Kreis TraunsteinSouverän dank Open Source

Der Kreis Traunstein verfolgt eine politisch klar verankerte Open-Source-Strategie.
(Bildquelle: Wall Art Galerie/stock.adobe.com)
Die digitale Transformation kommunaler Verwaltungen wird zunehmend von einer zentralen Frage begleitet: Wie lässt sich die eigene Handlungsfähigkeit langfristig sichern, wenn die wesentlichen IT-Systeme von nur wenigen internationalen Anbietern dominiert werden? Steigende Lizenzkosten, technologische Abhängigkeiten und geopolitische Unsicherheiten füttern diese Überlegungen. Sie zeigen, dass die digitale Souveränität kein abstraktes Zukunftsthema mehr ist. Der Landkreis Traunstein hat sich daher bewusst für eine strategische Neuausrichtung seiner IT entschieden – mit Open-Source-Software als zentralem Baustein.
Wie viele Kommunen nutzte auch das Landratsamt Traunstein bislang überwiegend proprietäre Softwarelösungen der großen internationalen Anbieter. Diese Strukturen führten zu steigenden Kosten und wachsenden Abhängigkeiten etwa durch Lizenzmodelle, Produktabkündigungen oder die zunehmende Verlagerung in proprietäre Cloud-Ökosysteme. Mit der digitalen Souveränität ändert sich das.
Digitale Souveränität bedeutet für den bayerischen Landkreis, die Kontrolle über wesentliche IT-Systeme, Daten und Prozesse zu behalten sowie technologische Entscheidungen unabhängig von einzelnen Herstellern treffen zu können. Open-Source-Software ist dabei kein Selbstzweck, sondern ein Instrument, um Transparenz, Anpassungsfähigkeit und langfristige Wirtschaftlichkeit sicherzustellen.
Umstieg ist mehr als ein IT-Projekt
Vor diesem Hintergrund hat der Landkreis die eigene IT-Strategie grundlegend überprüft – und fährt damit einen Kurs, den die Entwicklungen auf Bundes- und Landesebene unterstützen. Mit der Gründung des Zentrums für Digitale Souveränität der Öffentlichen Verwaltung (ZenDiS) und der Bereitstellung des Open-Source-Arbeitsplatzes openDesk wurden beispielsweise wichtige Grundlagen für souveräne IT-Lösungen im Public Sector geschaffen. Auch gesetzliche Rahmenwerke wie das OZG-Änderungsgesetz und das Bayerische Digitalgesetz setzen klare Impulse zugunsten offener Standards und quelloffener Software.
Ein zentraler Erfolgsfaktor im Kreis Traunstein ist die klare politische Verankerung der Open-Source-Strategie. Sie wurde unter Verantwortung des CIO erarbeitet und im November 2025 vom Kreisausschuss einstimmig beschlossen. Damit ist die digitale Souveränität nicht allein ein IT-Projekt, sondern ein strategisches Ziel des gesamten Landkreises.
Der Umstieg auf Open Source erfolgt bewusst schrittweise. Das Ziel besteht darin, Risiken zu minimieren, Erfahrungen zu sammeln und die Mitarbeiter frühzeitig einzubinden. Der Fahrplan sieht dafür mehrere Etappen vor. Dazu zählen die Stabilisierung und Absicherung der Infrastruktur, der Aufbau souveräner Plattformen, die Neuausrichtung des IT-Arbeitsplatzes – unter anderem mit der Einführung und Evaluation von openDesk – sowie die Prüfung alternativer Betriebssysteme und Endgeräte. Auch Standardsoftware wird im Kreis Traunstein konsequent auf Open-Source-Lösungen umgestellt.
Kontrolle über Daten und Prozesse behalten
Digitale Souveränität bedeutet allerdings nicht den vollständigen Verzicht auf Cloud-Technologien. Ausschlaggebend ist die Unterscheidung zwischen proprietären Hyperscaler-Angeboten und souveränen, europäischen oder nationalen Cloud- und Rechenzentrumsstrukturen. Fachverfahren sollen dort gebündelt werden, wo dies sicher, rechtlich sauber und wirtschaftlich sinnvoll ist – ohne die Kontrolle über Daten und Prozesse aus der Hand geben zu müssen.
Der strategische Wandel macht begleitende Maßnahmen erforderlich. Technische Infrastrukturen müssen ausgebaut, Mitarbeitende geschult und qualifiziert, Prozesse und die enge Zusammenarbeit mit spezialisierten Dienstleistern und anderen Kommunen angepasst werden. Herausforderungen bestehen insbesondere in der technischen Integration, der Akzeptanz neuer Lösungen und der Sicherstellung von Support- und Wartungsstrukturen.
Die Erfahrungen im Landkreis Traunstein zeigen: Digitale Souveränität ist kein ideologisches Projekt, sondern eine strategische Notwendigkeit. Kommunen, die heute beginnen, ihre IT bewusst neu auszurichten, sichern sich langfristig technische, finanzielle und organisatorische Handlungsspielräume. Open-Source-Software ist dabei ein zentraler Hebel, um die digitale Zukunft der öffentlichen Verwaltung aktiv und selbstbestimmt gestalten zu können.
München: Score für Digitale Souveränität
[09.02.2026] Ein eigens entwickelter Score für Digitale Souveränität zeigt künftig den Unabhängigkeitsgrad der IT-Systeme der Landeshauptstadt München an. Erarbeitet haben ihn das Münchner IT-Referat und die Technische Universität München (TUM). mehr...
Disy / mgm: Partner für souveräne Enterprise-Anwendungen
[09.02.2026] Die Integration der Software disy Cadenza in die Low-Code-Plattform A12 von Anbieter mgm technology partners ermöglicht Unternehmen und öffentlichen Organisationen künftig einen durchgängigen Workflow von der Fachanwendung über die Datenaufbereitung bis hin zur Analyse und Visualisierung. mehr...
Digitale Souveränität: Europas attraktive Alternativen
[22.01.2026] Dataport-Vorstandsvorsitzender Johann Bizer mahnt schon lange, dass digitale Souveränität für öffentliche Verwaltungen ein zentrales Thema ist. Im Gespräch mit Kommune21 erklärt er, warum geopolitische Entwicklungen die Debatte radikal verändert haben. mehr...
Next:Public: Studie belegt deutliche Souveränitätslücken
[17.12.2025] Die öffentliche Verwaltung aller Ebenen ist stark von außereuropäischen IT-Anbietern abhängig. Eine neue Studie unterfüttert diesen Befund erstmals mit konkreten Zahlen. Vor allem bei Standardsoftware zeigt sich ein struktureller Lock-in. Die Umstellung von On-Premise-Systemen auf Cloud-Dienste könnte ein möglicher Ausweg sein. mehr...
ÖFIT: Selbsttest zur digitalen Souveränität
[02.12.2025] Der Begriff der digitalen Souveränität ist in aller Munde – aber was bedeutet er konkret? Das ÖFIT bietet einen Selbsttest, mit dem vor allem mittlere bis große Organisationen ihre eigene digitale Souveränität in verschiedenen Bereichen prüfen und auf dieser Grundlage gezielt stärken können. mehr...
Open-Source-Software: Potenziale heben
[27.11.2025] Große Tech-Unternehmen bestimmen den deutschen Digitalmarkt – auch in der Verwaltung. Dadurch sind Abhängigkeiten entstanden, aus denen sich die öffentliche Hand schrittweise lösen muss. Dies betrifft auch Kommunen. Das ZenDiS unterstützt bei der Umsetzung. mehr...
Digitale Souveränität: Balance entscheidend
[10.11.2025] Die Stadt München nähert sich dem Ziel der digitalen Souveränität, indem sie Infrastruktur, Software, Daten und Menschen in den Blick nimmt. Entscheidend sind auch Kooperation statt Inseldenken und das Ermöglichen der digitalen Teilhabe. mehr...
Open Source Wettbewerb 2025: Die Gewinner stehen fest
[21.10.2025] Unter dem Motto „Moderne Verwaltung. Innovation. Digitale Souveränität“ hat die Open Source Business Alliance erstmalig herausragende Open-Source-Projekte in Bund, Ländern und Kommunen ausgezeichnet. Zu den Preisträgern zählen das BMJ, das BMDS sowie Civitas Connect mit der Plattform CIVITAS/CORE. mehr...
Interview: Niemand ist unersetzlich
[08.10.2025] „Digitale Souveränität ist bereits heute gelebte Realität“, sagt Markus Noga. Kommune21 sprach mit dem Chief Technology Officer von IONOS auf der Smart Country Convention über das dominierende Thema der Messe. mehr...
Bundesagentur für Arbeit: Pilot in der Delos Cloud
[18.09.2025] Die Bundesagentur für Arbeit möchte prüfen, ob die Delos Cloud ihre IT-Landschaft modernisieren kann und zugleich die Sicherheits- und Datenschutzanforderungen erfüllt. In einem strukturierten Projekt werden die Leistungsfähigkeit, die Wirtschaftlichkeit sowie rechtliche Fragen der Plattform getestet. mehr...
Whitepaper: Souveränitäts-Washing bei Clouddiensten
[02.09.2025] Ist eine Cloud souverän, nur weil die Server in Europa stehen? Auf diese Frage geht ein neues Whitepaper des Zentrums für Digitale Souveränität (ZenDiS) ein. Es erklärt die Problematik des sogenannten Souveränitäts-Washing und gibt Kriterien für tatsächlich souveräne Lösungen an die Hand. mehr...
OSBA/ZenDIS: Open-Source-Wettbewerb sucht Publikumsliebling
[02.09.2025] Wie kann Open Source die Verwaltung effizienter machen? Ein neuer Wettbewerb unter dem Motto „Moderne Verwaltung. Innovation. Digitale Souveränität“ sucht die besten Lösungen. Im Oktober soll auch ein Publikumspreis verliehen werden. Das öffentliche Voting startet jetzt. mehr...
Digitale Souveränität: Volle Kontrolle
[12.08.2025] Digitale Souveränität ist derzeit eines der meistdiskutierten Themen im Bereich der öffentlichen IT. Kommune21 hat mit Peter Ganten von Univention über die Illusion von Souveränität, Open Source und die tatsächliche Kontrolle über IT-Systeme gesprochen. mehr...
Cloud-Lösungen: Vollständige Kontrolle ist eine Illusion
[09.07.2025] Für Behörden und regulierte Branchen gewinnen souveräne Cloud-Lösungen an Bedeutung. Doch was genau bedeutet Souveränität in der Cloud? Jochen Malinowski von Accenture gab auf einer Presseveranstaltung einen Überblick über verschiedene Ansätze – von der Public Cloud mit Einschränkungen bis hin zu vollständig isolierten Rechenzentren. mehr...





















