Freitag, 9. Oktober 2026

VitakoWarnung vor neuen Parallelstrukturen

[09.10.2026] Mit GovTech Kommunal ist Ende 2025 ein neuer Akteur für die kommunale Verwaltungsdigitalisierung gestartet. Der Verband Vitako sieht dessen Aktivitäten kritisch. In einem Positionspapier warnt er vor Doppelstrukturen, zusätzlichen Kosten und einer weiteren Zersplitterung der kommunalen IT-Landschaft und fordert, lieber bestehende föderale und kommunale Strukturen zu stärken.
bunte Holztürme, die nebeneinander auf einem Holzfußboden stehen

Vitako plädiert dafür, föderale Strukturen konsequent weiterzuentwickeln, statt Doppelstrukturen aufzubauen.

(Bildquelle: sharuzzaman/123rf.com)

Die Bundes-Arbeitsgemeinschaft der Kommunalen IT-Dienstleister, Vitako, hat sich kritisch zur Rolle von GovTech Deutschland und insbesondere des Ende 2025 gegründeten GovTech Kommunal im föderalen IT-Ökosystem geäußert. In einem Ende September dieses Jahres vorgelegten Positionspapier fordert der Verband eine klare Aufgabenteilung und warnt vor redundanten Angeboten. Die mit Steuermitteln finanzierten Strukturen von GovTech Kommunal seien ohne ausreichende Abstimmung mit den bestehenden interföderalen IT-Strukturen geschaffen worden und könnten die politisch gewollte Konsolidierung der kommunalen IT-Landschaft konterkarieren, so Vitako.

Hintergrund der Kritik ist die zunehmende Zahl von Akteuren und Plattformen in der Verwaltungsdigitalisierung. Nach Auffassung von Vitako ist mit der Deutschland-Architektur und dem Deutschland-Stack bereits ein staatlich legitimierter Ordnungsrahmen im Entstehen begriffen. Architektur, Plattformkern und Governance würden dabei im Zusammenspiel von IT-Planungsrat, Digitalministerkonferenz und Ministerpräsidentenkonferenz definiert. Zusätzliche Angebote müssten sich nach Ansicht des Verbands in diese Strukturen einfügen.

Was GovTech Kommunal anbietet

GovTech Kommunal wurde im Dezember 2025 gegründet (wir berichteten) und ist Teil von GovTech Deutschland. Nach eigenen Angaben soll der Verein die digitale Handlungsfähigkeit von Städten, Gemeinden und Landkreisen stärken. Dazu bietet er Lernprogramme zu technologischen Zukunftsthemen an, begleitet Kommunen bei der Umsetzung von Technologielösungen und eröffnet ihnen Zugang zur Deutschlandplattform. Diese soll Software als Software-as-a-Service bereitstellen und eine einfache Nachnutzung über verschiedene Verwaltungsebenen hinweg ermöglichen. Die Mitgliedschaft bei GovTech Kommunal steht allen Städten, Gemeinden und Landkreisen offen.

Zu den Gründungsmitgliedern gehörten 13 Kommunen aus sechs Bundesländern. Die Stadt Hagenow etwa begründete ihren Beitritt damit, Ergebnisse aus dem Smart-City-Prozess in die neue Struktur einbringen und verstetigen zu wollen. Nach Angaben der Stadt wird GovTech Kommunal ausschließlich von seinen kommunalen Mitgliedern gesteuert.

GovTech Deutschland selbst ist ebenfalls als Verein organisiert. Zu seinen ordentlichen Mitgliedern zählen der Bund, zahlreiche Länder, die Föderale IT-Kooperation (FITKO), GovTech Kommunal und die PD – Berater der öffentlichen Hand. Die Versammlung der ordentlichen Mitglieder besteht laut GovTech Deutschland ausschließlich aus öffentlich-rechtlichen Mitgliedern. Darüber hinaus gehören dem Netzwerk zahlreiche Unternehmen, Behörden, IT-Dienstleister und Forschungseinrichtungen als weitere Mitglieder an.

Sorge vor Doppelstrukturen

Bei den Angeboten von GovTech Kommunal sieht Vitako Überschneidungen mit bestehenden kommunalen Strukturen. Nach Darstellung des Verbands betreuen kommunale IT-Dienstleister bereits mehr als 10.000 Kommunen und unterstützen diese von der Bedarfsanalyse über die Beschaffung bis hin zum sicheren Betrieb. Mit ProVitako, govdigital und bestehenden Nachnutzungsangeboten seien bereits Strukturen vorhanden, die Beschaffung, Innovation und Betrieb bündeln. Digitale Online-Lösungen könnten zudem über etablierte Angebote wie den EfA-Marktplatz rechtssicher nachgenutzt werden.

Vitako befürchtet deshalb, dass zusätzliche Angebote nicht zu einer stärkeren Bündelung, sondern zu einer weiteren Fragmentierung führen. GovTech Kommunal spreche Kommunen unmittelbar an, werbe um Mitglieder und biete Leistungen außerhalb der bestehenden kommunalen IT-Strukturen an. Nach Einschätzung des Verbands drohen dadurch eine komplexere Governance, höherer Abstimmungsbedarf und parallele Betriebsmodelle. Als mögliche Folgen nennt Vitako Planungsunsicherheit, zusätzliche Pilotierungskosten und letztlich steigende Kosten ohne erkennbaren Mehrwert für die Kommunen.

GovTech Deutschland verfolgt dagegen nach eigener Darstellung gerade das Ziel, Insellösungen zu vermeiden. Bei der Entwicklung digitaler Produkte setzt die Organisation nach eigenen Angaben auf standardisierte, nachnutzbare Lösungen und die technische Anschlussfähigkeit an relevante Plattformen. Das GovTech-Framework soll Infrastrukturkomponenten und Basisdienste bereitstellen, auf denen Fachverfahren und KI-Anwendungen entwickelt und betrieben werden können.

Konsolidierung statt weiterer Angebote

Vitako verweist in seinem Positionspapier darauf, dass die kommunalen IT-Dienstleister ihre Zusammenarbeit bereits verstärken. Als Beispiele werden das Unternehmen PROSOZ Herten und die Anstalt für Kommunale Datenverarbeitung in Bayern (AKDB) genannt, die ihre Kompetenzen in den Bereichen Sozial-, Jugend- und Bauwesen bündeln (wir berichteten), zudem die geplante Zusammenführung von Kapazitäten mehrerer Vitako-Mitglieder bei Kfz-Zulassung und Führerscheinwesen (wir berichteten)  sowie Fusionen wie jene zur OWL-IT. Nach Angaben von Vitako erwarten 90 Prozent der kommunalen IT-Dienstleister weitere Fusionen, rund 80 Prozent planen zusätzliche strategische Kooperationen.

Diese Entwicklung müsse angesichts von Fachkräftemangel sowie neuer Anforderungen durch Cloud Computing und Künstliche Intelligenz weiter vorangetrieben werden, fordert der Verband. Kooperation, Bündelung und teilweise Zentralisierung seien notwendig, um leistungsfähige und wirtschaftliche IT-Strukturen für die Kommunen zu schaffen.

Vitako fordert deshalb, vorhandene kommunale und föderale Strukturen konsequent weiterzuentwickeln, anstatt zusätzliche öffentlich finanzierte Anbieter aufzubauen. Insbesondere die Träger der kommunalen IT-Dienstleister sollten Kooperationen, Bündelungen und Fusionen stärker unterstützen. Aus Sicht von Vitako braucht die Verwaltungsmodernisierung damit nicht mehr Strukturen, sondern vor allem eine eindeutige Zuordnung von Aufgaben und Verantwortlichkeiten.





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