: Tablets und Notebooks für Lehrkräfte
[21.4.2021] Einen weiteren Schritt zur Digitalisierung des Unterrichts ist der Kreis Marburg-Biedenkopf gegangen. Mehr als 1.800 Lehrkräfte konnten jetzt mit iPads und Notebooks ausgestattet werden. Finanziert wurden diese aus dem Endgeräteprogramm des Bundes und der Länder. mehr...
Kreis Marburg-Biedenkopf: Lehrkräfte erhalten digitale Endgeräte.
Aachen: Alle Schulen am Gigabitnetz
[9.4.2021] Bis Ende 2022 sollen alle Schulen in Nordrhein-Westfalen an leistungsfähige Gigabitnetze angeschlossen werden. In der Stadt Aachen ist das schon jetzt gelungen. mehr...
Suchen...

 Anzeige



 Anzeige

Aktuelle Information des Verlags


In Zeiten der Corona-Pandemie werden wir aktuelle Ausgaben von Kommune21 allen Interessierten bis auf weiteres kostenfrei digital zur Verfügung stellen. Weisen Sie bitte auch Ihre Kolleginnen und Kollegen im Homeoffice auf diese Möglichkeit hin.

Wir haben an dieser Stelle eine Bitte an Sie:
Die gegenwärtige Situation macht einmal mehr deutlich, wie wichtig das Thema Digitalisierung auch in Ihrer Verwaltung, Behörde oder Schule ist. Kommune21 berichtet seit 20 Jahren über alle wichtigen Themen der IT-gestützten Verwaltungsmodernisierung und hilft, die Digitalisierung im Public Sector transparent und besser zu gestalten. Bitte prüfen Sie über Ihre Buchhaltung, ob Sie bereits ein reguläres Abonnement von Kommune21 haben. Wenn nicht, dann freuen wir uns, wenn Sie gerade in diesen Zeiten ein Abonnement in Betracht ziehen. Danke!

Kommune21, Ausgabe 5/2021
Kommune21, Ausgabe 4/2021
Kommune21, Ausgabe 3/2021
Kommune21, Ausgabe 2/2021

Ausgewählte Anbieter aus dem Bereich Schul-IT:
ekom21 – KGRZ Hessen
35398 Gießen
ekom21 – KGRZ Hessen
H+H Software GmbH
37073 Göttingen
H+H Software GmbH
AixConcept GmbH
52222 Stolberg
AixConcept GmbH
Cloud1X
28195 Bremen
Cloud1X
Aktuelle Meldungen