Freitag, 31. Juli 2026

WeidenNach ISIS12 zertifiziert

[19.12.2018] Als erste kreisfreie Stadt in Bayern ist Weiden in der Oberpfalz nach dem Regelwerk ISIS12 zur Einführung eines Informations-Sicherheits-Management-Systems (ISMS) qualifiziert. Der Zertifizierung gingen umfangreiche Vorarbeiten voraus.
Stadt Weiden ist stolz auf ihre ISIS12-Zertifizierung.

Stadt Weiden ist stolz auf ihre ISIS12-Zertifizierung.

v.l.: Weidens Oberbürgermeister Kurt Seggewiß; Peter Teichmann, Leiter IT-Abteilung; Corinna Hösl, Datenschutzbeauftragte; Reinhold Zangl, Informationssicherheitsbeauftragter

(Bildquelle: Stadt Weiden i.d.OPf.)

Die moderne Verwaltung hat heute umfangreiche und komplexe Aufgaben, deren Bewältigung ohne elektronische Kommunikationsmedien und Informationstechnologie nicht mehr denkbar ist. Damit verbunden war und ist aber immer auch die Frage nach einem angemessenen Schutz der Bürgerdaten.
Die Stadt Weiden in der Oberpfalz hat sich dieser Herausforderung gestellt. Hier misst man der Informationssicherheit einen hohen Stellenwert bei. Das Bayerische E-Government-Gesetz (BayEGovG) und die seit Mai dieses Jahres geltende Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) bestärkten die Kommune in dieser Hinsicht.
Weiden ist nun die erste kreisfreie Stadt in Bayern, die von der Deutschen Gesellschaft zur Zertifizierung von Managementsystemen (DQS) nach dem ISIS12-Regelwerk für Informationssicherheit zertifiziert ist. Nach eineinhalb Jahren Arbeit konnte Anfang Juni 2018 durch eine Auditorin von DQS die Überprüfung erfolgen. Der Zertifizierung vorausgegangen waren Monate intensiver Arbeit. Dabei stand dem Kern-Team, bestehend aus dem IT-Leiter, dem Informa­tionssicherheitsbeauftragten (ISB) sowie der Datenschutzbeauftragten der Stadt Weiden, mit BSP-Security ein kompetenter externer Berater zur Seite. Wann immer es nötig war, wurde das Kern-Team zudem um Kollegen aus den Fachabteilungen der Stadtverwaltung ergänzt, etwa aus der Hochbauabteilung oder dem Gebäude-Management. Insgesamt waren 18 Personen in den ISIS12-Zertifizierungsprozess involviert, und es fanden allein 22 Meetings mit dem externen Berater statt.

Leitlinie zur Informationssicherheit

Den Startschuss für die Zertifizierung bildete die Unterzeichnung der Leitlinie zur Informationssicherheit durch Weidens Oberbürgermeister Kurt Seggewiß. Die Leitlinie macht deutlich, welch hohen Stellenwert die Leitungsebene des Rathauses der Informationssicherheit beimisst.
Für die Einführung eines nach ISIS12 zertifizierten Informations-Sicherheits-Management-Systems (ISMS) haben sich die Verantwortlichen der Stadt Weiden nach Angaben von Peter Teichmann, IT-Leiter der Stadtverwaltung, bewusst entschieden – obwohl die Kommune bereits über einen hohen technischen Sicherheitsstandard verfügte. „Mit der erfolgreichen Zertifizierung haben wir nicht nur einen Nachweis für unsere Bürger, dass wir mit großer Sorgfalt mit den Daten umgehen, sondern können auch belegen, dass wir den aktuellen gesetzlichen Anforderungen und Bestimmungen gerecht werden“, erklärt Teichmann.
ISIS12 stellt ein Modell zur Einführung eines ISMS in zwölf Schritten dar, das der IT-Planungsrat und die kommunalen Spitzenverbände offiziell für den Einsatz in der kommunalen Sicherheit empfohlen haben. Dabei geht es nicht allein um Sicherheit in der Informationstechnik, sondern auch um bauliche Maßnahmen und organisatorische Abläufe in der Verwaltung. Eine zentrale Stellung in der Informationssicherheit nimmt zudem der Faktor Mensch ein – er hat inzwischen die technischen Gegebenheiten als beliebtestes Angriffsziel überholt. Die eigenen Mitarbeiter stellen somit eine wertvolle Ressource zum Schutz sensibler Informationen dar.

Modulares Schulungskonzept

Bei der Stadt Weiden wurde daher ein modulares Schulungskonzept erstellt, um durch verschiedene Sensibilisierungsmaßnahmen den Faktor Mensch zu einer Stütze des Informationssicherheitskonzepts werden zu lassen. Unter anderem wurden in 14 Präsenzschulungen annähernd 400 Mitarbeiter geschult, vom Sachbearbeiter bis hin zum Oberbürgermeister. In einem weiteren Schritt wurde die komplette Dokumentationsstruktur überdacht und die dafür erforderlichen Rahmendokumente erstellt oder angepasst. Einen enormen Aufwand stellte dabei die Überführung der vorhandenen Dokumentationen in ein gut strukturiertes IT-Betriebshandbuch dar. Dabei stand alles auf dem Prüfstand, angefangen von den Namenskonventionen bis hin zum komplexen IT-Notfallhandbuch mit den für die Stadt Weiden individuellen und spezifischen Gegebenheiten.
Da Kommunen für eine Vielzahl von Aufgabenbereichen zuständig und verantwortlich sind, wurde ein eigenes EDV-Verfahren zur Software-Verwaltung erstellt. In diesem Verfahren sind alle Informationen für ein effizientes Software-Verzeichnis abgelegt. Neben der Anpassung und Dokumentation der Software und verschiedener Ablaufprozesse waren auch diverse bauliche Maßnahmen nötig, um alle gesetzlichen Vorgaben zu erfüllen – so etwa der Einbau neuer Tiefgaragentore.

Kontinuierliche Weiterentwicklung

Die Zertifizierung versteht die Stadt Weiden nicht als einmalige Sache. Das dem Sicherheitskonzept zugrunde liegende PDCA-Prinzip (PDCA steht für das Englische Plan, Do, Check, Act; Planen, Tun, Überprüfen, Umsetzen) überwacht kontinuierlich die Aktualität und die wirksame Umsetzung der noch offenen Sicherheitsmaßnahmen im Sinne einer Revision. Das ISMS ist nach dem ersten Durchlauf etabliert und wird durch interne und optional externe Audits permanent fortgesetzt und weiterentwickelt.

Reinhold Zangl ist Informationssicherheitsbeauftragter der Stadt Weiden in der Oberpfalz.




Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: IT-Sicherheit
Person mit neongelbem Regenzeug von hinten, auf dem Rücken steht in schwarzer Schrift: Security

Niedersachsen: IT-Sicherheitszentrum für Kommunen

[28.07.2026] Niedersachsen stärkt den Cyberschutz seiner Verwaltung mit zwei Bausteinen: Das Land investiert in Lizenzen für den KI-gestützten Schutzschirm Aegis und lässt von fünf kommunalen IT-Dienstleistern ein gemeinsames IT-Sicherheitszentrum aufbauen, das Kommunen unterstützen soll. mehr...

Leipzig: Cyber-Angriff auf IT-Dienstleister Lecos

[23.07.2026] Ein Cyber-Angriff auf den Leipziger IT-Dienstleister Lecos wurde frühzeitig erkannt und gestoppt. Die Stadt und Lecos selbst setzen auf transparente Kommunikation und teilten mit, dass lediglich dienstliche Kontakt- und technische Verzeichnisdaten abgeflossen seien. Die IT-forensischen Untersuchungen dauern an. mehr...

Gruppenfoto vor deutscher und estnischer Flagge.

Bonn/Estland: Von den Besten lernen

[21.07.2026] Estland gilt europaweit als Vorreiter für digitale Innovation und Cyber-Sicherheit. Bonn und der Rhein-Sieg-Kreis wollen die Zusammenarbeit mit dem baltischen Staat ausbauen und dabei insbesondere den geplanten Cyber Campus Region Bonn voranbringen. mehr...

Miniatur-Rettungsring auf einer Tastatur

ITEBO: Auch im Ernstfall arbeiten können

[16.07.2026] Um den Verwaltungsbetrieb auch im Krisenfall aufrechthalten zu können, sollten Kommunen einen vorbereiteten Notfallarbeitsplatz vorhalten. Eine solche Lösung bietet unter anderem ITEBO an. mehr...

Illustration zum Thema Cybersicherheit: Im Vordergrund sitzt eine dunkel gekleidete Person mit tief ins Gesicht gezogener Kapuze vor einem Laptop. Im Hintergrund sind schemenhafte Silhouetten von Menschen zu sehen, die miteinander sprechen oder arbeiten. Überlagerte digitale Elemente und eine angedeutete Stadtlandschaft in Blau- und Grautönen vermitteln den Eindruck einer vernetzten digitalen Welt und symbolisieren die Bedrohung durch Cyberangriffe auf Organisationen und Verwaltungen.
bericht

Komm.ONE: Cyber-Sicherheit wird zur Daueraufgabe

[29.06.2026] Der IT-Dienstleister Komm.ONE warnt beim Cybersicherheitstag 2026 vor zunehmender Professionalisierung der Angreifer. Prävention, Zusammenarbeit und Künstliche Intelligenz gewinnen an Bedeutung. mehr...

Bild in Blautönen: Junger Mann in Office-Umgebung stützt Kopf in Hand, un ihn herum eingeblendet Icons für Dokumente und Daten und Vernetzung

CSBW: Neues Handbuch für IT-Notfälle

[23.06.2026] Für Verwaltungen bestehen jederzeit Risiken für Sicherheitsvorfälle und Datenschutzverletzungen – mit möglichen schweren Folgen. Die Cybersicherheitsagentur Baden-Württemberg unterstützt Land und Kommunen mit neuen Angeboten, ein belastbares Informationssicherheits-Managementsystem aufzubauen. mehr...

Etwas düster wirkende Bühne mit der obligaten Großprojektion, davor Personen in förmlicher Business-Kleidung in Gruppenfopto-Aufstellung

BSI/NExT: Drei Projekte für mehr Sicherheit

[22.06.2026] Den InfoSec Impact Award von BSI und NExT erhielten drei herausragende IT-Sicherheitslösungen aus dem Public Sector, die sich mit Software-Lieferketten, Cyber-Trainings und interkommunaler Zusammenarbeit befassen. Die Projekte werden als Best Practices veröffentlicht und der Fachöffentlichkeit vorgestellt. mehr...

Im Homeoffice für Cyber-Sicherheit sensibilisieren.

Schleswig-Holstein: Maßnahmenpaket für Cyber-Sicherheit

[01.06.2026] Schleswig-Holstein baut die Cyber-Sicherheit für Land und Kommunen aus. Zum Schutzschirm gehören unter anderem ein erweitertes Schwachstellenmanagement, mobile IT für Krisenlagen und Vor-Ort-Supportteams. Digitale souveräne Arbeitsplätze und IT-Infrastruktur sichern Behörden weiter ab. mehr...

Blick in einen Vortragssaal auf der SaarSecurity Roadshow

eGo-Saar: Erfolgreiche SaarSecurity Roadshow

[27.05.2026] In einer gemeinsamen Veranstaltungsreihe haben der Zweckverband eGo-Saar und das saarländische Wirtschaftsministerium über NIS2, IT-Notfallmanagement und digitale Resilienz informiert. Bei den Kommunen stieß die SaarSecurity Roadshow 2026 auf großes Interesse. 
 mehr...

G-DAta_leitzgen_bölting_porträt
interview

Cyber-Sicherheit: Kommunen sind leichte Beute

[12.05.2026] Wie Städte und Kreise ihre IT trotz Fachkräftemangel wirksam vor Cyber-Kriminellen schützen können, erläutern im Interview Kira Groß-Bölting und Jan Leitzgen vom Computer Security Incident Response Team (CSIRT) des Unternehmens G DATA Advanced Analytics. mehr...

BSI: Frühwarnsystem für Cyber-Sicherheitsvorfälle

[30.03.2026] Angesichts der angespannten Cyber-Sicherheitslage stärkt das BSI die Reaktionsfähigkeit gegen IT-Sicherheitsvorfälle. Mit den öffentlichen IT-Dienstleistern von Ländern und Kommunen soll der Einsatz von Datensensorik ausgebaut werden – als Grundlage für Echtzeitanalysen und erster Schritt Richtung Cyberdome. mehr...

Markus Bauer (Landrat Salzlandkreis), Hendrik Nitz (Chief Governance Officer GISA GmbH), Dirk Helbig (Stabsstellenleiter und CDO / CIO Salzlandkreis)
(Quelle: GISA GmbH)

Salzlandkreis: IT digital resilient machen

[04.03.2026] Um die digitale Resilienz seiner Verwaltung nachhaltig zu erhöhen, setzt der Salzlandkreis auf eine umfassende Sicherheitsinitiative. Unterstützt wird die Kommune dabei von dem Unternehmen GISA. mehr...

Meeting im Büro, Person am Kopfende des Tisches sieht sehr angespannt aus, die anderen sind unscharf (Bewegungsunschärfe)

CSBW: IT-Notfallübung für Krisenstäbe in Kommunen

[02.03.2026] Die Cybersicherheitsagentur Baden-Württemberg (CSBW) bietet Kommunen IT-Notfallübungen an. Unter realistischen Bedingungen werden Krisenstab, Krisenkommunikation und IT-Notfallhandbuch geübt, anschließend erhalten die Teilnehmenden einen individuellen Maßnahmenplan. Termine für 2026 sind ab sofort buchbar. mehr...

Kommunen benötigen einen Notfallplan für Cyber-Attacken.

Hessen: Neue Angebote für kommunale Cyber-Sicherheit

[18.02.2026] Angesichts wachsender Cyber-Angriffe erweitert Hessen sein Unterstützungsangebot für Kommunen: Neu sind eine Notfallhilfe bei IT-Ausfällen sowie Trainings zur Sensibilisierung von Beschäftigten. Innenminister Roman Poseck ruft Städte und Gemeinden auf, die kostenfreien Angebote zu nutzen. mehr...

Symbolische Darstellung eines digitalen Schutzschildes gegen Cyberattacken.

Berlin: 12. Kommunaler IT-Sicherheitskongress

[04.02.2026] Die kommunalen Spitzenverbände laden am 27. und 28. April zum 12. Kommunalen IT-Sicherheitskongress (KITS) in einem hybriden Format ein. Die Themen reichen vom Grundschutz++ über Erfolgsmodelle für die kommunale Zusammenarbeit bis hin zu Open Source und Künstlicher Intelligenz (KI). Die Veranstaltung ist kostenfrei. mehr...