Bitkom-UmfrageMehrheit der Lehrkräfte nutzt KI

Künstliche Intelligenz gehört für viele Lehrkräfte inzwischen zum Schulalltag.
(Bildquelle: Bitkom)
Die Lehrkräften an deutschen Schulen setzen zunehmen Künstliche Intelligenz (KI) ein. 58 Prozent nutzen entsprechende Anwendungen für schulische Zwecke. Im Jahr 2024 waren es 51 Prozent. Das geht aus einer repräsentativen Befragung von 501 Lehrerinnen und Lehrern der Sekundarstufen I und II hervor, die im Auftrag des Digitalverbands Bitkom durchgeführt wurde. Sechs Prozent der Befragten verwenden KI täglich, 24 Prozent mindestens einmal pro Woche und 28 Prozent seltener. Weitere 18 Prozent haben bislang keine KI eingesetzt, können sich dies künftig aber vorstellen. Für 19 Prozent kommt eine Nutzung nicht infrage.
Den Umgang mit KI erklären
Am häufigsten setzen Lehrkräfte KI ein, um Schülerinnen und Schülern den Umgang mit der Technologie zu vermitteln. 44 Prozent nennen diesen Anwendungsfall. 43 Prozent nutzen KI zur Wissensvermittlung im Unterricht. Zur Unterrichtsvorbereitung greifen 26 Prozent darauf zurück, 23 Prozent erstellen damit individualisierte Unterrichtsmaterialien. 20 Prozent nutzen KI zur Kontrolle von Aufgaben und Prüfungen, 15 Prozent zur Vorbereitung von Prüfungen, Tests oder Klassenarbeiten.
Insgesamt bewerten die Befragten die Technologie überwiegend positiv. 66 Prozent sehen KI als Chance für die schulische Bildung, 29 Prozent überwiegend oder eher als Risiko. 89 Prozent sind der Ansicht, dass jede Schülerin und jeder Schüler lernen sollte, KI zu nutzen. Gleichzeitig sagen 42 Prozent, der Einsatz könne zur Verdummung von Schülerinnen und Schülern führen.
„Es geht nicht mehr darum, ob in Schulen KI eingesetzt wird, es geht um das Wie“, sagt Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst. „Richtig eingesetzt, kann KI das Lernen und den Schulalltag verbessern. Sie darf aber das eigenständige Denken nicht ersetzen. Schulen müssen deshalb Chancen, Grenzen und einen verantwortungsvollen Umgang mit KI vermitteln. KI-Kompetenzen gehören fest in die Lehrpläne.“
Unsicherheit bei Lehrkräften
32 Prozent der Lehrerinnen und Lehrer geben an, dass KI ihren Arbeitsalltag bereits erleichtert. Gleichzeitig fühlen sich 58 Prozent im Umgang mit der Technologie noch unsicher. Auch beim Zugang zu den Anwendungen bestehen Unterschiede. 46 Prozent der Lehrkräfte erhalten von ihrer Schule eine KI-Lizenz oder einen KI-Account. Insgesamt 26 Prozent nutzen auch oder ausschließlich private KI-Accounts für schulische Zwecke.
Wintergerst fordert deshalb einen gemeinsamen KI-Aktionsplan der Länder mit einer Liste geprüfter Anwendungen. Zudem schlägt Bitkom ein jährliches KI-Budget von 15 Euro je Schülerin und Schüler vor. Damit sollten Schulen nach Vorstellung des Verbands Anwendungen und Weiterbildungen finanzieren können.
Große Unterschiede bei der Ausstattung
Die Voraussetzungen für den Einsatz von KI und anderen digitalen Technologien unterscheiden sich laut Umfrage deutlich. 48 Prozent der Lehrkräfte bewerten die technische Ausstattung und Infrastruktur ihrer Schule als eher oder sehr gut. 49 Prozent beurteilen sie als eher oder sehr schlecht. Besser fällt die Einschätzung bei digitalen Bildungsmedien aus. 61 Prozent bewerten deren Verfügbarkeit und Einsatz positiv, 35 Prozent negativ. Die digitalen Kompetenzen der Lehrkräfte an ihrer Schule halten 58 Prozent für eher oder sehr gut. 39 Prozent schätzen sie als eher oder sehr schlecht ein.
Im Schuljahr 2025/2026 hat sich rund die Hälfte der Befragten zu digitalen Technologien und Medien fortgebildet. 51 Prozent nahmen nach eigenen Angaben an entsprechenden Weiterbildungen teil. Weitere 43 Prozent hatten dies bereits zuvor getan. 78 Prozent sprechen sich dafür aus, regelmäßige Fortbildungen zu digitalen Themen und Methoden verpflichtend zu machen.
Belastung nimmt zu
Die Digitalisierung findet der Umfrage zufolge in einem zunehmend belasteten Schulsystem statt. 82 Prozent der Lehrkräfte nennen ihre eigene Überlastung als eines der dringendsten Probleme. 2024 waren es 74 Prozent. 68 Prozent verweisen auf überfüllte Klassen und 64 Prozent auf ein stark unterschiedliches Leistungs- oder Sprachniveau der Schülerinnen und Schüler.
Auch der Umgang mit digitalen Technologien schafft Probleme. 83 Prozent nennen eine übermäßige Smartphone-Nutzung der Schülerinnen und Schüler. 44 Prozent kritisieren eine fehlende Digitalisierungsstrategie. 40 Prozent bemängeln schlechtes oder fehlendes WLAN, gegenüber 48 Prozent im Jahr 2024. 38 Prozent sehen die technische Ausstattung insgesamt als Problem.
Gleichzeitig berichten die Befragten von positiven Effekten digitaler Technologien. 80 Prozent beobachten eine höhere Motivation der Schülerinnen und Schüler. 64 Prozent können nach eigenen Angaben individueller auf die Lernenden eingehen, 63 Prozent sehen positive Auswirkungen auf die Kreativität. 67 Prozent sagen, digitale Technologien erleichterten die Unterrichtsvorbereitung.
Insgesamt sehen 95 Prozent der Lehrkräfte die Digitalisierung als Chance für die Bildung in Deutschland. 2024 waren es 88 Prozent.
Deutschlands Schulen hinken bei der Digitalisierung hinterher
Kritisch beurteilen viele Befragte die politischen Rahmenbedingungen. 83 Prozent sind der Ansicht, dass Deutschlands Schulen bei der Digitalisierung im internationalen Vergleich hinterherhinken. 80 Prozent sehen die Schulen bei der digitalen Bildung nicht ausreichend von der Politik unterstützt. 52 Prozent geben an, dass die Digitalisierung an ihrer Schule häufig vom Engagement einzelner Lehrkräfte abhänge. Bei 33 Prozent scheitert der Einsatz digitaler Werkzeuge nach eigenen Angaben häufig an fehlenden finanziellen Mitteln.
Der Verband Bitkom fordert vor diesem Hintergrund eine schnelle Umsetzung des Digitalpakts 2.0 sowie ein dauerhaftes Finanzierungsmodell von Bund, Ländern und Kommunen für die Digitalisierung der Schulen.
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