Mittwoch, 2. September 2026

KommunixInformationssicherheitsvorfall bei TEVIS-Online

[02.09.2026] Kommunix untersucht einen Cyber-Angriff auf die Hosting-Infrastruktur von TEVIS-Online. Zwei Kundeninstanzen waren von Angreiferaktivitäten betroffen, inzwischen wurde ein Abfluss personenbezogener Daten ausgeschlossen.

Kommunix untersucht derzeit einen Informationssicherheitsvorfall auf der Hosting-Infrastruktur von TEVIS-Online.

(Bildquelle: 123rf/creativestocks)

Der Software-Hersteller Kommunix untersucht aktuell einen Informationssicherheitsvorfall auf der Hosting-Infrastruktur des Online-Terminreservierungsdiensts TEVIS-Online. Wie Kommunix mitteilt, wurde der betroffene Server nach Bekanntwerden des Vorfalls am 31. August vorsorglich vollständig abgeschaltet.

Kommunix baut die betroffenen Dienste derzeit auf einer neu aufgesetzten Infrastruktur wieder auf. Die einzelnen Kundeninstanzen sollen schrittweise wieder verfügbar werden. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben inzwischen konkrete Hinweise auf den wahrscheinlichen Angriffsweg und darauf, wie sich die betroffene Infrastruktur technisch absichern lässt. Einzelheiten veröffentlicht Kommunix zunächst nicht, um weder die eigene Infrastruktur noch von Kunden selbst betriebene TEVIS-Online-Systeme zusätzlichen Angriffen auszusetzen.

Betreiber eigener TEVIS-Online-Instanzen sollen konkrete Empfehlungen zur Absicherung ihrer Systeme erhalten. Kommunix will die bekannten Betreiber proaktiv kontaktieren.

Forensische Analyse grenzt Betroffenheit ein

Die vertiefte forensische Untersuchung hat die zunächst vorsichtige Einschätzung des Vorfalls inzwischen präzisiert. Demnach waren zwei Kundeninstanzen in Aktivitäten beziehungsweise Versuche des Angreifers einbezogen. Tatsächlich näher angegriffen wurde nach den bisherigen Erkenntnissen jedoch nur eine dieser Instanzen. Für diese Instanz hat Kommunix inzwischen Entwarnung gegeben: Einen Abfluss personenbezogener Daten konnte das Unternehmen ausschließen. Auch war ein solcher Abfluss nach den vorliegenden Erkenntnissen nicht das Ziel des Angreifers.

Die konkreten Erkenntnisse zur betroffenen Kundeninstanz will Kommunix zunächst direkt mit der jeweiligen Kommune besprechen. Weitere Details sollen erst anschließend veröffentlicht werden.

Die ersten inzwischen identifizierten Aktivitäten des Angreifers reichen bis zum 26. August zurück. Er konnte sich damit mehrere Tage sporadisch auf dem System bewegen, bevor der Vorfall am 31. August erkannt wurde. Kommunix bezeichnet die Erkennungszeit als nicht zufriedenstellend. Sie soll deshalb auch in der technischen Nachbereitung untersucht werden. Einen größeren Schaden oder einen belegten umfangreichen Datenabfluss hat das Unternehmen bislang nicht festgestellt.

Nach der Entdeckung des Angriffs entschied sich Kommunix gegen eine bloße Bereinigung des Servers. Stattdessen wurde das gesamte System abgeschaltet und auf Betriebssystemebene als kompromittiert eingestuft. Die benötigten Dienste werden auf einer neuen Infrastruktur wieder aufgebaut.

Datenhaltung ist auf mehrere Systeme verteilt

Die Architektur von TEVIS-Online begrenzt nach Angaben von Kommunix grundsätzlich die Menge personenbezogener Daten, die auf der öffentlich erreichbaren Infrastruktur gespeichert wird. Reservierungsdaten liegen dort nur vorübergehend. Die eigentliche Verarbeitung und dauerhafte Speicherung erfolgt im TEVIS-Back-End der jeweiligen Behörde oder des von ihr beauftragten Rechenzentrums.

Dieses Back End betreibt der jeweilige Kunde selbst. Kommunix ist zwar Hersteller des TEVIS-Back-Ends und von TEVIS-Online sowie optionaler Hosting-Anbieter für das Online-Produkt, hat aber keinen Zugriff auf die dauerhaft im Back End gespeicherten Daten. TEVIS-Online ist damit keine zentralisierte SaaS-Datenhaltung.

Auf der öffentlich erreichbaren Hosting-Infrastruktur befinden sich grundsätzlich nur Reservierungsdaten, die noch nicht an das jeweilige Back End übertragen wurden. Je nach Synchronisation und Konfiguration des Kunden kann dieser Zeitraum laut Kommunix zwischen wenigen Millisekunden und einigen Minuten liegen. Ist das Back End vorübergehend nicht erreichbar, können die Daten länger zwischengespeichert werden.

Die Trennung der Systeme begrenzt damit auch die Menge personenbezogener Informationen, die bei einem erfolgreichen Angriff auf die öffentlich erreichbare Infrastruktur zugänglich sein könnte. Für die weitere Untersuchung bedeutet die Architektur allerdings auch, dass sich eine mögliche Betroffenheit einzelner Reservierungen oder Bürgerinnen und Bürger teilweise nur im jeweiligen TEVIS-Back-End feststellen lässt.

Kommunix stellt den Betreibern deshalb einen Leitfaden zur Verfügung. Damit können sie Datensätze identifizieren, die im möglicherweise relevanten Zeitraum auf ihrem eigenen TEVIS-System verarbeitet wurden. Bei den zwei Kundeninstanzen, auf denen relevante Aktivitäten festgestellt wurden, untersucht Kommunix den Vorfall gemeinsam mit den jeweiligen Betreibern.

VISITVIS-Online ebenfalls abgeschaltet

Auch der Dienst VISITVIS-Online ist derzeit nicht verfügbar. Kommunix hat ihn vorsorglich abgeschaltet, weil er historisch auf derselben Server-Infrastruktur betrieben wurde. Nach aktuellem Untersuchungsstand liegt die Schwachstelle jedoch im Umfeld von TEVIS-Online. Hinweise auf einen entsprechenden Angriff auf VISITVIS-Online gibt es dem Unternehmen zufolge nicht.

Zusätzlich werden die auf VISITVIS-Online zwischengespeicherten Daten aus Verpflichtungserklärungen auf Anwendungsebene verschlüsselt gespeichert.

Die forensische Untersuchung des Vorfalls läuft weiter. Kommunix will gemeinsam mit den betroffenen Betreibern insbesondere prüfen, ob personenbezogene Daten tatsächlich eingesehen oder übertragen wurden. Den übrigen Kunden stellt das Unternehmen Informationen für eine eigene Prüfung zur Verfügung und unterstützt sie bei Bedarf über den Support.

Ob aus den Ergebnissen Melde- oder Informationspflichten entstehen, soll gemeinsam mit den betroffenen Stellen bewertet werden. Über den Fortgang der Arbeiten informiert Kommunix seine Kunden auf einer gesonderten Informationsseite. Nach Abschluss der Untersuchungen will das Unternehmen die wesentlichen Erkenntnisse und die daraus abgeleiteten Maßnahmen in einem Abschlussbericht veröffentlichen.





Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: IT-Sicherheit Unternehmen

NOLIS: Förderung des Netzwerks Junge Bürgermeister*innen

[21.08.2026] NOLIS ist dem Netzwerk Junge Bürgermeister*innen als Fördermitglied beigetreten. Das Unternehmen will damit den Austausch mit jungen kommunalen Entscheidungsträgerinnen und -trägern über Digitalisierung und die Herausforderungen der Verwaltung intensivieren. mehr...

GISA: Zahlen für das Geschäftsjahr 2025/26 vorgelegt

[20.08.2026] GISA hat im Geschäftsjahr 2025/26 Umsatz und Betriebsergebnis auf neue Höchststände gesteigert. Besonders im öffentlichen Sektor prägten Cloud-Transformation, IT-Sicherheit und Künstliche Intelligenz die Digitalisierungsprojekte. mehr...

nextgov iT: E-Services von ITEBO übenommen

[13.08.2026] nextgov iT und ITEBO bündeln die Entwicklung ihrer kommunalen Portal- und Online-Lösungen. Das E-Services-Team von ITEBO wechselt zu nextgov iT. Künftig soll eine gemeinsame Plattformstrategie verfolgt werden. mehr...

In München kümmert sich jetzt eine eigene Hauptabteilung um die IT-Sicherheit.

München: CGI unterstützt bei der Verwaltungstransformation

[03.08.2026] Die Stadt München baut ihre digitalen Verwaltungsdienste mit Unterstützung von CGI weiter aus. Die Zusammenarbeit soll Prozesse effizienter machen und die technologische Souveränität der Stadtverwaltung stärken. mehr...

vier personen stehend_ekom21_nimmt Haiilo in Produktportfolio auf

ekom21: Haiilo ergänzt Portfolio

[29.07.2026] Mit Haiilo hat der IT-Dienstleister ekom21 sein Portfolio erweitert. Die zentrale Plattform für interne Kommunikation, Informationen und Wissensinhalte lässt sich nahtlos in bestehende Arbeitsumgebungen integrieren. mehr...

Viel Männer in hellen Hemden stehen in einem Glasgang, alle mit ITEBO-Bällen in der Hand.

Landkreis Vechta: 200. Mitglied der ITEBO Genossenschaft

[21.07.2026] Mit dem Landkreis Vechta zählt die ITEBO Genossenschaft nun 200 Mitglieder. Der Landkreis will über die Einkaufs- und Dienstleistungsgenossenschaft IT rechtssicher beschaffen und gemeinsame Lösungen für die Verwaltungsdigitalisierung nutzen. mehr...

Martin Schallbruch, CEO govdigital, beim Soft Opening des HIT in Berlin

govdigital: Haus der öffentlichen IT gestartet

[13.07.2026] Einen Raum für den Austausch und neue Perspektiven in der Zusammenarbeit öffentlicher IT-Dienstleister schafft seit Anfang Juli das Haus der öffentlichen IT in Berlin. mehr...

Handshake in Business-Umgebung im Gegenlicht

Rohde & Schwarz: Verwaltung und KRITIS stärker im Fokus

[30.06.2026] Der Technologiekonzern Rohde & Schwarz führt zwei seiner Tochterunternehmen zusammen. Durch den Zusammenschluss sollen Netzwerk- und Cyber-Sicherheitslösungen stärker auf Verwaltung, KRITIS und Verteidigung ausgerichtet werden. mehr...

Messestand von d.velop auf dem d.velop SUMMIt 2026

d.velop SUMMIT: Launch von d.velop AI

[23.06.2026] Das Unternehmen d.velop macht Künstliche Intelligenz zum elementaren Bestandteil seiner Content-Plattform. Der Launch erfolgte im Rahmen des diesjährigen d.velop SUMMIT in Düsseldorf. mehr...

Sicht von oben auf Geschäftsleute die an einem Tisch zu einem Meeting versammelt sind

AKDB: Preis für Good-Governance-Standards

[22.06.2026] Die AKDB hat für ihren Public Corporate Governance Kodex den von PricewaterhouseCoopers gestifteten „Preis für Good-Governance-Standards“ erhalten. Der Ansatz wurde als richtungsweisend gelobt, der deutschlandweit wie international als Vorbild dienen könne. mehr...

SQL Projekt/ brainocons: Vereinte Expertise

[22.06.2026] Mit ihrer Kooperation unterstreichen die Unternehmen SQL Projekt und brainocons die Bedeutung offener, vernetzter und KI-gestützter Plattformansätze für die nachhaltige Transformation der öffentlichen Verwaltung.
 mehr...

Handschüttel-Foto

Picture / ekom21: Zugang zur Prozessplattform

[18.06.2026] Hessische Kommunen können die PICTURE-Prozessplattform und begleitende Dienstleistungen ab sofort ohne eigene Vergabe und zu vergünstigten Konditionen beziehen. Dafür sorgt eine Vereinbarung zwischen Picture und ekom21. mehr...

Vertragsabschluss_AKDB_Prosoz_OTS_Vier Männer vor einem Gebäude

Unternehmen: Prosoz integriert OTS

[17.06.2026] Prosoz und die AKDB-Unternehmensgruppe haben ihren Zusammenschluss in den Bereichen Soziales, Jugend- und Bauwesen mit der Integration der OTS GmbH abgeschlossen. mehr...

Verschiedene Devices stehen nebeneinander auf einem edlen Schreibtscih, alle zeigen die Starpage von Materna Virual Solution.

Materna Virtual Solution: Geschärftes Profil

[15.06.2026] Materna Virtual Solution richtet sein Angebot noch stärker als bisher auf die Absicherung mobiler Arbeitswelten aus. Neu ist auch ein Webauftritt, der praxisnahe Informationen, Einsatzszenarien und Beratungsangebote bündelt und sich unter anderem an Fachentscheider der öffentlichen Hand richtet. mehr...