Fachverfahren:
Melderegister 4.0


[27.11.2020] Mit dem Onlinezugangsgesetz geht auch eine Weiterentwicklung der Melderegister einher. Moderne Software-Lösungen sollen die Behörden bei neuen Aufgaben, etwa im Bereich der Identitätssicherung, unterstützen.

Alles begann mit der Karteikarte. Ihr folgten einfache computergestützte Melderegister. In einer dritten Generation wurden die Melderegister untereinander vernetzt. Onlinezugangsgesetz (OZG) und Registermodernisierung (Once-Only-Prinzip) führen nahezu zwangsläufig zu einer weiteren Entwicklungsstufe, welche durch die direkte Einbeziehung der Bürger und die digitale Vernetzung mit einer Vielzahl anderer Register gekennzeichnet ist. Eine Betrachtung zukünftiger Melderegister 4.0 muss daher mindestens drei Punkte in den Fokus nehmen:

• Die Digitalisierung der Verwaltung ist mehr als Online-Anträge und -Vorgänge,
• das Meldewesen spielt eine zentrale Rolle bei der Sicherung der Identität des Bürgers,
• Registermodernisierung und Once-Only-Prinzip definieren ein neues Verhältnis zu den anderen kommunalen und staatlichen Registern.

So müssen die im OZG-Kontext aufgeführten Online-Leistungen als Teil eines digitalen Gesamtprozesses verstanden werden. Dieser reicht vom digitalen Antrag des Bürgers bis hin zur weitgehend automatisierten Verarbeitung des Bürgeranliegens durch die Verwaltung. Die Fachverfahren müssen ertüchtigt werden, auch die Prozesse innerhalb der Verwaltung automatisiert ablaufen zu lassen. Die Angst, dass durch Automatismen Arbeitsplätze abgebaut werden, ist dabei nicht gerechtfertigt. Im Gegenteil: Es wird immer direkten Bürgerkontakt geben, sei es zur Identifizierung, sei es, weil der Bürger es will, oder weil Probleme auftreten. Darüber hinaus werden neue Arbeitsfelder entstehen. Allein die geplante Registermodernisierung wird aufgrund der notwendigen Identitätsprüfungen zu einer immensen Mehrbelastung in den Meldeämtern führen.

Neu bewerten

Generell muss das Thema der Identität neu bewertet werden. Es ist gesetzlich definierte Aufgabe der Meldebehörde, die Identität und den Aufenthalt der Bürger festzustellen und nachzuweisen. Diese Aufgabenstellung ist nicht auf die physische Welt beschränkt. Es bedarf daher dringend einer Klärung, welche Rolle die Melderegister bei der Identitätssicherung in der digitalen Welt einnehmen werden. Erforderlich wird dies auch durch die politisch gewollte Anwendung des Once-Only-Prinzips. Grundgedanke ist dabei, dass durch einen Verwaltungskontakt des Bürgers eine Prozesskette über verschiedene Verwaltungsbereiche hinweg ausgelöst wird, die das Anliegen vollumfänglich klärt. Hierfür ist ein Zusammenspiel verschiedener Zuständigkeiten und Register erforderlich. Unabhängig von der geplanten Übernahme der Steuer­identifikationsnummer in viele Register wird die Meldebehörde eine zentrale Rolle einnehmen und entsprechende Funktionalitäten anbieten müssen.
Natürlich bedarf es bei solch extremen Veränderungen im Aufgabenspektrum der Meldebehörden auch einer modernen und auf die Zukunft ausgerichteten Software. Mit VOIS|MESO hat Hersteller HSH in den vergangenen Jahren eine solche entwickelt. Als Bestandteil einer behördlichen Gesamtlösung (VOIS) sind damit alle Grundlagen für eine umfassende Umsetzung des Once-Only-Prinzips in der Kommunalverwaltung unter strikter Beachtung aller datenschutzrechtlichen Notwendigkeiten bereits heute gegeben.

Erstes Fachverfahren

Mit Beginn des Jahres 2021 wird HSH einen weiteren Schritt gehen und VOIS|MESO als erstes Fachverfahren mit einem OZG-Adapter ausstatten. Dieser wird es einer Vielzahl von Herstellern von Online-Lösungen erlauben, Daten bei VOIS|MESO zur automatisierten Weiterverarbeitung abzuliefern. Der OZG-Adapter wird offizielle Standards nutzen, wo es sie gibt und andernfalls temporär veröffentlichte Standards vorgeben. Darüber hinaus wird der Adapter abwärtskompatibel sein, getätigte Aufwände für den temporären Standard werden im Falle einer offiziellen Standardisierung also nicht aufgehoben. Der OZG-Adapter wird dann lediglich auch den offiziellen Standard bedienen. Bestandteil der Lösung wird zudem ein klares Regelwerk sein, unter welchen Bedingungen eine automatisierte Verarbeitung nicht möglich ist und wie in einem solchen Fall verfahren wird. Es werden klare Zuständigkeiten im Falle der Nichtverarbeitbarkeit von eingegangenen Nachrichten definiert. Neben dem OZG-Adapter wird VOIS|MESO über eine eigene Online-Komponente verfügen. Diese wird derzeit im Rahmen des VOIS-Projekts als ONLINE|Meldewesen entwickelt und durch moderne Technologien, Usability und Barrierefreiheit gekennzeichnet sein.

Bürger direkt beliefert

Unabhängig davon, ob das Anliegen eines Bürgers mittels OZG-Adapter oder via Online-Vorgang in VOIS|MESO eingeht, entwickelt Hersteller HSH Lösungen, was nach der automatisierten Verarbeitung passieren soll. So sollen die Bürger mittels modernster Technologien direkt mit Informationen und notwendigen Unterlagen beliefert werden, jedoch ist auch die vollautomatisierte Übergabe an Druckstraßen, wo dieses rechtlich noch erforderlich ist, für die Entlastung der Verwaltung enorm wichtig.
Aufgrund häufiger, oft unkoordinierter rechtlicher Änderungen sowie der ungezügelten Versionsänderungen im XÖV-Segment wurden zudem neue Wege beschritten, um die Vielzahl von notwendigen Updates soweit möglich automatisiert zu realisieren. Dazu wurde eigens eine Update-Plattform für die rund 3.000 Meldebehörden in Deutschland entwickelt, die VOIS|MESO nutzen werden. Diese Option führt insbesondere im administrativen Bereich zu einer signifikanten Vereinfachung.

Dynamische Entwicklungszyklen

Durch die Häufigkeit der Updates und der damit verbundenen dynamischen Entwicklungszyklen ist es in den vergangenen Jahren mehr und mehr zu einer zentralen Aufgabe geworden, die notwendige Stabilität der Software sicherzustellen. In diesem Zusammenhang hat HSH die technischen Möglichkeiten geschaffen, um interessierte Dienstleister und Kunden in ein automatisiertes Testsystem zu integrieren, in dem Themen gezielt arbeitsteilig behandelt werden können.
Das Melderegister 4.0 stellt für alle Beteiligten, ob Verwaltung, Politik oder Hersteller, in den kommenden Jahren eine echte Herausforderung dar. Die Einbeziehung der Bürger ist dabei eine Kernaufgabe, die nicht allein durch technische Lösungen, sondern durch eine Gesamtheit an rechtlichen, organisatorischen und technischen Maßnahmen erreicht werden kann.

Stephan Hauber ist Geschäftsführer der HSH Soft- und Hardware Vertriebs GmbH, Ahrensfelde.

https://www.hsh-berlin.com
Dieser Beitrag ist in der Ausgabe November 2020 von Kommune21 erschienen. Hier können Sie ein Exemplar bestellen oder die Zeitschrift abonnieren. (Deep Link)

Stichwörter: Fachverfahren, HSH, OZG, Melderegister



Druckversion    PDF     Link mailen


Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich Fachverfahren
Fachverfahren: i-Kfz hoch im Kurs Bericht
[22.1.2021] Aufgrund der Corona-Pandemie hat der Freistaat Bayern den Zugang zu Online-Diensten im Zulassungswesen vereinfacht. Bei den Bürgern ist das gut angekommen: Die Nutzung einzelner i-Kfz-Dienste hat sich seitdem deutlich erhöht. mehr...
Die AKDB treibt unter anderem mit einem Pilotprojekt in Ingolstadt das Thema Großkundenlösungen voran.
Schleswig-Holstein: Zahlungen per Kita-Datenbank
[21.1.2021] Vollständig digital werden jetzt in Schleswig-Holstein Zahlungen für die öffentliche Finanzierung in der Kindertagesbetreuung über die Kita-Datenbank abgewickelt. Seit August 2020 sind alle Kindertagesstätten im Land in der Datenbank erfasst. mehr...
Erkrath: Umstellung im Meldewesen
[20.1.2021] Im nordrhein-westfälischen Erkrath steht eine Software-Umstellung im Bereich Meldewesen an. Mit VOIS|MESO soll dort in Zukunft eine IT-Plattform genutzt werden, die die Anbindung zahlreicher Fachverfahren erlaubt. mehr...
Rheingau-Taunus-Kreis: Digitaler Führerscheinantrag in Hessen
[19.1.2021] In Hessen ist es jetzt in einem zweiten Landkreis möglich, die Fahrerlaubnis online zu beantragen. Seit Herbst 2020 läuft in dem Bundesland ein Pilotprojekt dazu. mehr...
Fachverfahren: Blaupause für E-Services Bericht
[19.1.2021] Durch die pandemiebedingte intensive Nutzung scheinen immer mehr Hürden für digitale Bürgerservices zu fallen. Als Blaupause dient der Online-Service i-Kfz. mehr...
Die internetbasierte Kfz-Zulassung könnte als Blaupause für Online-Bürgerservices dienen.
Suchen...

Aktuelle Information des Verlags


In Zeiten der Corona-Pandemie werden wir aktuelle Ausgaben von Kommune21 allen Interessierten bis auf weiteres kostenfrei digital zur Verfügung stellen. Weisen Sie bitte auch Ihre Kolleginnen und Kollegen im Homeoffice auf diese Möglichkeit hin.

Wir haben an dieser Stelle eine Bitte an Sie:
Die gegenwärtige Situation macht einmal mehr deutlich, wie wichtig das Thema Digitalisierung auch in Ihrer Verwaltung, Behörde oder Schule ist. Kommune21 berichtet seit 20 Jahren über alle wichtigen Themen der IT-gestützten Verwaltungsmodernisierung und hilft, die Digitalisierung im Public Sector transparent und besser zu gestalten. Bitte prüfen Sie über Ihre Buchhaltung, ob Sie bereits ein reguläres Abonnement von Kommune21 haben. Wenn nicht, dann freuen wir uns, wenn Sie gerade in diesen Zeiten ein Abonnement in Betracht ziehen. Danke!

Kommune21, Ausgabe 1/2021
Kommune21, Ausgabe 12/2020
Kommune21, Ausgabe 11/2020
Kommune21, Ausgabe 10/2020

Ausgewählte Anbieter aus dem Bereich Fachverfahren:
EDV Ermtraud GmbH
56598 Rheinbrohl
EDV Ermtraud GmbH
cit GmbH
73265 Dettingen/Teck
cit GmbH
GovConnect GmbH
30163 Hannover
GovConnect GmbH
Kommunix GmbH
59425 Unna
Kommunix GmbH
Aktuelle Meldungen