Aalen / Heidenheim:
Gemeinsam smart


[17.3.2021] Aalen und Heidenheim wollen sich gemeinsam auf den Weg zur Smart City begeben. Für das interkommunale Modellprojekt wurden zunächst fünf Betätigungsfelder definiert, darunter die Themen intelligente Mobilität und smartes Parken.

Heidenheim erarbeitet alltagsnahe Digitalprojekte. Mit den Modellprojekten Smart Cities unterstützt die Bundesregierung die digitale Transformation in den Kommunen. Dabei werden integrierte Smart-City-Strategien und deren Umsetzung zu 65 Prozent finanziell gefördert. Unter den bundesweit 32 Modellprojekten, die im vergangenen Jahr in der zweiten Staffel des Fördervorhabens Smart Cities ausgewählt wurden, befinden sich auch zwölf interkommunale Vorhaben – darunter die gemeinschaftliche Bewerbung der Städte Aalen und Heidenheim unter dem Motto #Aalen-HeidenheimGemeinsamDigital. Der Förderzeitraum erstreckt sich über die Jahre 2021 bis 2027 und teilt sich in eine Strategie- und Umsetzungsphase.

Fünf Maßnahmen

Fünf Maßnahmen für die Entwicklung hin zur Smart City haben die beiden Städte im Osten Baden-Württembergs in ihrem Förderantrag aufgelistet, darunter ein digitales Stadtentwicklungskonzept. Ziel ist die Verabschiedung einer Smart-City-Strategie, an der auch die Bürgerschaft beteiligt wird. Dazu fand Ende Oktober vergangenen Jahres in Heidenheim die erste Beteiligungsveranstaltung statt, an der auf Einladung der Stadt rund 40 Persönlichkeiten aus Gemeinderat, Wirtschaft, Verbänden, Vereinen, der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) sowie der Verwaltung teilgenommen haben. Leitthema war die Frage, welche digitalen Anwendungen die Bürger Heidenheims im Alltag und für ihre Arbeit benötigen. Die Ergebnisse waren dann auch alltagsnah:
• Durch eine intelligente Mobilität sollen alle Verkehrsteilnehmer Echtzeitdaten einsehen können, um den günstigsten Verkehrsweg zu wählen.
• Eine Heidenheim App eröffnet als zentrale Informationsplattform den Zugang zu allen Services rund um Gesundheit, Freizeit, Dienstleistungen, freie Jobs, Handel- und Handwerksangebote sowie Verkehrsdaten.
• Behördengänge sollen so weit möglich digital erledigt werden können.
• Ein Open-Data-Portal liefert möglichst viele offen zugängliche Daten zu Statistiken, Verkehr und Umwelt.
Die Fußgängerzone soll im analog-digitalen Wechselspiel personalisiert werden. Ziel ist, dass die Menschen vor Ort Produkte, Erlebnisse und Serviceleistungen einkaufen.

Interessierte einbinden

Im nächsten Schritt werden die Umsetzungsmöglichkeiten der fünf Themenfelder geprüft und Interessierte aus den Arbeitsgruppen eingebunden. Schon jetzt wird deutlich, dass es Schnittstellen zu den bereits geplanten Maßnahmen gibt, was die Verwirklichungschancen erhöht. In Aalen ist im Frühjahr 2021 eine solche Beteiligungsveranstaltung geplant. Die Ergebnisse werden anschließend mit denjenigen aus Heidenheim zusammengeführt.
Eine weitere vorgesehene Maßnahme im Rahmen des Modellprojekts Smart City ist der konvergente Netzplan (KNP). Ähnlich wie ein Breitband-Plan die Voraussetzung für die Erschließung konkreter Gebiete mit schnellem Internet war, handelt es sich bei einem KNP um die Grundlage für smarte Anwendungen. Er berücksichtigt die synergetische Planung von Glasfaser und Mobilfunk sowie Infrastrukturpunkte für Smart-City-Anwendungsfälle und ermöglicht die Ist- und Soll-Darstellung der verschiedenen Konnektivitätstechnologien: Glasfaser, Mobilfunk (2G bis 5G) und Sensoriknetzwerke. Der KNP bildet damit die Grundlage für den mittel- bis langfristigen Endausbau hin zu einem gigabitfähigen Netz für alle Endgeräte und erfasst dabei die Infrastruktur zur Aufbereitung einer Sensoriknetzplanung – zum Beispiel für intelligente Straßenleuchten, Lichtsignale oder Stadtmöbel. Somit dient er als wichtige Basis für alle nachfolgenden digitalen Maßnahmen jeder Stadt. Derzeit ist eine Leistungsbeschreibung in Arbeit. Ziel ist es, noch in diesem Frühjahr auszuschreiben und zu vergeben.

Smartes Cockpit

Dritte Maßnahme im Förderantrag von Aalen und Heidenheim ist das smarte Cockpit. Alle Interessierten können hier live relevante Daten aus dem öffentlichen Raum ablesen, etwa zur Lärmbelastung, zur Auslastung von Parkhäusern und -plätzen, zu verfügbaren ­E-Ladestationen, zum Füllstand städtischer Mülleimer oder zur Funktionsfähigkeit von Laternenmasten. Die Daten werden zusätzlich auf städtischen Servern gespeichert und können als Grundlage für städtische Entwicklungspläne, zum Personaleinsatz oder als Management-Plattform der Verwaltung verwendet werden. Ziel ist es, in einem gemeinsamen Workshop mit der Stadt Aalen Anforderungen zu definieren und die Vergabe im Laufe des Jahres 2021 vorzubereiten.
Darüber hinaus möchten die beiden Kommunen das Thema smartes Parken angehen. Um den öffentlichen Parksuchverkehr zu reduzieren und verfügbare Flächen besser auszulasten, bieten sich Sensoren mit Magnetfeldern an, die sicher auf öffentlichen Parkplätzen montiert werden können. Die Sensoren liefern lediglich Änderungen des Magnetfeldes, es werden zu keiner Zeit personenbezogene Daten wie zum Beispiel Kennzeichen erhoben oder gesendet. Über eine App können sich Autofahrer gezielt zu freien Plätzen navigieren lassen. Auch Parkplätze für bestimmte Zielgruppen, wie Mutter/Kind- oder Behindertenparkplätze, sowie E-Ladesäulen lassen sich ausweisen und finden. Die Echtzeitdaten sind ebenfalls bei der Stadt verfügbar, die somit gezielter kon­trollieren kann, weil die Parkdauer sekundengenau erfasst und grafisch abgebildet ist. Wenn Feuerwehrausfahrten durch ein Fahrzeug blockiert werden, alarmiert die App sofort die zuständige Leitstelle und das Fahrzeug kann schnellstmöglich entfernt werden. Die Parkdaten anderer Flächen helfen bei der Planung der Größe eines neuen Parkplatzes. Firmenparkplätze, die am Wochenende frei sind, können kostenfrei oder kostenpflichtig ins Parkraum-Management einbezogen werden. Interkommunal ist dies ein wichtiger Baustein des Mobilitätspakts, der gemeinsam mit dem Land Baden-Württemberg unterzeichnet wurde. Das Projekt soll Ende 2021 starten.

Paketstation und City Hub

Ein weiterer Fokus wird schließlich auf der Entwicklung eines City-Logistikkonzepts liegen, also eine Lösung für die so genannte letzte Meile zu schaffen. Denn insbesondere die Aufenthaltsqualität in der Fußgängerzone leidet unter der Vielfalt der Paketdienstleister, die zu allen Tages- und Nachtzeiten die Innenstadt befahren. Für Kurier-, Express- und Paketdienstleister könnte es innenstadtnah eine Paketstation geben, wo Pakete von Händlern und Kunden deponiert und abgeholt werden können. Ebenfalls denkbar sind City Hubs, die als Umschlagplatz für die letzte Meile dienen. Dabei werden die Pakete auf emissionsfreie Fahrzeuge verladen. Als City Hub könnte eine leerstehende Ladenfläche dienen. Über einen Sensor wird der Kurier oder der Kunde automatisiert informiert, ob Päckchen eingetroffen sind, gleichzeitig kann der Kunde in Echtzeit den Weg seines Pakets verfolgen. Auch dieses Projekt ist für Ende 2021 angedacht.
Im Frühjahr dieses Jahres wird zudem die gemeinsame Öffentlichkeitsarbeit der Städte Aalen und Heidenheim gestärkt: Eine Internet-Plattform wird künftig über die Planung und Umsetzung der Projekte informieren und der Bevölkerung eine digitale Beteiligung ermöglichen.
Die Antragssumme für die erste Phase, die bis zum Jahr 2022 reicht, beträgt 2,5 Millionen Euro. In der zweiten Phase bis 2027 stehen 15 Millionen Euro für beide Städte zur Verfügung. Um das komplexe Smart-City-Modellprojekt zu koordinieren und umzusetzen, planen Aalen und Heidenheim, in ihrer Verwaltung jeweils die neue Stelle eines Smart City Managers zu schaffen.

Bernhard Ilg ist Oberbürgermeister der Stadt Heidenheim.

https://www.heidenheim.de
https://www.aalen.de
Dieser Beitrag ist im Spezial der Ausgabe März 2021 von Kommune21 erschienen. Hier können Sie ein Exemplar bestellen oder die Zeitschrift abonnieren. (Deep Link)

Stichwörter: Smart City, Aalen, Heidenheim

Bildquelle: Stadt Heidenheim

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