Dienstag, 30. Juni 2026

GelsenkirchenBesucherströme steuern

[14.02.2025] Im Rahmen des Projekts GE sichert entwickelt die Stadt Gelsenkirchen ein innovatives Konzept zur anonymisierten Bewegungsdatenerfassung und -prognose. Die videobasierte Sensorik kam unter anderem während der EM-Spiele 2024 zum Einsatz.
Fans strömen in ein Fußballstadion.

Videoanalysesoftware sammelte während der EM 2024 Daten zu Besucherströmen.

(Bildquelle: Stadt Gelsenkirchen)

Neue Wege im Bereich der urbanen Sicherheit beschreitet die Stadt Gelsenkirchen mit dem Projekt GE sichert. Es wird im Rahmen der Modellprojekte Smart Cities des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) gefördert und verfolgt das Ziel, innovative Lösungen für die Steuerung von Besucherströmen und die Verbesserung der Sicherheitsinfrastruktur zu entwickeln. 

Das Projekt wird in einer kooperativen Anstrengung zahlreicher Akteure verwirklicht: Das Referat Sicherheit und Ordnung der Stadt Gelsenkirchen, die Feuerwehr, das Verkehrsreferat der Stadt, die Gelsenkirchener Kommunale Datenzentrale (gkd-el), FC Schalke 04, BOGESTRA und die Polizei Gelsenkirchen arbeiten Hand in Hand, um die innovative Sicherheitslösung zu realisieren.

Der Ursprung von GE sichert liegt in dessen Vorgängerprojekt ­Desaster-Reaktions-Automation in Gelsenkirchen und organisationsübergreifende Netzwerkkommunikation (DRAGON). Obwohl der DRAGON-Antrag keine Umsetzungsförderung erhielt, wurden im Rahmen der Antragstellung wertvolle Vorarbeiten geleistet. Ziel von DRAGON war unter anderem die Entwicklung eines interaktiven Live-Lagebilds inklusive einer Crowd-Management-Lösung. Auf diesen Vorarbeiten baut das Projekt GE sichert auf, in dessen Rahmen ein innovatives Konzept zur anonymisierten Bewegungsdatenerfassung und -prognose entwickelt wird.

Live-Lagebild dank videobasierter Sensorik

Ein konkretes Beispiel für die Problemstellung liefert die Zuwegung zur Nahverkehrsanlage an der Veltins-Arena in Gelsenkirchen. Nach Veranstaltungsende entstehen hier Stauungen, da sich ein Großteil der Besucherströme auf einen einzigen Weg konzentriert. Dieser führt zunächst über einen seitlich durch Zäune begrenzten Weg und anschließend über ein Brückenbauwerk, dessen nutzbare Breite durch bauliche Gegebenheiten stark eingeschränkt ist. Insbesondere bei Veranstaltungen mit vielen ortsfremden Erstbesuchern kommt es regelmäßig zu einer außergewöhnlich hohen Personendichte.

Auf dem Herbert-Burdenski-Weg zwischen Veltins-Arena und Nahverkehrsanlage wurde daher in Zusammenarbeit mit der Firma ASE videobasierte Sensorik installiert. Diese besteht aus zwei Kamerasystemen, die mit Edge-Computing-Einheiten ausgestattet sind. Die darauf installierte Videoanalysesoftware sammelt in Echtzeit Daten über die Anzahl, Geschwindigkeit und Richtung von Objekten im Messbereich. Erstmalig kam das System im Sommer 2024 während der EM-Spiele sowie der dreitägigen Taylor-Swift-Konzerte zum Einsatz, bei denen Gelsenkirchen kurz zu Swiftkirchen wurde. 

Die Bildverarbeitung wird vollständig DSGVO-konform durchgeführt. Dabei werden die Bilder ausschließlich temporär im Arbeitsspeicher vorgehalten. Eine Speicherung von Videodaten findet nicht statt. Stattdessen werden lediglich Metadaten wie die Objektkategorie, die Position und die Bewegung weiterverarbeitet. Die gewonnenen Objektdaten werden an die Server der gkd-el übermittelt, dort aufbereitet und in einem Dashboard dargestellt. Dieses steht berechtigten Personen wie der Polizei, der Feuerwehr, dem Ordnungsamt sowie dem Arena-Management von Schalke 04 zur Verfügung.

Ausweitung ist geplant

Die gesammelten Daten sollen neben der Anzeige eines Live-Lagebilds perspektivisch dazu dienen, Einsatzkräften und Veranstaltungsplanern eine Prognose für eine optimierte Einsatzplanung zur Verfügung zu stellen. Auch das im Ruhrgebiet ansässige öffentliche Verkehrsunternehmen ­BOGESTRA soll dank der Nutzung von Echtzeitdaten präzisere Planungen im öffentlichen Nahverkehr vornehmen können. Außerdem sollen Besucherinnen und Besucher von einer Reduktion der Wartezeiten sowie einem angenehmeren Besuchserlebnis profitieren, das durch verbesserte Informationsangebote unterstützt wird. 

Aktuell umfasst die Pilotphase von GE sichert vier Kamerasysteme, die Bewegungsdaten nahezu in Echtzeit erfassen. Mittelfristig sollen vier weitere Kameras an den Abgängen zu den Bahnsteigen installiert werden, um die Datengrundlage weiter zu verbessern. Diese ergänzenden Daten schaffen die Basis für präzisere Prognosen des An- und Abreiseverhaltens der Besucher. Parallel wird das Projekt GE sichert mit dem Vorhaben GE bewegt verzahnt, das ebenfalls im Rahmen der Modellprojekte Smart Cities gefördert wird: Straßenbahnen der BOGESTRA, insbesondere der Linie 302, sollen hierbei mit Fahrgastsensoren ausgestattet werden. Diese Echtzeitdaten können die Vorhersagegenauigkeit deutlich steigern und Synergien zwischen den Projekten schaffen.

In der zweiten Phase von GE sichert liegt der Fokus dann darauf, die Bewegungsdaten zur Prognose des An- und Abreiseverhaltens bei unterschiedlichen Veranstaltungsarten einzusetzen. Gleichzeitig wird an Schnittstellen zu anderen Projekten, wie der Urbanen Datenplattform (UDP), gearbeitet. Erste Überlegungen für ein Besucher­informationssystem an der Haltestelle Veltins-Arena sind ebenfalls in Planung. Dieses könnte gezielte Hinweise zur Entzerrung von Wartezeiten bieten und so das Besuchserlebnis weiter verbessern.

Verena Strajhar ist als Projektleiterin im Bereich Smart City bei der Gelsenkirchener Kommunalen Datenzentrale, dem IT-Dienstleister der Stadt Gelsenkirchen, tätig. 


Stichwörter: Smart City, Gelsenkirchen


Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Smart City
Grafik zur urbanen Datenplattform in Aalen
bericht

Aalen / Heidenheim: Hoher Praxisnutzen

[29.06.2026] In Aalen und Heidenheim wird Smart City praxisnah: Sensoren liefern Daten zu Glatteis, Pegelständen und weiteren Risiken. Eine gemeinsame Plattform verbindet diese Informationen und unterstützt Verwaltung, Feuerwehr und Bauhof im Alltag. mehr...

Fahrraddaten Screenshot Digitaler Zwilling

Wiesbaden: Positive Bilanz zum Digitalen Zwilling

[29.06.2026] Der Digitale Zwilling Wiesbaden hat sich für die Stadt seit seinem Start im Sommer vergangenen Jahres bereits zu einem wichtigen Werkzeug für Planung, Beteiligung und Information entwickelt. 
 mehr...

Mehrere Personen eröffnen die Digitalen Tage Hamm 2026 durch drücken auf einen symbolischen Startknopf

Hamm: Smart-City-Strategie beschlossen

[29.06.2026] Im Rahmen ihrer Digitalisierungsstrategie hat die Stadt Hamm in den vergangenen Jahren zahlreiche Maßnahmen angestoßen und teils bereits umgesetzt. Für den Zeitraum 2027 bis 2032 wird die Strategie nun als Smart-City-Strategie fortgeschrieben. Die Bürger können mitbestimmen, welche Themen künftig stärker in den Fokus rücken sollen. mehr...

Auf einem Monitor ist der Digitale Zwilling einer Stadt zu sehen

Serie Smart Cities, Teil 3: Mit Zwilling planen

[25.06.2026] Urbane Digitale Zwillinge erlauben es Kommunen, Daten zu ihrem Stadtgebiet strukturiert sichtbar und für Entscheidungen nutzbar zu machen, etwa in der Verkehrs- oder Wärmeplanung. Beim Aufbau eines Digitalen Zwillings lohnt es sich, auf Kooperation zu setzen. mehr...

bericht

MPSC: Vom Piloten zur Praxis (2) – Nachnutzung braucht Struktur

[24.06.2026] Die Modellprojekte Smart Cities haben viele erfolgreiche Lösungen und auch neue Formen kommunaler Zusammenarbeit hervorgebracht. Nun geht es darum, entstandene Netzwerke, Unterstützungsangebote und Entwicklungsgemeinschaften zu verankern - nur so können die Pilotprojekte breit nachgenutzt werden. mehr...

Vektorgrafik einer Smart City.

BBSR: Die Wirkung von Smart-City-Vorhaben darstellen

[24.06.2026] Smarte digitale Projekte stärken die regionale Wirtschaft – aber oft indirekt. Das erschwert es Kommunen, den konkreten Nutzen zu benennen und argumentativ zu vertreten, etwa gegenüber Politik oder Projektpartnern. Eine Praxishilfe erklärt, wie Kommunen solche Effekte erkennen und verständlich vermitteln können. mehr...

Hand mit einem Smartphone auf dem die Temperatur mit 40 Grad Celsius angegeben wird
bericht

Klimawandel: Daten gegen den Hitzestress

[23.06.2026] Auf die Herausforderungen des Klimawandels können Städte nicht nur mit baulich-physischen Maßnahmen reagieren. Auch der Aus- und Umbau der digitalen Dateninfrastruktur und die systematische Organisation klimarelevanter Daten stärken die kommunale Resilienz. mehr...

bericht

MPSC: Vom Piloten zur Praxis (1) – Zusammenarbeit statt Insellösungen

[23.06.2026] Seit 2019 gibt es das Fördervorhaben Modellprojekte Smart Cities, über 70 Kommunen und Regionen haben bisher teilgenommen. Dabei entstanden nicht nur viele erfolgreiche technische Lösungen, sondern auch neue Formen kommunaler Zusammenarbeit – für viele Beteiligte ein entscheidender Faktor. mehr...

Bodensensor in einer Straße in Gütersloh

Gütersloh: Sensoren erfassen Parkplatzauslastung

[12.06.2026] Mit Bodensensoren erfasst die Stadt Gütersloh zurzeit die Auslastung von vier Fahrzeugstellplätzen an der Königstraße. Die Daten sollen in die Planungen zur Umgestaltung des Kreuzungsbereichs zur Hohenzollernstraße einfließen, der ein Unfallschwerpunkt ist. mehr...

Screenshot BBSR-Studie zu digitalen Zwillingen

Studie: Digitale Zwillinge in der Praxis

[10.06.2026] Das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung hat eine neue Veröffentlichung zum Thema urbane Digitale Zwillinge herausgegeben, die im Rahmen der Begleitforschung der Modellprojekte Smart Cities entstanden ist. mehr...

Stadt, Bäume und Internet of Things Sensorien Symbolisch
bericht

Serie Smart Cities, Teil 2: Sensoren sinnvoll nutzen

[20.05.2026] Sensorik und Internet of Things sind das Nervensystem der smarten Stadt – sie liefern Daten, welche Prozesse optimieren und die Entscheidungsfindung erleichtern können. Beim Aufbau einer entsprechenden Infrastruktur können Kommunen auch klein starten. mehr...

Elisabeth Fröhlich, Projektleitung VIAA, Stabsstelle Verkehrsfluss und Geo-Services, zeigt eine Kamera, die den Verkehrsfluss erfasst.

Lübeck: Weitere Kreuzungen digitalisiert

[11.05.2026] In Lübeck werden derzeit vier Kreuzungen mit einem innovativen System zur Verkehrserfassung ausgestattet. Die Hansestadt setzt damit ein weiteres Teilprojekt im Rahmen ihres Vorhabens VIAA um. mehr...

Grafik zeigt die drei Plattform-Bestandteile
bericht

Plattformen: Von smart zu intelligent

[30.04.2026] Digitale Lösungen können Prozesse beschleunigen, Mitarbeitende entlasten und den Bürgerservice verbessern. Drei Bausteine bringen Kommunen auf diesem Weg entscheidend voran: urbane Datenplattformen, Automatisierungs- und KI-Plattformen. mehr...

Kamera auf einem Mannheimer Abfallsammelfahrzeug

Mannheim: Mit digitaler Hilfe sauberer werden

[29.04.2026] Optische Sensoren sollen der Stadt Mannheim künftig dabei helfen, Verschmutzungen im öffentlichen Raum zu erfassen und so dazu beitragen, das Stadtbild zu verbessern. Die Technik wird zunächst in einer mehrmonatigen Pilotphase getestet. mehr...

Mehrere Personen stehen vor einem Stadtteiltreff in Kassel Wolfsanger

Kassel: App stärkt das Vereinsleben

[28.04.2026] 
Eine App soll in Kassel künftig helfen, die ehrenamtliche Arbeit in den Vereinen besser und einfacher zu organisieren. Jetzt startet der im Rahmen des Modellprojekts Smart Kassel entwickelte digitale Assistent für Vereine in den Praxistest. mehr...