Digitalisierung:
Low Code als Ausweg


[12.1.2023] Viele Verwaltungen stecken in einer Abwärtsspirale aus mangelnder Digitalisierung und Personalnot. Um ihr zu entkommen, sind ohne großen Personaleinsatz schnell attraktive Self-Services für Bürger umzusetzen, die Entlastung bringen. Die Lösung: Low Code.

Der Low-Code-Ansatz bietet Verwaltungen viele Vorteile. Die zunehmende Personalnot in der Verwaltung blockiert die weitere Digitalisierung und damit auch die dringend notwendige Automatisierung. Dadurch wird wiederum ausgerechnet der einzige Lösungsweg verbaut, der die Ursache des Problems beheben könnte. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Studie der Initiative Stadt.Land.Digital. Viele Kommunen kommen demnach in der Digitalisierung nicht etwa wegen fehlender finanzieller Ressourcen nur sehr langsam voran. Acht von zehn Kommunen scheitern hauptsächlich an personellen Engpässen und mangelnder Expertise. Die hohe Auslastung der Mitarbeitenden in den Verwaltungen verhindert die Planung und Umsetzung von Digitalisierungsmaßnahmen. Durch das Ausscheiden der geburtenstarken Jahrgänge wird allgemein eine weitere Zunahme des Personalmangels erwartet. Zeit also für einen grundlegenden Befreiungsschlag.
Low-Code-Plattformen bieten hier einen Ausweg, weil sie konkrete Ansätze mitbringen, die den internen Aufwand in der Verwaltung deutlich reduzieren. Am Beispiel der Low-Code-Plattform cit intelliForm lassen sich Wirkung und Vorteile anschaulich illustrieren. Fünf wesentliche Eigenschaften machen den Low-Code-Ansatz für die öffentliche Verwaltung in der aktuellen Zwickmühle zwischen Personalnot und Digitalisierungsbedarf besonders interessant.

Weniger Technik, schnellere Umsetzung

Erstens erfordert die Umsetzung von Projekten mit einer Low-Code-Plattform keine spezifischen IT- oder Programmierkenntnisse. Damit wird der Personenkreis, der Verwaltungsvorgänge digitalisieren kann, deutlich erweitert. Der Fokus liegt – wenig technisch – auf den Bearbeitungs- und Verwaltungsprozessen. Sachkundige Verwaltungskräfte können sich schnell mit der Nutzung vertraut machen. Der langwierige und fehleranfällige Übersetzungsprozess zwischen Verwaltungsfachkräften und IT-Experten entfällt.
Zweitens erlauben Low-Code-Plattformen eine dramatisch schnellere Umsetzung im Vergleich zu klassischen Programmiermethoden. Die Modellierung von Informationsbedarf, Entscheidungen und Prozessen erfolgt interaktiv in einem Format, das Verwaltungsbeschäftigte schnell erlernen können. Aus der Beschreibung werden bereits funktionsfähige Anwendungen generiert, und der Verwaltungsablauf mit fertigen Formularanwendungen wird auch für IT-Laien sofort transparent. Notwendige Fehlerkorrekturen, Ausnahmen oder Änderungswünsche können unmittelbar am lebenden Objekt erkannt und umgesetzt werden. Auch nach Inbetriebnahme können sachkundige Mitarbeitende Ergänzungen oder Änderungen schnell vornehmen.
Ein dritter Vorteil ergibt sich bei Low-Code-Plattformen, die explizit auf die Anforderungen der öffentlichen Verwaltung zugeschnitten sind. Gute Plattformen bieten einen umfangreichen Baukasten an vorgefertigten Modulen – von der Autorisierung mit Servicekonten oder eID über E-Payment, E-Signatur sowie Geo- und Kartendienste bis hin zur Einbindung breit etablierter Informationsdienste wie den Zuständigkeitsfindern. Die Kombination von fachlichen Modellen mit diesen Grundbausteinen erlaubt es, E-Government-Angebote schnell zusammenzuklicken. Im Fall von cit intelliForm wächst während der Modellierung eine Bibliothek von selbsterstellten, individuellen Bausteinen heran, die immer wieder verwendet werden können. Die Bibliothek ergänzt die zahlreichen mitgelieferten Bausteine und beschleunigt den Prozess zusätzlich. Wichtig ist auch die vollständige Unterstützung von Schnittstellen- und Transport-Standards der XÖV-Familie.

Best Practices einfach übernehmen

Die vierte Eigenschaft von Low-Code-Plattformen befeuert die Digitalisierung ganz besonders. Sie erlaubt die zügige Übernahme bewährter Best Practices in Form von vorgefertigten Lösungen oder zumindest Teilen davon. Mit cit intelliForm können beispielsweise die Modelle des Föderalen Informationsmanagements (FIM) direkt eingelesen werden. Auch hat sich ein ganzes Ökosystem um die Plattform herausgebildet. So bieten Drittanbieter wie S-Management Services umfangreiche Kataloge mit Hunderten von Formularanwendungen, die direkt auf der Low-Code-Plattform lauffähig sind. Mit der Auswahl aus dem Katalog von S-Management Services, der aus einer engen Zusammenarbeit mit kommunalen Fachverlagen wie Kohlhammer und Boorberg entstanden ist, kann eine Kommune schnell einen breiten Grundstock an guten Online-Angeboten schaffen und ihn sukzessive um selbst modellierte Lösungen erweitern. Darüber hinaus findet sich cit intelliForm im Portfolio vieler großer IT-Dienstleister auf Landesebene sowie zahlreicher Beratungshäuser, die Kommunen bei der Nutzung dieser Low-Code-Plattform begleiten können. Zudem tauschen viele Verwaltungen regelmäßig fertige Lösungen in Form von Modellen für cit intelliForm aus.
Ein fünfter Vorteil ergibt sich aus der Idee einer zentralen, offenen Plattform. Sie vermeidet den Wildwuchs aus Sicht der Nutzenden, weil alle auf der Plattform angebotenen Leistungen ein einheitliches Aussehen haben und den gleichen Bedienkonzepten folgen. Dazu bringt cit intelliForm ein universelles Antrags- und Fall-Management mit, das fallbezogene Klammern bildet, um eine sichere digitale Zusammenarbeit aller Beteiligten zu ermöglichen. Bürgerinnen und Bürger können Anträge digital stellen, Belege einreichen, Rückfragen beantworten, den Status von Anträgen einsehen und Ergebnisse wie Bescheide digital entgegennehmen. Aus Innensicht etabliert das Antrags- und Fall-Management eine universelle Lösung insbesondere für solche Leistungen, für die kein Fachverfahren vorliegt. Aber auch immer mehr Hersteller breit etablierter Fachverfahren nutzen die Low-Code-Plattform für neue Online-Lösungen.

In der Pandemie bewährt

Mit Low-Code-Plattformen können Kommunalverwaltungen schnell viele Angebote digitalisieren, damit ihre Beschäftigten entlasten und Bürger mit modernen Self-Services begeistern. Das geschieht zum einen durch die schnelle Übernahme bereits etablierter Best Practices, zum anderen durch deutlich mehr Agilität bei der Umsetzung neuer oder individueller Anforderungen. Viele positive Beispiele in der Pandemie haben gezeigt, dass kommunale Verwaltungen innerhalb von wenigen Tagen oder gar Stunden voll funktionsfähige Online-Anwendungen auf der Basis von Low-Code-Plattformen geschaffen haben.

Bernd Hoeck ist freier Journalist und IT-Experte.

https://www.cit.de
Dieser Beitrag ist in der Ausgabe Januar 2023 von Kommune21 im Schwerpunkt Low Code erschienen. Hier können Sie ein Exemplar bestellen oder die Zeitschrift abonnieren. (Deep Link)

Stichwörter: IT-Infrastruktur, cit, Low Code

Bildquelle: vegefox.com/stock.adobe.com

Druckversion    PDF     Link mailen




 Anzeige


Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich IT-Infrastruktur
Nationale Bildungsplattform: Lerninhalte KI-gestützt verwalten
[1.2.2023] Das BMBF-Projekt Nationale Bildungsplattform will digitale Bildungsinhalte und -angebote besser auffindbar machen. Das Teilprojekt ITs.JOINTLY befasst sich mit KI-gestützter Content-Verwaltung. Nun berichtet IT-Dienstleister Dataport über den Start des Kooperationsprojekts. mehr...
Gütersloh: Neues Buchungssystem
[31.1.2023] Die Stadt Gütersloh führt ein neues Buchungssystem ein. Im ersten Schritt können damit Termine für das Bürgerbüro online vereinbart werden. Weitere Abteilungen sollen perspektivisch an die Lösung angeschlossen werden. mehr...
Ihren Termin für das Gütersloher Bürgerbüro können die Bürgerinnen und Bürger jetzt online buchen.
Mittelangeln: Prozesse selbst stricken Bericht
[27.1.2023] Im Rahmen der Förderinitiative Heimat 2.0 und mithilfe der Low-Code-Plattform Allisa hat das Amt Mittelangeln in Schleswig-Holstein die ersten Prozesse digitalisiert. Sie stehen künftig auch anderen Kommunen zur Verfügung. mehr...
Amt Mittelangeln: Leuchtturm der Digitalisierung.
MODUL-F: Lücke schließen Bericht
[19.1.2023] In einem Gemeinschaftsprojekt entwickeln die Stadt Hamburg und das BMI eine Plattform, über die Fachverfahren schnell und einfach mit vorprogrammierten Modulen erstellt werden können. Ab 2023 soll MODUL-F in einer ersten Version zur Verfügung stehen. mehr...
MODUL-F: Baukasten für Fachverfahren.
OZG: Digitalisierung im Länderverbund
[9.1.2023] Für den länderübergreifenden Austausch von Online-Prozessen, die auf einer gemeinsamen technischen Plattform entwickelt werden, arbeiten das Saarland, Rheinland-Pfalz und Hessen jetzt auf Grundlage einer Kooperationsvereinbarung zusammen. Mit Thüringen besteht ebenfalls eine einvernehmliche Zusammenarbeit. mehr...