Montag, 28. September 2026

Serie 10 Gebote für Kommunen1 – Kommunen stehen im Wettbewerb

[04.05.2020] Kommunen sollten sich selbst als Produkt verstehen und anstreben, möglichst attraktiv auf potenzielle Stakeholder zu wirken, so die Publikation „10 Gebote für Kommunen“. Weiche Faktoren spielen dabei im Wettbewerb mit anderen Kommunen ebenso eine Rolle wie harte.
Dominic Multerer

Dominic Multerer

(Bildquelle: Dominic Multerer)

Die zunehmende Digitalisierung lässt die Welt zusammenwachsen – zumindest auf dem Smartphone- oder Computer-Bildschirm. Denn prinzipiell ist das eigene Büro nur einen Mausklick von Sydney, Phuket oder Los Angeles entfernt. Das schreibt Dominic Multerer in seiner Publikation „10 Gebote für Kommunen“. Was im großen Maßstab funktioniere, gelte erst recht für den kleinen: Hamburg ist also genauso weit entfernt wie Berlin oder München, aber auch Meißen, Kempten oder Nordenham – Städte mit unzähligen Nachbargemeinden im unmittelbaren Wettbewerb. Entscheide sich ein Bürger, ein Unternehmen oder ein Investor für einen Standort, werde er dort investieren, gleich in welcher Form. Die Gemeinde profitiere durch diverse steuerliche Abgaben und sonstige Einnahmen davon. Umliegende Gemeinden gehen leer aus, so Multerer.
Je attraktiver eine Gemeinde für einen potenziellen Stakeholder ist, desto mehr Zuspruch bekomme sie. Umgekehrt gesehen sei klar: Je unattraktiver eine Kommune wirkt, desto weniger Menschen oder Betriebe wollen dorthin oder dort bleiben. Und wenn sie gehen oder wegbleiben, würden eben auch Einnahmen fehlen, um den laufenden Betrieb aufrechtzuhalten und damit letztendlich, um Zukunft gestalten zu können.

Zuschlag für das beste Angebot

In der Privatwirtschaft verschwinden Produkte, die sich schlecht verkaufen. Nun können sich Kommunen nicht in Luft auflösen. So hart es aber auch für viele Verantwortliche in Städten und Gemeinden klingen mag – sie können in große Schwierigkeiten geraten und in der Bedeutungslosigkeit verschwinden, argumentiert Multerer. Denn wie bei einem Produkt würden sich potenzielle Stakeholder vorab informieren, ob sich die örtlichen Gegebenheiten mit ihren Bedürfnissen decken, bevor sie sich niederlassen. Weiche Faktoren wie Lebensqualität oder Image würden dabei ebenso eine Rolle spielen wie harte. Als Beispiel nennt er gute Infrastruktur oder steuerliche Anreize. Daher würden Kommunen schon seit Jahren miteinander im Wettbewerb stehen, ob sie wollen oder nicht. „Derjenige, der das beste Angebot macht, bekommt den Zuschlag“, schreibt der Marketing- und Vertriebsexperte.

Konkurrenz erkennen und akzeptieren

Für Kommunen müsse deshalb die erste Regel lauten, zu erkennen und zu akzeptieren, dass sie in Konkurrenz zueinander stehen – auch wenn diese etwas anders aussehe als in der freien Wirtschaft. Das Prinzip sei aber das gleiche. Daher rät Multerer Städten und Gemeinden, sich an der Wirtschaft zu orientieren, um marktorientiertes Denken zu entwickeln. Dafür müssten die Kommunen neue Wege gehen, alte Muster durchbrechen und sich mit strategischen Fragen befassen. Querdenken und Benchmarking seien gefragt. Dazu sollten unbedingt Menschen eingebunden werden, die nicht aus dem Verwaltungsbereich kommen, die beraten und bei Planung und Umsetzung helfen. Wer das verinnerliche, könne sich im Wettbewerb behaupten. Die Alternative dazu sei, auf der Stelle zu treten und die Herausforderungen des kontinuierlichen Wandels nicht zu packen. Es geht darum, dass mit einem Investor, Unternehmen und letztlich auch dem Bürger Umsatz gemacht wird, so der Appell des Autors. Das sei schlicht Geld für die kommunale Kasse.


Multerer, DominicDominic Multerer ist Autor, Marketing- und Vertriebsprofi und Hochschuldozent. In seinem Buch „Die 10 Gebote für Kommunen“ beschreibt er praktische Lösungsansätze und Tipps für die öffentliche Verwaltung, um sich wettbewerbs- und zukunftsfähig aufzustellen und marktorientiert zu handeln. Kommune21 beleuchtet in einer 10-teiligen Serie jede Woche eines der Gebote. Begleitend dazu gibt es eine Serie auf YouTube.



Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Panorama

NeXT: Nachnutzung praktisch angehen

[28.09.2026] Ein neues Paper des NeXT-Netzwerks gibt Beschäftigten aller föderalen Ebenen praktische Hinweise, wie sie digitale Lösungen für andere bereitstellen oder selbst übernehmen können. Ein Schnellcheck führt zu den passenden Empfehlungen und weiterführenden Ressourcen. mehr...

Panoramablick über Berlins Innenstadt, in der Mitte der Fernsehturm, im Hintergrund dramatische Wolken

Berlin: Digitale Bürgerdienste holen auf

[25.09.2026] Bei der Verwaltungsdigitalisierung in Berlin geht es voran: Mehr als die Hälfte der 100 meistgenutzten Bürgerdienstleistungen ist inzwischen digital verfügbar. Nachholbedarf besteht allerdings bei der tatsächlichen Online-Nutzung und der Medienbruchfreiheit. mehr...

Person am Laptop, am Bildschirm ein Mock-Up-Umfrageformular, sonniger Schreibtisch mit Muffins

Verwaltungsmonitor 2026: Digitale Transformation im Arbeitsalltag

[24.09.2026] Eine neue bundesweite Befragung richtet den Blick auf die Menschen, die Verwaltungsdigitalisierung erleben und gestalten. Beschäftigte aller Verwaltungsebenen können bis Ende Oktober 2026 online und anonym teilnehmen. Durchgeführt wird die Untersuchung vom Netzwerk NExT und dem Kompetenzzentrum Öffentliche IT. mehr...

Jemand schaut sich die Stadtblatt Online-Ausgabe am Handy an


Heidelberg: Stadtblatt wird digital

[18.09.2026] Heidelberg stellt die Verteilung seines Stadtblatts neu auf. Statt einer Zustellung an alle Haushalte setzt die Stadt künftig vor allem auf die digitale Ausgabe. mehr...

Junge Frau zwischen Archivregalen streckt ihr Handy Richtung Kamera

Gütersloh: Webseite zur Stadtgeschichte in neuem Look

[11.09.2026] Die Stadt Gütersloh hat den Bereich zur Stadtgeschichte auf ihrer Website grundlegend überarbeitet. Inhalte wurden neu geordnet und verknüpft, historische Abbildungen durch hochauflösende Digitalisate ersetzt und weitere Seiten um Bilder, Videos und Links ergänzt. mehr...

Mpck-up der Schwammstadt-App

Berlin: Klimaanpassung spielerisch erfahren

[11.09.2026] Mit dem Online-Spiel Schwammtastisch soll das Konzept der Schwammstadt für Berlinerinnen und Berliner anschaulich werden. Straßen und Plätze lassen sich digital mit Bäumen, Pflanzstreifen oder Regenwassernutzung umgestalten und deren Wirkung erkunden. mehr...

Roboterhand tippt auf einem Computerkeyboard

Studie: Automatisierungspotenzial in Behörden nicht ausgeschöpft

[09.09.2026] Eine Studie von Foundry, UiPath und Materna zeigt deutliche Lücken bei der Digitalisierung deutscher Behörden: Nach Einschätzung der Befragten könnten 49 Prozent der Verwaltungsaufgaben automatisiert werden, tatsächlich sind es erst 23 Prozent. Zudem ist ein Drittel der Leistungen noch komplett offline. mehr...

Ausstellung des Goldenen Buches der Stadt Ulm im Rathausfoyer

Ulm: Goldenes Buch ist digital erlebbar

[04.09.2026] Das Goldene Buch der Stadt Ulm können Gäste im Rathaus via Touchbildschirm ab sofort digital durchblättern. mehr...

Ein rotes und viele weiße 3D-Paragrafensymbole auf heller Oberfläche.
bericht

GEAS-Reform (2): Was jetzt auf die Verwaltung zukommt

[03.09.2026] Neue Verfahren, angepasste IT-Systeme und komplexere Rechtsfragen: Mit der GEAS-Reform wächst der Umsetzungsaufwand für die beteiligten Behörden. Sie müssen europäische und nationale Vorgaben stärker gemeinsam berücksichtigen - und up to date bleiben. mehr...

Ein rotes und viele weiße 3D-Paragrafensymbole auf heller Oberfläche
bericht

GEAS-Reform (1): Die rechtlichen Implikationen

[02.09.2026] Die GEAS-Reform regelt wesentliche Bereiche des Asylrechts nun durch unmittelbar geltende EU-Verordnungen. Damit sinken nationale Gestaltungsspielräume, während die Anforderungen an Rechtsanwendung und Verwaltungsvollzug steigen. mehr...

KGSt/Helmut-Schmidt-Universität Hamburg: Agile Arbeitsweisen in Kommunen

[01.09.2026] Die KGSt und die Hamburger Helmut-Schmidt-Universität wollen herausfinden, wie agile Arbeitsweisen in Kommunalverwaltungen eingeführt und etabliert werden. Für eine kurze Umfrage werden noch Personen gesucht, die agiles Arbeiten in ihrer Kommune voranbringen. mehr...

Screenshot: Mann im dunklen Anzug vor professionell ausgeleuchteter heller Wand

Vitako: Schlaglichter auf kommunale Digitalisierung

[31.08.2026] Mit einer neuen YouTube-Reihe zeigt Vitako Perspektiven aus der öffentlichen IT in kurzen Videos. In den ersten Beiträgen geht es um verlässliche digitale Infrastrukturen, digitale Souveränität und interkommunale Zusammenarbeit. mehr...

Blick in den nüchternen Empfangsbereich eines Büros mit digitalen Anzeigetafeln.

digitalSIGNAGE: Digitale Bürgerkommunikation für Rathaus & Co.

[31.08.2026] Digitale Informations- und Anzeigesysteme können das Personal in Kommunen entlasten: Sie erleichtern die Orientierung, organisieren den Besucheraufruf und informieren. Der ISO/IEC 27001 zertifizierte Anbieter digitalSIGNAGE deckt dafür ein breites Produktspektrum ab. mehr...

Farbige Papierfiguren auf weißem Untergrund, verbunden durch Linien

KGSt: Neues Verwaltungsleitbild

[27.08.2026] Die KGSt hat mit der „Netzwerkkommune“ ein neues Verwaltungsleitbild vorgelegt. Es beschreibt eine Verwaltung, die komplexe Aufgaben gemeinsam mit Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft löst. Die Steuerung solcher Netzwerke muss so angelegt sein, dass Kooperation und Vertrauen möglich werden. mehr...

Gruppenbild vor Aufsteller

Peine: Onlinedienste bekannter machen

[27.08.2026] Die Stadt Peine will ihre digitalen Verwaltungsangebote bekannter machen sowie Bürgerinnen und Bürger über deren Vorteile und Nutzungsmöglichkeiten informieren. Dazu begann nun eine langfristig angelegte Kampagne, die Werbeflächen in der Stadt und Social Media bespielt. mehr...