Leipzig:
Verwaltung aus der Luft


[16.9.2021] Drohnen liefern nicht nur schöne Bilder aus der Luft, sondern auch wertvolle Daten für verschiedene Tätigkeitsfelder. Die Stadt Leipzig macht sich die Technologie bereits zunutze. Etwa Inspektionen und Vermessungen lassen sich damit günstiger durchführen.

Drohnenflug für die Future City. Der gewerbliche Drohnenmarkt boomt: Seit dem Jahr 2019 ist der Anteil der kommerziell genutzten Fluggeräte um 138 Prozent auf rund 45.000 Stück gestiegen. Ihren Nutzern liefern sie nicht nur schöne Bilder aus der Vogelperspektive, sondern auch zahlreiche Daten für verschiedene Tätigkeitsfelder. Für kommunale Zwecke lassen sich die Flieger ebenfalls vielfältig einbinden. Die Stadt Leipzig hat dieses Potenzial erkannt. In einem gemeinsamen Projekt mit IT-Dienstleister Lecos und dem Drohnen-Software-Unternehmen FlyNex haben sich deshalb 15 Verwaltungsmitarbeiter auf den Drohneneinsatz in der sächsischen Kommune vorbereitet (wir berichteten). Die Experten von FlyNex haben die künftigen Piloten theoretisch und praktisch geschult: Zum einen in der technischen Handhabung der Drohnen, zum anderen hinsichtlich Flugplanung, Datenauswertung und möglicher Notfallszenarien. Ziel der Zusammenarbeit war es, dass die neuen Piloten Einsätze in unterschiedlichen Bereichen der Leipziger Stadtverwaltung selbstständig planen und fliegen können. Alle legten sie das EU-Fernpilotenzeugnis A2 ab, den so genannten großen Drohnenführerschein.

Einsatzszenarien

Ein mögliches Anwendungsgebiet findet sich auf dem Weg zur CO2-neutralen Stadt. Vielerorts sollen dafür freie Dachflächen entweder begrünt oder mit Solarpanels ausgestattet werden. Drohnen können die zur Vermessung der nutzbaren Flächen erforderlichen Daten liefern. Die luftgestützte Erfassung und Analyse minimiert den hierfür nötigen Ressourceneinsatz und erlaubt es, die Planungsphase komplett zu digitalisieren. Auf den Fluggeräten lassen sich Kameras und Wärmebildsensoren installieren. Die automatisiert gewonnenen Daten dokumentieren den Ist-Zustand eines Dachs und sind gleich digital verfügbar. Zudem kann mit ihnen ein digitaler Zwilling erstellt werden. Nachdem Solarpanels in­stalliert oder Dächer begrünt sind, können Drohnen die Instandhaltung unterstützen, indem sie schnelle und präzise Aufnahmen liefern. Mit entsprechender Software, etwa Bildanalysen durch künstliche Intelligenz (KI), können Schwachstellen sogar automatisiert identifiziert werden. Erfahrungswerte von FlyNex zeigen, dass drohnengestützte Dach- und Gebäudeinspektionen sowie Vermessungen im Vergleich zu herkömmlichen Methoden bis zu 60 Prozent günstiger sind und bis zu 75 Prozent schneller durchgeführt werden können.
Dieses Beispiel ist nur ein kleiner Ausschnitt denkbarer Anwendungsgebiete. Weitere Einsatzszenarien sind die Baustellendokumentation, Aufforstung, Baumzählung oder Verkehrsanalyse. Auch kreative Lösungen für ungewöhnliche Fälle sind denkbar. Das Leipziger Veterinäramt hat beispielsweise Drohnen mit Wärmebildtechnik genutzt, um die Afrikanische Schweinepest einzudämmen.

Vorteile und Risiken

Drohneneinsätze haben einige grundlegende Vorteile. Sie sind weniger aufwendig als etwa Hubschrauberbefliegungen oder die Installation von Gerüsten und haben weniger Einfluss auf das städtische Leben, da meist keine Straßenabschnitte gesperrt werden müssen. Sie minimieren Sicherheitsrisiken, da sich Personen nicht an schwer zugängliche Stellen begeben müssen. Darüber hinaus können in kurzer Zeit große Datenmengen digitalisiert werden. Plattformen wie die von FlyNex machen es möglich, die Befliegungen digitalisiert zu planen, Drohnendaten direkt abzurufen und mit KI-gestützten Tools auszuwerten. Einmal geplante Flugrouten lassen sich automatisiert wiederholen.
Trotz ihrer Vorteile sollte im Vorfeld genau definiert werden, ob und wie sich die Technologie für anstehende Aufgaben nutzen lässt. Es müssen die Kosten für die Anschaffung von Geräten und Analyse-Software sowie die Ausbildung der Piloten berücksichtigt werden. Zudem zeigte eine repräsentative Umfrage im Jahr 2019, dass die gesellschaftliche Akzeptanz gegenüber Drohnen sinkt, je stärker die Geräte in den persönlichen Alltag der Bürger eingreifen. Es empfiehlt sich deshalb, vorab genau zu prüfen, ob hier Probleme oder Nachfragen zu erwarten sind. Ist das der Fall, sollten schon im Vorfeld über den Zweck der Befliegung informiert und ein klarer Ansprechpartner benannt werden. Zudem ist der rechtliche Rahmen zu beachten. Die EU hat zum 1. Januar 2021 eine neue Drohnenverordnung erlassen. Hiernach müssen sich Drohnenpiloten und Betreiber registrieren, es gibt einen verpflichtenden EU-Drohnenführerschein und selbstverständlich müssen Sperrzonen, Genehmigungen und maximale Flughöhen beachtet werden. Mit passenden Kartenlösungen können sich Piloten hierzu Unterstützung holen. In der Plattform FlyNex sind etwa alle neuen Regelungen der EU-Drohnenverordnung integriert. Auch Flugverbotszonen, Industrieanlagen und ähnliches werden direkt in der digitalen Flugkarte abgebildet, sodass Routen einfach und vor allem gesetzeskonform geplant werden können.

Frank Lochau ist Vorstandsvorsitzender des Branchenverbands Zivile Drohnen e.V. und Drone Operations Solutions Manager beim Software-Unternehmen FlyNex.

https://www.leipzig.de
https://www.flynex.io
Dieser Beitrag ist im Titel der Ausgabe September 2021 von Kommune21 erschienen. Hier können Sie ein Exemplar bestellen oder die Zeitschrift abonnieren. (Deep Link)

Stichwörter: Geodaten-Management, Leipzig, Flynex, Drohnen

Bildquelle: FlyNex GmbH

Druckversion    PDF     Link mailen



Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich Geodaten-Management
Kreis Borken: GeoDatenAtlas wird erwachsen
[2.9.2021] Seit dem Jahr 2004 bietet der Kreis Borken Geodaten online an. Inzwischen hat das Angebot mehrere Technologiewechsel hinter sich und wurde inhaltlich stetig ausgebaut. mehr...
Stefan Menze (l.) und Thomas Westhoff vom Geodaten-Management der Kreisverwaltung Borken haben den GeoDatenAtlas weiter entwickelt.
Geoportal Frankfurt: Kooperation schafft Mehrwert
[24.8.2021] In ihrem neuen Geoportal stellt die Stadt Frankfurt am Main Open-Data-Angebote und kostenfreie Karteninformationen zur Verfügung. Die Plattform basiert auf einer Open Source Software, die interkommunal gefördert, weiterentwickelt und finanziert wird. mehr...
Das Frankfurter Geoportal wartet mit kostenfreien Karteninformationen sowie Open-Data-Angeboten auf.
Herten: Panoramabilder optimieren Prozesse
[11.8.2021] In Herten werden die Geodaten der Stadt auf den neuesten Stand gebracht. Hierfür fahren speziell ausgestattete Kleinwagen durch die Kommune und nehmen georeferenzierte Bilder auf. Die 360-Grad-Aufnahmen vereinfachen Prozesse und optimieren Arbeitsabläufe. mehr...
In Herten nehmen speziell ausgestattete Kleinwagen georeferenzierte Bilder vom Straßenbereich auf.
Kreis Unna: Kitas und Co. auf einen Blick
[22.7.2021] Eine interaktive Kita-Karte bietet der Kreis Unna an. Angezeigt werden dort nicht nur Kitas, sondern sukzessive auch Angebote der Kindertagespflege. Die Einrichtungen können direkt angeschrieben werden. Auch die Wohnortnähe einer Einrichtung lässt sich ermitteln. mehr...
Die Kita-Karte des Kreises Unna ist jetzt digital und interaktiv.
INGRADA: Auswertung von Meldedaten
[20.7.2021] Das kommunale Geoinformationssystem INGRADA web des Herstellers Softplan erlaubt es in seiner neuesten Version, Meldedaten einfach und datenschutzkonform auszuwerten und darzustellen. mehr...
Weitere FirmennewsAnzeige

Schulkonfigurator: Online-Tool verschafft Schulen Überblick bei der Digitalisierung
[20.9.2021] Der DigitalPakt Schule kommt nur schleppend voran, Fördermittel bleiben ungenutzt. Woran es hakt und wie die Deutsche Telekom den Schulen mithilfe eines Online-Tools zu einem besseren Durchblick im Technik-Dschungel verhelfen will. mehr...

Kongressmesse: Smart Country Convention geht als Special Edition an den Start
[20.9.2021] Ob Onlinezugangsgesetz, Daseinsvorsorge 4.0 oder IT-Sicherheit in der Verwaltung – am 26. und 27. Oktober dreht sich bei der Smart Country Convention alles um die Digitalisierung des Public Sectors. mehr...
Suchen...

 Anzeige



Aktuelle Information des Verlags


In Zeiten der Corona-Pandemie werden wir aktuelle Ausgaben von Kommune21 allen Interessierten bis auf weiteres kostenfrei digital zur Verfügung stellen. Weisen Sie bitte auch Ihre Kolleginnen und Kollegen im Homeoffice auf diese Möglichkeit hin.

Wir haben an dieser Stelle eine Bitte an Sie:
Die gegenwärtige Situation macht einmal mehr deutlich, wie wichtig das Thema Digitalisierung auch in Ihrer Verwaltung, Behörde oder Schule ist. Kommune21 berichtet seit 20 Jahren über alle wichtigen Themen der IT-gestützten Verwaltungsmodernisierung und hilft, die Digitalisierung im Public Sector transparent und besser zu gestalten. Bitte prüfen Sie über Ihre Buchhaltung, ob Sie bereits ein reguläres Abonnement von Kommune21 haben. Wenn nicht, dann freuen wir uns, wenn Sie gerade in diesen Zeiten ein Abonnement in Betracht ziehen. Danke!

Kommune21, Ausgabe 9/2021
Kommune21, Ausgabe 8/2021
Kommune21, Ausgabe 7/2021
Kommune21, Ausgabe 6/2021

Ausgewählte Anbieter aus dem Bereich Geodaten-Management:
Barthauer Software GmbH
38126 Braunschweig
Barthauer Software GmbH
ekom21 – KGRZ Hessen
35398 Gießen
ekom21 – KGRZ Hessen
con terra GmbH
48155 Münster
con terra GmbH
Aktuelle Meldungen