Projekt ONCE:
App als Ausweis


[23.11.2021] Im Projekt ONCE wird eine Lösung für eine einfache und sichere digitale Identität entwickelt. In einer zentralen Smartphone-App werden alle erforderlichen ID-Daten verwaltet. Damit sollen auch E-Government-Prozesse erleichtert werden.

Künftig sollen die Bürgerinnen und Bürger ihre Identität auf dem Smartphone bestätigen können. Das ist die Vision des Innovationsprojekts „ONCE – Online einfach anmelden!“, das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) gefördert wird. Wenn sich User im Internet digital legitimieren, stehen ­Sicherheit und Einfachheit im Vordergrund der so genannten Self-Sovereign Identity (SSI). Beispielsweise dann, wenn sie digitale Verwaltungsleistungen ganz ohne Gang ins Rathaus nutzen möchten, ins Hotel einchecken oder den Führerschein bei einer Verkehrskon­trolle vorzeigen müssen. Hierzu werden in einer zentralen App auf dem Smartphone alle erforderlichen ID-Daten verwaltet. Für das Identitätsmanagement setzt ONCE – im Gegensatz zu anderen Forschungsinitiativen – auf ein Identitätsökosystem bestehend aus SSI-Technologie und ID-Gateway. Denn Verifizierbarkeit, Privatsphäre, Datenhoheit und Souveränität sollen sichergestellt werden. Und auch, dass die Nutzer zu jeder Zeit die Kontrolle über ihre Daten behalten.
In der ersten Projektphase von ONCE wurden Idee und Technologie-Roadmap detailliert ausgearbeitet. Nun geht es in die Umsetzungsphase, die bis Mitte 2023 angesetzt ist. Auch diese wird vom BMWi gefördert. Zehn Projektkonsortien hatten dem BMWi ihre Ideen für ein Identitätsökosystem beim Innovationswettbewerb „Schaufenster Sichere Digitale Identitäten“ vorgestellt, ONCE konnte überzeugen.

Einbindung von kommunalen Partnern und Identitätsdienstleistern

Das Projekt unter Leitung der Bundesdruckerei beschäftigt sich damit, wie hoheitliche Dokumente als Datenquelle für digitale Identitäten genutzt werden können. Denn aktuell ist gesetzlich nur geregelt, wie ein Personalausweis oder ein Führerschein im klassischen Format eingesetzt oder ausgestellt wird. Bis dato gibt es noch keine weitverbreitete digitale Identität in Deutschland, eine flächendeckende Anwendung gibt es nicht. Solche Anwendungsfälle entwickelt aktuell das Unternehmen regio iT als Konsortialpartner von ONCE. Im Teilpaket „Kommune und Verwaltung“ implementiert der kommunale IT-Dienstleister einen digitalen Schülerausweis auf Basis der SSI-Technologie. Eine sichere digitale Ehrenamtskarte sowie ein digitaler Familienpass werden folgen.
„Bei unserer Entwicklung geht es um Interaktivität und Agilität“, sagt Michael Schmitt, der das ONCE-Projekt bei der regio iT leitet. „Sobald der digitale Schülerausweis entwickelt ist, folgen weitere Anwendungsfälle nach dem gleichen technologischen Schema. Dabei sind kommunale Partner eng in die Entwicklung des Prototypen eingebunden.“ Schließlich geht es beim übergeordneten Projektauftrag auch darum, unterschiedliche Identitätsdienstleister zusammenzubringen und gut zu vernetzen. Damit brauchen die Nutzer künftig nicht mehr viele verschiedene Konten, um auf digitale Leistungen zugreifen zu können.
Weitere Anwendungsfälle im Teilprojekt „Kommune und Verwaltung“ werden elektronische Beurkundungen durch das Standesamt, Namensänderungen, Kirchenaustritte, die digitale Geburtsurkunde sowie die Beantragung und Ausstellung eines Bibliotheksausweises sein. Auch die Anmeldung im Serviceportal von regio iT über eine digitale Brieftasche auf dem Smartphone soll Bürgerinnen und Bürgern künftig mehr Schnelligkeit und Komfort bieten. 55 solcher Serviceportale mit einer Vielzahl integrierter kommunaler Dienstleistungen betreibt die regio iT derzeit, weitere 36 gemeinsam mit Partnern.

Ein Projektkonsortium mit großem Aktionsradius

Auch im Bereich der Mobilität dockt ONCE an: So entwickelt die Firma Better Mobility, eine gemeinsame Unternehmenstochter von regio iT und der Aachener Straßenbahn und Energieversorgungs-AG (ASEAG), aktuell neue Möglichkeiten für die Registrierung im Mobility Broker, einer multimodalen Plattform für öffentliche Mobilitätsangebote. Ebenso arbeitet das Aachener Start-up an einem neuartigen Mobilitätsroaming, das die Nutzung von regionalen Mobilitätsdiensten mittels digitaler Identität vereinfachen will.
Diese Anwendungsfälle machen den großen Aktionsradius des Projektkonsortiums deutlich. Denn nur im starken Verbund kann eine sichere digitale Identität geschaffen werden, die den Alltag der Bürger tatsächlich vereinfacht und die Vielzahl von Passwörtern ersetzt. Wichtig ist auch die enge Zusammenarbeit und Interoperabilität zwischen allen vier Schaufenster-Projekten, denn die technischen Ansätze sollen gut zusammenspielen. Dabei blickt man bei ONCE von Anfang an auch über Deutschland hinaus: Die europäischen Bemühungen um eine interoperable elektronische Identifizierung sind ein wichtiger Bezugspunkt, aktuelle Entwicklungen der EU-Kommission zur Nutzung von Self-Sovereign Identity-Lösungen werden im Projekt berücksichtigt.

Mirja Niewerth-Halis ist Unternehmenssprecherin der regio iT GmbH, Aachen.

https://www.once-project.de
https://www.regioit.de
Dieser Beitrag ist in der Ausgabe November 2021 von Kommune21 erschienen. Hier können Sie ein Exemplar bestellen oder die Zeitschrift abonnieren. (Deep Link)

Stichwörter: Digitale Identität, Bosch, Governikus, regio iT, Deutsche Telekom, E-Goverment, BMWi



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