Freitag, 6. Februar 2026

Smart CityHerzstück digitaler Infrastruktur

[28.03.2019] Eine Plattform für Smart Cities haben SAP und Software AG gestartet. Welche Vorteile diese bietet und welche Faktoren auf dem Weg zur intelligenten Stadt zielführend sind, erläutern die Smart-City-Experten der beiden Software-Häuser gegenüber Kommune21.
Software AG und SAP realisieren Smart-City-Plattform.

Software AG und SAP realisieren Smart-City-Plattform.

Werner Rieche, Regional President DACH der Software AG, und Susanne Diehm, Leiterin Public & Healthcare sowie Mitglied der Geschäftsleitung von SAP Deutschland

(Bildquelle: SAP)

SAP und Software AG haben auf der Smart Country Convention (20. bis 22. November 2018, Berlin) ihre Kooperation für den Aufbau einer offenen Smart-City-Plattform bekanntgegeben (wir berichteten). Mit ihr sollen Städte, Gemeinden und Landkreise individuelle Smart-City- und Smart-Country-Vorhaben eigenverantwortlich umsetzen und den Bürgern neue intelligente Services anbieten können. Die Plattform kann modular erweitert werden, wenn projektbezogen neue Anforderungen hinzukommen.
Die beiden größten Software-Häuser Deutschlands haben die Lösung eigenen Angaben zufolge in Anlehnung an die Normierungsinitiative DIN SPEC Offene Urbane Plattform 91357 der EU erstellt. Sie umfasse ein abgestimmtes Zusammenspiel von Komponenten aus den Bereichen Internet der Dinge (Internet of Things, IoT), Big Data und künstliche Intelligenz sowie eine Entwicklungsplattform für smarte Apps. Dabei integriere sie bestehende Dateninseln und sei offen für andere Lösungsanbieter – vom kommunalen Betrieb über den IT-Dienstleister bis hin zum Start-up.

Datenkontrolle und Kosteneffizienz

„Zusammen mit SAP werden wir eine zukunftsweisende digitale Plattform für die Kommunen in Deutschland aufbauen“, sagt Werner Rieche, Regional President DACH der Software AG. „Damit können Städte, Gemeinden und kommunale Betriebe den Weg zur vernetzten Verwaltung und zu neuen intelligenten Services gemeinschaftlich und souverän gestalten.“ Susanne Diehm, Leiterin Public & Healthcare sowie Mitglied der Geschäftsleitung von SAP Deutschland, ergänzt: „Smarte Länder und Städte können nur mithilfe einer smarten und offenen Plattform realisiert werden. Die gemeinsame Nutzung unserer Plattform soll allen Mitgliedern der kommunalen Familie ein hohes Maß an Datenkontrolle und Kosteneffizienz garantieren.“

Smarter Winterdienst

Nach Aussage von Susanne Diehm ist die Smart-City-Plattform der richtige Weg für Kommunen, um neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. Ein Beispiel dafür war als Showcase auf der Smart Country Convention zu sehen: der smarte Winterdienst. Dabei liefert ein Aufsatz für ein Fahrzeug im Winterdienst relevante Daten rund um den Streudienst über Sensoren in Echtzeit in die Cloud und stellt sie für eine weitere Verarbeitung auf der SAP-HANA-Plattform bereit. Dort werden sie analysiert und greifbar gemacht. So lassen sich die Route des Streufahrzeugs und die Streumengen optimieren. Die Software AG steuert hierfür verschiedene IoT-Services bei, etwa für das Geräte-Management, das Onboarding von Sensoren sowie die Datenübermittlung an die Plattform.

Ganz neue Anwendungsmöglichkeiten

Die Anwendungsmöglichkeiten der Smart-City-Plattform beschränken sich aber selbstverständlich nicht auf den Winterdienst. Wie die Smart-City-Experten Christopher Hönn (Software AG) und Bernd Simon (SAP) gegenüber Kommune21 erläutern, sind grundsätzlich alle Einsatzbereiche denkbar. Insbesondere unterstütze die Plattform die Integration und Auswertung der unterschiedlichsten Daten aus dem kommunalen Umfeld. Klassische Software-Anwendungen können das nach Angaben der Experten nicht leisten, da sie für ganz bestimmte Anwendungsfälle konzipiert sind, etwa die Ampelsteuerung im Stadtverkehr, und nur von bestimmten Organisationen, wie dem Verkehrsreferat, genutzt werden können. „Die Smart-City-Plattform vernetzt diese Einsatzbereiche und bietet somit ganz neue Anwendungsmöglichkeiten, wenn beispielsweise die Ampeln des Verkehrsreferats anhand der aktuellen Luftqualitätsdaten vom Umweltreferat gesteuert werden sollen.“ Da die Plattform offen und skalierbar sei, gebe es von technischer Seite keine Grenzen bei der Vernetzung der unterschiedlichsten kommunalen Daten und Anwendungen.

Neue Form der Kooperation

Im Kern sorgt die Smart City dafür, dass die verschiedenen Stake­holder besser miteinander arbeiten können, sind die Experten von SAP und Software AG überzeugt. Das gelte für Bürger und ortsansässige Unternehmen ebenso wie für die kommunale Verwaltung mit ihren Betrieben und Trägern. „Die digitale Plattform ist nicht der Zweck, aber sie fördert und fordert diese neue Form der Kooperation. So können neue Erkenntnisse in sehr viel kürzerer Zeit und besserer Qualität gewonnen werden.“ Wenn beispielsweise ein neues Konzept für den innerstädtischen Fahrradverkehr mit Radwegen, Verleihstationen, Entschärfung von Unfallschwerpunkten und tageszeit- sowie wetterbedingten Nutzungsschwankungen erarbeitet wird, dann sind daran mehrere Referate über viele Monate hinweg beteiligt. Mit einer Plattform hingegen lassen sich die unterschiedlichsten Datenquellen für komplexe Analysen und Planungsszenarien sofort nutzen, so die Experten.
„Zum anderen wird die Plattform Herzstück der zukünftigen kommunalen digitalen Infrastruktur, die – einmal implementiert – mit vergleichsweise geringen Kosten für neue Teilnehmer erweitert werden kann“, meinen Christopher Hönn und Bernd Simon. Je mehr der zahlreichen kommunalen Akteure die gemeinsame Plattform nutzen, desto effizienter und kostengünstiger werde sie. Das Internet of Things stecke noch in den Kinderschuhen. Immer mehr Sensoren und Aktoren werden in kommunale Fahrzeuge, Maschinen, Gebäude und Straßen eingebaut und erzeugen so eine neue digitale Infrastruktur. In diesem Zusammenhang sei es nach Angaben der Smart-City-Experten wünschenswert, die dafür notwendige IoT-Plattform nur einmal für alle Teilnehmer aufbauen zu müssen anstatt immer wieder neu für jeden einzelnen Teilnehmer.

Kultur des Ausprobierens

Als erfolgsentscheidend auf dem Weg zur Smart City bezeichnen Hönn und Simon klare Ziele, realistische Erwartungen aller Beteiligten und das Verständnis, dass es im Kern um die Menschen und eine sehr anspruchsvolle Organisationsveränderung geht und nicht um eine neue IT-Funktionalität. Die Kooperation zwischen den Kommunen, den Verwaltungsbereichen und den Betrieben müsse neu gestaltet werden. Das erfordere von der Verwaltung die Bereitschaft zur Veränderung sowie eine entsprechende finanzielle und personelle Ausstattung. Erfahrungsgemäß werde die Arbeit für die Beschäftigten nicht weniger. Sie verlagere sich auf neue Aufgabenbereiche. Der Wandel gelinge nur, wenn er von den Verantwortlichen hinreichend unterstützt und geführt wird. „Damit man nicht an diesem übergroßen Zielbild scheitert, braucht es eine Roadmap mit kleineren Schritten und konkreten Zwischenergebnissen, eine Kultur des Ausprobierens und des Lernens aus Fehlern – den eigenen ebenso wie denen von anderen –, Strategieanpassungen, wo notwendig, und einen langen Atem“, sind die Smart-City-Experten überzeugt.

Alexandra Braun


Stichwörter: Smart City,


Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Smart City
Gruppenfoto vor weißem Lieferwagen

Marpingen: Pilotprojekt für KI-gestütztes Straßenmanagement

[02.02.2026] In Marpingen werden Schäden an Straßen und Verkehrsschildern von kommunalen Fahrzeugen bei Alltagsfahrten per Smartphone erfasst. Eine KI-gestützte Open-Source-Lösung übernimmt die Aufbereitung der Daten. Bald soll die Lösung in 25 weiteren saarländischen Kommunen ausgerollt werden. mehr...

Richard Himes und Landrat Bär halten einen Taupunktsensor, der in einem Raum steht.
bericht

Kreis Hof: Werkzeug für Winterdienst

[29.01.2026] Taupunktsensoren unterstützen im Hofer Land den Winterdienst. Dabei agieren Kreis und angehörige Kommunen gemeinsam. Die Entscheidung über das Ausrücken, Streuen oder Räumen treffen trotz der umfassenden Daten weiterhin die Beschäftigten. mehr...

Drei Personen stehen nebeneinander in einem Raum und halten eine Urkunde und den Milesight Impact Award 2025 in den Händen.

Smart Waste Hürth: Weltweites Leuchtturmprojekt

[27.01.2026] In Hürth messen Ultraschallsensoren den Füllstand öffentlicher Abfallbehältnisse und senden diese Daten an eine Künstliche Intelligenz. Die ermittelt, wann die Müllwagen welche Route nehmen sollten, um die Behälter zu leeren. Jetzt ist Smart Waste Hürth als weltweit sichtbares Leuchtturmprojekt ausgezeichnet worden. mehr...

Zwei Screenshots aus er App Park Stark: links die Umkreissuche, rechts Anzeige aller freien bzw. belegten Parkplätze im Stadtgebiet von Mannheim.

Mannheim: Orientierung für barrierefreies Parken

[20.01.2026] In Mannheim steht eine neue, barrierefreie App für die Suche nach freien Schwerbehindertenparkplätzen zur Verfügung. Park-Stark nutzt Echtzeitdaten von über 250 Stellplätzen und zeigt Verfügbarkeit, Navigation und Alternativen direkt auf dem Smartphone an. mehr...

Blick auf eine Veranstaltungshalle. Im Hintergrund ist ein Messestand zu sehen, davor stehen zahlreiche kleinere Tische, an denen Personen zusammen sitzen.

Mönchengladbach: Fünfter Smart City Summit Niederrhein

[20.01.2026] Mönchengladbach lädt am 26. Februar zur fünften Auflage des Smart City Summit Niederrhein ein. Mit Vorträgen, Workshops und einem großen Ausstellungsbereich richtet er sich an ein Fachpublikum, das sich mit der digitalen Transformation von Kommunen beschäftigt. Dabei werden strategische Perspektiven mit anschaulichen Praxisbeispielen verknüpft. mehr...

Bürgermeister Michael Gerdhenrich hält die neue Broschüre in der Hand, im Hintergrund ist auf einem Bildschirm das Video zu BE smart zu sehen.

Beckum: BE smart

[09.01.2026] Konsequent treibt Beckum die Entwicklung zur Smart City voran. Beispielsweise bietet die Stadt mittlerweile ein digitales Bürgerbüro, eine Mängelmelder-App oder einen Kita-Navigator an. Einige ihrer Digitalisierungsprojekte stellt die Kommune nun in einer digitalen Broschüre und einem Kurzfilm vor. mehr...

Porträtaufnahme von Karola Voss.
interview

Serie Digitalstädte: KI wird uns weiterhelfen

[08.01.2026] Die Ahauser Bürgermeisterin Karola Voß will im Bereich Wissensmanagement noch stärker auf Künstliche Intelligenz setzen und dadurch Ressourcen schonen. mehr...

Blick auf das Hauser Rathaus, ein großzügiger Backsteinbau.
bericht

Serie Digitalstädte: Mit Super-App unterwegs

[07.01.2026] In einer losen Serie stellt Kommune21 Digitalstädte mit Vorbildcharakter vor. Den Anfang macht Ahaus: Die nordrhein-westfälische Stadt ist ein Reallabor für digitale Anwendungen – mit einer Super-App als Schlüssel. mehr...

Screenshot der Startseite von herzlich-digital.de.

Kaiserslautern: Geordnete Liquidation von KL.digital

[06.01.2026] Die Stadt Kaiserslautern bereitet die geordnete Liquidation der KL.digital GmbH zum 30. Juni 2026 vor. An diesem Tag endet der Förderzeitraum der Modellprojekte Smart Cities, auf der die finanzielle Grundlage von KL.digital vollständig beruht. Die Projekte und Ideen sollen aber nahtlos in die Stadtverwaltung übergehen und dort weiterentwickelt werden. mehr...

Ein Netzwerk bestehend aus leuchtenden Linien.

Göttingen: Ausbau des städtischen Messnetzes

[22.12.2025] Ein Sensoriknetzwerk liefert der Stadt Göttingen wichtige Informationen über Wasserstände, die Baumgesundheit und die lokale Klimaentwicklung. Das Netz soll in den kommenden Jahren ausgebaut werden. Die Daten sollen unter anderem in Forschung, Analysen und Planungsprozesse einfließen. mehr...

Skyline der Stadt Frankfurt am Main

Frankfurt am Main: Digital Ressourcen schonen

[15.12.2025] Die Stadt Frankfurt am Main hat drei weitere Digitalisierungsprojekte umgesetzt: den Aufbau eines digitalen Wassermanagements, die Einführung der automatisierten Straßenzustandserfassung sowie die Open Library. Alle drei Projekte tragen dazu bei, Ressourcen zu schonen und Kosten zu sparen. mehr...

Screenshot der digitalen Karte auf Mainziel.de, welche die Parkhäuser der Stadt anzeigt.

Frankfurt am Main: Informiert zum Parkhaus

[12.12.2025] Viele Parkhausbelegungen in Frankfurt am Main sind jetzt in Echtzeit online einsehbar. Die erfassten Daten können von Verkehrstelematikanbietern oder Radiosendern für eigene Angebote abgerufen werden. Auch an die Mobilithek des Bundes werden sie übertragen. mehr...

Blick über den beleuchteten Frankfurter Weihnachtsmarkt am Römer.

Frankfurt am Main: Echtzeitdaten zum Weihnachtsmarkt

[05.12.2025] Ein Pilotprojekt mit LiDAR (Light Detection and Ranging)-Sensoren führt die Stadt Frankfurt am Main während des Weihnachtsmarkts am Römer durch. Die Sensoren messen dort das aktuelle Besucheraufkommen mit Laserstrahlen, die erfassten Daten stehen auf der urbanen Datenplattform in Echtzeit zur Verfügung. mehr...

Ein Parkplatzschild steht am Eingang eines Freiluftparkplatzes.

Troisdorf: Smarter parken

[03.12.2025] Mit einer smarten Lösung bereitet Troisdorf der ineffizienten Parkraumbewirtschaftung ein Ende. Parksensoren erfassen jetzt die Belegung einzelner Stellplätze, die Bürgerinnen und Bürger werden darüber in Echtzeit per App informiert. mehr...

Das Scan-Fahrzeug zur Ahndung von Falschparkern steht auf einem Parkplatz in Mannheim.

Scan-Fahrzeug: Mannheim verlängert Testphase

[01.12.2025] Die in Mannheim durchgeführte Testphase eines Scan-Fahrzeugs zur Ahndung von Falschparkern wird verlängert. Während der Erprobung zeigte sich Nachbesserungsbedarf bei der Kartierung des Scan-Gebiets. Entsprechende Anpassungen wurden direkt vorgenommen. Wie sie sich auswirken, soll die verlängerte Testphase zeigen. mehr...