Dienstag, 3. März 2026

PortaleInstrumente neu stimmen

[18.05.2016] Stadtportale müssen sich verstärkt an den Wünschen der Bürger ausrichten, um im Informations- und Standortwettbewerb punkten zu können. Eine wichtige Rolle spielt die Wahl des passenden Content-Management-Systems.
Kommunale Web-Angebote vom Bürger her denken.

Kommunale Web-Angebote vom Bürger her denken.

(Bildquelle: PEAK Agentur für Kommunikation)

Alle Mittel der digitalen Kommunikation kommen beim Präsidentschaftswahlkampf in den USA zum Einsatz. Google testet Meinungs-Posts von Politikern in den Suchergebnissen, Minister streamen ihre Termine mithilfe der Video-App Periscope in das mobile Internet. Die Beispiele zeigen: In der politischen Online-Kommunikation weht ein frischer Wind. Gemäß dem Motto: „Der Wurm muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler“, stricken Ministerien, Behörden und Parteien ihre digitalen Angebote so um, wie sie sich der Nutzer wünscht. Auch die Kommunen müssen bei ihren Websites neue Wege beschreiten, um Aufmerksamkeit zu erhalten und so ihren Informations- und Serviceauftrag erfüllen zu können. Die Bürger wünschen sich im Internet eine Ansprache, die sie in ihrer Sprache und mit ihrem Wissen abholt. Deshalb sollten Verwaltungen ihre Online-Dienste konsequent aus der Perspektive der Bürger denken und nicht mit der Verwaltungsbrille konzipieren. Usability-Tests, Nutzerumfragen und Design Thinking sind ein guter Anfang für einen hohen Nutzerzuspruch der Online-Angebote und wirken sich mittelbar auf das positive Image einer Behörde aus. Im Mittelpunkt muss das Anliegen des Nutzers stehen: Wer auf der Suche nach Informationen ist, möchte diese ohne Umwege finden und in verständlicher Sprache serviert bekommen. Wer online eine Verwaltungsleistung in Anspruch nimmt, wünscht sich ein ansprechendes Anwendungsdesign und möchte den Verwaltungsakt vollständig elektronisch abwickeln. E-Government muss also so einfach und serviceorientiert wie Online-Banking sein, damit es dem Bürger nützt.

Den Bürger abholen

Längst geht es auch nicht mehr nur um den informativen Charakter einer Behörden-Website. Das Internet-Angebot muss einen echten Mehrwert bieten und in der Nutzung Spaß bereiten. Das gelingt am besten dann, wenn der Nutzer quasi zu einer Digital Journey eingeladen wird, die ihn auf allen digitalen Kanälen – der Website, Themenseiten, Apps und Social Media – begleitet und in klassische Medien- und Werbekanäle hineinwirkt. Laut der Studie eGovernment MONITOR 2015 sind mehr als 70 Prozent der Bürger die Online- und E-Government-Angebote ihrer Verwaltung nicht bekannt. Die sich stark veränderte Mediennutzung bietet eine große Chance, mit vergleichsweise geringem Aufwand die Bekanntheit der Angebote zu erhöhen. Die junge Generation bis zum Alter von 35 Jahren nutzt kaum noch lineares Fernsehen und Tageszeitungen als Informationsquelle. Sie konsumiert Nachrichten über Twitter- und Facebook-Newsfeeds auf dem Smartphone, abonniert Instagram- und WhatsApp-Kanäle interessanter Organisationen und lässt sich auf YouTube erklären, was wichtig ist. Folglich gilt es, durch eine integrierte multimediale Kommunikation und mobile Services die Bürger dort abzuholen, wo sie sich aufhalten: auf Social-Media-Plattformen, bei Web-Videodiensten und in Apps. Das in neuartigen Kanälen inszenierte Erlebnis darf aber nicht zur Enttäuschung werden, wenn der interessierte Besucher das Internet-Angebot der Verwaltung aufruft. Auch hier gibt es oft Modernisierungsbedarf: Moderne und reduzierte Botschaften in verständlicher Sprache halten den Nutzer länger auf der Seite. Komplizierte Inhalte lassen sich durch multimediale Themendossiers im modernen One-Pager-Format zu leicht verdaulichen Happen aufbereiten. Sehr gefragt sind auch direkte Beteiligungsmöglichkeiten wie Umfragen oder Dialogangebote, um zum Beispiel über kommunale Infrastruktur- oder Innovationsprojekte zu diskutieren. Wie das aussehen kann, zeigt etwa die Stadt Regensburg mit einer Online-Bürgerbeteiligung für Ideen gegen Lärmquellen. Die Ergebnisse fließen direkt in die Lärmaktionsplanung der Stadt ein.

Modern mit CMS

Achillesferse oder Wettbewerbsvorteil im standortpolitischen Marketing der Kommunen ist das Content-Management-System (CMS). Die Bandbreite der eingesetzten Lösungen ist groß. Für die konkrete Technologieauswahl sind jedoch das Budget und Personal ausschlaggebend, weniger die notwendigen CMS-Funktionen für eine bestmögliche Nutzererfahrung. So bieten selbstgehostete Websites auf Basis der Anwendungen WordPress, Drupal oder TYPO3 kleinen bis mittelgroßen Kommunen sehr gute Möglichkeiten, um sich plattformübergreifend modern zu präsentieren. Sobald eine Stadt aber transaktionale Verwaltungsdienste anbindet, die Online-Redaktion mit Workflows arbeitet, die IT-Abteilung hohe Anforderungen an die Datensicherheit setzt und Verfügbarkeiten von über 99,5 Prozent mit der damit verbundenen Ausfallsicherheit einfordert, steigen die Implementierungskosten in Open-Source-CMS massiv an. Gerade größere Städte setzen deshalb auf proprietäre Lösungen wie CoreMedia oder Sitecore, die sich zu Multimandantensystemen entfalten lassen. Die überbordende Komplexität eines einzelnen Stadtportals lässt sich so in zielgruppengenaue Websites für zum Beispiel Wirtschaftsförderung, Tourismus oder Online-Bürgerbeteiligung aufspalten. Die Nutzer werden hier mit auf sie zugespitzten Inhalten angesprochen, die sich dynamisch aus dem zentralen CMS speisen.

Zusammenspiel verschiedener Instrumente

Ein Content Repository liefert die von der Redaktion gepflegten Inhalte, gegebenenfalls ergänzt um Daten aus Drittsystemen, dynamisch an die Mandanten aus. Ein weiterer Vorteil eines CMS ist das plattformübergreifende Full Responsive Design, das einen großen Einfluss auf die User Experience hat. Auch die direkte Anbindung von E-Government-Diensten trübt das visuelle Nutzererlebnis nicht. Durch offene Schnittstellen lassen sich verschiedene Systeme und Datenbanken nahtlos einbinden. Selbst wenn das CMS das eingebettete Tool für die Online-Terminvergabe oder die Online-Gewerbeanmeldung präsentiert, merkt der Nutzer nichts vom komplexen Zusammenspiel im Hintergrund. Ganz im Gegenteil, er genießt eine einheitliche Oberfläche, die ihn schnell zum Ziel führt. Mit neuen Kanal- und Content-Strategien dockt die Verwaltungskommunikation am Alltag der Bürger an, setzt ihre Informationen pointiert und trägt zum standortpolitischen Marketing in den Kommunen bei. Die Behörden-Website von morgen ist dabei als Zusammenspiel verschiedener Instrumente der modernen, serviceorientierten Öffentlichkeitsarbeit und bürgernahen, dienstleistungsorientierten Verwaltung zu denken – und zwar vom Bedarf des Bürgers aus. Dabei werden die Verantwortlichen in Kreisen, Städten und Gemeinden verstärkt Kanal-, Redaktions- und Formatplanungen sowie Online-Marketing- und Social-Media-Strategien in ihre Tätigkeiten einbeziehen müssen, um im Informations- und Standortwettbewerb zu bestehen.

Katharina Epp leitet die Unit Konzept bei der Firma ]init[. Sie berät Städte wie Wolfsburg, Regensburg und Bremerhaven bei der Neuausrichtung ihrer Internet-Kommunikation.


Stichwörter: CMS | Portale,


Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: CMS | Portale
Screenshot der Rosengarten-App.

Rosengarten: App schafft digitale Nähe

[17.02.2026] Um Servicethemen und Meldungen noch direkter und unkomplizierter zu vermitteln, bietet die Gemeinde Rosengarten ab sofort eine City-App an. Die Kommune kann somit relevante Informationen in Echtzeit und gezielt verteilen. mehr...

Screenshot der Bernauer Plattform mit eingeblendeten Eye-Able-Einstellungen.

Bernau bei Berlin: Barrierearmes Online-Rathaus

[11.02.2026] In Bernau bei Berlin können die Bürgerinnen und Bürger über das Serviceportal Rathaus online bestimmte Verwaltungsdienste zeit- und ortsunabhängig digital in Anspruch nehmen. Der integrierte Eye-Able-Assistent erleichtert Menschen mit Einschränkungen den Zugang zur Plattform. mehr...

Screenshot der Startseite von Augsburg.de mit eingeblendetem Barrierefreiheit-Menü.

Augsburg: Informationen in Leichter Sprache

[11.02.2026] Die Augsburger Website kann nun in 15 Sprachen und zahlreiche Inhalte auch in Leichter Sprache ausgespielt werden. Die Plattform soll so barriereärmer werden. Das Angebot wird Schritt für Schritt erweitert. mehr...

Screenshot leben in Weimar

Weimar: Leben in der Stadt im Überblick

[06.02.2026] Die Stadt Weimar hat ihre Internetseiten rund um das Leben in der thüringischen Kommune überarbeitet und neu strukturiert. Statt eines komplexen Mixes aus Zuständigkeiten, Formularen und Verweisen stehen nun lebensnahe Themen im Mittelpunkt. mehr...

Mehrere Personen stehen vor einem Whiteboard mit einer Präsentation der Integriert-App versammelt, zwei davon drücken symbolisch den Startknopf des neuen Angebots.
bericht

Essen / Kaiserslautern / Würzburg: Integreat-App unterstützt Zugezogene

[03.02.2026] Um zugewanderten und geflüchteten Menschen das Ankommen in der Stadt zu erleichtern, greifen jetzt auch Essen und Würzburg auf die Integreat-App zurück. Kaiserslautern bietet die Open-Source-Anwendung bereits seit sechs Jahren an und stellt sie neuerdings in 13 Sprachen zur Verfügung. mehr...

Screenshot Serviceportal Kreis Wittenberg

Kreis Wittenberg: Service im Portal

[30.01.2026] Im Serviceportal der Kreisverwaltung Wittenberg können Dienstleistungen digital in Anspruch genommen werden. Das Online-Angebot wird kontinuierlich ausgebaut. Der Verwaltung ist aber auch der persönliche Kontakt wichtig. mehr...

Mock-up eines Monitors mit den Webinhalten

Krefeld: Update für die Stadt-Webseite

[28.01.2026] Krefeld.de startet mit neuem Design und klarer Struktur. Die Website bündelt Informationen, trennt Inhalte konsequent vom Serviceportal und ist mobil, barrierearm sowie suchmaschinenoptimiert aufgebaut. Ziel ist ein schneller Zugang zu städtischen Angeboten. mehr...

Ein Auto fährt durch eine überflutetet Straße

Kreis Viersen: Gute Kommunikation für Krisenzeiten

[21.01.2026] In Katastrophenszenarien ist es wichtig, Bürgerinnen und Bürger umgehend zu informieren. Cyber-Angriffe können die unmittelbare Kommunikationsfähigkeit von Behörden aber stark einschränken. Der Kreis Viersen hat deshalb eine Notfallseite konzipiert, die aktuelle Warnungen und Vorsorgetipps vereint. mehr...

Holger Dettmer präsentiert ein Smartphone, auf dessen Bildschirm die Goslar-App zu sehen ist.

Goslar: Alles in einer App

[12.01.2026] Nach erfolgreicher Testphase bietet Goslar den Bürgerinnen und Bürgern nun eine kostenfreie Stadt-App an. Sie vereint zahlreiche digitale Dienstleistungen der Verwaltung und Informationen rund um das Stadtleben. Erweiterungen sind bereits geplant. mehr...

Screenshot Startseite Augustdorf.de

Augustdorf: Frisches Design und neue Funktionen

[08.01.2026] Die Gemeinde Augustdorf hat ihren Internetauftritt überarbeitet und präsentiert sich online jetzt moderner, bürgernäher und funktionaler. mehr...

Person vor Computerbildschirm mit BauTheLänd-Homepage

Plattform: Bau the Länd

[04.12.2025] In Baden-Württemberg bietet die neue Wissensplattform „Bau the Länd“ Bauherren, Planern, Behördenmitarbeitern und interessierten Bürgern zentrale Informationen rund um das Bauen im Land und das Virtuelle Bauamt mehr...

Screenshot der Startseite von hannover.gov.de.

Hannover: Stadt und Region starten gov.de-Portale

[20.11.2025] Sowohl die Stadt als auch die Regionsverwaltung Hannover bieten ihre Serviceportale jetzt mit der Endung gov.de an. Die für deutsche Behörden und staatliche Institutionen reservierten Domain-Endungen sollen die Vertrauenswürdigkeit der Websites herausstellen. mehr...

Zwei Männer und zwei Frauen sitzen nebeneinander an einem rundlichen Tisch und unterzeichnen Unterlagen.

Rheinland-Pfalz: Vier Landkreise starten IKZ-Portal

[19.11.2025] Im Rahmen des Pilotprojekts Interkommunale Zusammenarbeit (IKZ) haben die Kreise Bernkastel-Wittlich, Cochem-Zell, Vulkaneifel sowie der Eifelkreis Bitburg-Prüm ein gemeinsames Portal eingerichtet, das die Verwaltungsdienstleistungen aller vier Landkreise, ihrer Verbandsgemeinden und Städte bündelt. mehr...

Auf einem Tablet ist die neue Website zur Grünen Entdeckerstadt Bendorf zu sehen, vor dem Tablet steht eine Tasse mit der Aufschrift Grüne Entdeckerstadt Bendorf.

Bendorf: Website zum Stadtentwicklungsprozess

[14.11.2025] Bendorf bündelt die Themen Klimakompetenz, Stadtentwicklung und Bürgerbeteiligung auf einer neuen Website zum Stadtentwicklungsprozess. Das Portal soll die Themen des Zukunftsprojekts nicht nur sichtbar machen, sondern auch verständlich vermitteln. Auch zeigt sie an, wie die Menschen vor Ort aktiv mitwirken können. mehr...

drei Endgeräte zeigen die Website Lippstadt im Advent

Portale: Lippstadt im Advent

[14.11.2025] Eine neue Website bündelt erstmals alle Adventsangebote in der nordrhein-westfälischen Stadt Lippstadt. Ein Adventskalender ist ebenfalls Teil des digitalen Angebots. mehr...