Freitag, 20. März 2026

Baden-WürttembergMaßstäbe für kommunale IT

[03.07.2018] Die baden-württembergischen Kommunen haben jetzt nur noch einen IT-Dienstleister. Die Fusion der drei kommunalen Rechenzentren und der Datenzentrale Baden-Württemberg zu ITEOS ist abgeschlossen.

In Baden-Württemberg ist ein neuer kommunaler IT-Dienstleister am Start. Nach mehrjährigen Vorbereitungen ist die Fusion der Kommunalen Datenverarbeitung Region Stuttgart (KDRS), der Kommunalen Informationsverarbeitung Reutlingen-Ulm (KIRU), der Kommunalen Informationsverarbeitung Baden-Franken (KIVBF) und der Datenzentrale Baden-Württemberg (DZBW) abgeschlossen. Zum 1. Juli 2018 hat nun ITEOS den Betrieb aufgenommen. An der Anstalt des öffentlichen Rechts ist der eigens dafür gegründete kommunale Gesamtzweckverband 4IT mit 88 Prozent beteiligt, das Land Baden-Württemberg hält 12 Prozent.

Ein Ansprechpartner für das Land

Auf einer Pressekonferenz in Böblingen am gestrigen Montag (2. Juli 2018) zeigte sich der baden-württembergische Chief Information Officer (CIO) Stefan Krebs erleichtert über den Zusammenschluss. Er habe nun nur noch einen Ansprechpartner, wenn es um die IT-Kooperation von Land und Kommunen gehe. Für Krebs ist die Fusion ein wichtiger Beitrag zur Digitalisierungsstrategie digital@bw, zu deren Schwerpunkten auch die Verwaltung 4.0 zählt (wir berichteten). Der Landes-CIO zeigte sich überzeugt, dass ITEOS in Deutschland Maßstäbe bei der kommunalen IT setzt. Immerhin seien 98 Prozent der 1.100 Kommunen im Land Mitglied des Zweckverbands 4IT. Die jetzt fusionierten IT-Dienstleister versorgten als kommunaler Datenverarbeitungsverbund seit mehreren Jahrzehnten fast alle baden-württembergischen Kommunen mit IT-Services.

Bundesweite Mission

Die Mission des neuen kommunalen IT-Dienstleisters für Baden-Württemberg umriss Vorstandsvorsitzender William Schmitt so: „ITEOS berät und begleitet die Kunden in eine zunehmend technologiebasierte Zukunft mit eigenen cloudbasierten Lösungen zum Nutzen der Bürger und der Gesellschaft.“ Dabei wolle ITEOS als Spezialist für die Digitalisierung des öffentlichen Sektors in ganz Deutschland agieren. Der bisherige Chef der Kommunalen Informationsverarbeitung Baden-Franken kündigte an, dass die KIVBF-Cloud die Basis für die Bereitstellung von IT-Diensten bilde. Die Lösung soll zu einem Community-Modell ausgebaut werden. Ziel sei es, weitere kommunale Lösungen oder Verfahren von Drittanbietern über die Cloud-Plattform anzubieten. Zudem sollen Kommunen künftig ihren gesamten IT-Betrieb an ITEOS auslagern können. Für Vorstandsmitglied Andreas Pelzner ist die wesentliche technische Herausforderung für ITEOS die Umstellung auf SAP HANA. Pelzner, der bislang der Datenzentrale Baden-Württemberg vorstand, rechnet damit, dass die Verfahren für das kommunale Finanz- und Personal-Management bis zum Jahr 2021 auf der neuen SAP-Technologie basieren.

Skaleneffekte und Einsparungen

Metzingens Oberbürgermeister Ulrich Fiedler, Verwaltungsratsvorsitzender von ITEOS, nannte auf der Pressekonferenz die Vorteile der Fusion: Der neue kommunale IT-Dienstleister könne für einen besseren Service und eine höhere Leistungsfähigkeit mit Kostenvorteilen für die kommunalen Kunden sorgen. Zudem werde die Wettbewerbsfähigkeit am kommunalen IT-Markt gesteigert. Nicht zuletzt sollen durch die Fusion Synergieeffekte und Einsparungen realisiert werden. In den kommenden fünf Jahre sollen nach den Worten von Fiedler insgesamt 25 Millionen Euro eingespart werden. Möglich werde dies durch Skaleneffekte in den Prozessen und bessere Konditionen im Einkauf. Für den OB der Outlet-Stadt Metzingen ist jedenfalls klar, dass der Zusammenschluss eine große Chance für die baden-württembergischen Kommunen ist, die digitale Revolution zu meistern.

Alexander Schaeff


Stichwörter: Politik, Baden-Württemberg


Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Politik
Digitalstrategie SH 2026

Schleswig-Holstein: Digitalstrategie 2026 vorgestellt

[19.03.2026] Schleswig-Holstein hat seine neue Digitalstrategie beschlossen. Erstmalig waren zentrale Partner aus Kommunen und Zivilgesellschaft systematisch in den Strategieprozess eingebunden, um einen breiten gesellschaftlichen Ansatz zu ermöglichen. mehr...

Vier lächelnde Männer in Anzügen sitzen nebeneinander an einem Holztisch, vor sich Dokumente, hinter sich drei drapierte Flaggen (EU; BRD, Baden-Württemberg)

Baden-Württemberg: Gemeinsam schneller digital

[18.03.2026] In Baden-Württemberg haben Land und Kommunen eine neue – die inzwischen dritte – E-Government-Vereinbarung unterzeichnet. Das Land will den Roll-out von Verwaltungsleistungen in den Kommunen mit weiteren zehn Millionen Euro finanzieren. mehr...

Porträtaufnahme von Milen Starke.

Thüringen: Land unterstützt Kommunen intensiv

[17.03.2026] Ein neuer Prüfbericht des Thüringer Rechnungshofs sieht beträchtliche Defizite bei der OZG-Umsetzung und der Digitalisierung der kommunalen Verwaltung. In einer Stellungnahme erläutert das Digitalministerium, wie das Land Kommunen unterstützt. mehr...

Spielwürfel mit aufgedruckten Pfeilen weisen den Weg hin zu einem Würfel mit grünem Häkchen.
bericht

Verwaltungsdigitalisierung: Lehren für die Zukunft ziehen

[12.03.2026] In 25 Jahren Verwaltungsdigitalisierung mangelte es nicht an ehrgeizigen Zielen. Diese wurden aber trotz der nötigen finanziellen Ressourcen häufig verfehlt. Aus den Erfahrungen der Vergangenheit können Lehren für aktuelle Projekte gezogen werden. mehr...

Luftbild von Meschede

Hochsauerlandkreis: Weichenstellung für die Zukunft

[11.03.2026] Im Hochsauerlandkreis will ein neuer Ausschuss für Digitalisierung und Verwaltungsmodernisierung für Zukunftsfähigkeit sorgen. In der Auftaktsitzung befassten sich die Ausschussmitglieder intensiv mit dem aktuellen Stand der Verwaltungsdigitalisierung und dem Ausbau der Breitband- und Mobilfunkinfrastruktur. mehr...

Porträtaufnahme von Nikolaus Reisel.
interview

Digitalisierung: Wiens sozialer Auftrag

[10.03.2026] Technologie soll Freiheit schaffen – nicht einengen, sagt Nikolaus Reisel. Kommune21 sprach mit dem Head of Platform der Stadt Wien über digitalen Humanismus, offene Standards und den Einsatz von KI in der Verwaltung der österreichischen Hauptstadt. mehr...

Blick von hinten auf eine männliche Figur im Anzug, die in einem Tunnel aus Papieren steht, am Ende des Tunnels ist Licht.

Hessen: Standardbefreiung online beantragen

[09.03.2026] Hessens Kommunen sollen die Möglichkeit haben, neue Wege der Aufgabenerfüllung zu erproben. Die so genannte Standardbefreiung erlaubt es kommunalen Körperschaften, von landesrechtlichen Regelungen abzuweichen, um Abläufe zu modernisieren und Bürokratie abzubauen. Dazu gibt es jetzt einen unkomplizierten Online-Antrag. mehr...

Die Präsidenten von Deutscher Städtetag, Deutscher Landkreistag und Deutscher Städte- und Gemeindebund vor Mikrofonen

Spitzenverbände: Kommunale Handlungsfähigkeit sichern


[06.03.2026] Die kommunalen Spitzenverbände warnen vor der Handlungsunfähigkeit von Städten, Landkreisen und Gemeinden. Bund und Länder müssten dringend Maßnahmen ergreifen, sollen die kommunalen Haushalte nicht vollständig kollabieren. mehr...

NExT/DigitalService: Nachhaltige Verwaltungsmodernisierung

[05.03.2026] Eine gemeinsame Veröffentlichung von NExT und dem DigitalService des Bundes zeigt Wege zu einer wirksamen Verwaltungsdigitalisierung. Dabei wird deutlich: Nachhaltige Effekte und eine echte Digitalrendite entstehen vor allem durch die gezielte Modernisierung der Verwaltungsstrukturen. mehr...

Reihe von Autos, die in einer Straße parkt,, der Bildhintergrund ist unscharf.

DStGB: Praxisnaher Rahmen für Parkraumkontrolle

[02.03.2026] Die Kommunalen Spitzenverbände äußerten sich bei einer Anhörung im Bundestag zu geplanten Gesetzesänderungen, die auch die digitale Parkraumkontrolle betreffen. Sie fordern unter anderem eine praxisgerechte, flexible und technologieoffene Umsetzung ohne zusätzliche Bürokratie. mehr...

Drei offensichtlich gut gelaunte, lachende Männer in formaler Kleidung vor einem Tisch mit Dokumenten, warme Farbstimmung im Bild.

Hessen: Land und Kommunen gestalten Zukunft

[23.02.2026] In Hessen haben das Land und die Kommunalen Spitzenverbände den Zukunftspakt vereinbart, um die kommunale Selbstverwaltung zu stärken. Dies soll durch den Abbau bürokratischer Lasten, eine faire Finanzierung und engere Zusammenarbeit der Ebenen bei der Digitalisierung erreicht werden. mehr...

Porträtaufnahme von Milen Starke.
interview

Thüringen: Digitalisierung auf Kurs

[17.02.2026] Platz vier im Bundesvergleich, Vorreiter bei digitaler Souveränität und Open Source sowie klare Pläne für 2026 – was hinter den Zahlen steckt und wo Thüringen bewusst andere Wege geht, erläutert Landes-CIO Milen Starke im Interview. mehr...

Frankfurt am Main: Neues Transformation Office

[16.02.2026] In Frankfurt am Main übernimmt nun das Transformation Office die Steuerung der Digitalisierungsvorhaben in der Verwaltung. Wurden die Projekte bislang überwiegend dezentral realisiert, sollen diese fortan beim Transformation Office gebündelt und so effizienter und wirkungsvoller umgesetzt werden. Das Office arbeitet mit allen Ämtern der Stadt zusammen. mehr...

Zwei Personen unterzeichnen eine Absichtserklärung

Heidelberg / Hochschule Ludwigsburg: Theorie und Praxis verzahnen

[09.02.2026] Mit dem Ziel, die digitale Modernisierung der Verwaltung voranzutreiben, haben die Stadt Heidelberg und die Hochschule Ludwigsburg jetzt eine Kooperation vereinbart. Geplant sind regelmäßige gemeinsame Forschungsprojekte, aus denen sich Best-Practice-Beispiele auch für andere Kommunen ableiten lassen. mehr...

Wehende Flagge des Landes Schleswig-Holstein vor schwach bewölktem Himmel.

Schleswig-Holstein: Konsequent digital

[28.01.2026] Von Anlagengenehmigung bis zum Wohngeld: Schleswig-Holstein setzt den Roll-out von Onlinediensten und die Digitalisierung der Verwaltung weiter konsequent um. Ein landeseigenes Digitalisierungs-Dashboard soll die Fortschritte künftig visualisieren. mehr...