Sonntag, 5. April 2026

HannoverMarkt in 3D

[13.09.2016] Geo-Informationen können von den Verwaltungen vielfältig eingesetzt werden. In der Landeshauptstadt Hannover werden die Stadtkarte sowie aus dem Geodatenbestand abgeleitete 3D-Anwendungen unter anderem dazu genutzt, Wochenmärkte optimal zu planen.
Der Wochenmarkt auf dem Moltkeplatz in Hannover in 3D-Ansicht.

Der Wochenmarkt auf dem Moltkeplatz in Hannover in 3D-Ansicht.

(Bildquelle: Landeshauptstadt Hannover)

An der Visualisierung städtischer Geodaten herrscht in der Verwaltung großer Bedarf. Das zeigen zwei Beispiele zum Einsatz von Stadtkarten in der niedersächsischen Landeshauptstadt Hannover. Die dafür erforderlichen Geodaten werden mit den gängigen Erfassungsmethoden erhoben. Sie sind neben der Verwendung als Basisdaten für die Stadtkarten zugleich Bestandteil von Fachkatastern und themenbezogenen Inhalten von Web-Anwendungen.
Der Bereich Geoinformation der Stadt Hannover ist dem Fachbereich Planen und Stadtentwicklung zugeordnet und beschäftigt insgesamt circa 90 Mitarbeiter. Die Aufgabenbereiche umfassen verschiedenste Sachgebiete, von der Straßenbenennung und Hausnummernvergabe über den städtischen Liegenschaftsnachweis, die Grundstücksbewertung, Ingenieur- und Liegenschaftsvermessung bis hin zur Kartografie und dem Geodaten-Management. Im Sachgebiet Kartografie und Geodaten-Management werden unter anderem Luftbilder, Orthofotos, das 3D-Stadtmodell und das städtische Geländemodell sowie Stadtkarten in den Maßstäben 1:1.000, 1:5.000, 1:20.000 und 1:100.000 hergestellt und fortgeführt.

Verlässlicher Datenbestand

Die Stadtkarte 1:20.000 (SKH20) beschreibt das Stadtgebiet Hannover sowie angrenzender Kommunen. Nach einer umfassenden Migration weg von der Bearbeitung der Stadtkarte mittels Grafikprogramm (Freehand) hin zu einer auf einem Geo-Informationssystem (GIS) basierenden Stadtkarte kann die Stadtverwaltung neben den klassisch hergestellten, gedruckten und digitalen Stadtkarten nun auch GIS-basierte Analysen anbieten und dabei die Qualität bisheriger Darstellungen beibehalten.
Dafür wurden die grafischen Ebenen analysiert, neu klassifiziert und in GIS-Dateien umgewandelt. Zudem wurde ein vollumfängliches, attributiertes und klassifiziertes Knoten- und Kantenmodell des Straßennetzes abgeleitet. Auf Basis dieser Datenstruktur ist es möglich, einen zentralen Datenbestand automatisiert und verlässlich fortzuführen. Weitere Vorteile sind die strukturierte und übersichtliche Bearbeitung, die Vermeidung von Redundanzen in der Datenhaltung und die Möglichkeit einer systematischen Qualitätsprüfung des Karteninhalts über Attribute. Auch die Integration von Fachdaten wurde deutlich vereinfacht. Mit dem Datenmodell lassen sich zahlreiche räumliche Analysen im Zusammenhang mit städtischen Fragestellungen durchführen.

Flexibles Modell

Ein Beispiel für die Flexibilität dieses Datenmodells ist der Kinderstadtplan, der im Bereich Geo-Information als thematische Ableitung der offiziellen Stadtkarte hergestellt wird. Er wird seit dem Jahr 2010 jährlich für die 13 Stadtbezirke der Landeshauptstadt Hannover als Printversion erstellt. Der Kinderstadtplan setzt sich zusammen aus einer inhaltlich reduzierten und farblich umgestalteten Standardausgabe der SKH20 sowie zahlreicher neuer Themeninhalte als POIs (Point of Interest) aus GIS-Datenbanken, wie zum Beispiel Schulstandorte, die zusätzlich in den städtischen grafischen Auskunftssystemen verwendet werden.
Weitere abgeleitete Produkte dieses Datenmodells auf Basis der Stadtkarte sind die Radwege- und Freizeitkarte, der Stadtatlas, die Innenstadtkarte, der Liniennetzplan für die hannoverschen Verkehrsbetriebe oder der Schulwegplan. Für die Zukunft ist angedacht, eine Historie in bestimmte topografische Elemente einzubinden. Dies soll für künftige Darstellungen von räumlichen Entwicklungen unter Verwendung eines Zeitintervalls geschehen und einen noch vielseitigeren Einsatz der Stadtkarte ermöglichen.

Wochenmärkte visualisieren

Im Bereich Marktwesen der Landeshauptstadt Hannover erstellt der Bereich Geoinformation für die 26 Wochenmärkte und den Weihnachtsmarkt ebenfalls die Kartengrundlage. Dazu werden neben der stadtweiten Bestandstopografie der Stadtkarte 1:1.000 sämtliche Straßenmöbel erfasst, die für die Planung der Stellflächen des jeweiligen Marktes erforderlich sind. Die Erfassung erfolgt – soweit visuell sichtbar – anhand photogrammetrischer Luftbildauswertung. Beim darauffolgenden Ortsvergleich werden die übrigen Objekte nacherfasst.
Jeder vollständig aufbereitete CAD-Plan eines Wochenmarkts wird künftig anhand eines nachgelagerten Prozesses als dreidimensionaler Datenbestand abgeleitet und browserbasiert intern zur Verfügung gestellt. Davon verspricht sich die Stadt Hannover eine bessere Visualisierung der kleinräumigen Marktstrukturen und damit verbunden eine bessere Kommunikation zwischen den Planungsakteuren im Innen- und Außendienst. Außerdem können in der 3D-Anwendung gleichzeitig 2D- und 3D-Messungen durchgeführt werden, um beispielsweise Mindestabstände zwischen Ständen zu messen oder Baumhöhen zu ermitteln. Dies kann direkt in der 3D-Szene eines Marktplatzes erfolgen. Darüber hinaus ist in der 3D-Anwendung eine Schattensimulation enthalten. Damit kann der Schatten über das Jahr hinweg eingestellt und so ein realistischer Schattenverlauf zur jeweiligen Öffnungszeit der Märkte konfiguriert werden. Das wird insbesondere die Planung der Marktstände mit leicht verderblicher Ware erleichtern – diese können dann vorzugsweise auf denjenigen freien Stellflächen platziert werden, die während der Marktzeiten – insbesondere im Sommer zur Mittagszeit – vornehmlich im Schatten liegen.
In der Web-Szene kann sich der Anwender frei bewegen. Er kann in die Fußgängerperspektive und zudem aus der dreidimensionalen Ansicht in die Schrägluftbildansicht wechseln und so den für ihn interessanten Bereich aus allen vier Himmelsrichtungen betrachten. Durch die hohe Auflösung der Schrägluftbilder kann die Örtlichkeit sehr gut erfasst werden. Zukünftig ist seitens der Stadt Hannover vorgesehen, auf der städtischen Website zu Informationszwecken Übersichtspläne in 2D von jedem Wochenmarkt anzubieten.

Marcel Chaouali ist bei der Landeshauptstadt Hannover im Fachbereich Planen und Stadtentwicklung, Bereich Geoinformation, tätig.




Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Geodaten-Management
eine Reihe von Personen steht vor einer Wand

Mainz: WebGIS wird modernisiert

[26.03.2026] Die Stadt Mainz hat jetzt den Startschuss für die grundlegende Modernisierung ihrer Geodatenplattform gegeben. Mit dem Projekt wird das bestehende WebGIS an aktuelle technische Anforderungen angepasst. mehr...

Screenshot des Sozial-Dashboards.

Hanau: Sozial-Dashboard zum Arbeitsmarkt

[13.03.2026] Mit einem Sozial-Dashboard will die Stadt Hanau ihre Arbeitsmarktpolitik künftig datenbasiert und zielgerichtet steuern. Das Analysewerkzeug basiert auf einem Geo-Informationssystem (GIS) und erlaubt eine kleinräumige Auswertung. mehr...

Screenshot digitaler Zwilling Rhein-kreis Neuss

Rhein-Kreis Neuss: Digitaler Zwilling vorgestellt

[10.03.2026] Auf dem Smart City Summit Niederrhein hat der Rhein-Kreis Neuss seinen Digitalen Zwilling präsentiert. Die Besonderheit: Im Rahmen des interkommunalen Projekts arbeitet der Kreis gemeinsam mit den angehörigen Kommunen an einem digitalen, dreidimensionalen Abbild der realen Welt. mehr...

Screenshot aus der WebGIS-Anwendung, in der Mitte eine in Gelb und Blau gehaltene Luftaufnahme eines Siedlungsgebiets, rechts und links Panels mit Eintellungen und Legende.

Niedersachsen: Entsiegelungskataster mit KI

[26.02.2026] Das Landesamt für Geoinformation und Landesvermessung Niedersachsen hat ein digitales, KI-gestütztes Entsiegelungskataster freigeschaltet. So soll die kommunale Entsiegelungsplanung unterstützt werden. Kommunen werden beim Einstieg in das System begleitet. mehr...

Blick auf das Landratsamt Dingolfing-Landau von oben.

Kreis Dingolfing-Landau: Erfolgreicher GIS-Start mit allen Kommunen

[23.02.2026] Der Kreis Dingolfing-Landau hat mit seinen Gemeinden die Grundlage für ein gemeinsames Geo-Informationssystem (GIS) geschaffen. Die bayerischen Kommunen sind dafür auf das webbasierte RIWA GIS-Zentrum (RGZ) umgestiegen. Dabei sorgten individuell konfigurierte Starterpakete für eine reibungslose Einführung in den Verwaltungen. mehr...

Screenshot einer Stadtansicht von Mosbach in NOKmaps.

Neckar-Odenwald-Kreis: Neues Bürger-GIS NOKmaps

[20.02.2026] Unter NOKmaps bietet der Neckar-Odenwald-Kreis den Bürgerinnen und Bürgern ein neues Geo-Informationssystem an. Sie finden hier unter anderem vorbereitete interaktive Karten zu unterschiedlichen Themen, dreidimensionale Ansichten und Auswertungswerkzeuge, die sie kostenfrei nutzen können. mehr...

Screenshot Digitaler Zwilling Haar

Haar: 3D-Stadtmodell wird erweitert

[11.02.2026] Beim Ausbau ihres 3D-Stadtmodells wird die bayerische Stadt Haar von GIS-Anbieter RIWA unterstützt. Für dieses Jahr sind zahlreiche Ergänzungen geplant. mehr...

3D-Stadtmodell der Stadt Weinheim

Weinheim: Interaktives 3D-Stadtmodell

[10.02.2026] Die Stadt Weinheim hat ein 3D-Stadtmodell in ihr Geoportal integriert und lässt sich damit digital jetzt aus neuen Perspektiven erleben. mehr...

Screenshot des Calwer GIS-Portals.

Kreis Calw: Neues Geoportal mit Terratwin

[29.01.2026] Um komplexe Daten transparent und einfach zugänglich zu machen, hat das Landratsamt Calw sein Geo-Informationssystem (GIS) auf die Plattform Terratwin umgestellt. Die Lösung des gleichnamigen Anbieters ist auf allen Endgeräten und somit auch mobil nutzbar. mehr...

Screenshot des Wiesbadener Baustellenmelders.

Wiesbaden: Digitaler Zwilling mit Baustellenüberblick

[13.01.2026] Wiesbaden hat den Digitalen Zwilling der Stadt um den Baustellenmelder ergänzt. Somit erhalten die Bürgerinnen und Bürger wichtige Informationen rund um aktuelle und geplante Baustellen über eine zentrale Plattform. mehr...

Braunschweig, städtischer Platz mit historischen Bauten aus der Froschperspektive

Braunschweig: Warum heißt die Straße so?

[12.01.2026] Das Geoportal der Stadt Braunschweig bietet einen neuen Service. Neben Daten zu Schulradwegen, Starkregenfolgen, Stadtbäumen und weiteren Themen liefert es nun Hintergründe zu Straßennamen. Per QR-Code am Straßenschild sollen diese in Zukunft auch direkt vor Ort abrufbar sein. mehr...

3D-Modell zeigt Darmstadt aus der Vogelperspektive.

Darmstadt 3D: Grundgerüst für Urbanen Zwilling

[16.12.2025] Von Darmstadt gibt es jetzt ein maßstabsgetreues dreidimensionales Modell mit hoher Detailtiefe. In der browserbasierten Anwendung lassen sich beispielsweise Entfernungen und Flächen messen, Schattenwürfe simulieren oder Sichtbarkeiten analysieren. Perspektivisch bildet sie das Grundgerüst für einen Urbanen Digitalen Zwilling. mehr...

Screenshot vom Digitalen Zwilling der Stadt Karlsruhe.

Karlsruhe: Digitaler Klimazwilling

[02.12.2025] In Karlsruhe soll die Klimafolgenanpassung messbar, vorausschauend und smart gestaltet werden. Mit diesem Ziel baut die Stadt im Projekt Sensor City einen Digitalen Klimazwilling auf, der Geodaten und die Messwerte von Internet-of-Things-Sensoren nutzt.  mehr...

Drohnenvermessung des Ruderatshofener Gemeindegebiets Apfeltrang.

Ruderatshofen: Drohnenvermessung für Hochwasserschutz

[27.11.2025] Ruderatshofen will besser auf Starkregenereignisse und Überflutungen vorbereitet sein. Damit geeignete Schutzmaßnahmen erkannt werden können, hat GIS-Anbieter RIWA ein 3D-Geländemodell vom Gemeindegebiet und den umliegenden Flächen erstellt. Dank Drohnentechnologie konnten 19 Hektar Land innerhalb eines Tages erfasst werden. mehr...

Blick in den vollen Konferenzsaal der Esri Konferenz 2024

Esri Konferenz 2025: GIS eröffnen neue Perspektiven

[21.11.2025] Dass Geo-Informationssysteme die Schlüsseltechnologie für eine nachhaltige Zukunft sind, soll auf der diesjährigen Esri Konferenz (26. bis 27. November 2025, Bonn) in über 100 Fachvorträgen, Live-Demos und Tech-Sessions demonstriert werden. Im Fokus stehen neueste Entwicklungen in den Bereichen Digitalisierung, GeoAI, Digital Twins, Earth Intelligence und Enterprise IT. mehr...