DigitalPakt:
Epochale Veränderung


[16.12.2020] Die Digitalisierung der Schulen und zusätzliche Herausforderungen wie Fernunterricht verlangen Trägern nicht nur ein technisches Umdenken ab. Alles aus eigener Kraft zu schaffen, ist kaum möglich. Dienstleister können dabei unterstützen.

Tablets können die Unterrichtsqualität steigern. Als im Jahr 2019 der DigitalPakt Schule in Kraft trat, bemängelten viele Experten, dass die Maßnahmen nur wenig zur Digitalisierung des Unterrichts beitragen und die Fortbildung von Administratoren und Lehrkräften außer Acht lassen. Das ist nicht weiter verwunderlich, denn der DigitalPakt ist in erster Linie ein Infrastrukturprogramm. Netzwerk-, Server- und WLAN-Ausbau stehen im Fokus der Verwaltungsvereinbarung. Rund 70 Prozent der hessischen Fördergelder könnten für diese Basis-Maßnahmen veranschlagt werden, schätzte das Hessische Kultusministerium bei einer Informationsveranstaltung im Oktober 2019. Gemäß den Förderrichtlinien kommen erst danach digitale Anzeigemedien, mobile Endgeräte und digitale Arbeitsgeräte. Prinzipiell eine gute Entscheidung auf Bundes- und Länderebene: Sinnvoll einsetzbar sind die mobilen Endgeräte nämlich erst dann, wenn auch eine ordentliche Infrastruktur vorhanden ist.

Schüler werden zu Learners as Designers

Eine Veränderung im Lehren und Lernen stellt sich jedoch erst mit den Möglichkeiten mobiler Endgeräte – vorrangig Tablets – ein. Sie ersetzen beispielsweise Kameras, Videokameras, Stereoanlagen und in Kombination mit der digitalen Tafel auch den Fernseher. Mit Tablets werden Schüler zu Learners as Designers, das heißt, dass mehr selbst erarbeitet und produziert und weniger frontal aufgenommen wird. Das geht natürlich auch analog, dann aber mit sehr viel mehr Aufwand für die Lehrkräfte.
Gerade Erklärfilme werden häufig als Methode gewählt. Schüler recherchieren ein Thema analog und/oder digital, erarbeiten die Inhalte und geben diese in ihren eigenen Worten und Bildern wieder. Sie lernen dabei, mit geschützten Materialien zu arbeiten, Quellen kritisch zu hinterfragen, das Recht am eigenen Bild zu respektieren und möglichst datensparsam zu sein. Die Arbeit mit Tablets vermittelt bei einem medienpädagogisch sinnvollen Einsatz niederschwellig Kompetenzen, die im 4K-Modell (Kreativität, Kritisches Denken, Kommunikation und Kollaboration) für das künftige berufliche Leben und die gesellschaftliche Teilhabe unerlässlich sind.

Turnschuh-Administration nicht effektiv

Pädagogisch ist das sinnvoll, jedoch ist die Einführung von mobilen Endgeräten für Schulen und kommunale Träger eine Herausforderung. Wohin mit den Erklärfilmen, Fotodokumentationen und Hörspielen? Wie wird verhindert, dass die Folgeklasse alle Daten sieht, die die vorherige Klasse produziert hat? Wer kümmert sich um Updates, kauft Apps und installiert diese auf 100, 200 oder 500 Tablets? Mit der so genannten Turnschuh-Administration, also dem Laufen von Gerät zu Gerät, ist das längst nicht mehr zu stemmen.
Im Rahmen des DigitalPakts und bei der Ad-hoc-Beschaffung der mobilen Schülerausleihgeräte im Sofortausstattungsprogramm des Bundes wurde schnell klar, dass dringend technische Verwaltungslösungen gefunden werden müssen – und dass die Personaldecke nicht reicht, um der neuen IT aus dem DigitalPakt Herr zu werden.

Weichen für die nächsten Jahrzehnte stellen

„Die Ausstattung mit mobilen Geräten ist für die Schulträger die größte Herausforderung in der letzten Zeit und gleichzusetzen mit der flächendeckenden Einführung der IT an Schulen vor 40 Jahren“, sagt Norman Jahn, Projektleiter DigitalPakt und Sachgebietsleiter bei der hessischen Stadt Offenbach. „Die Schaffung der Infrastruktur zum Einsatz der Geräte umfasst WLAN, Mobile Device Management, Enterprise Mobility Management sowie einen Support von 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche – das gab es so noch nicht.“
Vor allem durch die Pandemie und das Sofortausstattungsprogramm mussten zudem schnell sinnvolle und zukunftsfähige Lösungen gefunden werden. „Die Digitalisierung stellt die Schulträger vor Entscheidungen, an welchen sie künftig gemessen werden. Jetzt stellen wir die Weichen für die nächsten Jahrzehnte und nur wer alles bedenkt und über den Tellerrand schaut, wird bestehen können“, skizziert Jahn die Lage.

Professionelle Hilfe annehmen

Und das bedeutet unter anderem, sich Unterstützung für das Thema Verwaltung ins Boot zu holen. „Schulen und Träger müssen professionelle Hilfe von außen annehmen, denn mit Bordmitteln ist eine solch epochale strukturelle Änderung nur schwer zu wuppen“, sagt Dieter Umlauf, der als Medienberater, Tablet-Trainer und Lehrkraft Träger und Schulen bei der Umsetzung mobiler Konzepte berät. In der Weiterbildung von Administratoren und Lehrkräften sieht er den Schlüssel dafür, mobile Endgeräte technisch wie pädagogisch sinnvoll und langfristig in der Schule zu verankern.
Aber aller Anfang ist schwer: „Die meisten unserer Schulträger nutzen für die Administration der mobilen Endgeräte eine On-Premise-Lösung – also eine serverbasierte Lösung vor Ort, die bei Bedarf durch die IT des Trägers selbst gemanagt werden kann“, erklärt Robert Raß, Leiter Dienstleistungen bei Rednet. Gemeinsam mit dem Träger legt sein Team in einem umfangreichen Workshop die Ausgangskonfiguration des Servers fest. Sie kümmern sich zum Beispiel um das Thema Datensicherung und klären unter anderem, wie Apps künftig eingekauft und aufgespielt werden.

Weiterqualifizierung des IT-Personals

Die Schulen werden als Mandanten angelegt und Basisrichtlinien für die Geräte bestimmt. „Unser Ziel ist es, die IT des Trägers in die Lage zu versetzen, mithilfe eines professionellen Settings und dem notwendigen Know-how das Management selbst übernehmen zu können“, sagt Raß. Dem trägt auch die neue Zusatz-Verwaltungsvereinbarung „Administration“ zum DigitalPakt Schule Rechnung. Mit bis zu 10.000 Euro pro Fachkraft können bei den Ländern oder bei Schulträgern angestellte IT-Administratoren qualifiziert und weitergebildet werden. Ein wichtiger Schritt, um langfristig die im DigitalPakt als Grundlage geforderten professionellen Administrations- und Support-Strukturen aufbauen zu können.
Neben der Weiterqualifizierung des IT-Personals stehen die meisten Träger dann noch vor einer schwer zu lösenden Herausforderung: Manpower. Mit dem DigitalPakt fließt viel neue IT in die Schulen. Neue Mitarbeiter mit umfangreichem Know-how zu den benötigten Spezialgebieten zu finden, ist stellenweise unmöglich. Der IT-Arbeitsmarkt ist in Zeiten der Pandemie-Digitalisierung leergefegt. „Wir stellen unseren Kunden zunehmend Supporter, die vor Ort die IT unterstützen und bei Bedarf hausintern auf weitere Spezialisten zurückgreifen können“, berichtet Raß.

Technisches Umdenken

Hohe Verfügbarkeit, Zugriff auf spezielles Know-how und keine Ausfälle durch zum Beispiel Krankheit oder Urlaub – solche Serviceverträge stellen für viele Schulträger eine zukunftsfähige Option dar. Andere kaufen die Spezialisten fallbezogen über Prepaid-Tickets ein, wenn die Schulträger-IT Unterstützung braucht.
Klar ist in der aktuellen Situation: Der DigitalPakt, die damit einhergehende Digitalisierung und zusätzliche Herausforderungen wie Fernunterricht verlangen Schulträgern nicht nur ein technisches Umdenken ab. Denn mit neuen Prozessen, neuen Strukturen, neuen Partnerschaften sowie mehr Kommunikation zwischen IT und Pädagogik stehen allen Beteiligten disruptive Zeiten bevor.

Anne Dederer ist Leiterin Bildungsmanagement bei der REDNET AG.

https://www.rednet.ag
Dieser Beitrag ist in der Ausgabe Dezember 2020 von Kommune21 erschienen. Hier können Sie ein Exemplar bestellen oder die Zeitschrift abonnieren. (Deep Link)

Stichwörter: Schul-IT, Rednet, DigitalPakt Schule

Bildquelle: Rednet

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