KarlsruheMotor für Digitale Souveränität

Akteurinnen und Akteure aus Wirtschaft, Wissenschaft, Verwaltung und Kultur bündeln im Rahmen der Initiative karlsruhe.digital ihre Kompetenzen.
(Bildquelle: Dennis Dorwarth Photographie)
Die Stadt Karlsruhe will ihre Rolle als Digitalstandort weiter ausbauen und einen Beitrag zur digitalen Selbstbestimmung in Europa leisten. Das Manifest „Karlsruhe – Der Kompetenzstandort der Digitalen Souveränität“ wurde vor Kurzem im Zentrum für Kunst und Medien (ZKM) vorgestellt und von Experten der Initiative karlsruhe.digital unterzeichnet. Es beschreibt zwölf Handlungsfelder, in denen die Stadt ihre Kompetenzen bündeln und konkrete Lösungen für mehr Digitale Souveränität entwickeln will.
Hintergrund sind die wachsenden Abhängigkeiten von einzelnen Technologieanbietern und Plattformen, die zunehmende Verbreitung intransparenter KI-Systeme sowie geopolitische Unsicherheiten. Digitale Souveränität bedeutet nach dem Verständnis der Initiative, dass Bürgerinnen und Bürger, Unternehmen sowie öffentliche Einrichtungen ihre Aufgaben in der digitalen Welt selbstbestimmt und sicher erfüllen können.
Offene Standards und Datenhoheit
Zu den zentralen Handlungsfeldern des Manifests zählen IT-Sicherheit, Datenhoheit, offene Standards, transparente und überprüfbare Systeme sowie digitale Bildung und Wissenstransfer. Ein besonderes Augenmerk liegt auf der sogenannten Exit-Fähigkeit, also der Möglichkeit, digitale Lösungen und Anbieter zu wechseln, ohne die eigene Handlungsfähigkeit einzuschränken.
Die Stadt Karlsruhe sieht sich nach eigenen Angaben für diese Aufgaben gut aufgestellt. Als Standort des Bundesverfassungsgerichts und des Bundesgerichtshofs verfüge man über besondere Kompetenzen in Rechtsfragen. Hinzu kämen zahlreiche Forschungseinrichtungen und Unternehmen mit Schwerpunkten in Informatik, IT-Sicherheit und Datenschutz.
„Karlsruhe bringt außergewöhnlich gute Voraussetzungen mit, um Digitale Souveränität aktiv mitzugestalten“, erklärt Bürgermeisterin Gabriele Luczak-Schwarz, Vorsitzende der Initiative karlsruhe.digital. Die enge Zusammenarbeit von Wissenschaft, Wirtschaft, Verwaltung und Kultur biete die Möglichkeit, digitale Selbstbestimmung vor Ort praktisch umzusetzen.
Kommunale Anwendungen im Fokus
Dass Digitale Souveränität nicht nur ein strategisches Ziel ist, sondern bereits in konkreten Anwendungen verfolgt wird, verdeutlichten 13 Praxisbeiträge aus dem Karlsruher Netzwerk, die im Anschluss an die Vorstellung des Manifests präsentiert wurden.
Auch die Stadtverwaltung brachte eigene Erfahrungen ein. So wurde der Weg Karlsruhes zu mehr Digitaler Souveränität am Beispiel der Smart City vorgestellt. Ein weiterer Beitrag befasste sich mit Digitaler Souveränität in der kommunalen Mobilität. Unternehmen wie dmTECH, audriga und inovex zeigten Ansätze für souveräne Bezahlsysteme, Datenportabilität, Anbieterwechsel sowie offene Softwarearchitekturen.
Jan Wiesenberger, Vorstand des FZI Forschungszentrum Informatik und Mitglied der Expertengruppe Digitale Souveränität, betont die Bedeutung überprüfbarer Technologien. Anstelle intransparenter Systeme setze das Manifest auf vertrauenswürdige Lösungen, Open Source und offene Standards. Damit sollen digitale Anwendungen nachvollziehbar bleiben und Abhängigkeiten von einzelnen Anbietern reduziert werden.
Weitere Projekte geplant
Das Manifest versteht sich als Ausgangspunkt für die weitere Zusammenarbeit am Standort. Ziel ist es, Karlsruhe zu einem praxisorientierten Entwicklungsraum für Digitale Souveränität zu machen, in dem Forschungsergebnisse in konkrete Anwendungen, Dienstleistungen und Geschäftsmodelle überführt werden.
In den kommenden Monaten sollen dazu neue Kooperationen, Projekte und Veranstaltungen entstehen. Die Initiative karlsruhe.digital will hierfür die bestehenden Netzwerke zwischen Hochschulen, Forschungseinrichtungen, Unternehmen, Start-ups, Verwaltung und Kultur nutzen.
Weitere Informationen und das Manifest sind unter souveraen.karlsruhe.digital abrufbar.
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