Dienstag, 15. September 2026

Service DesignNäher am Bürger

[28.01.2025] Beim Service Design werden die Bedürfnisse der Bürger bei der Gestaltung von Verwaltungsdiensten konsequent in den Mittelpunkt gestellt. Der Ansatz hat das Potenzial, Verwaltungsstrukturen nachhaltig zu verändern.
Schaubild der Bestandteile des Service-Design-Prozesses.

Der Service-Design-Prozess besteht aus Phasen der Exploration, Ideation und Iteration.

(Bildquelle: CityLAB Berlin / PoliticsforTomorrow)

Service Design als Ansatz für die Gestaltung öffentlicher Dienstleistungen stellt die Bedürfnisse und Erlebnisse der Nutzenden konsequent in den Mittelpunkt. Der Prozess beginnt in der Regel mit einer umfassenden Analyse der Herausforderungen und Bedürfnisse, bevor Lösungen iterativ entwickelt und getestet werden. Im Kontext der Verwaltungsinnovation bedeutet dies, dass Behörden ihre Strukturen und Prozesse neu denken müssen, um Bürgerinnen und Bürger in den Fokus zu stellen und kontinuierlich auf veränderte Anforderungen zu reagieren. Diese Herangehensweise bietet ein hohes Potenzial, da sie eine neue Form der Bürgernähe schafft und starre Verwaltungshierarchien aufbricht. 

Im Arbeitsalltag der Behörden ist oft zu wenig Zeit und Raum, um Neues auszuprobieren. Dabei ist der Wunsch nach Veränderung hin zu einem mehr wirkungs- als effizienzorientierten Arbeiten groß. Aus diesem Bedarf heraus hat das CityLAB Berlin gemeinsam mit Politics4Tomorrow das Handbuch „Öffentliches Gestalten“ herausgebracht. Das Buch leitet schrittweise durch die verschiedenen Phasen eines Innovationsprozesses, der speziell für öffentliche Verwaltungen ausgearbeitet wurde. Es richtet sich an Menschen, die in oder mit öffentlichen Verwaltungen und Organisationen arbeiten. Es enthält das Handwerkszeug, um Innovationsprozesse auch eigenständig und ohne externe Hilfe durchführen zu können.

Vertrauen, Agilität und Qualität verbessern

Das Handbuch „Öffentliches Gestalten“ zeigt, dass innovative Methoden wie Service Design dazu beitragen können, das Vertrauen in die Verwaltung zu stärken, Agilität zu fördern und die Qualität von Dienstleistungen nachhaltig zu verbessern. Die Implementierung eines Service-Design-Ansatzes in der Verwaltung eröffnet vielseitige Vorteile. Insbesondere ermöglicht dies eine verbesserte Interaktion zwischen Bürgern und Verwaltung und macht Dienstleistungen transparenter und effizienter. 

Um diese Ziele zu erreichen, bedarf es jedoch einiger Voraussetzungen: Von essenzieller Bedeutung ist etwa eine offene Innovationskultur, die Veränderung unterstützt und das Mitwirken verschiedenster Akteure ermöglicht. Nur wenn Beteiligte von Verwaltung und Gesellschaft zusammenarbeiten, können nachhaltige und passgenaue Lösungen entwickelt werden. Der modulare und flexible Aufbau von Service-Design-Prozessen – bestehend aus Phasen der Exploration, Ideation und Iteration – hilft, innovative Ideen schnell und ressourcenschonend zu entwickeln. Aus dem Handbuch „Öffentliches Gestalten“ geht hervor, dass für erfolgreiche Service-Design-Projekte die Förderung einer Feedback-Kultur und die Bereitschaft zur methodischen Weiterentwicklung zentral sind.

Das Richtige richtig gestalten

Gesamtstädtische Digitalisierungsvorhaben sind vergleichbar mit großen Tankern, die, sobald sie einmal Fahrt aufgenommen haben, schwer zu stoppen sind. Am Ende der langen Fahrt wird beim Blick zurück oft klar: Das Ergebnis löst das eigentliche Problem nicht. Um das zu verhindern, liegt im Service Design der Fokus darauf, das Richtige zu gestalten und erst im Anschluss richtig zu gestalten. Der Unterschied liegt darin, sich am Anfang eines Projekts voll und ganz dem Problemverständnis zu widmen und daraus eine eindeutige Aufgabe abzuleiten. Annahmen müssen hinterfragt und Bedürfnisse multiperspektivisch sichtbar gemacht werden. Im Fall der Prozessdigitalisierung von Verwaltungsdienstleistungen kann ein gutes Design keinen dysfunktionalen Prozess retten. 

Das CityLAB Berlin unterstützt als städtisches Innovationslabor seit mittlerweile über fünf Jahren unter anderem die Gestaltung und Umsetzung von Innovationsprozessen in der Berliner Verwaltung, gefördert durch die Senatskanzlei Berlin. Ein Beispiel für Service Design in der Verwaltung ist das Projekt Bürgeramt der Zukunft des CityLAB Berlin (wir berichteten). Das Projekt ist, untypisch für Verwaltungsprojekte, ergebnisoffen gestartet. Ziel war es, mit den Methoden des Service Designs nach Verbesserungen im Service-Angebot der Bürgerämter zu suchen. Es wurde beispielsweise eine Tagebuchstudie mit Nutzenden durchgeführt, um Herausforderungen und Bedürfnisse direkt aus ihrer Perspektive zu verstehen. Zusätzlich war das CityLAB vor Ort und hat Mitarbeitende einen Arbeitstag lang begleitet, um deren Arbeitsabläufe besser kennenzulernen (Shadowing-Prozess). Die Erkenntnisse aus dieser Analyse wurden genutzt, um spezifische Problemfelder zu identifizieren und die Benutzerfreundlichkeit der Dienstleistungen des Bürgeramts gezielt zu verbessern.

Erfolgreich eingesetzt vom CityLAB Berlin

Ein weiteres Projekt unterstützt Digitalisierungsmaßnahmen, die als Teil der Strategie „Gemeinsam Digital: Berlin“ gefördert werden, durch praxisnahe Methoden. Der Begleitprozess hilft, die Umsetzung der Strategie in der Praxis zu analysieren und zielorientiert nachzujustieren. Die Maßnahmen handeln dabei weitgehend selbstständig. In Workshops wird an aktuellen Herausforderungen gearbeitet, Schwerpunkte liegen dabei unter anderem auf organisationsübergreifender Zusammenarbeit, Nutzendenzentrierung und Wirkungsmessung. 

Smart-City-Maßnahmen agieren in einem komplexen Umfeld und multikausalen Problemstellungen. Hier hilft Service Design beispielsweise dabei, verschiedene Per­spektiven und Bedürfnisse unter einen Hut zu bringen und einen echten Mehrwert für Nutzende zu bieten. 

Service Design hat demnach das Potenzial, Verwaltungsstrukturen nachhaltig zu verändern, indem es Bürgerbedürfnisse in den Mittelpunkt stellt und kontinuierliche Verbesserungen in den Verwaltungsalltag integriert. Die erfolgreiche Anwendung des Ansatzes im CityLAB Berlin zeigt, wie eine Verwaltung agiler und innovativer werden kann, wenn neue Denkweisen in den Organisationsprozess integriert werden. In Zukunft wird die Bedeutung von Service Design weiter zunehmen, insbesondere im Zuge der Digitalisierung und der steigenden Erwartungen an barrierefreie, nutzerfreundliche Services. Kommunen, die Service Design als festen Bestandteil in ihrer Innovationsstrategie verankern, sind gut aufgestellt, um den Anforderungen einer modernen, bürgernahen Verwaltung gerecht zu werden.

Anja Lüttmann ist Service Designerin, Lisa Schmechel ist Projektmanagerin für Verwaltungsinnovation im CityLAB Berlin.




Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Bürgerservice
Logo Sag's uns einfach

Sachsen-Anhalt: Mängel einfacher digital melden

[14.09.2026] Das Land Sachsen-Anhalt erleichtert seinen Kommunen den Zugang zu digitalem Anliegen- und Mängelmanagement. Die EfA-Lösung „Sag's uns einfach“ kann über mehrere Nachnutzungsplattformen bezogen werden. mehr...

Smart Country Convention: Lösungen für den Bürgerbesuch

[10.09.2026] Auf der Smart Country Convention präsentiert JCC Software Lösungen für Terminvereinbarung, Besuchersteuerung, Personalplanung und Zahlungsabwicklung. Kommunen sollen damit Bürgerbesuche durchgängig organisieren und ihre Beschäftigten bei der Bearbeitung entlasten können. mehr...

Blick über den belebten Augsburger Rathausplatz mit Außengastronomie auf das historische Rathaus und den Perlachturm vor blauem Himmel.
bericht

Augsburg: Vom Formular zum Service

[09.09.2026] Augsburg zählt mit rund 600 Online-Diensten und mehr als 2.100 einzelnen Verwaltungsleistungen zu den digital führenden Kommunen Deutschlands. Ausgehend von digitalen Formularen auf Basis von cit intelliForm ist dort ein integriertes Serviceangebot für Bürgerinnen, Bürger und Unternehmen entstanden. mehr...

Mann und Frau halten der Kamera ein Laptop entgegen, darauf Formular

Gütersloh: Bauanträge nur noch online

[04.09.2026] Gütersloh macht das Bauportal.NRW ab September zum alleinigen Einreichungsweg für Bauanträge. Auch die weitere Kommunikation im Genehmigungsverfahren erfolgt digital. Daneben erweitert die Stadt ihr Bürgerportal um Online-Anträge und Terminvereinbarungen des Jugendamts. mehr...

Ein Mann und eine Frau stehen für ein gemeinsames Foto vor einer blauen Wand und schauen in die Kamera.

Niedersachsen: Wie können Kommunen digitaler werden?

[03.09.2026] Dataport und das Land Niedersachsen haben rund 250 Kommunen bei der digitalen Transformation begleitet. Ihr Abschlussbericht stellt vor allem organisatorischen Handlungsbedarf fest und empfiehlt gemeinsame Standards, zentrale Dienste sowie mehr Qualifizierung. mehr...

Drei Menschen mit Monitoren in einem Büro

NOLIS/public.consulting: Kommunale Datenpflege

[01.09.2026] NOLIS und public.consulting bieten Kommunen einen gemeinsamen Service für die Datenpflege kommunaler Online-Portale an. Das Angebot verbindet die NOLIS-Software mit externer Datenpflege und soll Verwaltungen bei der laufenden Aktualisierung ihrer Inhalte entlasten. mehr...

Junger Mann sitzt mit Laptop, Taschenrechner und einigen Papieren in sorgenvoller Haltung am Schreibtisch.

Stadtwerke Lübeck Solutions/ITV.SH: Hohe Erwartungen an digitale Verwaltung

[27.08.2026] Viele Menschen in Schleswig-Holstein erwarten nutzerfreundliche digitale Verwaltungsleistungen. Für Kommunen ist deren Umsetzung aber mitunter aufwendig. Stadtwerke Lübeck Solutions und ITV.SH wollen deshalb die Nachnutzung bewährter Lösungen erleichtern. mehr...

Landkreis Augsburg: Integreat-App erweitert

[26.08.2026] Neuzugewanderte im Landkreis Augsburg können Informationen in der Integreat-App künftig über einen Chat-Assistenten suchen. „Frag Integreat“ beantwortet frei formulierte Fragen auf Basis der vom Landkreis bereitgestellten Inhalte. mehr...

Dinslaken: Digitales Serviceangebot erweitert

[21.08.2026] Die Stadt Dinslaken erweitert ihr digitales Serviceangebot um neue Online-Dienste im Bürgerbüro und in der Ausländerbehörde. Erstmals prüft dabei auch eine KI hochgeladene Unterlagen, während eine Dokumentenbox die Abholung von Aufenthaltstiteln vereinfacht. mehr...

Gemeinde Jork: App für Verwaltungsinformationen und digitale Dienste eingeführt

[19.08.2026] Die Gemeinde Jork bündelt Verwaltungsinformationen und digitale Dienste in einer eigenen Smartphone-App. Grundlage ist die NOLIS | CityApp, die Inhalte direkt aus dem bestehenden Content Management System übernimmt und so den Bürgerservice auf einem weiteren Kanal verfügbar macht. mehr...

Rathaus Schöneberg, Außenansicht im Sommer

Berlin: New Work im Bürgeramt

[11.08.2026] Berlin erprobt, wie Frontoffice, Backoffice und Ausbildung in einem Großraumbüro organisiert werden können. Das Pilotprojekt soll zugleich moderne Arbeitsformen testen und einen Gestaltungs- und Organisationsrahmen für weitere Bürgerämter entwickeln. mehr...

Rheinufer Düsseldorf mit Rheinturm

Studie: Diese Bürgerämter sind digital spitze

[06.08.2026] Auch in diesem Jahr hat die Gisma University of Applied Sciences untersucht, wie weit die Bürgerämter in den 20 größten deutschen Städten digitalisiert sind. Den Spitzenplatz konnte Düsseldorf erobern, gefolgt von München, Frankfurt, Berlin und Essen. mehr...

Stuttgart: Bürgerbüros setzen auf digitale Services

[04.08.2026] Die Bürgerbüros in Stuttgart wollen künftig Online-Services und die Online-Terminvergabe noch stärker in den Mittelpunkt rücken. mehr...

In Nordrhein-Westfalen soll der digitale Gang aufs Rathaus künftig zur Regel werden.

Leverkusen: Neue digitale Dienste

[03.08.2026] Leverkusen baut seinen digitalen Bürgerservice aus. Den neuen Online-Antrag auf Grundsicherung begleitet die Stadt mit gezielten Informationen für Betroffene und rechtliche Betreuende. Auch Feinstaubplakette und Fischereiabgabe lassen sich nun digital erledigen. mehr...

eine Reihe von Personen steht in einem Büro

Bad Berleburg: Entspannter Start für digitalen Bürgerservice

[30.07.2026] Die Einführung der neuen digitalen Lösungen für die Terminvereinbarung und die Besuchersteuerung wurde in der Stadt Bad Berleburg detailliert vorbereitet. Das machte sich bezahlt: Beim Go-Live im April dieses Jahres lief das neue System von Beginn an stabil. mehr...