Mittwoch, 14. Januar 2026

EUDI-WalletPilot Dresden

[14.01.2026] Die Stadt Dresden fungiert als Pilot für die EUDI-Wallet. Ziel ist es, die technische Umsetzbarkeit zu testen, Übertragbarkeit und Skalierbarkeit zu prüfen sowie eine fundierte Blaupause für weitere Anwendungen und andere Kommunen zu entwickeln.
Mehrere jüngere Personen sind in einem Besprechungsraum mit einer Projektarbeit befasst.

Dresden bezieht die zukünftigen Nutzer der EUDI-Wallet mittels Workshops in das Pilotprojekt mit ein.

(Bildquelle: EB IT Dresden)

Digitale Identitäten einfach und sicher nutzen – mit der EUDI-Wallet soll dieser Anspruch ab Ende 2026 europaweit Realität werden. Die neue digitale Brieftasche soll es Bürgerinnen und Bürgern ermöglichen, Ausweisdokumente wie Personalausweis oder Führerschein sicher auf dem Smartphone zu hinterlegen und bei Bedarf unmittelbar nachzuweisen. Schrittweise sollen zudem unter anderem weitere Verwaltungsleistungen sowie Angebote aus der Privatwirtschaft integriert werden. Für Nutzende und Verwaltungen werden so hoffentlich erhebliche Vereinfachungen und Effizienzgewinne entstehen.

Die EUDI-Wallet bildet das Herzstück der eIDAS-Verordnung 2.0. Ihr Ziel: einen vertrauenswürdigen, interoperablen Rahmen für digitale Identitäten in Europa zu schaffen. Ob beim Reisen, bei der Konto­eröffnung, beim Arbeitgeberwechsel oder in der medizinischen Versorgung – die Wallet soll künftig viele Prozesse reibungsloser, schneller und sicherer machen.

Damit die kommunalen Bürgerservices in Deutschland frühzeitig eingebunden werden können, braucht es Erprobungsräume und praktische Erfahrungen. Genau hier setzt die Stadt Dresden mit ihrer Expertise im Bereich digitaler Identitäten an. Der Eigenbetrieb IT-Dienstleistungen hat in den vergangenen Jahren viele Erfahrungen im Bereich der digitalen Identitäten gesammelt.

Dresden erprobt die Anbindung

Auf dieser Grundlage übernimmt Sachsens Landeshauptstadt die Rolle einer deutschen Pilotkommune für die Anbindung kommunaler Leistungen an die EUDI-Wallet. Ein gemeinsam vereinbarter Letter of Intent zwischen der Landeshauptstadt Dresden, der Sächsischen Staatskanzlei (SK) und dem Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung (BMDS) bildet den Rahmen für die Erprobung. Seit September 2025 bereitet sich Dresden damit offiziell auf die Integration erster Verwaltungsleistungen in die Wallet vor.

Im Mittelpunkt der Erprobung steht das Ziel, die technologischen Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass die EUDI-Wallet sowohl zur Identifizierung und Authentifizierung bei Verwaltungsdiensten als auch zur digitalen Ausgabe von Verwaltungsnachweisen genutzt werden kann. Konkret bedeutet das: Bürgerinnen und Bürger sollen sich ab Ende 2026 beispielsweise im Bürgeramt mit ihrer Wallet ausweisen können. Ebenso sollen ausgewählte Nachweise direkt in die Wallet ausgestellt und dort sicher verwaltet werden.

Diese Anforderungen werden im Pilotprojekt anhand zweier Referenz-Use-Cases exemplarisch umgesetzt: der Anbindung des Dresden-Passes und der Sächsischen Ehrenamtskarte an die EUDI-Wallet. Sie bilden ein erstes, klar abgegrenztes Anwendungsszenario und schaffen damit eine solide Grundlage, um künftig auch komplexere Verwaltungsleistungen in die Wallet zu integrieren. Ziel des Piloten ist es, die technische Umsetzbarkeit zu testen, Übertragbarkeit und Skalierbarkeit zu prüfen sowie eine fundierte Blaupause für weitere Anwendungen und andere Kommunen zu entwickeln.

Workshop mit Jugendlichen

Ein weiteres zentrales Projekt in Dresden, das die Einführung der EUDI-Wallet begleitet, ist das Co-Creation Lab. Hier wird die Entwicklung digitaler Bürgerservices konsequent gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern – in diesem Projekt ausschließlich mit jungen Menschen – gedacht. In Workshops erarbeiten sie Grundlagenwissen zu digitalen Identitäten, diskutieren Anwendungsszenarien und entwerfen Zukunftsbilder für digitale Services. Gleichzeitig werden sie für Themen wie Datensicherheit, Privatsphäre und Vertrauensdienste sensibilisiert.

Die Workshops finden seit September 2025 im Stadtforum Dresden statt und werden von der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Dresden sowie der Stadt Dresden (EB IT) gemeinsam durchgeführt. Gefördert wird das Projekt vom Freistaat Sachsen.

In den Workshops kommen verschiedene Methoden zum Einsatz, um strukturiert die Nutzerbedarfe in den Mittelpunkt zu stellen und kreative Lösungsprozesse zu ermöglichen. Die Jugendlichen arbeiten in Teams unter anderem mit der Methode Design Thinking, analysieren Nutzungssituationen, entwickeln Ideen und skizzieren erste Prototypen, die auf ihren persönlichen Bedarfen und Erfahrungen basieren.

Dabei entstanden bereits ganz praktische, aber auch innovative Ansätze zur künftigen Nutzung der EUDI-Wallet – von alltagstauglichen Verwaltungsanwendungen über neue Funktionen wie intelligente Erinnerungen oder adaptive Sicherheitsmechanismen bis hin zu visionären Szenarien einer inklusiven, digital unterstützten Stadtgesellschaft.

Anforderungen werden ersichtlich

In einem zweiten Workshop-Teil testen die Teilnehmenden einen Wallet-Demonstrator, der einen ersten Einblick gibt, wie ein Ausschnitt einer künftigen EUDI-Wallet aussehen kann. Hierbei profitieren Technologiepartner vom Nutzenden-Feedback, aber auch die Nutzenden von einem Einblick in die Prototyp-Weiterentwicklung und das Sicherheitsökosystem, das hinter der künftigen EUDI-Wallet steckt.

Wertvoll für die Stadt Dresden sind aber auch die erarbeiteten Anforderungen der Teilnehmenden an die Art und Ausgestaltung digitaler Verwaltungsprozesse im Allgemeinen. Neben dem Abschaffen von Medienbrüchen und einer klaren und einfachen Benutzerführung war einem Großteil der jungen Menschen ein modernes und ansprechendes Design sehr wichtig. Die Datensicherheit spielte bei vielen Teilnehmenden ebenfalls eine große Rolle.

Besonders erfreulich ist die Offenheit und Kreativität der Workshop-Teilnehmenden. Die durchweg hohe Motivation in den Workshops ist ein wertvolles Feedback für die Projektleitenden, da sie zeigt, dass echte Beteiligung und echtes Interesse im Sinne einer Weiterverwertung der Ergebnisse sehr wertgeschätzt werden. Die Sessions wurden von den jungen Menschen durchweg positiv bewertet und zeigen, wie wichtig es ist, Nutzerinnen und Nutzer frühzeitig einzubeziehen.

Impulse werden aufgegriffen

Die Impulse aus dem Co-Creation Lab fließen nun direkt in die laufenden Digitalisierungsprojekte der Stadt Dresden ein. So entsteht ein wertvoller Austausch zwischen Verwaltung, Forschung, Wirtschaft und zukünftigen Nutzenden. Per­spektivisch sollen die Zielgruppen in einem Nachfolgeprojekt erweitert werden, um so ein breit aufgestelltes Bild der Bedarfe und Feedbacks zu Digitalisierungs­projekten zu erhalten.

Mit dem Pilotprojekt zur Einbindung kommunaler Leistungen in die EUDI-Wallet und dem begleitenden Co-Creation Lab setzt Dresden wichtige Akzente auf dem Weg zu modernen, bürgernahen und sicheren digitalen Services. Die gewonnenen Erkenntnisse werden nicht nur den lokalen Bürgerservice verbessern, sondern auch vielen weiteren Kommunen als Orientierung für die künftige Umsetzung dienen.

Katja Schiffner ist Koordinatorin des InnoLab bei der Stadt Dresden.




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