SchuldigitalisierungDer Praxis-Check

Moderne Präsentationstechnik wird in den Schulen zunehmend installiert.
(Bildquelle: Gorodenkoff/stock.adobe.com)
Die digitale Revolution hat die Klassenzimmer in Deutschland längst erreicht und stellt Kommunen auch diesbezüglich vor gewaltige Herausforderungen. Wo die Schulträger aktuell stehen und was noch zu tun ist, zeigt ein kürzlich erschienener Benchmarking-Bericht der Kommunalen Gemeinschaftsstelle für Verwaltungsmanagement (KGSt). Er ist das Ergebnis der ersten Projektphase des Vergleichsrings Schuldigitalisierung. Zwei Jahre lang haben sich in diesem Rahmen rund 41 Kommunen aus elf Bundesländern mit den vielfältigen Themen der Schul-IT beschäftigt. Entsprechend interessante Einblicke liefert der Benchmarking-Bericht.
Bei der technischen Grundausstattung beispielsweise haben die meisten Kommunen hierzulande ihre Hausaufgaben gemacht. Schnelles Breitbandinternet und WLAN in den Klassenräumen sind vielerorts Standard, auch moderne Präsentationstechnik wird zunehmend installiert. Doch schon hier zeigen sich die ersten großen Unterschiede zwischen den einzelnen Kommunen. Während die einen an ihren Glasfaseranschlüssen Gigabitgeschwindigkeiten freischalten, kämpfen andere noch mit der Grundversorgung und müssen zunächst Gebäudeverkabelungen generalüberholen. Eine sorgfältige Priorisierung und der gezielte Einsatz von Ressourcen sind dabei unerlässlich.
Bei der Ausstattung der Schülerinnen und Schüler mit mobilen Endgeräten setzen die meisten Schulträger auf Tablets. Die Strategien reichen hier von der Eins-zu-eins-Ausstattung bis hin zum Klassensatzmodell. Neben den technischen Fragen sind vielfältige und zum Teil komplexe Themen zu berücksichtigen. Dazu zählen die IT-Sicherheit, der Datenschutz, die Nutzung multimedialer Anwendungen wie YouTube im Unterricht oder die erforderliche Bandbreite für eine stabile Internetverbindung.
Finanzierungsfragen als Herausforderung
Ein weiteres Kernthema ist vielerorts die Entwicklung nachhaltiger Support-Konzepte. Die Kommunen müssen sich entscheiden, ob sie den IT-Support durch eigene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sicherstellen, auf Outsourcing setzen oder ein Mischmodell wählen. Jeder dieser Ansätze hat spezifische Vor- und Nachteile. Der Eigenbetrieb ermöglicht mehr Kontrolle und den Aufbau interner Kompetenzen. Outsourcing wiederum punktet in der Regel mit skalierbarer Flexibilität und geringeren Kosten. Mischmodelle bieten eine Balance aus beidem. Damit sie effizient funktionieren, ist jedoch eine klare Struktur und Koordination erforderlich. In Summe verdeutlicht der KGSt-Benchmarking-Bericht, dass es keine universelle Lösung gibt. Vielmehr muss jede Kommune ihren eigenen Weg finden, abhängig von den individuellen Bedürfnissen, dem Budget und dem vorhandenen Know-how.
Eine zentrale Herausforderung bleibt die Finanzierung. Pauschale Kostensätze pro Schüler haben sich in den KGSt-Mitgliedskommunen des Vergleichsrings als wenig zielführend erwiesen. Hierfür sind die Ausgangssituationen und Anforderungen schlicht zu unterschiedlich. Stattdessen hat sich eine differenziertere Betrachtung durchgesetzt, die sowohl einmalige Investitionen, wie Hardware und initiale Infrastruktur, als auch laufende Kosten wie Softwarelizenzen, Wartung und technisches Personal berücksichtigt.
Besonders schwierig gestaltet sich für die Kommunen das Fördermittelmanagement. Vielerorts können verfügbare Mittel aus Fördertöpfen nicht abgerufen werden, weil Zeit und Personal für die bürokratische Antragstellung fehlen. Programme wie der DigitalPakt Schule der Bundesregierung haben zudem temporäre finanzielle Reliefs geschaffen. Die mittel- und langfristige Planungssicherheit bleibt aber oft ungewiss. So stehen viele Kommunen nach Auslaufen der Fördermittel vor der komplexen Aufgabe, nachhaltige Finanzierungsmodelle zu entwickeln, etwa aus kommunalen Eigenmitteln, weiteren Fördermöglichkeiten auf Landes- und Bundesebene, privatem Sponsoring und anderen Finanzierungsquellen.
Interkommunale Kooperationen sind Erfolgsgaranten
Der Benchmarking-Bericht zeigt aber auch, dass diejenigen Schulträger, die auf eine langfristige und umfassende Digitalisierungsstrategie setzen, am erfolgreichsten sind. Dabei geht es eben nicht nur um die Anschaffung technischer Geräte oder den Ausbau von Netzwerken. Entscheidend ist vielmehr die Integration der digitalen Bildung in die pädagogischen Konzepte und den Schulalltag. Eine erfolgreiche Schuldigitalisierung verlangt also die enge Verzahnung von Technik, Pädagogik und Organisation. Dazu gehören neben der technischen Ausstattung auch die Schulung der Lehrkräfte, die Anpassung der Lehrpläne und die Entwicklung neuer Unterrichtsmethoden. Um sicherzustellen, dass die technische Ausstattung optimal genutzt und praxisnahe Fortbildungsprogramme entwickelt werden, ist außerdem eine enge Zusammenarbeit zwischen Schulträgern, Landesinstituten und der örtlichen Medienentwicklungsplanung unerlässlich. Während die Schulträger für die technische Ausstattung und Infrastruktur verantwortlich zeichnen, sind die Bundesländer mit ihren Landesinstituten für Lehrerbildung und Schulentwicklung für die Fortbildung der Lehrkräfte zuständig.
Für die Zukunft zeichnen sich weitere Aufgaben ab. Themen wie die Künstliche Intelligenz (KI) im Bildungsbereich, die digitale Inklusion oder die Förderung von Medienkompetenz gewinnen an Bedeutung. Kommunen sollten diese Aspekte frühzeitig in ihre strategischen Überlegungen einbeziehen.
Ein bewährter Erfolgsgarant sind interkommunale Kooperationen. Gemeinsame Beschaffungen, geteilte Support-Strukturen oder auch nur der Austausch von Best Practices können Kosten senken und die Umsetzungsqualität steigern. Viele Kommunen haben in dieser Form bereits positive Erfahrungen gesammelt und konnten durch die Zusammenarbeit erhebliche Synergien erzielen.
Es braucht einen langen Atem
Der Benchmarking-Bericht der KGSt macht einmal mehr deutlich: Schuldigitalisierung ist ein Marathon, kein Sprint. Es braucht hierbei einen langen Atem, klare Strategien und vor allem engagierte Menschen, die den digitalen Wandel gestalten. Der interkommunale Austausch erweist sich als wertvolles Instrument zur kontinuierlichen Verbesserung. Nur durch gemeinsames Lernen und die Entwicklung innovativer Lösungen können Kommunen die Herausforderungen der Schuldigitalisierung meistern und Schülerinnen und Schülern optimale Lernbedingungen in der digitalen Welt bieten.
Die Digitalisierung unserer Schulen ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Nur wenn alle an einem Strang ziehen – Kommunen, Schulen, Eltern, Politik –, können wir unseren Kindern die bestmöglichen Startchancen in der digitalen Welt bieten. Es gibt noch viel zu tun. Packen wir’s an.
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