Open Source Software:
Ein Ort für öffentlichen Code


[6.10.2020] Open Source Software kann Ämtern und Behörden echte Mehrwerte bieten. Bislang fällt es allerdings schwer, passende Lösungen zu finden oder sie kollaborativ und rechtssicher weiterzuentwickeln. Ein Ort für öffentlichen Code soll das künftig ändern.

Der Einsatz von Open Source Software (OSS) in der Verwaltung ist ein wichtiger Schritt zu mehr digitaler Souveränität. Bislang schreitet die Verbreitung allerdings nur langsam voran. Ein Ort für öffentlichen Code soll diese zaghaften Versuche unterstützen. Das Konzept klingt zunächst einfach: In einem Repository wird Open Source Software für die Verwaltung bereitgestellt, die Community kann gemeinsam an bestehenden Lösungen arbeiten und neue Projekte entwickeln. An dieser Idee arbeiten derzeit die Open Source Business Alliance (OSBA) und die Arbeitsgemeinschaft der kommunalen IT-Dienstleister, Vitako, zusammen mit Partnern aus dem Umfeld kommunaler IT-Dienstleister und der Open-Source-Szene.
Open-Source-Anwendungen, die in der Verwaltung genutzt werden könnten, gibt es bereits viele. Häufig sind diese aber kaum bekannt und schwer aufzufinden. Hinzu kommt, dass ein Code nicht unbedingt bedenkenlos eingesetzt werden kann. Oft ist zum Beispiel nicht ersichtlich, ob alle Lizenzen korrekt angegeben sind. Darüber hinaus befinden sich Mythen im Umlauf, die OSS grundsätzlich mangelnde Sicherheit vorhalten und sie als wenig praktikabel für Ausschreibungen erscheinen lassen. Das ist ein Irrtum. Eingeschränkte Informationssicherheit und rechtliche Unsicherheiten sind vielmehr die Konsequenz starker Abhängigkeiten von marktbeherrschenden proprietären Software-Lösungen. Besonders misslich erscheint die Haltung der Anbieter im Hinblick auf die Einhaltung der EU-Datenschutzgrundverordnung, die eine rechtskonforme Nutzung vieler Dienste durch die Verwaltung im Umgang mit personenbezogenen Daten ausschließt.

Vorteile für die Verwaltung

Tatsächlich hat Open Source Software Eigenschaften, die insbesondere die Verwaltung in puncto Flexibilität, Innovationsfähigkeit und Sicherheit gleichermaßen für sich nutzen kann. So ist ein offener Code insofern wirklich offen, da er für jeden einsehbar ist und damit schnell und unabhängig auf Sicherheitsaspekte überprüfbar ist. Das verhindert, dass Hintertüren eingebaut werden und erleichtert es, Schwachstellen zu beheben. Außerdem können Anwendungen im eigenen Rechenzentrum betrieben und jederzeit an individuelle Bedürfnisse angepasst werden. Insgesamt lässt sich so eine weitgehende Unabhängigkeit von Herstellern erreichen. Das ist wichtig, wenn der Support von Software dauerhaft sichergestellt sowie Datenschutz gewährleistet werden müssen und ein verknapptes Angebot außereuropäischer cloudbasierter Dienste nicht infrage kommt.
Der große Vorteil von OSS: Die notwendige Arbeit am Code muss nicht allein gestemmt werden, sondern kann mit anderen Anwendern erfolgen. Innovationen werden so schnell umgesetzt und es lässt sich leichter eine Kompatibilität zwischen verschiedenen Systemen herstellen. Auch können alle die OSS in vollem Umfang für sich nutzen, ohne zuvor komplexe Vertragsfragen klären zu müssen. Die einfache Nachnutzung von Lösungen könnte der Umsetzung des Onlinezugangsgesetzes (OZG) mehr Schwung verleihen. Zusammengefasst ermöglichen OSS also eine unkomplizierte Kooperation über Organisationsgrenzen hinweg.
Um die Vorzüge von Open Source Software nutzen zu können, sind mehrere Ziele zu avisieren. Ein Open Source Code Repository muss die Sichtbarkeit von Open-Source-Projekten erhöhen. Dabei gilt es, übersichtliche Informationen zu verwendeten Lizenzen, der Projekt-Community und dem Einsatzbereich der Software bereitzustellen. Wichtig ist zudem, dass die Umgebung den Austausch zwischen den beteiligten Akteuren, etwa Programmierern, Anwendern oder Administratoren fördert. Auch sollte sie den Aufbau von Netzwerken unterstützen, damit Communities rund um die einzelnen Projekte entstehen können. Gleichzeitig muss Rechtssicherheit bei der Bereitstellung des Codes, dessen Abruf und späterer Nutzung herrschen. Dafür ist sicherzustellen, dass stets Angaben zur korrekten Lizenzierung vorliegen. Zudem müssen mit dem Aufbau des Repository Aufklärungsarbeit geleistet und der Zielgruppe grundsätzliche Informationen rund um das Thema OSS näher gebracht werden.

Gemeinsam weiterentwickeln

Als Hauptbestandteil des Open Source Code Repository ist ein Leistungskatalog vorgesehen, der Software übersichtlich und leicht verständlich darstellt. Er soll vor allem aufzeigen, um welchen Anwendungsbereich es sich bei dem jeweiligen Programm handelt, in welcher Entwicklungsstufe sich das Projekt befindet und welche Lizenzen im Einsatz sind. Hinter diesem Leistungskatalog steht dann das eigentliche Repository, auf dem die gemeinsame Arbeit stattfindet. Hier werden der Code und die dazugehörige Dokumentation hinterlegt. Durch die Kennzeichnung fortlaufender Versionen soll jede Änderung transparent nachvollziehbar sein, Fehler können gemeldet und neue Vorschläge eingebracht werden. Daneben ist eine Informationsplattform vorgesehen, auf der weitere Dokumentationen zu den jeweiligen Open-Source-Projekten hinterlegt werden können. Dort sollen dann auch allgemeine Themen rund um Open Source Software aufbereitet werden, wie Lizenz- und Ausschreibungsfragen.
Rechtssicherheit soll durch einfache Nutzungsbedingungen und ein Contributor Agreement entstehen, die sicherstellen, dass die jeweiligen Lizenzen korrekt eingehalten werden. Dieser einfache Rahmen wird im Verlauf durch die Community selbst weiterentwickelt. Gleichzeitig ist eine zentrale Nutzer- und Rechteverwaltung für das gesamte Code Repository vorgesehen.
Der technische Aufbau des Repositories ist kein Großprojekt. Für die notwendigen Funktionen – Lösungskatalog, zentrale Nutzerverwaltung, Code-Plattform und Informationsplattform – existieren bereits Open-Source-Lösungen. Außer den technischen müssen organisatorische und juristische Herausforderungen gelöst werden. Für deren iterative Ausarbeitung und Anpassung an die Bedürfnisse der entstehenden Community, ist eine staatliche Trägerorganisation zu finden oder zu schaffen. Davon ausgehend soll ein Kern-Team entstehen, das das Vorhaben begleitet und sich der Community widmet.
Weiterhin laden wir übrigens alle Interessierten dazu ein, uns auf dem Weg zu einem Ort für öffentlichen Code tatkräftig zu begleiten.

Dr. Ralf Resch ist Geschäftsführer der Bundes-Arbeitsgemeinschaft der Kommunalen IT-Dienstleister, Vitako.

https://www.vitako.de
Dieser Beitrag ist in der Ausgabe Oktober 2020 von Kommune21 erschienen. Hier können Sie ein Exemplar bestellen oder die Zeitschrift abonnieren. (Deep Link)

Stichwörter: Panorama, Open Source, Vitako, digitale Souveränität



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