Finanzwesen:
Alle Zahlen konsolidieren


[22.7.2021] Mit der Doppik-Umstellung sind auch Eigenbetriebe in die kommunale Gesamtbilanz einzugliedern. Business-Intelligence-Technologie unterstützt dabei und ermöglicht eine genauere Planungs- und Haushaltssteuerung über den Konzern Stadt hinweg.

Konsolidierte Finanzzahlen im Konzern Stadt. Die doppische Buchhaltung haben die meisten deutschen Kommunen mittlerweile eingeführt. Länderspezifische Unterschiede beim Tempo der Umstellung auf die Doppik einmal außen vor gelassen, ist auch die betriebswirtschaftliche Kostenrechnung in weiten Teilen Alltag. Werden beide Instrumente kombiniert, hat jede Verwaltung die Möglichkeit, ihre Leistungserstellung und deren Finanzierung umfassend zu steuern.
Mit der Einführung der Doppik ist den Verwaltungen eine neue Verpflichtung auferlegt worden: Sie müssen zusätzlich zum Einzelabschluss Gesamtabschlüsse erstellen, wie beim Konzernabschluss in der freien Wirtschaft. Kommunale Betriebe sind darin als Aktiva zu erfassen.
Knapp 14.000 öffentlich-rechtliche Betriebe und privatrechtliche Unternehmen sind den deutschen Kommunen angegliedert, statistisch kommt also auf jede Kommunalverwaltung ein Unternehmen. Dabei gilt: Je größer die Kommune, desto mehr Eigenbetriebe. Da viele von ihnen wiederum Tochter- und Enkelunternehmen ausgegründet haben, entsteht ein regelrechter Konzern Stadt. In einer Konzernbilanz werden die einzelnen Jahresabschlüsse von Kernverwaltung und ausgelagerten Bereichen mit allen Vermögenswerten und Verbindlichkeiten zusammengeführt. Auch eine Gesamtergebnis- und Gesamtfinanzrechnung sind aufzustellen. Der Vereinfachung halber können kommunale Betriebe sich in Holdings zusammenschließen, um so gebündelt im Konzern Stadt abzuschließen.

Kleine buchhalterische Hürde

Eine konsolidierte Konzernrechnungslegung ermöglicht es, die Wirtschaftspläne aller Beteiligten besser zu koordinieren. Sie dient als Informationsquelle für Abstimmungen im Risiko-Management und dazu, Geschäftsbeziehungen zwischen Kommune und Betrieben besser zu steuern. Wie eine Aktiengesellschaft, so ist auch der Konzern Stadt verpflichtet, einen Bilanzanhang anzufertigen, der als Rechenschaftsbericht der wirtschaftlichen Lage der Kommune und ihrer Unternehmen dient.
Während kommunale Betriebe und andere Organisationsformen mit kommunaler wirtschaftlicher Betätigung eine Vollkonsolidierung nach Handelsgesetzbuch (§ 271 Abs. 2 HGB) durchführen müssen, schließen Verwaltungen nach dem Prinzip der kommunalen Doppik ab. Damit wartet die neue kommunale Konzernrechnungslegung mit einer kleinen buchhalterischen Hürde auf. Denn die beiden Abschlussformen stimmen zwar zu 95 Prozent überein, die Doppik beinhaltet jedoch – anders als das HGB – neben der Ergebnisrechnung eine dezidierte Finanzrechnung als festen Bestandteil. Das bedeutet: Jedes Konto, das aufwandstechnisch gebucht wird, führt zu einem späteren Zeitpunkt zu einem Ausgabenkonto. Es wird also stets Aufwand gegen Finanzrechnung gebucht. So lässt sich genau prüfen, welcher Aufwand zu einer Ausgabe führt.
Wie die verschiedenen Prinzipien folgenden Abschlüsse von Kernhaushalt und kommunalen Betrieben konsolidiert werden, ist in den Bundesländern nicht einheitlich geregelt. In Nordrhein-Westfalen etwa wird eine gemeinsame Bilanz präferiert, die den Prinzipien des kommunalen Haushaltsrechts entspricht. Anderswo, beispielsweise in Hessen, werden die Buchwerte aus den Abschlüssen der Unternehmen übernommen; eine Umrechnung findet nicht statt. Ein Konzern Stadt benötigt deshalb erweiterte Analysemöglichkeiten und ein Berichtswesen, in dem die konsolidier­ten Unternehmen sichtbar werden. Das gilt auch für die Planung. Eine Business-Intelligence-Plattform, in der aktuelle Kennzahlen zusammenfließen, kann bei der Zusammenführung der Einzelbilanzen helfen – und damit kommunale Doppik und HGB harmonisieren. Sie erlaubt eine genaue Planungs- und Haushaltssteuerung über den gesamten Konzern Stadt hinweg.

Effizientes Controlling

Das Steuerungscockpit von Cosmo Consult beispielsweise ist bereits bei einer Reihe von Kommunalverwaltungen im Einsatz. Es baut auf dem doppischen Rechnungswesen der einzelnen verbundenen Eigenbetriebe und der Kernverwaltung auf, harmonisiert die einzelnen Teilberichte und Planungen und stellt konsolidierte Analysefunktionen zur Verwaltungs­steue­rung bereit. In einem Web Front End fließen relevante Ist-Daten automatisch aus Vorsystemen (in der Regel die Finanz-Software) zusammen und können von dort von allen Fachbereichen eingesehen werden. Dies ermöglicht eine kontengenaue Haushaltsplanung, mit mehrmaligen unterjährigen Prognosen. Indem die zielorientierte Leistungserstellung einer Verwaltung mit den finanziellen Ressourcen verbunden wird, ist jederzeit auf einen Blick ersichtlich, was welche Maßnahme kostet. Die BI-Lösung basiert auf der Software Infor Business Intelligence oder wahlweise auf IBM Planning Analytics. Integriert sind außerdem ein Import-Tool (Talend Open Studio for Data Integration), ein SQL-Server, ein Micro­soft Internet Information Server sowie Microsoft ­PowerBI.
Natürlich kann man dieses Prinzip ausweiten und nicht nur Vorsysteme der kommunalen Kernverwaltung, sondern auch die der städtischen Betriebe per Schnittstelle an das Steuerungscockpit ankoppeln und somit die Daten konsolidieren. In der Regel wird es sich dabei um die jeweiligen Finanzsysteme handeln. Dies ist eine große Erleichterung, da der Steuerungsaufwand durch die Aufstellung des Gesamtabschlusses stark steigt. Zwar gibt es jetzt ein einheitliches Rechnungswesen, man braucht aber Einblick, wie sich die Konzernmitglieder im Hinblick auf die Ziel­erreichung verhalten. Das Steue­­­rungscockpit unterstützt hierbei. Fehler reduzieren sich, da keine manuellen Anpassungen notwendig sind. Durch die flächendeckende Bereitstellung steuerungsrelevanter und aktueller Daten wird ein effizientes Controlling möglich.

Hans W. Krefeld ist Operationsmanager Data & Analytics bei Cosmo Consult.

https://de.cosmoconsult.com
Dieser Beitrag ist im Spezial der Ausgabe Juli 2021 von Kommune21 erschienen. Hier können Sie ein Exemplar bestellen oder die Zeitschrift abonnieren. (Deep Link)

Stichwörter: Finanzwesen, Doppik, HGB, Cosmo Consult

Bildquelle: joyfotoliakid/stock.adobe.com

Druckversion    PDF     Link mailen



Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich Finanzwesen
VOIS: Ganzheitliche Lösung Bericht
[26.11.2021] Als Teil der VOIS-Plattform feiert mit der VOIS|DALE Darlehensverwaltung ein weiterer Baustein seine Markteinführung. mehr...
Hardcopy aus der VOIS|DALE Darlehensverwaltung.
KDO: Neue Software-Generation Bericht
[24.11.2021] Einen Technologiewandel hat die Finanz-Software KDO-doppik&more vollzogen. Die neue Lösung auf Basis von SAP S/4HANA soll in den kommenden Jahren sukzessive bei allen KDO-Kunden eingeführt werden. mehr...
KDO Finanzlösung: Wechsel auf SAP S/4HANA.
Hüttenberg: Budget im Blick Bericht
[22.11.2021] Als erste Kommune im Verbandsgebiet von ekom21 hat sich die Gemeinde Hüttenberg im Lahn-Dill-Kreis für das Modul Integriertes Berichtswesen Plus des Finanzsystems Infoma newsystem entschieden. Damit können unter anderem Investitionen besser überwacht werden. mehr...
Die Gemeinde Hüttenberg verwendet iBWplus.
Finanzwesen: Steuern mit Rundblick Bericht
[9.11.2021] Bei knappen Ressourcen ist es wichtig, aus Daten die richtigen Schlüsse für Entscheidungen zu ziehen. Dabei helfen intelligentes Daten-Management und eine zentrale Analyseplattform, die aktuelle Informationen über alle Politikbereiche auf Knopfdruck auswertet. mehr...
360-Grad-Steuerung durch intelligentes Daten-Management.
Sachsen: Einführung von Infoma newsystem
[14.10.2021] Vier sächsische Pilotkommunen führen jetzt die Lösung Infoma newsystem ein. Bereits vor knapp einem Jahr haben sich die Kommunale Informationsverarbeitung Sachsen (KISA) und Hersteller Axians Infoma zur Zusammenarbeit entschieden. mehr...
Suchen...

 Anzeige



 Anzeige



Aktuelle Information des Verlags


In Zeiten der Corona-Pandemie werden wir aktuelle Ausgaben von Kommune21 allen Interessierten bis auf weiteres kostenfrei digital zur Verfügung stellen. Weisen Sie bitte auch Ihre Kolleginnen und Kollegen im Homeoffice auf diese Möglichkeit hin.

Wir haben an dieser Stelle eine Bitte an Sie:
Die gegenwärtige Situation macht einmal mehr deutlich, wie wichtig das Thema Digitalisierung auch in Ihrer Verwaltung, Behörde oder Schule ist. Kommune21 berichtet seit 20 Jahren über alle wichtigen Themen der IT-gestützten Verwaltungsmodernisierung und hilft, die Digitalisierung im Public Sector transparent und besser zu gestalten. Bitte prüfen Sie über Ihre Buchhaltung, ob Sie bereits ein reguläres Abonnement von Kommune21 haben. Wenn nicht, dann freuen wir uns, wenn Sie gerade in diesen Zeiten ein Abonnement in Betracht ziehen. Danke!

Kommune21, Ausgabe 11/2021
Kommune21, Ausgabe 10/2021
Kommune21, Ausgabe 9/2021
Kommune21, Ausgabe 8/2021

Ausgewählte Anbieter aus dem Bereich Finanzwesen:
IT-Guide PlusDATEV eG
90429 Nürnberg
DATEV eG
KID Magdeburg GmbH
39104 Magdeburg
KID Magdeburg GmbH
GISA GmbH
06112 Halle (Saale)
GISA GmbH
KDN.sozial
33100 Paderborn
KDN.sozial
OrgaSoft Kommunal GmbH
66119 Saarbrücken
OrgaSoft Kommunal GmbH
Aktuelle Meldungen