Donnerstag, 19. März 2026

PotsdamSehr guter Job

[25.04.2025] Melitta Kühnlein, Leiterin des Fachbereichs Informations- und Kommunikationstechnologie bei der Stadt Potsdam, spricht im Interview über ihre Verantwortlichkeiten und Ziele sowie Frauen in der IT und in Führungspositionen.
Porträtaufnahme von Melitta Kühnlein.

Melitta Kühnlein leitet den Fachbereich Informations- und Kommunikationstechnologie bei der Stadt Potsdam.

(Bildquelle: Landeshauptstadt Potsdam)

Frau Kühnlein, Sie sind Ende vergangenen Jahres als neue Leiterin des Fachbereichs E-Government der Stadt Potsdam bestellt worden. Welche Verantwortlichkeiten umfasst der Fachbereich?

Der Fachbereich Informations- und Kommunikationstechnologie, wie er seit Anfang des Jahres heißt, ist der zentrale IT-Dienstleister für die Verwaltung der brandenburgischen Landeshauptstadt Potsdam und die 50 Potsdamer Schulen in kommunaler Trägerschaft. Wir sind dabei erster Ansprechpartner für alle Fragen des strategischen und langfristigen IT-Einsatzes. Zu unseren Schwerpunkten gehören die Erarbeitung und Weiterentwicklung einer IT-Strategie und einer IT-Projektplanung, die Entwicklung und Anwendung von Methoden und Instrumenten des IT-Projektmanagements sowie die Entwicklung von Konzepten, Leitlinien und Planungen für verschiedene zukunftsorientierte Themenbereiche bei der Digitalisierung der Schulen und der Verwaltung. Des Weiteren übernehmen wir das IT-Bedarfs- und -Anforderungsmanagement, das geeignete IT-Lösungen kundenorientiert entwickelt und die notwendige Hard- und Softwarebeschaffung übernimmt. Neben den strategischen und konzeptionellen Dienstleistungen sind wir für die komplette IT-Infrastruktur der Verwaltung der Stadt Potsdam und der Schulen in kommunaler Trägerschaft zuständig. Es sind also eine ganze Menge Themen, für die wir verantwortlich sind und die wir abbilden. Mein Team und ich verfolgen dabei täglich unser Leitbild, für die Verwaltung und die kommunalen Schulen ein serviceorientierter IT-Dienstleiser und Partner für den erfolgreichen Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologie zu sein.

Mit welchen Herausforderungen sieht sich der Fachbereich aktuell und künftig konfrontiert?

In meinem Fachbereich arbeiten derzeit rund 70 Kolleginnen und Kollegen, was für die Vielzahl an Themen und IT-Bedarfen in einer Stadt von der Größe Potsdams recht knapp bemessen ist. Wie viele andere Kommunen auch ist Potsdam derzeit mit knapper werdenden finanziellen Mitteln konfrontiert. Gleichzeitig steigen die Bedarfe an einer weiteren Digitalisierung der Verwaltungsarbeit und der digitalen Bildung. Erhofft wird, dass sich durch den Einsatz von digitalen Hilfsmitteln finanzielle Mittel und Personal einsparen lassen, da die Verwaltung digital effizienter arbeiten kann. Übersehen wird dabei häufig, dass sich diese Effekte nicht einfach so einstellen. Denn damit Effizienzgewinne oder Synergie­effekte real eintreten können, muss zunächst investiert werden – einerseits in die IT-Infrastruktur, andererseits in Form von konzeptionellen Überlegungen. Das benötigt Zeit und personelle Ressourcen nicht nur in den IT-Abteilungen. Später muss der Betrieb der IT-Infrastruktur und der neuen Technologien dauerhaft gewährleistet werden. Mittel, um zu investieren oder IT-Personal einzustellen, sind jedoch zunehmend weniger vorhanden. Hier steht die kommunale IT eigentlich vor schier unlösbaren Herausforderungen.

Welche Ziele haben Sie sich gesetzt?

Mein Ziel ist es, in fünf Jahren einen sehr klar strukturierten, anhand transparenter Prozesse arbeitenden Fachbereich zu haben. Hierfür definieren wir beispielsweise derzeit unsere Services für die Verwaltung und die Schulen neu, stellen unseren Support für die Landeshauptstadt Potsdam und die Schulen auf neue Füße und starten mit einem strukturierten, strategischen Enterprise-Architecture-Management. Ich habe mich bereits Anfang 2023, damals noch als Leiterin des Bereichs IT-Strategie und -Gesamtsteuerung, auf den Weg gemacht, den Fachbereich strategisch und organisatorisch weiterzuentwickeln. Damals habe ich mich mit der Unterstützung eines öffentlichen Beratungsdienstleisters in einem Projekt der Frage gewidmet, ob eine interne IT-Abteilung eigentlich noch zeitgemäß ist oder ob nicht andere Rechtsformen vorteilhafter sein könnten. Wir sind für Potsdam zu der Erkenntnis gekommen, dass wir mit unseren begrenzten Ressourcen einen sehr guten Job machen und dies am besten weiter tun können, wenn wir Teil der Verwaltung bleiben. Andererseits gibt es selbstverständlich Entwicklungspotenziale, die wir identifiziert haben. Daran arbeiten wir kontinuierlich Schritt für Schritt in operativen Folgeprojekten weiter. Teil meiner Strategie ist es, wo immer es Sinn ergibt, mit strategischen Partnern zusammenzuarbeiten und nicht mehr vollumfänglich alles alleine abzubilden.

„Mein Ziel ist ein sehr klar strukturierter, anhand transparenter Prozesse arbeitender Fachbereich.“

Sie sind seit Anfang 2021 in leitender Funktion im IT-Bereich der Stadt Potsdam. Wie viele Frauen sind dort tätig und wie könnten mehr Frauen für einen IT-Job begeistert werden?

In meinem Team habe ich derzeit einen Frauenanteil von knapp 30 Prozent. Damit bin ich noch nicht zufrieden und ich hoffe, dass wir in den kommenden Jahren weitere Kolleginnen für unsere Arbeit und unser Team begeistern können. Für meinen Fachbereich versuche ich die Ansprache bei Stellenanzeigen, die Strukturen und die Arbeitsbedingungen so zu gestalten, dass sich auch Frauen angesprochen fühlen. Wir merken aber auch immer wieder, wie schwierig das ist. Dazu, wie man insgesamt mehr Frauen für die IT-Berufe oder auch für alle MINT-Berufe begeistern könnte, gibt es viele kluge Vorschläge. Sie müssen nur flächendeckend und ernsthaft angegangen werden.

Was müsste sich ändern, damit insgesamt mehr Frauen in Führungspositionen tätig sind?

Die Arbeitswelt, wie sie aktuell gestaltet ist, ist in ihrer Grundstruktur auf Männer ausgerichtet, die Lebensrealität von Frauen wurde dabei wenig bedacht. Sicherlich sind einige Stellschrauben bereits bewegt worden, aber im Grundsatz ist die Arbeitswelt nach wie vor patriarchal strukturiert, mit mehr oder weniger strengen Hierarchien und Verantwortlichkeiten. Ich glaube, das schreckt viele Frauen unbewusst ab. Ich merke auch immer wieder, dass viele Frauen Angst haben zu versagen oder sich zu viel zuzumuten. Unterm Strich sind es die alten frauenpolitischen Forderungen, die nach wie vor gelten und die immer wieder genannt werden, um diese Frage zu beantworten. Angefangen vom notwendigen Empowerment junger Frauen und Mädchen, anderen Rollenbildern und Vorbildern bis hin zu gezielten, direkten oder sogar persönlichen Ansprachen.

Welche Vorteile bringt die Tätigkeit in der öffentlichen Verwaltung im Vergleich zur Privatwirtschaft mit sich?

Ich glaube, genauso wie die Privatwirtschaft strukturell sehr unterschiedlich funktioniert und Strukturen und Kulturen pflegt, die Frauen eher ansprechen, so gibt es umgekehrt auch im öffentlichen Dienst große Unterschiede. Auch im öffentlichen Dienst finden sich immer noch Bereiche, in denen nicht viele Frauen tätig sind. Ich kann deshalb nur aus meiner Perspektive sprechen und über die Arbeit für eine Landeshauptstadt. Was mich von Beginn an begeistert und fasziniert hat, ist, dass die Arbeit von meinem Team und mir eine unmittelbare Bedeutung und einen positiven Einfluss auf die Pots­damerinnen und Potsdamer und die Kolleginnen und Kollegen in der Verwaltung hat. Diese sehr konkrete Gestaltungsmöglichkeit zeichnet die Arbeit in einer Kommune aus. Ich habe es deshalb nie bereut, den Schritt in die öffentliche Verwaltung und die Stadt gegangen zu sein und kann das Arbeiten für eine Kommune wärmstens empfehlen.

Interview: Alexandra Braun




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