Freitag, 25. September 2026

BerlinDigitale Bürgerdienste holen auf

[25.09.2026] Bei der Verwaltungsdigitalisierung in Berlin geht es voran: Mehr als die Hälfte der 100 meistgenutzten Bürgerdienstleistungen ist inzwischen digital verfügbar. Nachholbedarf besteht allerdings bei der tatsächlichen Online-Nutzung und der Medienbruchfreiheit.
Panoramablick über Berlins Innenstadt, in der Mitte der Fernsehturm, im Hintergrund dramatische Wolken

Innerhalb der letzten zwei Jahre hat die Digitalisierung von Verwaltungsleistungen in Berlin einen Sprung nach vorne gemacht.

(Bildquelle: jakobradlgruber/123rf.com)

52 der am häufigsten genutzten Bürgerdienstleistungen in Berlin sind bereits digital nutzbar. Weitere drei sollen noch dieses Jahr folgen, die Umsetzung einer weiteren Leistung ist für danach geplant. Dies berichtet der digitalpolitische Sprechers der SPD-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, Jan Lehmann, der eine entsprechende Anfrage eingebracht hatte. Zuletzt waren die Schlagzeilen rund um die Digitalisierung der Berliner Verwaltung eher negativ gewesen – von der Besetzung des CDO-Postens (wir berichteten) über Streitigkeiten beim zentralen IT-Dienstleister (wir berichteten) bis hin zum groß angelegten Hackerangriff (wir berichteten). Lehmann verweist dagegen auf deutliche Fortschritte in den vergangenen zwei Jahren: „Diese Übersicht zeigt, wie weit wir in Berlin im Bereich der Verwaltungsdigitalisierung trotz aller Schwarzmalerei bereits sind. Deutlich sichtbar ist die Strategie, die häufiger genutzten Dienstleistungen prioritär zu digitalisieren. Das entlastet Bürgerinnen und Bürger sowie Ämter gleichermaßen.“

2024 erst 30 Leistungen digital

Vor rund zwei Jahren hatte der Abgeordnete Stefan Ziller nach einer ähnlichen Auflistung gefragt. Demnach waren von den 100 häufigsten genutzten Dienstleistungen jedoch nur 30 digital zugänglich. Ob dieses hohe Umsetzungstempo gehalten werden kann, bezweifelt Lehmann: „Viele der noch zu digitalisierenden Dienstleistungen haben komplexe rechtliche und organisatorische Herausforderungen, deren Bewältigung Zeit brauchen. Wir sollten weiter konsequent die viel genutzten Dienstleistungen Stück für Stück digitalisieren.“ Für die seltenen Anträge –  von ‚Abbrennen von pyrotechnischen Gegenständen – Entgegennahme außerhalb der Räume der eigenen Niederlassung auf Tourneen‘ bis hin zur ‚Zulassung Zwischenlagerung von radioaktiven Abfällen in einer Landessammelstelle‘ – bleibe danach noch genug Zeit.

Nachholbedarf bei der Nutzung und Medienbruchfreiheit

Unbefriedigend sei außerdem, wie häufig bei der Bescheidung von Anträgen doch noch Papier notwendig werde. Die komplette Medienbruchfreiheit sei nur bei wenigen der Bürgerdienstleistungen gegeben, so Lehmann. Jedoch gibt der Senat zu bedenken, dass bei einigen Verfahren die Verantwortlichkeit woanders liegt und daher unklar ist, ob die Verarbeitung medienbruchfrei stattfindet.

Große Unterschiede gibt es bei der tatsächlichen Online-Nutzung von Dienstleistungen, wie sich auf Nachfrage zeigte: Während die Anmeldung einer Wohnung zuletzt (Juni 2026) nur zu 7,8 Prozent digital genutzt wird, werden Anträge auf Wohnberechtigungsscheine (WBS) bereits zu 61 Prozent digital erledigt. „Um die digitale Nutzung zu verbreiten, müssen die Angebote bekannter, aber auch nutzerfreundlicher werden. Keine Software ist mit der Version 1.0 perfekt. Auch unsere Online-Angebote sollten stetig verbessert werden.“ So könnten mit der weiteren Einführung der E-Akte Medienbrüche reduziert und die dringend benötigten Effizienzgewinne erzielt werden.



Stichwörter: Panorama, Berlin


Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Panorama
Person am Laptop, am Bildschirm ein Mock-Up-Umfrageformular, sonniger Schreibtisch mit Muffins

Verwaltungsmonitor 2026: Digitale Transformation im Arbeitsalltag

[24.09.2026] Eine neue bundesweite Befragung richtet den Blick auf die Menschen, die Verwaltungsdigitalisierung erleben und gestalten. Beschäftigte aller Verwaltungsebenen können bis Ende Oktober 2026 online und anonym teilnehmen. Durchgeführt wird die Untersuchung vom Netzwerk NExT und dem Kompetenzzentrum Öffentliche IT. mehr...

Jemand schaut sich die Stadtblatt Online-Ausgabe am Handy an


Heidelberg: Stadtblatt wird digital

[18.09.2026] Heidelberg stellt die Verteilung seines Stadtblatts neu auf. Statt einer Zustellung an alle Haushalte setzt die Stadt künftig vor allem auf die digitale Ausgabe. mehr...

Junge Frau zwischen Archivregalen streckt ihr Handy Richtung Kamera

Gütersloh: Webseite zur Stadtgeschichte in neuem Look

[11.09.2026] Die Stadt Gütersloh hat den Bereich zur Stadtgeschichte auf ihrer Website grundlegend überarbeitet. Inhalte wurden neu geordnet und verknüpft, historische Abbildungen durch hochauflösende Digitalisate ersetzt und weitere Seiten um Bilder, Videos und Links ergänzt. mehr...

Mpck-up der Schwammstadt-App

Berlin: Klimaanpassung spielerisch erfahren

[11.09.2026] Mit dem Online-Spiel Schwammtastisch soll das Konzept der Schwammstadt für Berlinerinnen und Berliner anschaulich werden. Straßen und Plätze lassen sich digital mit Bäumen, Pflanzstreifen oder Regenwassernutzung umgestalten und deren Wirkung erkunden. mehr...

Roboterhand tippt auf einem Computerkeyboard

Studie: Automatisierungspotenzial in Behörden nicht ausgeschöpft

[09.09.2026] Eine Studie von Foundry, UiPath und Materna zeigt deutliche Lücken bei der Digitalisierung deutscher Behörden: Nach Einschätzung der Befragten könnten 49 Prozent der Verwaltungsaufgaben automatisiert werden, tatsächlich sind es erst 23 Prozent. Zudem ist ein Drittel der Leistungen noch komplett offline. mehr...

Ausstellung des Goldenen Buches der Stadt Ulm im Rathausfoyer

Ulm: Goldenes Buch ist digital erlebbar

[04.09.2026] Das Goldene Buch der Stadt Ulm können Gäste im Rathaus via Touchbildschirm ab sofort digital durchblättern. mehr...

Ein rotes und viele weiße 3D-Paragrafensymbole auf heller Oberfläche.
bericht

GEAS-Reform (2): Was jetzt auf die Verwaltung zukommt

[03.09.2026] Neue Verfahren, angepasste IT-Systeme und komplexere Rechtsfragen: Mit der GEAS-Reform wächst der Umsetzungsaufwand für die beteiligten Behörden. Sie müssen europäische und nationale Vorgaben stärker gemeinsam berücksichtigen - und up to date bleiben. mehr...

Ein rotes und viele weiße 3D-Paragrafensymbole auf heller Oberfläche
bericht

GEAS-Reform (1): Die rechtlichen Implikationen

[02.09.2026] Die GEAS-Reform regelt wesentliche Bereiche des Asylrechts nun durch unmittelbar geltende EU-Verordnungen. Damit sinken nationale Gestaltungsspielräume, während die Anforderungen an Rechtsanwendung und Verwaltungsvollzug steigen. mehr...

KGSt/Helmut-Schmidt-Universität Hamburg: Agile Arbeitsweisen in Kommunen

[01.09.2026] Die KGSt und die Hamburger Helmut-Schmidt-Universität wollen herausfinden, wie agile Arbeitsweisen in Kommunalverwaltungen eingeführt und etabliert werden. Für eine kurze Umfrage werden noch Personen gesucht, die agiles Arbeiten in ihrer Kommune voranbringen. mehr...

Screenshot: Mann im dunklen Anzug vor professionell ausgeleuchteter heller Wand

Vitako: Schlaglichter auf kommunale Digitalisierung

[31.08.2026] Mit einer neuen YouTube-Reihe zeigt Vitako Perspektiven aus der öffentlichen IT in kurzen Videos. In den ersten Beiträgen geht es um verlässliche digitale Infrastrukturen, digitale Souveränität und interkommunale Zusammenarbeit. mehr...

Blick in den nüchternen Empfangsbereich eines Büros mit digitalen Anzeigetafeln.

digitalSIGNAGE: Digitale Bürgerkommunikation für Rathaus & Co.

[31.08.2026] Digitale Informations- und Anzeigesysteme können das Personal in Kommunen entlasten: Sie erleichtern die Orientierung, organisieren den Besucheraufruf und informieren. Der ISO/IEC 27001 zertifizierte Anbieter digitalSIGNAGE deckt dafür ein breites Produktspektrum ab. mehr...

Farbige Papierfiguren auf weißem Untergrund, verbunden durch Linien

KGSt: Neues Verwaltungsleitbild

[27.08.2026] Die KGSt hat mit der „Netzwerkkommune“ ein neues Verwaltungsleitbild vorgelegt. Es beschreibt eine Verwaltung, die komplexe Aufgaben gemeinsam mit Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft löst. Die Steuerung solcher Netzwerke muss so angelegt sein, dass Kooperation und Vertrauen möglich werden. mehr...

Gruppenbild vor Aufsteller

Peine: Onlinedienste bekannter machen

[27.08.2026] Die Stadt Peine will ihre digitalen Verwaltungsangebote bekannter machen sowie Bürgerinnen und Bürger über deren Vorteile und Nutzungsmöglichkeiten informieren. Dazu begann nun eine langfristig angelegte Kampagne, die Werbeflächen in der Stadt und Social Media bespielt. mehr...

Friedhof Kreuz Grabstein

Saarland: Weniger Behördengänge im Trauerfall

[25.08.2026] Ein neuer Online-Dienst ermöglicht Angehörigen und Bestattungsunternehmen, Bestattungen digital anzumelden und Unterlagen hochzuladen. Nach dem Start in St. Wendel steht das Angebot nun auch in Kirkel bereit und allen saarländischen Kommunen zur Nachnutzung offen. mehr...