Freitag, 6. Februar 2026

Open GeodataGeodaten loslassen

[10.09.2015] Der offene Zugang zu Geodaten sollte Teil der Strategie einer zukunftsorientierten Kommune sein. Für die Bürger wird die Verwaltung transparenter, Unternehmen können damit neue Geschäftsfelder erschließen.

Für die Öffnung behördlicher Daten einschließlich der Geodaten auf Länder-, Bundes- und EU-Ebene wurden in den vergangenen Jahren eine Reihe gesetzlicher Rahmenbedingungen geschaffen. Darunter fallen unter anderem die von der EU verabschiedete Public-Sector-Information-Richtlinie, das Informationsfreiheitsgesetz, das Umweltinformationsgesetz sowie die europäische Richtlinie Infrastructure for Spatial Information in the European Community (INSPIRE) und deren Umsetzung ins deutsche Geodatenzugangsgesetz. Hauptsächlich die Kommunen sammeln, erzeugen und nutzen raumbezogene Daten im Zuge ihrer Aufgabenerledigung. Liegen sie elektronisch vor, ergibt sich daraus die Verpflichtung zur Bereitstellung im Sinne von INSPIRE und im Rahmen der Geodaten-Infrastrukturen auf Bundes- und Länderebene. Vor allem die politischen Vertreter kleinerer Kommunen sehen mit diesen Pflichtaufgaben hohe Kosten verbunden und stellen zu Recht die Frage, was ihnen dieser Aufwand bringt. Es liegt in der Besonderheit von Geodaten aus dem kommunalen Aufgabenkreis, dass sie die Grundlage für Entscheidungen insbesondere im lokalen Bereich bilden. Umso wichtiger ist deren einfache Zugänglichkeit sowohl für die kommunale Entscheiderebene als auch für die Bürger einer Gemeinde. Geodaten fallen in nahezu allen kommunalen Aufgabenfeldern an, primär in den Bereichen Planung, Bauen, Verkehr, Umwelt und Wirtschaftsförderung. Aber auch Standorte von Kindertagesstätten und Bildungseinrichtungen sowie deren Erreichbarkeit, die Versorgungs- und Gesundheitseinrichtungen im Wohnumfeld und nicht zuletzt Orts- und Stadtpläne zeigen das Anwendungsspektrum, bei dem der räumliche Bezug eine wesentliche Eigenschaft ist.

Open Geodata als Chance

Die Möglichkeiten, welche die Geodatenbestände bieten, werden aufgrund der aufgabenfokussierten Sicht oder aus Gründen mangelnder Ressourcen von den öffentlichen Verwaltungen häufig nicht ausgeschöpft. Hier liegt ein wesentliches Potenzial von Open Geodata. Mit der Öffnung und dem freien Zugang der Daten bis hin zur unbeschränkten Verwendung – auch im kommerziellen Sinn – können innovative Nutzungsmöglichkeiten, etwa in der Entwicklung nutzungsspezifischer Apps, erschlossen werden. Grundlage dafür ist, dass diese Daten unter Einhaltung der Open-Data-Prinzipien wie leichter Zugang, Vollständigkeit, maschinenlesbare Form, Verwendung offener Standards und Schnittstellen oder unter einfachen Lizenzierungen bereitgestellt werden.
Um diese Potenziale zu heben, wurden in der Vergangenheit eigens App-Wettbewerbe ausgelobt. Beispiele sind die Städte München mit dem bereits 2011 gestarteten Programmierwettbewerb apps4cities, der im Rahmen des Projektes MOGDy (Munich Open Government Day) ausgerufen wurde, und Bremen mit Apps4Bremen im Jahr 2012. Im gleichen Jahr startete außerdem der erste bundesweite Programmierwettbewerb Apps für Deutschland. In Österreich setzte Wien sehr früh auf Open Data. Als die Stadt ihre Geodaten im Rahmen von Open Government Data (OGD) als frei nutzbare Geodatensätze und Geoservices zur Verfügung zu stellen begann, führte dies zu einer deutlichen Steigerung der Nutzung dieser Datenbestände. Damit einher ging eine Erhöhung des Bekanntheitsgrades der OGD-Produkte und ein nachhaltiger Werbeeffekt. Nun sind die wenigsten Kommunen in Größe, Ausstattung und Aufgabenumfang mit Städten wie Wien, München oder Bremen vergleichbar. Und nur große Städte verfügen für viele Themen über eine ausreichend große Zielgruppe, für welche die Entwicklung und Bereitstellung spezieller Apps sich auch als wirtschaftlich attraktiv darstellt.

Auch kleine Kommunen profitieren

Doch kann die Öffnung der Geodatenbestände dazu beitragen, auch das Profil kleinerer Kommunen zu schärfen und gleichzeitig ihr Marketing zu verbessern. Wissen von vielen Einwohnern kann genutzt werden, wenn sie Meldungen über Störungen, Schäden oder besondere lokale Ereignisse absetzen können, diese wiederum für alle sichtbar behandelt werden und schließlich zu einer Verbesserung des Wohnumfeldes führen. Partizipative Ansätze bis hin zu kollaborativen Prozessen werden unterstützt, wenn Ratsdokumente nicht nur einsehbar, sondern über eine entsprechende Georeferenzierung in ihrem örtlichen Bezug dargestellt werden. Maschinenlesbare Bebauungspläne können das Vermarktungspotenzial von Bauflächen verbessern und damit den Zuzug von Familien und Gewerbe fördern. Zwar besteht die Verpflichtung zur INSPIRE-konformen Bereitstellung, diese wird jedoch nur zögerlich umgesetzt. Dabei könnten je nach Fragestellung und unter Einsatz von Geodatendiensten alle relevanten Informationen wie Flurstücksnummer, Größe und Quadratmeterpreis, Auflagen aus dem Bebauungsplan oder verkehrliche Anbindungen online bereitgestellt werden. Über die meisten Daten verfügen die Kommunen selbst. Aufgrund restriktiver Vorgaben, technischer Einschränkungen oder nicht standardisierter Austauschformate ist die Nutzung jedoch häufig beeinträchtigt bis ausgeschlossen. Gerade hier bieten die OGC-Standards und Web-Dienste, ein erhebliches Potenzial, Geodaten vor Ort, zeitnah und nachfrageorientiert verfügbar zu machen. Die daraus erwachsenden Chancen sind deutlich höher einzuschätzen als die viel beschworenen Risiken durch Datenmissbrauch oder den Verlust von Einnahmen durch den Verkauf von amtlichen Geodaten. Dabei profitieren Kommunen als Nutzer unmittelbar selbst von freien oder offenen Geodaten, etwa bei den Stadtplänen. Immer weniger Kommunen leisten sich noch einen eigenen Orts- und Stadtplandienst oder greifen auf das Angebot eines kommerziellen Dienstleisters zurück. Stattdessen wird auf Google Maps oder OpenStreetMap verlinkt. Mit Open Geodata schaffen Kommunen Anreize zur Erschließung neuer Geschäftsfelder für junge Unternehmen. Deren Investitionen ermöglichen Innovationen, die den Bürgern mehr Transparenz und verbesserte Partizipationsmöglichkeit bieten können. Deshalb sollte der offene Zugang zu kommunalen Geodaten Teil der Strategie jeder zukunftsorientierten Kommune sein.

Ralf Armbruster ist Abteilungsleiter Geodatenzentrum beim Landesamt für Geoinformation und Landentwicklung Baden-Württemberg.




Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Geodaten-Management
Screenshot des Calwer GIS-Portals.

Kreis Calw: Neues Geoportal mit Terratwin

[29.01.2026] Um komplexe Daten transparent und einfach zugänglich zu machen, hat das Landratsamt Calw sein Geo-Informationssystem (GIS) auf die Plattform Terratwin umgestellt. Die Lösung des gleichnamigen Anbieters ist auf allen Endgeräten und somit auch mobil nutzbar. mehr...

Screenshot des Wiesbadener Baustellenmelders.

Wiesbaden: Digitaler Zwilling mit Baustellenüberblick

[13.01.2026] Wiesbaden hat den Digitalen Zwilling der Stadt um den Baustellenmelder ergänzt. Somit erhalten die Bürgerinnen und Bürger wichtige Informationen rund um aktuelle und geplante Baustellen über eine zentrale Plattform. mehr...

Braunschweig, städtischer Platz mit historischen Bauten aus der Froschperspektive

Braunschweig: Warum heißt die Straße so?

[12.01.2026] Das Geoportal der Stadt Braunschweig bietet einen neuen Service. Neben Daten zu Schulradwegen, Starkregenfolgen, Stadtbäumen und weiteren Themen liefert es nun Hintergründe zu Straßennamen. Per QR-Code am Straßenschild sollen diese in Zukunft auch direkt vor Ort abrufbar sein. mehr...

3D-Modell zeigt Darmstadt aus der Vogelperspektive.

Darmstadt 3D: Grundgerüst für Urbanen Zwilling

[16.12.2025] Von Darmstadt gibt es jetzt ein maßstabsgetreues dreidimensionales Modell mit hoher Detailtiefe. In der browserbasierten Anwendung lassen sich beispielsweise Entfernungen und Flächen messen, Schattenwürfe simulieren oder Sichtbarkeiten analysieren. Perspektivisch bildet sie das Grundgerüst für einen Urbanen Digitalen Zwilling. mehr...

Screenshot vom Digitalen Zwilling der Stadt Karlsruhe.

Karlsruhe: Digitaler Klimazwilling

[02.12.2025] In Karlsruhe soll die Klimafolgenanpassung messbar, vorausschauend und smart gestaltet werden. Mit diesem Ziel baut die Stadt im Projekt Sensor City einen Digitalen Klimazwilling auf, der Geodaten und die Messwerte von Internet-of-Things-Sensoren nutzt.  mehr...

Drohnenvermessung des Ruderatshofener Gemeindegebiets Apfeltrang.

Ruderatshofen: Drohnenvermessung für Hochwasserschutz

[27.11.2025] Ruderatshofen will besser auf Starkregenereignisse und Überflutungen vorbereitet sein. Damit geeignete Schutzmaßnahmen erkannt werden können, hat GIS-Anbieter RIWA ein 3D-Geländemodell vom Gemeindegebiet und den umliegenden Flächen erstellt. Dank Drohnentechnologie konnten 19 Hektar Land innerhalb eines Tages erfasst werden. mehr...

Blick in den vollen Konferenzsaal der Esri Konferenz 2024

Esri Konferenz 2025: GIS eröffnen neue Perspektiven

[21.11.2025] Dass Geo-Informationssysteme die Schlüsseltechnologie für eine nachhaltige Zukunft sind, soll auf der diesjährigen Esri Konferenz (26. bis 27. November 2025, Bonn) in über 100 Fachvorträgen, Live-Demos und Tech-Sessions demonstriert werden. Im Fokus stehen neueste Entwicklungen in den Bereichen Digitalisierung, GeoAI, Digital Twins, Earth Intelligence und Enterprise IT. mehr...

Reinhard Kofler ist Geschäftsführer der RIWA GmbH, das Bild zeigt ihn auf dem Messestand des Unternehmens auf der Kommunale in Nürnberg.
interview

Interview: Das Gold der Kommunen

[12.11.2025] Das Unternehmen RIWA, Spezialist für Geoinformationen, war auf der Messe Kommunale mit dem neuen Slogan „Daten gestalten Zukunft“ vertreten. Im Gespräch mit Kommune21 erklärte Geschäftsführer Reinhard Kofler, warum Daten das wichtigste Gut der Kommunen sind und wie aus ihnen konkrete Mehrwerte entstehen. mehr...

Screenshot der Startseite des DigiTal Zwilling Wuppertal.

Wuppertal: Startschuss für DigiTal Zwilling

[28.10.2025] Die erste Ausbaustufe des DigiTal Zwilling Wuppertal ist online. Er umfasst unter anderem ein neues Geoportal, mit dem sich Daten im 3D-Raum visualisieren lassen und hilft dabei, Maßnahmen der Stadtplanung nachhaltiger umzusetzen und Zukunftsszenarien zu vergleichen. mehr...

Intergeo: Lösungen für eine Branche im Wandel

[07.10.2025] Heute startet in Frankfurt die Intergeo 2025 – das weltweit führende Event für Geodäsie, Geo-Information und Landmanagement. Im Mittelpunkt stehen Künstliche Intelligenz, Digitale Zwillinge und Reality Capturing als Zukunftstreiber einer Branche im Wandel. mehr...

Auf einer Stadtkarte von Konstanz werden die Temperaturen mit unterschiedlichen Farben dargestellt.
bericht

Geodatenmanagement: Mit Daten klimaresilient werden

[17.09.2025] In vielen deutschen Städten ist die sommerliche Hitzebelastung aufgrund des Klimawandels merklich angestiegen. Die Stadtplanung ist gefordert, Antworten darauf zu finden und gezielte Klimaanpassungsmaßnahmen zu ergreifen. Dabei können Geodaten helfen. mehr...

Stadtansicht Hanau

BürgerGIS: Wie Maps, aber für Hanau

[02.09.2025] In Hanau ist das neue digitale Geoportal BürgerGIS online gegangen. Es bietet der Öffentlichkeit zahlreiche interaktive Funktionen für individuelle Auswertungen und ist auch die Basis für künftige Bürgerbeteiligungen. mehr...

Screenshot eines Digitalen Zwillings dargestellt in der Software HAL-Plan.
bericht

Magdeburg: Modell für Sachsen-Anhalt

[29.08.2025] Ein Digitaler Zwilling soll Magdeburgs Stadtplanung effizient und nachhaltig gestalten. Die Landeshauptstadt setzt dafür eine cloudbasierte Software ein, welche die Stadt Halle (Saale) entwickelt hat. Damit leisten beide Kommunen Pionierarbeit für Sachsen-Anhalt. mehr...

Screenshot der Startseite des Klimaatlas BW.

Onlinepräsentation: Das steckt im Klimaatlas BW

[22.08.2025] Welche Möglichkeiten der Klimaatlas BW bietet und wie er bei der Klimaanpassung unterstützen kann, will das Kompetenzzentrum Klimawandel der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) am 18. September in einer Onlineveranstaltung zeigen. mehr...

Darstellung der Wanderkarte am Handy-Bildschirm

Mannheim: Digital durch den Wald

[22.08.2025] Im Geoportal Mannheim finden Bürgerinnen und Bürger sowie Gäste der Stadt ein neues digitales Freizeitangebot vor. Ein Audioguide und eine digitale Karte führen durch das beliebte Naherholungsgebiet des städtischen Käfertaler Walds. mehr...