Dienstag, 14. Juli 2026

BerlinHürden beim Open-Source-Umstieg

[13.10.2025] In der Berliner Verwaltung läuft bislang nur ein gutes Fünftel der eingesetzten Fachverfahren auf Open Source. Fehlende Zentralisierung und eine Windows-Bindung der einzelnen Lösungen bremsen auf dem Weg zu mehr digitaler Souveränität. Der Umsteig erfolgt schrittweise.

In Berlin ist der Weg zu einer digital souveränen Verwaltung noch weit - doch wichtige Weichen sind gestellt.

(Bildquelle: artinspiring/123rf.com)

Unabhängigkeit von einzelnen Herstellern, Datensouveränität und Kosteneffizienz – gute Argumente für den Einsatz von Open Source in der öffentlichen Verwaltung gibt es viele. Dennoch geht die Umstellung beispielsweise in der Berliner Verwaltung nur schleppend voran. Es fehlt an zentralisierten IT-Strukturen und offensichtlich auch an Überblick über den Status quo. Das legt eine Meldung von Jan Lehmann, Mitglied des Abgeordnetenhauses von Berlin und Sprecher für Digitalisierung und Datenschutz, Verfassungsschutz und Recht, zumindest nahe. Demnach ist lediglich ein knappes Viertel (23 Prozent) der in Berlin verwendeten IT-Fachverfahren momentan Open Source. „Damit ist der Weg zu einer quelloffenen und damit digitalen souveränen Verwaltung noch weit. Doch mit webbasierten Fachverfahren, der Zentralisierung durch den BerlinPC (wir berichteten) und dem Vorschreiben von offenen Standards stellen wir wichtige Weichen, um diesen Weg dennoch möglich zu machen“, so Lehmann. Einen genauen Überblick, in welchen Fachverfahren Microsoft Office direkt verwendet wird, etwa durch den Einsatz der Textverarbeitungslösung Word, hat der Senat nicht. Klar ist nur, dass aufgrund der IT-Sicherheit in einigen sensiblen Bereichen Fachverfahren nicht auf Microsoft Office setzen dürfen. Der Senat prüft derzeit, ob künftig freie Standards vorgeschrieben werden sollten. Damit wäre ein späterer Umstieg auf Open Source stückweise möglich.

Gute Argumente für Open Source

„In Europa oder sogar direkt in Berlin entwickelte Open-Source-Lösungen sind ein wichtiger Baustein für die digitale Souveränität. In einer immer unsicherer werdenden Welt können wir uns nicht erlauben, von amerikanischen Monopolisten abhängig zu sein“, betont Lehmann. Zwar würden Datenschutzbedenken durch die Aufnahme von Firmen in den EU-US-Datenschutz-Rahmen – das EU-US-Privacy-Framework – pauschal ausgeräumt. Für quelloffene Software spräche aber auch, dass deren Einsatz wirtschaftlich sinnvoll ist. Da die enge Abhängigkeit von einem bestimmten Hersteller und dessen Software entfalle, sei es möglich, umbruchfrei auf das jeweils beste Angebot umzusteigen. In den aktuell gelten Vorgaben für die IKT-Architektur des Landes Berlin (Version 1.95) ist bereits vorgeschrieben, dass alle neuen Fachverfahren im Browser HTML5-konform laufen sollen – also unabhängig vom verwendeten Betriebssystem. Dies ist bereits heute bei knapp der Hälfte (48,2 Prozent) der verwendeten Fachverfahren der Fall.

Ohne Zentralisierung kein Umstieg

Der Umstieg auf quelloffene Software wird nicht von heute auf morgen stattfinden, sondern größtenteils stückweise. Auch für große Schritte, wie der Wechsel auf offene Betriebssysteme, müssen zuerst die Weichen gestellt werden. Die wichtigste davon ist die IKT-Zentralisierung: Wenn einmal alle Computer in der Berliner Verwaltung einheitlich und standardisiert vom ITDZ verwaltet werden, lässt sich auch ein kompletter Umstieg auf freie Softwarelösungen vorbereiten. Dies muss nur einmal mit dem BerlinPC eingerichtet werden und kann anschließend überall in der Verwaltung eingesetzt werden, erläutert Digitalisierungssprecher Lehmann.

Technologischen Lock-in überwinden

Die von der Verwaltung genutzten Fachverfahren sind eine entscheidende Hürde auf dem Weg zur Unabhängigkeit von Microsoft Windows – sie sind häufig ausschließlich auf Windows-Betriebssysteme ausgelegt. Auch beim Wechsel zur jeweils aktuellen Windows-Version ist die Kompatibilität immer wieder ein Problem. „Bei jedem Einsatz einer neuen Software muss geprüft werden, ob es eine quelloffene Alternative gibt. So werden wir diese mehr und mehr einsetzen und Fachverfahren zukünftig nur noch webbasiert entwickeln. Nach und nach müssen wir auch die alten Fachverfahren entsprechend weiterentwickeln.“





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