Mittwoch, 18. Februar 2026

InterviewDas Leben verbessern

[14.05.2018] Als neuer Präsident des Deutschen Städte- und Gemeindebunds (DStGB) sieht Uwe Brandl, Bürgermeister von Abensberg, die Digitalisierung als zentrales Thema der kommenden Jahre. Was das für die Kommunen bedeutet, erläutert er im Interview mit Kommune21.
Uwe Brandl

Uwe Brandl, Präsident des Deutschen Städte- und Gemeindebunds (DStGB) und Bürgermeister von Abensberg

(Bildquelle: Bayerischer Gemeindetag/BayGT)

Herr Bürgermeister Brandl, seit dem 1. Januar 2018 sind Sie Präsident des Deutschen Städte- und Gemeindebunds. Als eines der zentralen Themen der kommenden Jahre haben Sie die Digitalisierung genannt. Was kommt hier auf die Städte und Gemeinden zu?

Die Digitalisierung wird die entscheidende Veränderung in den kommenden Jahren darstellen und alle Bereiche des kommunalen Lebens erfassen. Der digitale Wandel vollzieht sich schneller als alles, was wir bisher gekannt haben, und er wird Umbrüche mit sich bringen. Bildung, Arbeit, Freizeit, Mobilität, Energieversorgung und nicht zuletzt natürlich die Verwaltungen – all diese Sektoren werden sich vollkommen neu ordnen. Das bedeutet für die Städte und Gemeinden aktives Veränderungsmanagement. Wichtig ist, dass wir dabei den Nutzen für die Bürgerinnen und Bürger im Blick behalten. Technologische Veränderungen müssen das Leben der Menschen verbessern.

Wie unterstützen Sie die Kommunen auf diesem Weg?

Zunächst einmal müssen den Kommunen die immensen Chancen der Digitalisierung vermittelt werden. Der digitale Wandel wird vieles verändern, aber er wird auch viele Bereiche effizienter, transparenter, besser und noch bürgerorientierter machen. Das wollen wir in den Vordergrund rücken. Gemeinsam mit dem Branchenverband Bitkom haben wir im vergangenen Jahr erfolgreich den Wettbewerb Digitale Stadt durchgeführt. Dabei haben die Kommunen eindrucksvoll gezeigt, über welche Potenziale sie verfügen, und dass sie das Thema Digitalisierung mit voller Kraft angehen wollen. Außerdem werden wir die Kooperation mit der Digitalwirtschaft intensivieren. Aus meiner Sicht erfordert die Digitalisierung mehr Kooperation zwischen dem öffentlichen Sektor und der Privatwirtschaft. Wir können und müssen voneinander lernen und die neuen Aufgaben gemeinsam angehen.

Welche sind die aktuell drängendsten Baustellen für die Digitalisierung in Stadt und Gemeinde?

Leider muss ich auch im Jahr 2018 an erster Stelle immer noch den Breitband-Ausbau nennen. Deutschland ist hier im internationalen Vergleich nicht gut aufgestellt, da müssen wir schnell besser werden. Was mir besonders Sorgen bereitet, ist die Tatsache, dass abseits der Ballungsräume das Breitband-Ziel der vergangenen Legislaturperiode, eine flächendeckende Versorgung mit einer Geschwindigkeit von 50 Megabit pro Sekunde, weit verfehlt wurde. Dabei bedeutet eine leistungsstarke Breitband-Versorgung gerade für die Kommunen im ländlichen Raum eine große Zukunftschance. Hier müssen wir die Versorgungslücken schließen. Klar ist, dass wir in den kommenden Jahren den Weg in die Gigabit-Gesellschaft gehen müssen. Auch hier gilt: Das geht nicht allein, sondern nur in Kooperation mit den Unternehmen. Von der Bundespolitik erwarten wir, dass sie die Förderung ausbaut und entbürokratisiert. Denn vieles scheitert derzeit an den komplizierten Förderbedingungen und nicht nur an fehlenden Finanzmitteln.

„Neben der Breitband-Versorgung fehlt es an Know-how und Beratung.“
Was sind die derzeit größten Hindernisse für die Digitalisierung von Städten und Gemeinden?

Neben der Breitband-Versorgung fehlt es auch an Know-how und Beratung. Die Städte und Gemeinden haben erkannt, dass die Digitalisierung der Schlüssel zur Zukunft ist. Aber gerade in den kleineren Kommunen haben wir nicht die Fachleute, die wir dringend brauchen. Das ist auch ein Thema der Aus- und Weiterbildung. Um keine weitere Zeit zu verlieren, haben wir ein Kompetenzzentrum für digitale Kommunen gefordert. Dies könnte den Städten und Gemeinden helfen, eine Bestandsaufnahme zu machen und die ersten Schritte zu planen. Denn klar ist auch: Einen Masterplan für Digitalisierung gibt es nicht. Jede Kommune hat individuelle Rahmenbedingungen und muss ihren eigenen Weg finden.

Sollte beim Breitband-Ausbau auf Glasfaser gesetzt werden oder sind auch Investitionen in die Vectoring-Technologie sinnvoll?

Wie bereits gesagt, wir müssen beim Breitband-Ausbau besser werden. Natürlich brauchen wir schnelle Leitungen auf Glasfaserbasis, aber wer heute von einer flächendeckenden Versorgung mit Glasfaser bis ins Haus spricht, verkennt die Realitäten. Wir haben nicht genügend Baukapazitäten und wir haben bei Weitem nicht genügend finanzielle Mittel. Die Kosten werden auf rund 80 Milliarden Euro beziffert. Sinnvoller erscheint es daher, zunächst einmal schnelle Leitungen auf Glasfaserbasis in die Fläche, in die Orte und in die Straßen zu bringen. Damit wäre eine entscheidende Voraussetzung für schnellere Anbindungen geschaffen. Das ist übrigens auch für den neuen Standard 5G wichtig. Wie dann die letzten Meter zur Wohnung erschlossen werden, steht im Moment nicht im Vordergrund. Wichtig ist es, hier nicht dogmatisch zu agieren, sondern die vorhandenen finanziellen und baulichen Kapazitäten sinnvoll einzusetzen.

Was erwarten Sie vom geplanten Portalverbund?

Grundsätzlich ist es ein sehr guter Ansatz, die verschiedenen Angebote der öffentlichen Verwaltung miteinander zu vernetzen und die Nutzung für die Bürger zu vereinfachen. Daher haben wir die Vorschläge des Bundes begrüßt. Aber auch im Rahmen des Portalverbunds müssen wir es schaffen, die Vielfalt Deutschlands und die Unterschiedlichkeit der Kommunen abzubilden. Ziel muss sein, die Sichtbarkeit jeder einzelnen Kommune zu wahren. Konkret heißt das, dass die örtlichen Portale erhalten bleiben und der Zugang zu den Leistungen der öffentlichen Verwaltung darüber erfolgt. Mittlerweile haben wir klare Signale des Bundes erhalten, dass dies so funktionieren wird. Wenn wir über das Onlinezugangsgesetz reden, wird es am Ende natürlich auch um die Finanzen gehen. Ein sehr großer Teil der Verwaltungsdienstleistungen wird von den Kommunen erbracht. Daher werden wir darüber sprechen müssen, wie und in welcher Form Bund und Länder die Kommunen bei der Umsetzung der Digitalisierung finanziell unterstützen. Aber da bin ich sehr zuversichtlich, denn es ist allen klar, dass diese Projekte ohne die Kommunen nicht funktionieren werden.

Welche Ziele haben Sie sich für Ihre Amtszeit als DStGB-Präsident gesetzt?

Ich möchte dazu beitragen, dass wir in Deutschland wirklich flächendeckend gleichwertige Lebensverhältnisse bekommen, wie es das Grundgesetz vorsieht. Dabei ist die Digitalisierung ein entscheidender Faktor. Wichtig ist, dass wir uns in Deutschland insgesamt modernisieren. Digitalisierung ist ein gesellschaftlicher Umbauprozess, den wir zum Wohle aller gestalten können. Darin sehe ich eine meiner wichtigsten Aufgaben für die kommenden Jahre.

Interview: Verena Barth




Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Politik
Porträtaufnahme von Milen Starke.
interview

Thüringen: Digitalisierung auf Kurs

[17.02.2026] Platz vier im Bundesvergleich, Vorreiter bei digitaler Souveränität und Open Source sowie klare Pläne für 2026 – was hinter den Zahlen steckt und wo Thüringen bewusst andere Wege geht, erläutert Landes-CIO Milen Starke im Interview. mehr...

Frankfurt am Main: Neues Transformation Office

[16.02.2026] In Frankfurt am Main übernimmt nun das Transformation Office die Steuerung der Digitalisierungsvorhaben in der Verwaltung. Wurden die Projekte bislang überwiegend dezentral realisiert, sollen diese fortan beim Transformation Office gebündelt und so effizienter und wirkungsvoller umgesetzt werden. Das Office arbeitet mit allen Ämtern der Stadt zusammen. mehr...

Zwei Personen unterzeichnen eine Absichtserklärung

Heidelberg / Hochschule Ludwigsburg: Theorie und Praxis verzahnen

[09.02.2026] Mit dem Ziel, die digitale Modernisierung der Verwaltung voranzutreiben, haben die Stadt Heidelberg und die Hochschule Ludwigsburg jetzt eine Kooperation vereinbart. Geplant sind regelmäßige gemeinsame Forschungsprojekte, aus denen sich Best-Practice-Beispiele auch für andere Kommunen ableiten lassen. mehr...

Wehende Flagge des Landes Schleswig-Holstein vor schwach bewölktem Himmel.

Schleswig-Holstein: Konsequent digital

[28.01.2026] Von Anlagengenehmigung bis zum Wohngeld: Schleswig-Holstein setzt den Roll-out von Onlinediensten und die Digitalisierung der Verwaltung weiter konsequent um. Ein landeseigenes Digitalisierungs-Dashboard soll die Fortschritte künftig visualisieren. mehr...

Bundesminister Wildberger mit den Staatsministern Sinemus und Mehring in einem Sitzungssaal

OZG-Leistungen: Schub für die digitale Verwaltung

[26.01.2026] Der Bund sowie Bayern und Hessen als Pilotländer erproben einen neuen Weg, um digitale Verwaltungsdienste überall anbieten zu können. Dabei finanziert der Bund Roll-in-Teams für die Kommunen, während sich die Länder verpflichten, bis Ende 2026 fünf Online-Dienste landesweit einzuführen. Das Verfahren soll auf andere Länder übertragen werden. mehr...

Mehrere Personen stehen nebeneinander, Claudia Kalisch hält einen Blumenstrauß in den Händen.

Deutscher Städtetag: Lüneburgs OB ist neue Vizepräsidentin

[26.01.2026] Lüneburgs Oberbürgermeisterin Claudia Kalisch ist die neue Vizepräsidentin des Deutschen Städtetages. Sie folgt auf Katja Dörner, die im Herbst 2025 nicht erneut zur Oberbürgermeisterin gewählt wurde und somit auch aus dem Präsidium des DST ausgeschieden ist. mehr...

Mehrere Personen stehen nebeneinander in einem Raum.

Potsdam: Neuer Digitalisierungsrat

[19.01.2026] In Potsdam hat sich der zweite Digitalisierungsrat der Stadt konstituiert. Er soll in den kommenden drei Jahren den digitalen Wandel der brandenburgischen Landeshauptstadt begleiten und bringt dafür Expertise aus Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft ein. mehr...

Zwei Personen reichen sich die Hände.

Saarland: Dritte Auflage des E-Government-Pakts

[08.01.2026] Das Saarland und die Kommunen haben die dritte Auflage ihres E-Government-Pakts unterzeichnet. Das Land wird demnach die Kommunen bei der Umsetzung des Onlinezugangsgesetzes (OZG) und beim Ausbau digitaler Angebote unterstützen. Ein gemeinsames IT-Steuerungsgremium wird die vereinbarten Maßnahmen begleiten. mehr...

Ein fehlendes Puzzleteil wird in ein Puzzle eingesetzt.

GovTech Kommunal: Kommunen digital handlungsfähig machen

[18.12.2025] Die Initiative GovTech Deutschland hat ihr Angebot um den Verein GovTech Kommunal erweitert. Es soll damit eine bundesweite Einheit geschaffen werden, welche die kommunale Digitalisierung systematisch bündelt und konsequent an den Bedarfen der Städte, Gemeinden und Landkreise ausrichtet. Die Mitgliedschaft steht mit gestaffeltem Beitragsmodell allen Kommunen offen. mehr...

Abgedunkelter Saal mit Publikum, im Bildhintergrund eine helle Bühne mit Projektion "Kick-off Roadshow Hanau", zwei Personen auf der Bühne

Hanau: Stadtweite IT neu ausgerichtet

[18.12.2025] Hanau hat sich das Ziel gesteckt, bis 2030 die Digitalisierung der gesamten „Unternehmung Stadt“ abzuschließen. Dazu werden Entscheidungs-, Verantwortungs- und Budgetstrukturen künftig an einer Stelle gebündelt, zudem soll die Stelle des CDO geschaffen werden. mehr...

Ein Bürotisch ist komplett von unterschiedlichen Stapeln an Dokumenten bedeckt.

Deutscher Landkreistag: Kommunen in Modernisierungsagenda einbinden

[11.12.2025] Die von Bund und Ländern vereinbarte föderale Modernisierungsagenda bewertet der Deutsche Landkreistag (DLT) als positiv. Damit Bürger, Unternehmen und Kommunen jedoch tatsächlich entlastet werden, ist ein enger Schulterschluss mit Landkreisen, Städten und Gemeinden bei der Umsetzung erforderlich. mehr...

Porträt von Lydia Hüskens

Sachsen-Anhalt: Zentrale Serviceagentur für Kommunen

[08.12.2025] Eine Machbarkeitsstudie aus Sachsen-Anhalt zeigt, dass eine zentrale Serviceagentur für Kommunen Verwaltungsabläufe beschleunigen und verbessern kann. Digitalministerin Lydia Hüskens kündigte an, dass ab 2026 sukzessive eine Unterstützungseinheit für Kommunen umgesetzt werden soll. mehr...

Abstrakte Darstellung eines Besprechungsraums in dem die Silhouetten mehrerer Personen zu sehen sind, die an einem Besprechungstisch sitzen.

IT-Planungsrat: Kommunalbeirat NOOTS

[08.12.2025] Das Kommunalgremium des IT-Planungsrats übernimmt im Zuge der Neuaufstellung des Nationalen Once-Only-Technical-Systems (NOOTS) zusätzlich die Rolle des Kommunalbeirats NOOTS. Es hat dabei keine Entscheidungsbefugnis, sondern erfüllt eine Resonanz- und Feedbackfunktion. mehr...

Blick in einen gut besetzten Sitzungssaal mit rechteckiger Tischanordnung.

4. Digitalministerkonferenz: Bessere Zusammenarbeit aller Ebenen

[27.11.2025] Bei der 4. Digitalministerkonferenz in Berlin setzte Niedersachsens Digitalministerin Daniela Behrens den Schwerpunkt auf föderale Zusammenarbeit: Sie forderte eine engere, effektivere Zusammenarbeit aller föderaler Ebenen und den Zugang zu Services des ITZBund auch für Länder und Kommunen. mehr...

Oldenburger Rathaus und Degodehaus

Oldenburg: Mit neuem Amt in die digitale Zukunft

[27.11.2025] Alle Aufgaben rund um digitale Verwaltungsprozesse und die IT-Infrastruktur bündelt die Stadt Oldenburg ab Anfang kommenden Jahres in einem eigenen Amt für digitale Transformation. Das soll Abstimmungsaufwände reduzieren, Prozesse beschleunigen und dauerhaft zu innovativen, bürgernahen Angeboten beitragen. mehr...