Schwabmünchen:
Geschützte Arten per App dokumentieren


[16.8.2023] Die Stadt Schwabmünchen nutzt seit dem Jahr 2015 die Anwendung EineStadt – etwa zur digitalen Kontrolle von Bäumen oder Spielplätzen. Seit Kurzem kommt die App auch für die Erfassung geschützter Tierarten zum Einsatz. Das spart Zeit und erleichtert die Zusammenarbeit mit den Naturschutzbehörden.

Muss ein Biberdamm von der Kommune entfernt werden, verursacht das zunächst einen hohen bürokratischen Aufwand. Wenn Thomas Bernert vom Amt für Grün- und Umwelt der Stadt Schwabmünchen die Bäume, Spielplätze und Parks seiner Stadt checkt, ist er nicht immer allein: In der bayerischen Kleinstadt südlich von Augsburg leben, nisten und brüten zahlreiche heimische Tierarten. Doch auch wenn die Tiere zum Stadtbild gehören und ihre Daseinsberechtigung haben, verursachen sie oft Schwierigkeiten. „Ich könnte ganze Bücher darüber füllen, wie mich die tierischen Bewohner in Schwabmünchen Jahr für Jahr in Trab halten“, so Thomas Bernert.

Krähen und Biber verursachen bürokratischen Aufwand

Zu den typischen Problematiken, die viele Städte und Gemeinden kennen, zählen Saatkrähen und Biber. Saatkrähen, welche unter Schutz stehen, sind unheimlich schlaue und gesellige Tiere. Allerdings sind sie in ihren riesigen Kolonien oft auch laut, machen Radau, verdrängen teils andere Vogelarten oder sorgen für starke Verschmutzung. Das kann in öffentlichen Bereichen rund um Spielplätze, Friedhöfe oder Krankenhäuser zu Problemen führen – welchen sich nun die zuständige Stadt widmen muss. Eine Maßnahme kann sein, Nester der Krähen in kritischen Bereichen zu entfernen. Hierfür wird neben einer geeigneten Kletterfirma aus Artenschutzgründen vor allem eine Ausnahmegenehmigung von der Naturschutzbehörde oder dem Landratsamt benötigt. Die Ämter wiederum brauchen für ihre Beurteilung zunächst wichtige Informationen wie die Stückzahl oder die Lage der Nester. Ein nicht zu unterschätzender bürokratischer Aufwand.
Auch die geschützten Biber sorgen – sichtbar oder unsichtbar – für Probleme, vor allem an Flüssen und Bächen. „Die Tiere planen ihre Dämme oft an den ungünstigsten Stellen. Im schlimmsten Fall staut sich das Wasser dahinter dann zu einem richtigen See an und verursacht Schäden an der städtischen Infrastruktur”, so Bernert. Natürlich darf auch ein Biberdamm nicht einfach so entfernt werden. Die Stadt Schwabmünchen ist verpflichtet, mit einem Biberbeauftragten Kontakt aufzunehmen und die erforderlichen Akutmaßnahmen mit ihm abzusprechen. Handelt es sich beispielsweise um einen Biberbau, in dem momentan Jungtiere hausen, darf der Bau nicht angerührt werden. Biberdämme, die nur der Reviererweiterung dienen, dürfen hingegen umgezogen oder entfernt werden.

Digitale Erfassung erleichtert den Alltag

Um Biberbauten, Saatkrähennester oder Fledermausnistkästen zu dokumentieren, braucht Thomas Bernert mittlerweile keinen Zettel und Stift mehr. Schon lange nutzt die Stadt Schwabmünchen für die Dokumentation sämtlicher städtischer Arbeiten das System EineStadt des gleichnamigen Anbieters, so zum Beispiel für die Baum- und Spielplatzkontrolle (wir berichteten) aber auch für so genannte nicht-bechippbare Verwaltungsobjekte (wir berichteten) – und hat den Einsatz der App nun auch erfolgreich auf die Verwaltung der geschützten Arten ausgeweitet.
Funde können in der EineStadt-App exakt kartiert und beschrieben sowie Maßnahmen vorgeschlagen werden. Praktisch sieht das in der App folgendermaßen aus: Für jedes Krähennest, jeden Biberdamm oder ähnliches wird ein Punkt auf der integrierten, digitalen Karte erfasst. Dieser kann dank GPS-Daten exakt verortet werden. Pro Objekt können nun entsprechende Datenfelder ausgefüllt und darin beispielsweise die Art der Unterkunft der jeweiligen Tierart (Bau, Damm, Loch, Nest) und deren Stückzahl, die Umgebung (Friedhofsgrün, Parkanlage, Spielplatz), sowie die Verkehrssicherheit beschrieben werden (gegeben, nicht gegeben, unsicher, nachzuweisen).
Darüber hinaus können Fotos angehängt und eine Maßnahme vorgeschlagen werden – zum Beispiel, ob ein Damm entfernt oder abgesenkt werden soll. „Wenn ich in der Karte auf das Legendenmenü klicke, kann ich mir außerdem Schutzgebiete oder Biotope farbig in die Karte einblenden lassen. Das hilft mir beim Festlegen der Maßnahmen ganz besonders“, berichtet Bernert.

Naturschutzbehörden einbinden

Im Anschluss kann vom System eine Nachricht an die zuständige Naturschutzbehörde gesendet werden. Deren Mitarbeitende können dann sämtliche Informationen und Bilder in der App oder am Computer einsehen und schnell entscheiden, ob die vorgeschlagene Aktion durchgeführt werden darf oder eine neue Maßnahme empfohlen wird. In einigen Fällen müssen sich Zuständige der Behörde die Problematik aber nach wie vor direkt vor Ort ansehen.
Sobald eine Maßnahme im System an die Stadt freigegeben wurde, kann direkt in der digitalen Anwendung weitergearbeitet werden: „Ich setze ganz einfach eine Stecknadel in die Karte für den Bauhof oder den Kletterer, der die Arbeit durchführen soll“, so Thomas Bernert. Wurde die Maßnahme erfolgreich durchgeführt, wird die Stecknadel wieder entfernt. So schließt sich der Aufgabenkreis.
Statt externe Mitarbeitende, wie die Zuständigen bei den Naturschutzbehörden, direkt in die Software einzubinden, können diese alternativ mit aus dem System generierten PDF-Berichten versorgt werden. Sie haben somit die Möglichkeit, sich einen Fall inklusive Fotos am PC oder ausgedruckt auf Papier anzusehen und daraufhin die empfohlenen Maßnahmen zurückzumelden. „Für unsere zuständige Naturschutzbehörde ist das PDF das Mittel der Wahl“, berichtet Bernert.

Vorteile der digitalen Dokumentation

Egal, ob am Biberdamm, bei der Baumkontrolle, an Spielplätzen oder auf Friedhöfen: Arbeiten und Abläufe werden durch die digitale Dokumentation langfristig gesehen deutlich vereinfacht. Probleme lassen sich per App in einer digitalen Karte schnell und zuverlässig eintragen – auch per Spracheingabe. Durch die Möglichkeit, externe Nutzer in den Prozess einzubinden, spart sich die Stadt Schwabmünchen Zeit und erhöht die Transparenz bei der Zusammenarbeit zwischen den Fachleuten. „Das alles funktioniert jetzt bis zu fünfmal schneller als früher mit Papier und Stift“, schätzt Thomas Bernert.
Auch die rechtliche Absicherung, die durch eine lückenlose Historie gegeben ist, spielt eine immer wichtigere Rolle. Zudem erfolgen Erfassung und Bearbeitung der Daten einfach und konsistent, ohne dabei unübersichtliche Tabellen verwalten zu müssen. Ein weiterer Vorteil: Unterschriften können digital gesetzt und Aufträge in Echtzeit von überall aus verteilt und bearbeitet werden – bei Bedarf auch von externen Firmen und Partnern.
Details wie eine Erinnerungsfunktion für anstehende Kontrollen machen das System unersetzlich und verhindern, dass anstehende Kontrollgänge verpasst werden könnten.
Nicht zuletzt sind alle Daten und Prozesse für immer dokumentiert und archiviert. Dadurch passiert es auch seltener, dass Zettel verlegt werden, untergehen oder erst nach langer Zeit am richtigen Ort ankommen.

Keine Berührungsängste

Schwabmünchen nutzt die Software EineStadt bereits seit dem Jahr 2015 – und ist von Anfang an überzeugt. Begonnen hatten die Mitarbeitenden mit der digitalen Kontrolle von Bäumen, Spielplätzen, Hydranten und Kanalschächten. Den Bereich der geschützten Tierarten haben sie nun als neues Feature der App begeistert angenommen.
Berührungsängste mit der „neuen Technologie” sind nach Aussagen der Stadt Schwabmünchen unbegründet: Mitarbeitende aus allen Ebenen nutzen die Anwendung nach kurzer Einarbeitung intuitiv. Eine Bearbeitung der Daten ist mit jedem handelsüblichen Smartphone vor Ort möglich. Die Bedienung der App ist einfach und verständlich, da sie in Zusammenarbeit mit den Mitarbeitenden in der Praxis entwickelt wurde.

Stefanie Fiedler ist zuständig für Redaktion und Marketing bei der EineStadt GbR, Augsburg.

https://www.einestadt.com/artenkartierungs-app
https://www.schwabmuenchen.de

Stichwörter: Portale, CMS, Schwabmünchen, App, EineStadt

Bildquelle v.o.n.u.: Shutterstock/Ronnie Howard, EineStadt GbR

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