Montag, 12. Oktober 2026

VerwaltungsdigitalisierungHürden abbauen

[04.08.2022] Wie wichtig es ist, die Digitalisierung der Verwaltungen hierzulande voranzutreiben, hat die Corona-Pandemie deutlich gemacht. Ein Hindernis sind dabei die gewachsenen bürokratischen Strukturen und Hierarchien, die es IT-Visionären oft schwer machen, ihre Ideen umzusetzen. Hier ist ein rasches Umdenken erforderlich.
IT-Visionäre haben es oft schwer

IT-Visionäre haben es oft schwer, ihre Ideen in der Verwaltung umzusetzen.

(Bildquelle: msgrafixx/123rf.com)

Die Corona-Pandemie hat nicht nur den Kommunen gezeigt, wie essenziell es ist, die Verwaltungen zu modernisieren und alle Prozesse auf den Prüfstand zu stellen. Dabei geht es nicht allein um die technische Digitalisierung, angesagt ist vielmehr ein Umdenken innerhalb der Strukturen vieler Behörden.
Die Corona-Pandemie werden wir kurz- oder langfristig überwinden – und zwar dank der mutigen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Visionäre, die von Anfang an den Kampf gegen das Virus aufgenommen und die ersten Impfstoffe entwickelt haben. Zu unserem Glück als Bürgerinnen und Bürger lag dieser Auftrag nicht in der Hand einer öffentlichen Verwaltung, sonst wären wir wohl bis heute mit bürokratischen Hürden und Zuständigkeitsprüfungen beschäftigt, würden auf Verordnungen und Weiteres warten.

Gewachsene Bürokratien werden verteidigt

In den vergangenen zwei bis drei Jahren wurden innerhalb der Verwaltungen zahlreiche neue Ämter geschaffen, die mit der Digitalisierung beauftragt sind und hier federführend sein sollen. Als Qualifikationsmerkmal für die mit den Digitalisierungsprojekten betrauten Mitarbeitenden gilt in zahlreichen Verwaltungen jedoch immer noch, dass diese den Verwaltungsspezifischen Lehrgang AL II absolviert haben. Der Kampf zwischen den zuständigkeitsgeübten Verwaltungsangestellten und den Visionären aus dem IT-Bereich hat verhehrende Folgen für den Fortschritt bei der Digitalisierung.
Einen weiteren Stolperstein stellen interne Grabenkämpfe zwischen den verschiedenen Ämtern dar, wenn jedes die Digitalisierung für sich alleine und nach seiner Vorstellung vorantreiben will. Keine Rolle spielt es dabei leider oft, wie sinnvoll und wirkungsvoll der eingeschlagene Weg in die Digitalisierung für die Verwaltung selbst, für die Unternehmen sowie die Bürgerinnen und Bürger ist. Vielmehr geht es allzu häufig darum, die Bürokratien und die Macht hinter den Bürotüren auf den einzelnen Etagen zu verteidigen. Somit wird die Digitalisierung in vielen Kommunen nicht als Chance gesehen, sondern es herrscht die Furcht, dass sich seit Jahrzehnten geltende Verwaltungsstrukturen als Hindernis und das ein oder andere Amt als überflüssig herausstellen könnten.

Über den Tellerrand blicken

Digitalisierung ist kein Verwaltungsakt, daher lässt sich die Frage, ob eine verwaltungskonforme Digitalisierung möglich ist, getrost mit Nein beantworten. Die Digitalisierung einer Verwaltung ist eine dauerhafte Aufgabe und muss amtsübergreifend bewältigt werden. Ein Querschnittsamt ist nur ein Teil der Lösung der vielen Probleme, die mit der Digitalisierung einhergehen, es muss jedoch auch Fachkräfte beherbergen und nicht nur zuständigkeitsgeübte Verwaltungsangestellte.
Ein Blick über den Tellerrand würde vielen Kommune auf ihrem Weg zur Digitalisierung helfen. Viel wichtiger ist es aber, dass die Führungsebene und die Personalämter, welche mit der Suche nach geeignetem Personal beauftragt sind, die Kompetenzen einer Fachkraft erkennen, auch wenn diese nicht über eine Verwaltungsausbildung verfügt. Damit steht dann aber schon die nächste Herausforderung für viele Bürokraten in der Verwaltung im Raum: Diesen Fachkräften und IT-Experten den benötigten Spielraum zu gewähren, vor allem aber, ihnen Vertrauen und Respekt entgegenzubringen.
Denn diese sind meist top ausgebildet und blicken auf jahrelange Erfahrung zurück. Sie können technische Zusammenhänge schnell und unbürokratisch erkennen und entsprechend handeln – denn für sie steht der Grundsatz einer Verwaltungsausbildung „Zuständigkeitsprüfung“ nicht im Vordergrund, sondern der jeweilige Vorteil und der daraus entstehende Nutzen durch die Digitalisierung.

Offen sein für Visionäre

Es mangelt bei der Verwaltungsdigitalisierung weder an den finanziellen Mitteln noch an Software-Lösungen – im Gegenteil. Passende Software und Budget alleine reichen jedoch nicht aus, um die Digitalisierung voranzutreiben. Es bedarf vielmehr eines grundlegenden Umdenkens der Führungsebenen innerhalb der Verwaltung.
Viele Verwaltungen sind dazu aufgerufen, ihre internen Strukturen kritisch und sehr schnell auf den Prüfstand zu stellen. Es muss sich die Erkenntnis durchsetzen, dass es im Jahr 2022 und nach einer Krise wie der Corona-Pandemie nicht mehr darum gehen kann, dass sich die Verwaltung selbst verwaltet, sondern vielmehr darum, sich nach außen zu öffnen und zugänglich zu machen – und zwar nicht nur in Form von Türen, sondern besonders für die vielen Visionäre und Macher, die Deutschland aufzuweisen hat.
Für viele Fachkräfte sind die Stellenausschreibungen des öffentlichen Diensts nicht mehr attraktiv genug. Die Vergütung mag dafür ein wichtiger Grund sein, eine entscheidende Rolle spielt jedoch auch der mangelnde Spielraum, welchen die Verwaltung den Fachkräften bietet, um ihre Ideen zu verwirklichen. Ihnen bleibt daher nur der Weg in die private Wirtschaft, wo man sich schon vor Jahren auf ein unbürokratisches Miteinander vorbereitet und die Voraussetzungen hierfür geschaffen hat. Ideenbringer sind in der privaten Wirtschaft willkommen und müssen im Gegensatz zur öffentlichen Verwaltung nicht bei jeder Stellenbewertung den Nachweis erbringen, ob sie einen Verwaltungslehrgang absolviert haben oder nicht. Entscheidend ist hier alleine die erbrachte Leistung.

Hakam Najjar war zehn Jahre lang im Bereich der Digitalisierung einer öffentlichen Verwaltung tätig, bevor er im Oktober 2021 als Unternehmensberater für Digitalisierung /ECM-DMS Consultant/Digitalisierungsberater in die freie Wirtschaft wechselte.


Stichwörter: Panorama, Personalwesen


Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Panorama
Die automatisiert alarmierbare Vorauserkundungsdrohne der Feuerwehr Essen.

Essen: Drohne erkundet Einsatzorte vorab

[09.10.2026] Die Feuerwehr Essen testet seit Mitte September eine automatisiert startende Vorauserkundungsdrohne. Sie soll bereits vor dem Eintreffen der Einsatzkräfte Bilder vom Einsatzort liefern und so eine frühzeitige Lagebeurteilung ermöglichen. Nach drei Monaten wird entschieden, ob das System dauerhaft eingesetzt werden soll. mehr...

Die Bayern nutzen Online-Angebote laut einer Studie der Initiative D21 überdurchschnittlich häufig.

Rheinland-Pfalz: Ehrenamtskarte per App beantragen

[08.10.2026] Rheinland-Pfalz hat eine App gestartet, mit der Ehrenamtliche die Ehrenamtskarte vollständig digital beantragen und Vergünstigungen finden können. Das Land übernimmt eine in Nordrhein-Westfalen entwickelte Lösung. Organisationen und Kommunen bearbeiten Anträge digital. mehr...

Mehrere Karteikästen mit farbigen Registerkarten. Im Vordergrund ist eine grüne Registerkarte mit der Jahreszahl 2013 zu sehen.

Kommune21 im Gespräch: Herausforderung Registermodernisierung

[07.10.2026] Die Registermodernisierung gehört zu den zentralen Vorhaben der Verwaltungsdigitalisierung. Im Live-Webinar „Kommune21 im Gespräch“ am 22. Oktober 2026 zeigen Fachleute des Landes Baden-Württemberg, von Komm.ONE und aus einem kommunalen Pilotprojekt, wo die Umsetzung derzeit steht, welche Erfahrungen bereits vorliegen und was Kommunen jetzt tun sollten. mehr...

Blick in ein Parkhaus

Hanau: Schrankenlos parken

[07.10.2026] Die Stadt Hanau stellt ihre Parkhäuser auf digitale Systeme um. Fast alle städtischen Häuser kommen bereits ohne Schranken und Parktickets aus, das Kennzeichen wird bei der Ein- und Ausfahrt erfasst. Weitere Standorte nutzen ticketlose Systeme mit Schranken. mehr...

Illustration einer diagonal über das Bild gespannten Kette, die gesprengt wird.
bericht

Digitale Transformation: Barrieren beseitigen

[05.10.2026] Ist eine Verwaltung, deren Grundzüge teilweise bis in die Bismarckzeit zurückreichen, überhaupt digital transformierbar? Das an der Universität Münster entwickelte Konzept des „Digital Rebirth“ zeigt, wie der erfolgreiche Einsatz digitaler Technologien gelingen kann. mehr...

Personengruppe unter einer goldenen 50

ab-data: 50 Jahre Softwareentwicklung

[02.10.2026] Mit mehr als 100 Gästen feierte das Softwareunternehmen ab-data sein 50-jähriges Bestehen am historischen Ursprungsort. Neben Erinnerungen an die Gründungszeit ging es um das neue Finanzwesen VOIS|FIWE und die Bedeutung kommunaler Plattformen für die Digitalisierung. mehr...

Drohne in der Luft, im Hintergrund ist verschwommen ein Gebäude der Feuerwehr Hanau zu sehen

rescueTablet: Aus der Luft direkt ins Lagebild

[02.10.2026] Die Einsatzplattform rescueTablet kann jetzt Live-Luftbilder und Telemetriedaten von Drohnen einbinden. Einsatzleitungen sollen dadurch bei Bränden, Hochwasser oder Sucheinsätzen schneller einen Überblick über die Lage erhalten. mehr...

OZG: Kommunen sollten sich startklar machen.

Aachen/Mannheim: G24 geht in die Praxis

[28.09.2026] Aachen und Mannheim erproben den Kombiantrag des Bund-Länder-Projekts G24. Er verbindet Gewerbeanmeldung und steuerliche Erfassung. Aachen bietet das Verfahren bereits vollständig online an, Mannheim folgt schrittweise. Langfristig sollen Gründungen binnen 24 Stunden möglich sein. mehr...

NeXT: Nachnutzung praktisch angehen

[28.09.2026] Ein neues Paper des NeXT-Netzwerks gibt Beschäftigten aller föderalen Ebenen praktische Hinweise, wie sie digitale Lösungen für andere bereitstellen oder selbst übernehmen können. Ein Schnellcheck führt zu den passenden Empfehlungen und weiterführenden Ressourcen. mehr...

Panoramablick über Berlins Innenstadt, in der Mitte der Fernsehturm, im Hintergrund dramatische Wolken

Berlin: Digitale Bürgerdienste holen auf

[25.09.2026] Bei der Verwaltungsdigitalisierung in Berlin geht es voran: Mehr als die Hälfte der 100 meistgenutzten Bürgerdienstleistungen ist inzwischen digital verfügbar. Nachholbedarf besteht allerdings bei der tatsächlichen Online-Nutzung und der Medienbruchfreiheit. mehr...

Person am Laptop, am Bildschirm ein Mock-Up-Umfrageformular, sonniger Schreibtisch mit Muffins

Verwaltungsmonitor 2026: Digitale Transformation im Arbeitsalltag

[24.09.2026] Eine neue bundesweite Befragung richtet den Blick auf die Menschen, die Verwaltungsdigitalisierung erleben und gestalten. Beschäftigte aller Verwaltungsebenen können bis Ende Oktober 2026 online und anonym teilnehmen. Durchgeführt wird die Untersuchung vom Netzwerk NExT und dem Kompetenzzentrum Öffentliche IT. mehr...

Jemand schaut sich die Stadtblatt Online-Ausgabe am Handy an


Heidelberg: Stadtblatt wird digital

[18.09.2026] Heidelberg stellt die Verteilung seines Stadtblatts neu auf. Statt einer Zustellung an alle Haushalte setzt die Stadt künftig vor allem auf die digitale Ausgabe. mehr...

Junge Frau zwischen Archivregalen streckt ihr Handy Richtung Kamera

Gütersloh: Webseite zur Stadtgeschichte in neuem Look

[11.09.2026] Die Stadt Gütersloh hat den Bereich zur Stadtgeschichte auf ihrer Website grundlegend überarbeitet. Inhalte wurden neu geordnet und verknüpft, historische Abbildungen durch hochauflösende Digitalisate ersetzt und weitere Seiten um Bilder, Videos und Links ergänzt. mehr...

Mpck-up der Schwammstadt-App

Berlin: Klimaanpassung spielerisch erfahren

[11.09.2026] Mit dem Online-Spiel Schwammtastisch soll das Konzept der Schwammstadt für Berlinerinnen und Berliner anschaulich werden. Straßen und Plätze lassen sich digital mit Bäumen, Pflanzstreifen oder Regenwassernutzung umgestalten und deren Wirkung erkunden. mehr...

Roboterhand tippt auf einem Computerkeyboard

Studie: Automatisierungspotenzial in Behörden nicht ausgeschöpft

[09.09.2026] Eine Studie von Foundry, UiPath und Materna zeigt deutliche Lücken bei der Digitalisierung deutscher Behörden: Nach Einschätzung der Befragten könnten 49 Prozent der Verwaltungsaufgaben automatisiert werden, tatsächlich sind es erst 23 Prozent. Zudem ist ein Drittel der Leistungen noch komplett offline. mehr...