Hildesheim:
Onlinetools für Bürgerbeteiligung


[16.3.2021] Pandemiebedingt sind Bürgerbeteiligungsformate, die auf Präsenzveranstaltungen setzen, derzeit nicht möglich. Die Stadt Hildesheim wollte ihre Planungen dennoch voranbringen und hat verschiedene Online-Formate erprobt – mit Erfolg.

Die Stadt Hildesheim hat erfolgreich verschiedene Online-Beteiligungsformate erprobt. Hildesheim hat während der Planungen für die Städtebaufördergebiete Nordstadt und Stadtfeld sowie bei der Lärmaktionsplanung vielfältige Erfahrungen mit der coronagerechten Bürgerbeteiligung gesammelt. Wie die niedersächsische Kommune mitteilt, sollten trotz der Pandemie geplante und begonnene Projekte weder gestoppt noch die Beteiligung ausgesetzt werden. Denn wenn Beteiligung und Transparenz fehlen, entstehen Folgeprobleme, die im fortgeschrittenen Planungsstadium nicht mehr lösbar seien, erklärt Marco Köster vom Fachbereich Stadtplanung und -entwicklung. Die Stadt habe sich deshalb dafür entschieden, Onlinetools zu nutzen.

Niederschwellige Formate

Für die Planungen rund um eine Gesamtschule wurde demnach ein so genanntes Online-Padlet geschaltet, in dem die Bürger Vorschläge, Fragen aber auch Sorgen und Ängste schriftlich äußern konnten. Gleichzeitig konnten die Vorschläge anderer bewertet werden. So entstand eine Priorisierung der Vorschläge. Das Padlet war über den gesamten Januar 2021 online zugänglich und wurde laut Hildesheim rege genutzt. Mit den Ergebnissen sei die Stadtplanung sehr zufrieden. Als nachteilig wird nur die fehlende, direkte Reaktionsmöglichkeit gesehen.
Bei der Gestaltung einer Wegeverlängerung nutzte die Stadt ein weiteres Tool, die Ein-Klick-Feedback-Methode. Wie die Kommune berichtet, stand der Entwurf hier schon in weiten Teilen fest, weshalb es im letzten Beteiligungsschritt vor allem um die Auswahl von Spiel- und Bewegungsgeräten für diesen Bereich ging. In einer Umfrage konnten sich die Bürger einfach durchklicken. „Es hat sich gezeigt, dass diese Form der Beteiligung so niederschwellig ist, dass sie alle erreichen kann“, stellt Frank Auracher fest, der im Auftrag der Stadt Hildesheim das sozialplanerische Quartiersmanagement in der Nordstadt durchführt und die Beteiligung begleitet hat.
Wie sinnvoll die Beteiligung über verschiedene Kanäle sein kann, zeigte sich auch am Lärmaktionsplan, heißt es vonseiten der Kommune weiter. Auch hier habe man sich für eine teilweise digitale Beteiligung entschieden. Die Bürger konnten zwar Papierfragebögen ausfüllen und der Verwaltung auf dem Postweg übermitteln, ein digitales Ausfüllen war aber ebenfalls möglich. Und das habe funktioniert: Mit insgesamt 676 digitalen Rückmeldungen zur jetzt anstehenden Finalisierung des Lärmaktionsplans kann die Stadt laut eigenen Angaben auf ein breites Feedback zurückgreifen.

Gute Erfahrungen überwiegen

In Hildesheim hat sich gezeigt, dass Online-Beteiligung funktionieren und zu guten und verwertbaren Ergebnissen führen kann. Laut den Verantwortlichen wurde eine hohe Anzahl an Personen erreicht. An der Statistik zum Lärmaktionsplan lasse sich zudem ablesen, dass die älteren Zielgruppen heute digitaler sind als noch vor einigen Jahren – online werden nicht nur junge Menschen erreicht. Am Online-Padlet sei außerdem deutlich geworden, dass durch nachbarschaftliche Hilfe älteren Mitbürgern geholfen werden kann, indem das Tool gemeinsam genutzt wurde.
Als Schwäche wurde die fehlende direkte Reaktions- und Feedback-Funktion beschrieben: So könne schnell eine Dynamik entstehen, bei der sachlich falsche Informationen außer Kontrolle geraten. Auch anonym vorgebrachte Behauptungen ohne sachliche Grundlage wurden von der Kommune beobachtet.
Insgesamt zieht die Stadtplanung aber ein positives Fazit. Es seien mehr Menschen erreicht worden als bei einer üblichen Abendveranstaltung, darunter auch Bürger, die sich sonst weniger für Maßnahmen in ihrem Stadtteil engagieren und weniger institutionalisiert sind, stellt Marco Köster fest. Aus diesem Grund wolle die Stadt künftig bei einzelnen Vorhaben zweigleisig fahren und Präsenzveranstaltungen mit digitalen Tools verbinden. Onlinetools können die Ziele von Beteiligung gut flankieren und sollten daher stärker berücksichtigt werden, so Köster. (sib)

https://www.hildesheim.de

Stichwörter: E-Partizipation, Niedersachsen, Hildesheim, Bürgerbeteiligung

Bildquelle: pisces2386 / 123rf.com

Druckversion    PDF     Link mailen



Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich E-Partizipation
Puchheim: Beteiligung auch digital möglich
[20.4.2021] Bürgerbeteiligungsprozesse können im bayerischen Puchheim jetzt auch digital durchgeführt werden. Zum Einsatz kommt dafür die freie Software Adhocracy+ von Liquid Democracy. mehr...
Würzburg: Stadt lädt zur Mitsprache ein
[19.4.2021] Mit den ersten Beteiligungsprojekten über die Open-Source-Plattform Consul ist die Stadt Würzburg sehr zufrieden. Es konnten mehr Personen als bislang mit Präsenzveranstaltungen erreicht werden. mehr...
In die Zukunftsüberlegungen für das historische Zentrum Würzburgs konnten sich die Bürger über die E-Partizipationsplattform Consul einbringen.
Rosbach v.d.Höhe: Mängelmelder im Einsatz
[14.4.2021] Die Stadt Rosbach vor der Höhe will Bürgeranliegen effizienter bearbeiten können. Dafür soll künftig unter anderem der Mängelmelder von wer denkt was sorgen. mehr...
Stadt Rosbach v.d.Höhe: Mängelmelder verleiht der Verwaltung zusätzliche Augen und Ohren.
Stuttgart: Sechster Bürgerhaushalt abgeschlossen
[7.4.2021] Zum sechsten Mal hat die Stadt Stuttgart einen Bürgerhaushalt durchgeführt. Der Corona-Pandemie geschuldet haben sich in diesem Jahr zwar insgesamt weniger Bürger als in den Vorjahren beteiligt, die Zahl der Online-Teilnehmer ist jedoch deutlich gestiegen. mehr...
Olpe: Bürger-App startet
[26.3.2021] Bürger können jetzt die App Olpe Dialog ausprobieren. Die in Kooperation mit der Universität Siegen entstandene Anwendung informiert über kommunale Projekte und ermöglicht die digitale Bürgerbeteiligung. mehr...
Über die App „Olpe Dialog“ können Bürger Informationen abrufen, Fragen stellen und Zustimmung oder Ablehnung signalisieren.
Suchen...

Aktuelle Information des Verlags


In Zeiten der Corona-Pandemie werden wir aktuelle Ausgaben von Kommune21 allen Interessierten bis auf weiteres kostenfrei digital zur Verfügung stellen. Weisen Sie bitte auch Ihre Kolleginnen und Kollegen im Homeoffice auf diese Möglichkeit hin.

Wir haben an dieser Stelle eine Bitte an Sie:
Die gegenwärtige Situation macht einmal mehr deutlich, wie wichtig das Thema Digitalisierung auch in Ihrer Verwaltung, Behörde oder Schule ist. Kommune21 berichtet seit 20 Jahren über alle wichtigen Themen der IT-gestützten Verwaltungsmodernisierung und hilft, die Digitalisierung im Public Sector transparent und besser zu gestalten. Bitte prüfen Sie über Ihre Buchhaltung, ob Sie bereits ein reguläres Abonnement von Kommune21 haben. Wenn nicht, dann freuen wir uns, wenn Sie gerade in diesen Zeiten ein Abonnement in Betracht ziehen. Danke!

Kommune21, Ausgabe 4/2021
Kommune21, Ausgabe 3/2021
Kommune21, Ausgabe 2/2021
Kommune21, Ausgabe 1/2021

Ausgewählte Anbieter aus dem Bereich E-Partizipation:
wer denkt was GmbH
64293 Darmstadt
wer denkt was GmbH
NOLIS GmbH
31582 Nienburg/Weser
NOLIS GmbH
Aktuelle Meldungen