Freitag, 6. Februar 2026

NettetalPotenziale früh erkannt

[07.08.2025] Die Stadt Nettetal hat früh erste Schritte gewagt, um praktische Erfahrungen mit dem Einsatz Künstlicher Intelligenz in der Verwaltung zu sammeln – etwa bei der Nutzung eines Chatbots. Die durchdachte KI-Strategie der Kommune basiert dabei auf mehreren Säulen.
Blick von oben auf das Nettetaler Rathaus und umliegende Gebäude.

Stadt Nettetal: Mit Mut und Strategie zu KI-Erfolgen.

(Bildquelle: Stadt Nettetal)

Die im nordrhein-westfälischen Kreis Viersen gelegene Stadt Nettetal verfolgt im Umgang mit Künstlicher Intelligenz (KI) einen pragmatischen Ansatz: Die Stadt sieht KI als wichtiges Werkzeug, aber nicht als Allheilmittel. Und sammelt, während andernorts noch über theo­retische Konzepte diskutiert wird, bereits wertvolle Praxiserfahrungen.
Seit dem Jahr 2023 verfügt die städtische Website über einen KI-gestützten Chatbot. Nettetal setzte als eine der ersten Kommunen Deutschlands auf diese Technologie und erkannte frühzeitig deren Potenzial für den Verwaltungsalltag. Der digitale Assistent – die NetteKI – beantwortet inzwischen täglich etwa zehn Bürgeranfragen, die dadurch nicht mehr bei den Verwaltungsmitarbeitenden landen. Eine spürbare Arbeitsentlastung, die zeigt: Der Chatbot hat sich fest etabliert und ist von der städtischen Webseite nicht mehr wegzudenken.

Der Erfolg motivierte die Stadtverwaltung zu weiteren Innovationen. So wird auch ein spezieller KI-Chatbot für das Ratsinformationssystem genutzt, allerdings zunächst nur verwaltungsintern. Das System liefert schnell quellengestützte Antworten auf Anfragen und schafft damit eine solide Grundlage für die Recherche sowie die weitere Bearbeitung.

Besonders stolz ist die Stadt Nettetal auf ihr KI-Tool, das kompliziertes Verwaltungsdeutsch auf der Webseite per Knopfdruck in Einfache Sprache umwandelt und so die Kluft zwischen Behörden und Bürgern überbrückt. Diese Innovation dient nicht nur dem Komfort, sondern erfüllt eine demokratische Funktion: Wer Informationen nicht versteht, kann nicht gleichberechtigt teilhaben. Das KI-Tool baut somit echte Barrieren im Alltag ab und stärkt das demokratische Miteinander.

KI-Kompass gibt Orientierung

Darüber hinaus hat die Stadt ein Portal auf Open-Source-Basis geschaffen, über das die Mitarbeitenden auf verschiedene Large Language Models (LLMs) zugreifen können. Die Besonderheit: Das System läuft in der stadteigenen Serverinfrastruktur, sodass der städtische Datenschatz datenschutzkonform gehoben werden kann. Für diesen souveränen Umgang mit den eigenen Daten war eine mittlere Investition nötig – hauptsächlich für leistungsstarke Grafikkarten. Fast noch wichtiger waren aber das Know-how und die Experimentierfreude, ein solches Portal eigenständig aufzubauen.

Als Front End kommt OpenWebUI zum Einsatz. Außerdem betreibt die Stadt selbst ein Llama3.3-70B-Modell im eigenen Serverraum. Durch diese Lösung können alle internen Datenbestände souverän verarbeitet werden. Für spezielle Anwendungsfälle werden zusätzlich externe Anbieter per API angebunden. So können die Mitarbeitenden der Nettetaler Verwaltung ohne die Nutzung interner Datenbestände auch die bekannten großen Modelle wie ChatGPT aus dem Internet nutzen, die sich für bestimmte Aufgaben besser eignen. Durch die Abrechnung der externen Anbieter nach Nutzung ist die Stadt hier auch besonders kosteneffizient unterwegs.

In Nettetal hat man jedoch früh erkannt, dass eine erfolgreiche KI-Einführung mehr erfordert als nur moderne Hardware. Das Fundament der städtischen KI-Strategie bildet deshalb ein durchdachtes Framework mit mehreren Säulen. Als Basis dient dabei ein KI-Kompass nach Vorbild der österreichischen Landeshauptstadt Wien. Dieses Orientierungsinstrument setzt Rahmenbedingungen und stellt sicher, dass alle KI-Projekte in Nettetal menschenzentriert bleiben. Die erste Säule „Technik und Daten“ nimmt die gezielte Auswahl und sinnvolle Kombination verschiedener Werkzeuge für spezifische Herausforderungen in den Fokus. Sie soll eine kritische Betrachtung jedes Problems fördern und vor dem Irrglauben schützen, dass KI für alles die Lösung sein muss. Einfache Probleme brauchen weiterhin einfache Lösungen. Zudem ist die Bedeutung von Datenqualität entscheidend – denn KI-Systeme können nur so präzise und verlässlich arbeiten wie die Daten, auf denen sie basieren.

Hilfestellungen für Mitarbeiter

Daneben bildet der Bereich „Kompetenzen und Wissen“ eine zweite entscheidende Säule. Die Stadt investiert gezielt in die Weiterbildung ihrer Beschäftigten und berücksichtigt dabei die unterschiedlichen Wissensniveaus. Im Fokus steht die Vermittlung praktischer Fähigkeiten wie effektives Prompting – die Kunst, KI-Systeme durch präzise Anfragen optimal zu nutzen. Ein besonderes Anliegen ist es der Stadt, ihre Mitarbeitenden zu befähigen, tägliche Arbeitsabläufe kritisch zu betrachten. Sie sollen selbst erkennen können, wo repetitive Aufgaben oder Arbeitshindernisse durch KI-Unterstützung überwunden werden können. Um diese Kompetenzen zu vermitteln, ist ein Methodenmix ratsam: klassische Schulungen, Video-gestütztes Blended Learning, umfangreiche Wissensdatenbanken und Prompt-Bibliotheken. Als besonders wertvoll haben sich zudem Austauschformate wie ein PrompTogether erwiesen. In diesem geschützten Rahmen können sich Mitarbeitende gegenseitig unterstützen und voneinander lernen. Eine kontinuierliche Weiterbildung sollte ebenfalls ein zentraler Bestandteil jeder Strategie sein.

Parallel dazu wird in den technischen Abteilungen spezifisches KI-Fachwissen aufgebaut. Diese Expertise ist unverzichtbar, um fundierte Entscheidungen über Technologien und deren Einsatzmöglichkeiten zu treffen. Auf dieser Basis lassen sich nachhaltige Use Cases und echte Mehrwerte generieren. Fehlt auch nur einer dieser Bausteine, gerät das gesamte Konstrukt ins Wanken.

Für die Zukunft schwebt den Verantwortlichen in Nettetal ein größeres Bild vor: „Wir benötigen über kurz oder lang einen einheitlichen Tech-Stack für KI in den Kommunen“, lautet die Vision. Auf dieser gemeinsamen technischen Basis könnten Städte und Gemeinden eigene Anwendungsfälle entwickeln und diese im Sinne eines Marktplatzes untereinander austauschen.

Diese Herangehensweise würde vermeiden, dass jede Kommune das Rad neu erfinden muss. In Nettetal sieht man darin einen Turbo für Digitalisierungsthemen, bei dem die Last auf mehreren Schultern verteilt wird und dennoch alle profitieren. Ein effizienteres Modell für die digitale Transformation des öffentlichen Sektors ist kaum vorstellbar.

Mit Mut die ersten Schritte gehen

Die Erfahrungen in Nettetal münden in einen klaren Appell an andere Kommunen: Werdet jetzt aktiv. Konkret lautet die Empfehlung, bereits für das kommende Jahr einen festen Betrag von zehn bis 15 Euro pro Nutzer und Monat für KI-Technologien einzuplanen. Diese finanzielle Vorausschau ist entscheidend für die Handlungsfähigkeit. Vor allem aber braucht es Mut, erste Schritte zu gehen und Erfahrungen zu sammeln – wie es in Nettetal mit greifbaren Erfolgen gewagt wurde.

Das Nettetaler Modell zeigt eindrucksvoll, dass KI-Integration in Verwaltungen weder Hexenwerk noch Luxus ist. Mit einem durchdachten Konzept, das Technik, Menschen und organisatorische Strukturen gleichermaßen berücksichtigt, lassen sich spürbare Verbesserungen erzielen – für Mitarbeitende und Bürger gleichermaßen.

Thorsten Rode ist IT-Leiter der Stadt Nettetal.




Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Künstliche Intelligenz
Montage: Schreibtisch, Laptops, Hände von Jacketttragenden Männern, Überlagerung mit diversen IT-Icons

Künstliche Intelligenz: KI-Marktplatz MaKI startet

[04.02.2026] Mit dem bundesweiten KI-Marktplatz MaKI startet eine zentrale Plattform für den Austausch von KI-Anwendungen in der Verwaltung. Der MaKI schafft erstmals einen ebenenübergreifenden Überblick über KI-Anwendungen in Bund, Ländern und Kommunen und erleichtert deren gemeinsame Nutzung. mehr...

Porträtaufnahme von Alexander Stricker.

Künstliche Intelligenz: Avatare für Barrierefreiheit

[03.02.2026] Das Unternehmen alangu hat sich auf die Entwicklung von KI-gestützten 3D-Gebärdensprach-Avataren spezialisiert. Wie diese gehörlosen Menschen den Zugang zur digitalen Welt erleichtern, erläutert Geschäftsführer Alexander Stricker im Kommune21-Interview. mehr...

Mehrere Personen stehen zum Gruppenfoto versammelt auf einer Treppe, halten den Fördermittelbescheid und ein Banner mit der Aufschrift Echtzeit-Frühwarnsystem in den Händen.

Interkommunaler Hochwasserschutz: KI-gestütztes Frühwarnsystem

[30.01.2026] Die Arbeitsgemeinschaft Solidarischer Hochwasserschutz will entlang des Flusses Paar ein Echtzeit-Frühwarnsystem aufbauen, das auf Sensortechnik, Satellitendaten und Künstlicher Intelligenz basiert. Ziel ist eine frühzeitige Warnung der Bürger und Einsatzkräfte über mehrere Plattformen. mehr...

Eine Roboterhand bedient ein Touchdisplay.

KI: In risikoarmer Umgebung testen

[30.01.2026] Kommunen können geplante KI-Anwendungen nun vorab in einer geschützten Umgebung testen. Die von Ewerk Consulting bereitgestellte Infrastruktur basiert auf in Deutschland betriebenen Servern sowie Open-Source-Komponenten. mehr...

Logo Chatbot Düsseldorf

Düsseldorf: Chatbot als Pilot

[29.01.2026] Die Stadt Düsseldorf erweitert ihr Online-Serviceangebot um einen Chatbot. Der digitale Assistent läuft zunächst als befristetes Pilotprojekt und braucht noch einen Namen. Vorschläge aus der Bürgerschaft sind willkommen. mehr...

Eine Frau arbeitet an einem Computer.
bericht

Leipzig: KI-Fuchs spürt Wissen auf

[28.01.2026] Leipzig setzt mit dem KI-Fuchs neue Maßstäbe im Wissensmanagement. Das auf Open Source basierende System kombiniert ein multimodales Sprachmodell mit internem Verwaltungswissen, schafft damit Effizienzgewinne und deckt Bürokratieabbau-Potenziale auf. mehr...

Abstrakte Darstellung einer menschlich aussehenden Künstlichen Intelligenz mit Headset.

Düsseldorf: Voicebot Kira antwortet für’s Steueramt

[26.01.2026] Seit einem guten halben Jahr unterstützt die Künstliche Intelligenz für Rückfragen & Auskünfte Kira das Düsseldorfer Steueramt bei telefonischen Anfragen zur Beherbergungssteuer. Nun wurden die Fähigkeiten der virtuellen Sprachassistentin erweitert, sodass sie auch zur Grundsteuer Auskunft geben kann. mehr...

Illustration: Hände auf einer Laptop-Tastatur, auf dem Screen sieht man einen KI-Bot

Mitarbeiterqualifizierung: Fit für KI

[19.01.2026] Arbeitsentlastung, effiziente Verwaltungsabläufe und besserer Bürgerservice – KI hat das Potenzial, zentrale Herausforderungen des öffentlichen Sektors zu lösen. Ein modulares Qualifizierungsangebot von Ewerk unterstützt Verwaltungsmitarbeitende beim Umgang mit KI-Systemen. mehr...

Eine Person tippt auf einer Tastatur.

Tobit.Software: KI-Serverlösung für KAAW-Kommunen

[14.01.2026] Gemeinsam erleichtern das Unternehmen Tobit.Software und die Kommunale ADV-Anwendergemeinschaft West (KAAW) Kommunen in den Kreisen Borken und Steinfurt die Arbeit mit Künstlicher Intelligenz: Die Verwaltungen erhalten Zugang zum SideKick Server, der verschiedene KI-Sprachmodelle vereint und hohe datenschutzrechtliche Anforderungen erfüllt. mehr...

Eine Person sitzt an einem Laptop, über dessen Tastatur ein Chatbotsymbol schwebt.
bericht

KI-Agenten: Digitale Assistenten

[13.01.2026] KI-Assistenten sollen den Mitarbeitenden in der Verwaltung beim Durchführen von Routinetätigkeiten behilflich sein. Bei einigen Vorreiterkommunen kommen sie bereits zum Einsatz. Die ersten Anwendungen nehmen sich durchaus vielversprechend aus. mehr...

Eine Person hält ein Smartphone in der Hand, auf dessen Bildschirm ein Dialog mit dem Bochumer ChatBOt abgebildet ist. Im Hintergrund ist eine Luftaufnahme der Stadt Bochum zu erkennen.

Bochum: Eigens entwickelter ChatBOt

[12.01.2026] Auf der Bochumer Website unterstützt der neue ChatBOt die Bürgerinnen und Bürger bei der Suche nach Informationen über Dienstleistungen der Stadtverwaltung. Der digitale Assistent ist vollständig intern entwickelt worden und kann dank modernem KI-Ansatz auch natürliche Sprache verstehen. mehr...

käpt`n knut logo hansestadt stade

Stade: Käpt’n Knut nimmt den Dienst auf

[08.01.2026] In der Hansestadt Stade ist jetzt der KI-Chatbot Käpt’n Knut an Bord. Die Verwaltung freut sich über Feedback zu dem Angebot, das perspektivisch auch telefonisch genutzt werden kann. mehr...

Screenshot der Webseite von Hagen in der französischen Version

Hagen: Städtische Internetseite wird polyglott

[07.01.2026] Die Stadt Hagen stellt große Teile ihrer Webseite jetzt auch in fremdsprachiger Version zur Verfügung. Eine komplexe mehrsprachige Seitenstruktur im Back End und aufwendiges Aktualisieren sind dazu nicht notwendig: Zum Einsatz kommt die leicht integrierbare Lösung Conword. mehr...

Zwei Personen halten ein Tablet in der Hand, auf dessen Bildschirm Chatbot BOR.KI zu sehen ist.

Kreis Borken: Chatbot BOR.KI ist im Dienst

[05.01.2026] Auf der Website des Kreises Borken beantwortet jetzt Chatbot BOR.KI die Anfragen der Bürgerinnen und Bürger. Die Künstliche Intelligenz (KI) greift dafür auf die Inhalte der Internetseite zurück und beantwortet Fragen nur zu jenen Dienstleistungen, für die die Kreisverwaltung tatsächlich zuständig ist. mehr...

Ein Schlüsselbund mit einem Anhänger in Paragrafenform liegt auf dem Grundriss eines Gebäudes.
bericht

Rechtsinformationen: Die Informationsflut bändigen

[18.12.2025] Die öffentliche Verwaltung steht vor immer komplexeren Rechtsanforderungen bei gleichzeitig schrumpfenden Personalressourcen. KI-gestützte Lösungen können helfen, Rechtsinformationen automatisch aufzubereiten und in der Fallbearbeitung bereitzustellen. mehr...