Mittwoch, 25. März 2026

Geodaten-ManagementKommunale Schatztruhen

[29.08.2013] Eine bundesweite Umfrage hat erstmals den Status quo des kommunalen Geo-Informationsmarktes erfasst. Die Studie zeigt: Für die Umsetzung der nationalen Geodaten-Infrastruktur und für INSPIRE sind die Geodatenschätze in den Kommunen von immenser Bedeutung.
Geodaten: Unverzichtbar für Planungen.

Geodaten: Unverzichtbar für Planungen.

(Bildquelle: creativ collection Verlag)

Einen aktuellen Überblick über den allgemeinen Stand der Entwicklung des Geo-Informationswesens im nationalen, europäischen und internationalen Kontext liefert der 2012 erschienene dritte Geo-Fortschrittsbericht der Bundesregierung. Eine solche Darstellung für Kommunen fehlte bislang. Eine entsprechende bundesweite Umfrage unter den Kommunen hat im vergangenen Jahr nun das Kommunale Koordinierungsgremium der Bundesvereinigung der Kommunalen Spitzenverbände (KoKo GDI-DE) in Kooperation mit dem Runder Tisch GIS durchgeführt. Damit wurde die bisherige Lücke nicht nur geschlossen, die Studie liefert darüber hinaus detaillierte Informationen über die Struktur des kommunalen Geo-Informationsmarktes und gibt einen Überblick über den bei den Kommunen existierenden Geodatenschatz. Die Studie ist somit eine wahre Fundgrube für alle Akteure, die sich mit dem kommunalen GIS-Markt beschäftigen. Wichtig sind die „Handlungsempfehlungen für den Einsatz von Geo-Informationen in Kommunen“ zudem im Rahmen der Umsetzung der europäischen Geodaten-Infrastruktur INSPIRE.

Ohne Investitionen geht es nicht

Die Studie beweist eindrucksvoll, dass neben den amtlichen Geobasisdaten der Länder viele Datenbestände, die für nationale und europäische Geodaten-Infrastrukturen wie etwa INSPIRE relevant sind, in den Kommunen erfasst und gepflegt werden. Darüber hinaus zeigt die Studie die Breite der kommunalen Geschäftsprozesse auf, in denen Geo-Informationen zum Einsatz kommen. Sie lassen allerdings auch erkennen, dass die Geodaten-Infrastrukturen heute noch nicht über Verwaltungs- und Ländergrenzen hinauskommen. Nimmt man die Anforderungen an länderübergreifende nationale und europäische Infrastrukturen zum Maßstab, wird deutlich, dass nach einer Klärung und länderübergreifenden Harmonisierung des Begriffs „Betroffenheit der Kommunen“ die anschließende Umsetzung die Kreise, Städte und Gemeinden vor große Anforderungen stellen wird. Den politischen Entscheidungsträgern muss daher klar gemacht werden, dass ohne Investitionen in den Geo-Informationsbereich ein zügiger Ausbau von Geodaten-Infrastrukturen und INSPIRE wesentlich erschwert wird.

Unverzichtbar für die Planung

Der Nutzen von Geodaten ist offensichtlich, da sie unverzichtbar für eine bessere Planung in den Kommunen und ein entscheidender Faktor für erfolgreiches E-Government sind. Die Studie zeigt aber auch, dass vielen Beteiligten das Potenzial und der Mehrwert von Geodaten noch nicht klar sind. Hier besteht erheblicher Kommunikations- und Aufklärungsbedarf. Aufgrund der in Deutschland bestehenden föderalen Struktur, die eine länderübergreifende Zusammenarbeit beim Thema GIS erschwert, ist ein intensiver Austausch zwischen den verschiedenen kommunalen Ebenen sowie den Ländern notwendig, um den Einsatz von Geodaten zu fördern. Hier müssen sich alle Beteiligten enger vernetzen und auch die Wirtschaft besser einbeziehen. Die Studie beweist, dass für eine erfolgreiche GIS-Umsetzung in Kommunen das Betriebsmodell entscheidend ist. Im ländlichen Raum zeichnet sich ein klarer Trend zu interkommunalen Betriebsmodellen ab. Kleinere Gemeinden sollten sich hier am besten unter dem Dach von Landkreisen zusammenschließen. Die größeren Städte, das zeigt die Studie ebenfalls, verfügen bereits über genügend IT-Know-how, um ein Geo-Informationssystem selbst zu betreiben.
Die Ergebnisse der Umfrage bestätigten sich bei zwei Regionalveranstaltungen für Mandatsträger bayerischer Kommunen, die im Mai und Juni 2013 unter dem Motto „Karten statt Worte – warum Geodaten Chefsache sind“ vom Bayerischen Finanzministerium und den Kommunalen Spitzenverbänden veranstaltet wurden. „Weil GIS aber nicht zu den kommunalen Pflichtaufgaben gehört, fehlt in manchen Gemeinden schlicht das Geld, um die schöne neue Geodatenwelt nutzen zu können“, so lautete anschließend das Fazit der Bayerischen Staatszeitung. Eine für die beiden Regionalveranstaltungen durchgeführte Recherche zur Anzahl der GIS-Nutzer ergab für die bayerischen Kommunen eine unerwartet hohe Zahl von insgesamt rund 30.000 Nutzern. Beispielhaft sind die Zahlen der GIS-Nutzer in den beiden Interkommunalen Geo-Informationssystemen Neu-Ulm (insgesamt 647 Nutzer) und Landkreis Kulmbach (insgesamt 416 Nutzer). Diese Zahlen sind der beste Beweis für den großen Nutzen von Geodaten in Kommunen. GIS sollen in Zukunft verstärkt auch im Rahmen der Energiewende eingesetzt werden. Damit dürfte sich die Zahl der Nutzer weiter erhöhen.

Bundesweite Strategie

Inzwischen gibt es den Handlungsempfehlungen der Studie folgend auf bundesweiter Ebene bereits Ansätze für eine stärkere Vernetzung der Kommunen mit der Infrastruktur GDI-DE. Sigrid Koneberg, Mitinitiatorin der Umfrage und Leiterin des Städtischen Vermessungsamtes München, berichtet: „Das Leitungsgremium GDI-DE hat eine Arbeitsgruppe gebildet, die eine bundesweite einheitliche Geo-Informationsstrategie entwickeln soll. Damit kann eine gute Grundlage geschaffen werden, alle Belange zu berücksichtigen und zugleich verbindliche Rahmenbedingungen zu generieren, die dazu beitragen, die übergreifende Zusammenarbeit weiter zu verbessern.“
Anfang der 1980er-Jahre zählten die Kommunen, vor allem die großen Städte, zu den Pionieren der GIS-Entwicklung in Deutschland. Heute bilden sie aufgrund ihres breiten Anwendungsspektrums eines der dynamischsten Marktsegmente im nach wie vor stark wachsenden Geo-Informationsmarkt. Während früher der Pioniergeist einzelner kommunaler Entscheidungsträger ausschlaggebend war, um den GIS-Einsatz voranzutreiben, bestimmt in der gegenwärtigen Aufbauphase von nationalen und europäischen Geodaten-Infrastrukturen ein verwaltungs- und länderübergreifendes Denken und Handeln aller Akteure das Entwicklungstempo für den weiteren GIS-Einsatz und das E-Government in Kommunen.

Professor Dr. Matthäus Schilcher ist Vorstandsvorsitzender des Runder Tisch GIS e.V. an der TU München.




Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Geodaten-Management
Screenshot des Sozial-Dashboards.

Hanau: Sozial-Dashboard zum Arbeitsmarkt

[13.03.2026] Mit einem Sozial-Dashboard will die Stadt Hanau ihre Arbeitsmarktpolitik künftig datenbasiert und zielgerichtet steuern. Das Analysewerkzeug basiert auf einem Geo-Informationssystem (GIS) und erlaubt eine kleinräumige Auswertung. mehr...

Screenshot digitaler Zwilling Rhein-kreis Neuss

Rhein-Kreis Neuss: Digitaler Zwilling vorgestellt

[10.03.2026] Auf dem Smart City Summit Niederrhein hat der Rhein-Kreis Neuss seinen Digitalen Zwilling präsentiert. Die Besonderheit: Im Rahmen des interkommunalen Projekts arbeitet der Kreis gemeinsam mit den angehörigen Kommunen an einem digitalen, dreidimensionalen Abbild der realen Welt. mehr...

Screenshot aus der WebGIS-Anwendung, in der Mitte eine in Gelb und Blau gehaltene Luftaufnahme eines Siedlungsgebiets, rechts und links Panels mit Eintellungen und Legende.

Niedersachsen: Entsiegelungskataster mit KI

[26.02.2026] Das Landesamt für Geoinformation und Landesvermessung Niedersachsen hat ein digitales, KI-gestütztes Entsiegelungskataster freigeschaltet. So soll die kommunale Entsiegelungsplanung unterstützt werden. Kommunen werden beim Einstieg in das System begleitet. mehr...

Blick auf das Landratsamt Dingolfing-Landau von oben.

Kreis Dingolfing-Landau: Erfolgreicher GIS-Start mit allen Kommunen

[23.02.2026] Der Kreis Dingolfing-Landau hat mit seinen Gemeinden die Grundlage für ein gemeinsames Geo-Informationssystem (GIS) geschaffen. Die bayerischen Kommunen sind dafür auf das webbasierte RIWA GIS-Zentrum (RGZ) umgestiegen. Dabei sorgten individuell konfigurierte Starterpakete für eine reibungslose Einführung in den Verwaltungen. mehr...

Screenshot einer Stadtansicht von Mosbach in NOKmaps.

Neckar-Odenwald-Kreis: Neues Bürger-GIS NOKmaps

[20.02.2026] Unter NOKmaps bietet der Neckar-Odenwald-Kreis den Bürgerinnen und Bürgern ein neues Geo-Informationssystem an. Sie finden hier unter anderem vorbereitete interaktive Karten zu unterschiedlichen Themen, dreidimensionale Ansichten und Auswertungswerkzeuge, die sie kostenfrei nutzen können. mehr...

Screenshot Digitaler Zwilling Haar

Haar: 3D-Stadtmodell wird erweitert

[11.02.2026] Beim Ausbau ihres 3D-Stadtmodells wird die bayerische Stadt Haar von GIS-Anbieter RIWA unterstützt. Für dieses Jahr sind zahlreiche Ergänzungen geplant. mehr...

3D-Stadtmodell der Stadt Weinheim

Weinheim: Interaktives 3D-Stadtmodell

[10.02.2026] Die Stadt Weinheim hat ein 3D-Stadtmodell in ihr Geoportal integriert und lässt sich damit digital jetzt aus neuen Perspektiven erleben. mehr...

Screenshot des Calwer GIS-Portals.

Kreis Calw: Neues Geoportal mit Terratwin

[29.01.2026] Um komplexe Daten transparent und einfach zugänglich zu machen, hat das Landratsamt Calw sein Geo-Informationssystem (GIS) auf die Plattform Terratwin umgestellt. Die Lösung des gleichnamigen Anbieters ist auf allen Endgeräten und somit auch mobil nutzbar. mehr...

Screenshot des Wiesbadener Baustellenmelders.

Wiesbaden: Digitaler Zwilling mit Baustellenüberblick

[13.01.2026] Wiesbaden hat den Digitalen Zwilling der Stadt um den Baustellenmelder ergänzt. Somit erhalten die Bürgerinnen und Bürger wichtige Informationen rund um aktuelle und geplante Baustellen über eine zentrale Plattform. mehr...

Braunschweig, städtischer Platz mit historischen Bauten aus der Froschperspektive

Braunschweig: Warum heißt die Straße so?

[12.01.2026] Das Geoportal der Stadt Braunschweig bietet einen neuen Service. Neben Daten zu Schulradwegen, Starkregenfolgen, Stadtbäumen und weiteren Themen liefert es nun Hintergründe zu Straßennamen. Per QR-Code am Straßenschild sollen diese in Zukunft auch direkt vor Ort abrufbar sein. mehr...

3D-Modell zeigt Darmstadt aus der Vogelperspektive.

Darmstadt 3D: Grundgerüst für Urbanen Zwilling

[16.12.2025] Von Darmstadt gibt es jetzt ein maßstabsgetreues dreidimensionales Modell mit hoher Detailtiefe. In der browserbasierten Anwendung lassen sich beispielsweise Entfernungen und Flächen messen, Schattenwürfe simulieren oder Sichtbarkeiten analysieren. Perspektivisch bildet sie das Grundgerüst für einen Urbanen Digitalen Zwilling. mehr...

Screenshot vom Digitalen Zwilling der Stadt Karlsruhe.

Karlsruhe: Digitaler Klimazwilling

[02.12.2025] In Karlsruhe soll die Klimafolgenanpassung messbar, vorausschauend und smart gestaltet werden. Mit diesem Ziel baut die Stadt im Projekt Sensor City einen Digitalen Klimazwilling auf, der Geodaten und die Messwerte von Internet-of-Things-Sensoren nutzt.  mehr...

Drohnenvermessung des Ruderatshofener Gemeindegebiets Apfeltrang.

Ruderatshofen: Drohnenvermessung für Hochwasserschutz

[27.11.2025] Ruderatshofen will besser auf Starkregenereignisse und Überflutungen vorbereitet sein. Damit geeignete Schutzmaßnahmen erkannt werden können, hat GIS-Anbieter RIWA ein 3D-Geländemodell vom Gemeindegebiet und den umliegenden Flächen erstellt. Dank Drohnentechnologie konnten 19 Hektar Land innerhalb eines Tages erfasst werden. mehr...

Blick in den vollen Konferenzsaal der Esri Konferenz 2024

Esri Konferenz 2025: GIS eröffnen neue Perspektiven

[21.11.2025] Dass Geo-Informationssysteme die Schlüsseltechnologie für eine nachhaltige Zukunft sind, soll auf der diesjährigen Esri Konferenz (26. bis 27. November 2025, Bonn) in über 100 Fachvorträgen, Live-Demos und Tech-Sessions demonstriert werden. Im Fokus stehen neueste Entwicklungen in den Bereichen Digitalisierung, GeoAI, Digital Twins, Earth Intelligence und Enterprise IT. mehr...

Reinhard Kofler ist Geschäftsführer der RIWA GmbH, das Bild zeigt ihn auf dem Messestand des Unternehmens auf der Kommunale in Nürnberg.
interview

Interview: Das Gold der Kommunen

[12.11.2025] Das Unternehmen RIWA, Spezialist für Geoinformationen, war auf der Messe Kommunale mit dem neuen Slogan „Daten gestalten Zukunft“ vertreten. Im Gespräch mit Kommune21 erklärte Geschäftsführer Reinhard Kofler, warum Daten das wichtigste Gut der Kommunen sind und wie aus ihnen konkrete Mehrwerte entstehen. mehr...